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Anflanieren für Unentwegte am 27. Februar 2016

Für Unentwegte gab es kein Halten mehr:

Der TDB eröffnet die Dresdner Flaniersaison 2016 (27.Februar)

Jedes Jahr dasselbe, - nach mehrmonatlich- winterlicher Flanierabstinenz treibt es das bunte Völkchen der Barockdarsteller hinaus zum (noch winterlichen) Anflanieren. Allerdings hatten wir TDBer etwas zusätzliche Treibmittel in Anspruch zu nehmen, - d. h., wir brachten es mit Unterstützung aus dem AKB und durch zwei Gäste immerhin auf eine zweistellige Teilnehmerzahl. Wir danken unseren Freunden, die unserer Einladung gefolgt sind. Belohnt wurden sie und wir durch überwiegend strahlende Wintersonne, die uns auf unserem Rundgang durch das Dresdner Barock begleitete und dafür sorgte, dass wir doch recht viele erfreute Besucher im Zwinger und den anderen historischen Orten der Innenstadt trafen.

Pünktlich 13:00 Uhr setzten wir uns am Treffpunkt „Schießhaus“ in Bewegung und wurden von einer Anwohnerin zum Besuch an ihrem renovierten historischen Haus gebeten. Dort wo das Umweltzentrum und die „Brennnesselschänke“ zu finden sind, gab das liebevoll wieder hergerichtete Haus einen schönen Hintergrund fürs obligate Lichtgemälde (Gruppenfoto).

Dann ging es an der riesengroßen Baugrube des Herzogin Garten, - diesem Denkmal Dresdner Einfallslosigkeit, vorbei und von dort zum Zwingerteich. Der Samstag (von unseren Mitgliedern gewünscht) war wohl doch mehr fürs Schoppen als für den Exkurs in die barocke Vergangenheit Dresdens geeicht, - denn wir waren sonst doch mehr Publikum gewöhnt. 

So war der Zwinger recht überschaubar und wir hatten Gelegenheit uns vom Fortgang der umfangreichen Baumaßnahmen hier zu überzeugen.

Wir wollen nicht verhehlen, dass doch immer mal wieder ein recht frisches Windchen aufkam, so dass der frühe Wunsch nach einem aufwärmenden Türkentrank verständlich war. Irgendwer wusste, dass im Zwischenbau von Wall- und Französischem Pavillon vor kurzem eine neue Restauration eröffnet hat. Diese steuerten wir nun an. Das Gebräu der Osmanen wurde uns frisch bereitet und dauerte daher seine Zeit und der Preis der Eierschecke wurde zum Eierschrecke. Da erhoben wir uns, ehe wir ruiniert waren, und warfen einen Blick ins winterlich- trockengelegte Nymphenbad. Erstaunlich wie Permosers und Kirschners Baum- und Quellnymphen, trotz dessen, dass sie recht leicht geschürzt sind, die raue Winterszeit ertragen. Die Besucher wird es freuen, dass diese wunderbaren Sandsteinskulpturen keinen vorsorglichen Winterschutz erhielten. Auch hier wieder eine Fotopause und dann ging es wieder in den Zwingergarten. Hier postierten wir (wohl erstmalig) ebenerdig vor der Kulisse der Semperschen Langgalerie, in deren Gemäldeausstellung „Alte Meister“ wo sich in letzter Zeit so viel in der Präsentation der Bilder positiv verändert hat. 

Majestät (Werner POHLE) hatte diesmal keine >Kleine- Muck- Schuhe< an und so ging es ganz gemütlich auf den Theaterplatz zu Füßen König Johanns und von dort zum Schlossplatz und weiter zum Fürstenzug auf der Augustusstraße. Es war erfreulich, dass wir, trotz der „Konkurrenz“ durch zahlreiche Gästeführer, häufig zur Geschichte, aber auch zu unserem Tun angesprochen wurden. Solche Auskünfte sind halt doch der Wirklichkeit näher, als das krankhafte Gespiele mit den Handys, - was heutzutage sehr in Mode ist.

Der Rezensent wird wohl nicht erwähnen müssen, dass diese Gerätschaften bei unseren Flaniergängen für uns tabu sind. Weil dem so ist, versteckt der Cämmerer, der während unserer Flaniergänge zum Lichtmaler bestellt ist (die Galerie lebt davon) seine Lichtmalutensilien immer wieder ganz schnell in seine tiefen Taschen weg. Drum sieht er auch immer so „schön“ ausgebeult aus!

Bald begrüßte uns unsere Steinerne Glocke, - das Meisterstück des erzgebirgischen Ratszimmermeisters George Bär. Es ist, auch für uns, die wir öfters um die Sandsteinquarder dieses einmaligen lutherischen Kirchenbaus streifen, immer wieder ein erhebendes Gefühl in seinem Schatten flanieren zu können. Das hat sich in den 1950er Jahren der Junge Bernd S. nicht träumen lassen, als er (verbotenerweise) mit Freunden in der Kirchenruine herumstrolchte.

Wir strolchten nicht, aber unser Spaziergang hatte mittlerweile wieder Appetit und/oder Kohldampf, geweckt und so steuerten wir dem Coselpalais zu. Aussichtslos, - unser Begehren war auch das Begehren vieler anderer…

So versuchten wir unser Glück im Pulverturm (ein Turm der im Keller liegt) und wurden, wie nie zuvor, nicht abgewiesen. Hier in der Unterwelt des Coselpalais sind wir Barockleute offenbar immer willkommen. Das bemerkten wir auch durch die schnelle und aufmerksame Bedienung.

Nach vielfältigsten Gaumenfreuden fiel uns der Aufbruch schwer, aber es musste sein und der fortgeschrittene Nachmittag sah uns alsbald auf dem Heimweg zum „Schießhaus“. Dazu ging es erneut durch den Zwingergarten, wo wir wiederum für die Touristen zur unverhofften Freude wurden.

Nach Durchschreiten des Kronentors wurde unser Heimwertsdrang noch ein letztes Mal gestoppt. Einer Gruppe von Austauschschülern aus dem fernen Marokko haben wir gern den Gefallen getan und uns mit aufs Bild bringen lassen. Danach war Majestät nicht mehr zu halten, - offenbar hatte er die Kappen seiner “Kleine- Muck- Schuhe“ hochgeklappt und wurde erst wieder am „Schießhaus“ als Werner POHLE gesehen.

Wir waren uns einig, - auch dieses Jahr hat das Anflanieren viel Spaß gemacht und lässt auf viele dieser Glücksmomente übers Jahr hoffen. Das meint Bernd Schwabe, der diesen Text verfasste und die Fotos schoss. (eingestellt am 01.03.2016) 

 



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