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Wir gestalten den Festakt zu 650 Jahre Lindenau am Pfingstsonntag

Ein kleiner Ort feiert ein großes Fest (Pfingstsonntag, der 15. Mai 2016)

650 Jahre urkundliche Erwähnung der Gemeinde Lindenau

In der westlichsten Ecke der Oberlausitz liegt im Windschatten des Schraden und an den Ufern der Pulsnitz der kleine Ort Lindenau, - ein lieblicher Flecken Erde, - betont gesagt (zu unserer Zeit) ein sächsischer Flecken, der seine zurückliegenden 650 Jahre Vergangenheit ganz groß feiern möchte. Wenn wir in vergangenen Jahren beim Schlossfest in Großkmehlen dabei waren, verabsäumten wir nie einen Besuch am Lindenauer Schloss. Dabei erfuhren wir durch einen Einwohner, dass das Schloss (vermutlich auf Art der Treuhand) an einen neuen Eigentümer gegangen sei, der vollmundig eine große Zukunft für das Schloss verkündet hatte und damit alle Welt zu täuschen wusste. Wir bedauerten, dass von Besuch zu Besuch der Verfall fortgeschritten war. Das Dach sah wohl neue Ziegel, aber der Putz bröckelte an allen Ecken etwas mehr, Zugangsbrücken mussten wegen Baufälligkeiten gesperrt werden, der große weiträumige Park verwilderte und die Wege sind schwer begehbar. Der Lindenauer war wie wir über die schlechten Zustände betrübt und ausschlaggebend dafür, dass uns der Ruf aus der Gemeindeverwaltung erreichte: „Dresdner Barockfreunde, - wir brauchen Euch…“. Der nunmehr sechsjährige Kampf mit der Gerichtsbarkeit hat die Lindenauer nicht zermürbt, - auch wenn sie formal wieder Schlossherren sind, aber noch ohne Schlüsselgewalt, sie kämpfen um ihr schönes Wasserschloss, was unverrückbar zur 650jährigen Geschichte des Ortes gehört.

Im Schatten des Schlosses gab es schon 61 Parkfeste und das 2016er Jubiläumsjahr hätte ein Schlossfest sein sollen. Das klappte nicht, aber ein wunderbares und erinnerungswertes Jubiläumsfest hatten die Lindenauer schon im Blick. Vorausgesagt, - es ist ihnen gelungen, auch mit unserer Hilfe. Wir gestalteten am Pfingstsonntag, den 15. Mai 2016 den Festakt in der Dorfkirche und im Festzelt setzten wir wohl gezielte Barocktanzschritte.

Doch ehe dies soweit war, hieß es für die Veranstalter, wie für uns als Mitwirkende, reichlicher Vorbereitungsarbeit. Wir (Regina und B. SCHWABE) waren mehrmals ganz offiziell vor Ort, aber auch ganz privat, so inspizierte auch Werner POHLE, als Kurfürst beim Festakt und Leiter des Barock- und Tanztheaters, die Gegebenheiten. Unsere Zusammenarbeit als TDB- Spitze mit den lokalen Organisatoren Herrn André GÜNTHER und Frau Rosemarie HÄNEL gestaltete sich angenehm und gegenseitig befruchtend. Das kam dann wohl beim Festakt auch zum Ausdruck (trotz der vielen nachgereichten Wortmeldungen).  

Am Morgen des Pfingstsonntags starteten wir SCHWABEs früh und holten Nadin SCHUBERT (Darstellerin der Zarewna) vom Zuhause in Zauckerode ab und unseren Rudi FRITZSCHE (Philipp I. von Orleans) vom Bahnhof. Dann ging es gen sachsennahes Brandenburg. Von der Abfahrt Ortrand sind es dann nur noch ganze 3km bis zum Ort des Geschehens.

Da die Feierlichkeiten schon einige Tagen währten, kamen wir an und gleich hinein ins bunte Festgewimmel. Bald hatten wir dann mit dem Pfarrhaus den richtigen Ort zum Umkleiden gefunden und nach den Musikern trafen dann nach und nach auch alle unsere Mitwirkenden ein.

In der Kirche war der Gottesdienst noch im Gange, was unsere werten Musici mit etwas innerer und äußerer Erregung quittierten, - dabei war ja noch sooo viel Zeit um alles an den richtigen Platz zu bekommen. So war es dann auch. Die Musikinstrumente wurden im Altarraum ebenso platziert, wie das Pult des moderierenden Cämmerers (Bernd SCHWABE) und die Ehrenplätze für Majestät mit Madame en Titre Reichsgräfin Anna Constantia von Cosel (Veneta LORENZ) und den Staatsgästen aus Frankreich und dem Zarenreiche. Vor dem Kirchengestühl stellten wir dann noch die Stühle für den zwanzigköpfigen Hofstaat auf.  

Eine Stellprobe zeigte vor, dass der Einzug von Majestät, Madame, Staatsgästen und dem Hofstaat klappen würde. Als wir das Feld vorläufig räumten, wurden auch schon die Plätze von den Teilnehmern am Festakt eingenommen. Leider hatte an Behindertenplätze niemand gedacht, sodass einige der Hofleute die zwei Stunden des Festaktes stehend verbringen mussten (und es überstanden haben!).

Mit der Begrüßung durch den Cämmerer (Bernd SCHWABE), der den moderierenden Zeremonienmeister gab, wurde der feierliche Festakt 650 Jahre urkundliche Erwähnung Lindenaus eröffnet.

Majestät führte nun Madame, seine Staatsgäste und den Hofstaat, unter musikalischer Begleitung durch das >Kurfürstlich-Sächsische Barockensemble< in die Kirche. Auch Demoiselle Helene GÜNTHERIN war in seinem Gefolge und ihr wurde geboten, vor Majestät das Knie zu beugen. Kurfürst Friedrich August setzte nun seinem liebwerten Landeskind (auch Lindenau gehörte im 18. Jhd. zu Sachsen) die Krone auf, die es nun, gemeinsam mit der Ernennungsurkunde, als 9. Lindenprinzessin ausweisen. Der frischgebackenen Prinzessin Helene wurde die Ehre zuteil, an der Seite des Bruders des Sonnenkönig Ludwig XIV. S.K.H. Philipp I. Herzog von Orleans und Anjou (Rudolf FRITZSCHE) Platz zu nehmen.

Nunmehr begann „Eine Unendliche Geschichte“, - aber Grußworte, - derer viele, gehören wohl zu so einem Festakt und eigentlich untermauern diese nur den Stellenwert der Gemeinde Lindenau. Amtsdirektor Kersten SICKERT, Bürgermeister Jürgen BRUNSCH, Vertreterin des Landrates Frau Grit KLUG, als Vertreter des einst hier residierenden Adels Herr Horst von MINCKWITZ und weitere entboten ihre Grüße, - während die Damen des Ensembles dort vorn am Altar etwas arg fröstelten. Der Festredner Herr Reinhard KIßRO bemerkte das nicht. Er schwelgte in Erinnerungen, die ihm das Herz warm machten.

Farbe ins Programm brachten dann, neben den Akteuren des Ensembles, die ortsansässigen jungen Leute Ella und Richard HÄNEL, sowie Marieke GÜNTHER und Christopher NEIßER mit ihren Musikdarbietungen. Besonders gelungen fanden Publikum und Cämmerer die Darbietung an der Orgel. Das lang anhaltende laute Händegeklapper bestätigten das. Dies auch für „Eine kleine Frühlingsweise“, die die Hofsängerin vorgetragen hat. Auch Madame Heimatverein Frau Rosemarie HÄNEL lockerte mit ihren Vorträgen das Programm aufs angenehmste auf.

Aufgefordert mitzusingen, füllten die Gäste des Festaktes die Heilandskirche mit ihrem Gesang aus. Aurora Gräfin von Königsmarck (Silvia WEISE) und die Hofsängerin (Regina SCHWABE) waren Vorsängerinnen vom „Ännchen von Tharau“. Es kann den Lindenauern und ihren Gästen bescheinigt werden, dass es gut klang und wir selten ein so kräftiges Mitsingen erleben.

Nach dem Überbringen weiterer Glückwünsche und der Übergabe von Geschenken, - die Vertreterin des Landrates hatte (sehr originell!!!) die erste Winterlinde als Geschenk im Gepäck, was sich nun durch weitere Gratulanten fortsetzte, - gab es das Schlusswort. Und begleitet durch die Auszugsmusik des Barockensembles folgte nun der Hofstaat Seiner Königlich-Kursächsischen Majestät aus der Kirche und zu dem Sprung in das bunte Festgewimmel…

Nachdem wir am Vormittag eine Regenfront im Rücken mitgeführt hatten, diese dann aber an der Grenze zu Brandenburg hängen blieb, waren wir guter Hoffnung, trotz der denkbar schlechtesten Wetterprognosen bei unserem Fest ganz ohne Regen auskommen zu können, aber das war nun doch ein Irrtum. Zum Glück bot das Festzelt Platz genug zum Unterschlupf. Der Atmosphäre, die man sich für eine Barocktanzeinlage wünscht, war der laute Andrang im Bierzelt nicht gerade günstig. Aber das Publikum verfolgte die Darbietung unserer Tanzgruppe dennoch mit viel Interesse.

Dem Cämmerer, Prinz Philipp und Baron von Altwahnsdorf (Siegmar JENTZSCH) war der Trubel zu groß und die versprochenen Verpflegungsbons kamen ja auch nicht, sodass sich diese Herren lieber in der etwas sehr wildnishaften Ruhe des Schlossparks ergingen. In herrlicher Hauptblüte stehen dort Unmengen gelb blühender Rhododendron- Büsche. Schon ihnen zuliebe sollte der Gemeinde wieder das Recht und die Gelegenheit zur Pflege ihres Parks übergeben werden. Es könnte (wieder) ein landschaftsgärtnerisches Kleinod werden (der Rezensent, von Beruf Gärtner, weiß wovon er spricht!!!)

Was uns zum Ausklang unseres Mittun beim Lindenauer Jubiläumsfest sehr erfreute, waren die ganz persönlichen Danksagungen von Gästen des Festaktes, - selbst von solchen, die die Feier „nur“ per Videoübertragung im Festzelt erleben konnten. „Wir hätten gern noch etwas mehr von ihrer Musik gehört…“

Und, na klar, - auch die getanzte Soloeinlage von Selina mit ihrer Mutti Jeannette HOFFMANN, aber auch die flotten Darbietungen der Großkmehlener Grundschüler, haben uns sehr gut gefallen.

Am Ende meiner Zeilen möchte ich mich bei der Gemeinde Lindenau und ihrem Bürgermeister Herrn Jürgen BRUNTSCH, sowie den Organisatoren Frau Rosemarie HÄNEL und Herrn GÜNTHER herzlich für die Einladung bedanken. Wenn es wieder mal so klappt, - gerne wieder!

Besonderer Dank geht an unsere Freunde vom AKB, die uns mit ihrer Teilnahme als Hofstaat gut haben aussehen lassen. Auch den Musikern gilt mein Dank. Lindenau war ein Event, an das wir uns noch lange und gern erinnern werden. (Leider konnte ich wegen meines eigenen Mitwirkens keine Fotos vom Festakt machen, was schade ist.) Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 19.05.2016)



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