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Beim 4. Teschen- Markt dabei 11.- 12.12.15

Der Weihnachtsmarkt der Lehnsherrin:

4. Teschen- Markt in Hoyerswerda –

                                         wir waren am 11./12.12.2015 dabei

Was wäre wohl in Hoyerswerda der Teschen- Markt, ohne die Teschen? Und ohne Begleitung wäre sie auch nicht denkbar, - eine Dame von Stand, hat zumindest eine männliche Begleitung, wenn nicht gar einen Hofstaat, den sie an- und ausführt. So war in 2012, als der Hoyerswerdaer Weihnachtsmarkt sich als Teschen- Markt begründete, in der Begleitung der Reichsfürstin Urszula Katarzyna Prinzessin Lubomirska von Teschen (Renata LINNÉ), der Dresdner Kämmerer Graf zu Nau (Bernd SCHWABE), an ihrer Seite. Später besuchten weitere Hofadelige den Markt und unterstrichen damit die hoch geachtete Stellung der Fürstin. Wenn nun womöglich aus Kostengründen der Hofstaat gestrichen würde, wäre dass das Aus für den Markt, - zumindest unter der jetzigen Bezeichnung. Eine Reichsfürstin schlendert nicht solo über den Markt, - auch wenn sie hier die Herrin ist. Wir sollten als Hofstaat hier nur einen Tag erscheinen, was wir eigenmächtig auf zwei Tage (Freitag/Samstag) erweiterten, - sehr zum Gefallen des Publikums. Viele Hoyerswerdaer begrüßten uns als alte Bekannte und freuten sich, uns hier wieder im Gefolge IHRER Reichsfürstin zu sehen. Hätte man uns auch am Sonntag noch gewollt, wären wir mit Sicherheit dem mdr- Reporter Silvio ZSCHAGE über den Weg gelaufen, was die Bewertung des Marktes bestimmt verbessert hätte.

Genug der Vorrede. Wie in den vergangenen Jahren empfing uns Frau JACOB, die Pinguin- Wirtin mit offenen Armen und wir wurden auf die einzelnen Zimmer aufgeteilt. Davor aber gab es einen ganz deliziösen Pilzgulasch, der fantastisch (wie bei Muttern) schmeckte.

So gestärkt konnten wir unsere Freundin Cornelia SCHNIPPA, - ihres Zeichens Reichsfürstin und sehr kundige Gästeführerin, empfangen und uns ihr zu einer hochinteressanten Stadtführung anschließen. Unglaublich, wie tiefgehend Conny ihre Stadt und deren Geschichte kennt und vermitteln kann. Da war selbst unser lieber „Bose“ (Wolfgang PETZOLDT) überrascht. Ein Höhepunkt der Führung war der Besuch des „Vereins zur Pflege der Regionalkultur Mittlere Lausitz e. V.“ im Trachtenhaus Jatzwauk, wo uns Herr BÖHM sehr viele interessante Dinge zur wendisch/sorbischen Kultur und Brauchtum vermittelte. Schade war nur, dass die Zeit drängte und etwas davon für ein Schälchen Heesen im Stadtcafé abfallen musste. Aber wir sind ja sicherlich nicht das letzte Mal in HOYWOY und werden dann noch mehr erfahren.

Dann ging es hurtig zurück ins Quartier und in die Roben. Hier holte uns die Reichsfürstin ab und wir folgten ihr als Hofstaat zu dem Weihnachtsmarkt, der ihren Namen trägt. Leider musste es nieseln, was sehr durchdringend war. Wir hielten aber durch, - ist ja unser selbst gewähltes Elend gewesen (wir hätten ja erst Samstag kommen sollen) und hatten mit ebenso unentwegten Besuchern manch nette Begegnung.

Ganz nebenbei (aber dennoch kritisch) beschauten wir uns die Auslagen der Händlerbuden, - meinten, dass da mancher etwas weihnachtlicheres Flair hineinbringen könnte, was uns die Bewertung mit noch mehr Freude hätte durchführen lassen.

Es gab auch ein (zwar nicht durchgängiges und daher vom Publikum kritisch gesehenes) Bühnenprogramm, was leider, wie die Jahre zuvor, so arg gestört wurde, dass man zum Beispiel den Chor kaum vernommen hat. Schuld hatte das Geratter der Kindereisenbahn, für die sich offenbar kein Stellplatz finden lässt, wo sie rattern kann, ohne die Darbietungen zu stören.

Gegen 17:00 Uhr fuhr die Reichsfürstin von Teschen, in Begleitung ihres hohen Staatsgasten Philipp I. Herzog von Orleans und Anjou vor dem Rathaus vor. Hier gab es eine Begrüßungscour durch den Schultheißen Stefan SKORA, - den das Publikum zwar hören, aber wegen der davor parkenden Kalesche nicht sehen konnte. Als die Rösser dann doch noch die Hufe hoben, wurde der Blick auf den Gegenstand der Menschenansammlung, den überdimensionalen Weihnachtsstollen, frei. Dieser wurde nun vom OB, der Fürstin und dem Weihnachtsmann (Reinhard FLATHE, - schon ein alter Kunde beim Teschen- Markt) angeschnitten. Fachgerechter sagt man wohl STOLLENDRÜCKEN, - denn den „reifen“ Stollen drückt man mit dem Messerrücken in Scheiben. Wenn er da bröckelt, war der Bäcker wohl etwas sparsam mit den Zutaten oder das Backwerk ist noch zu frisch. Egal, - dem Hofstaat hat die ihnen gereichte Kostprobe gemundet.

Mit den Worten des Stadtoberhauptes, der Begrüßung der fürstlichen Lehnsherrin und dem Stollendrücken, wurde der diesjährige Teschen- Markt eröffnet. Nach netter Plauderei mit dem Weihnachtsmann und dem (schweigenden) Bescherkind, dass uns Herr BÖHM vorstellte, machten wir noch eine Runde über den Markt um dann, unsere mittlerweile durchgenässten Roben gen Quartier zu tragen.

Nach großer Trocknungsaktion wurde im „Pinguin“ beim köstlichen Abendessen geschlemmert und anschließen auf dem Zimmer geklönt, gelacht und für die richtige Bettschwere gesorgt. Ein schöner Tag ging zu Ende.

Samstagmorgen, - während wir noch beim Frühstück saßen, ritt auch unser Geenisch (Werner POHLE) zu früher Stunde ein und wurde herzlich begrüßt. Gern folgte er unserem Vorschlag zum Besuch der Lausitzhalle. Der TDB- Vorsitze wusste, dass seine Hoyerswerdaer Aquarienfreunde an dem Tag wieder eine ihrer traditionellen Zierfischbörsen durchführen. Für seine Barockfreunde bot sich damit ein interessanter Einblick in ein anderes Hobby, dass er selbst jahrzehntelang erfolgreich ausgeübt hat. Ein Bummel über den Wochenmarkt und durch die große, festlich geschmückte Ladenpassage schloss sich an.

Dann hieß es aber schon, sich (Teschen-) Marktfein zu machen. Das obligate Foto am Pinguin musste noch sein. Im Gefolge des Kurfürsten und Königs August II. steuerten wir den Festplatz an, wo wir die Reichsfürstin erwarteten. Vom Veranstalter war keine Spur, aber die Teschen kam und war gerührt, dass sich ihr hoher Liebhaber auch als Ex noch ihrer erinnerte.

Da wir uns nur noch sehr verschwommen an die Verpflegungsbons der Vorjahre erinnerten, waren wir erfreut, dass uns der Hoyerswerdaer Fleischermeister Herr Richter zu Wurstsuppe, Bratwurst oder Schaschlik einlud. Da nun auch unsere Freundinnen Silke BRUX und Elke METZNER eingetroffen waren, konnten auch sie kräftig in die leckere Bratwurst beißen.

Gern sahen wir es als angenehme Pflicht an, eine Besuchsrunde zu starten. So landeten wir zunächst, wie die Jahre zuvor, beim Apfelpunsch im Fachgeschäft von >>>Kräuter – Meyer<<, danach lenkten uns unsere Schritte in das neue Bürgerhaus mit seinem vielfältigen Innenleben, auch ins Fachgeschäft für Bio- und hochwertige Schokoladenerzeugnisse (z.B. handgefertigte Pralinen) führte uns unser Weg.

Und dann war unser Ziel ein Kinobesuch bei Herrn SPRECHER, der uns schon ganz hocherfreut am Einlass erwartete. Ohne auch nur eine kleinste Filmsequenz gesehen zu haben, wurde unsere Wissbegierde vielfältig gestillt. Der Kinodirektor weiß so viel über die neuesten Filme, das Lichtbildwesen, sein Haus und die Kinotechnik von heute und einst zu berichten, dass auch unser diesjähriger Besuch ein genussvolles Erlebnis wurde.

Es folgte ein Rundgang über den Teschen- Markt und wir merkten, dass uns das Publikum annimmt. Wir Adelsleute wurden gern und oft angesprochen, um ein Foto gebeten und mit Interesse nach unserem barocken Hobby befragt.

Auch auf der Bühne tat sich was, aber leider ging manches, was dort geboten wurde, im Geratter der Kindereisenbahn unter. Ungünstiger konnte man diese beiden Sachen nicht nachbarschaftlich platzieren, - seit Jahren ist das schon so, ohne dass das der Veranstalter zu merken scheint.

Der Weihnachtsmann ließ uns nicht am Fotostand des >>Wochenkurier<< vorbei und so wurden wir mit ihm aufs Foto gebannt (siehe Galerie).

Mittlerweile senkte sich die Dunkelheit über den Markt und schaffte das rechte Fluidum für die Darbietungen der Feuertänzerin Dhyana. Hier hörten wir einen ganz köstlichen Kinderkommentar zweier kleiner Barben, die dort hockten und den Feuertanz verfolgten: „Die macht was ganz Schlimmes“ – „Nuuh, - die gogelt“. Aber es ist nichts bei dieser Art Gogelei passiert, - es sah „nur“ schön aus.

Nun rückte der Zeitpunkt (17:45 Uhr) heran, wo sich der Dresdner Hofstaat in das Rampenlicht der Festbühne zu begeben hatte. Hier nun wurde S.K.M. August der Starke (Werner POHLE) mit seiner vormaligen Mätresse, der Reichsfürstin von Teschen (Cornelia SCHNIPPA) und dem hohen französischen Staatsgast Philipp Herzog von Orleans und Anjou (Rudolf FRITZSCHE) erwartet und von der Kutsche auf die Bühne geleitet. Der Sachsenfürst begrüßte das Publikum ebenso, wie die Reichsfürstin. Danach stellten sich die Adelsleute dem Publikum persönlich vor. Zunächst ergriff der Duc de Orleans et Anjou das Wort, danach der Kämmerer Graf Schwabe zu Nau (Bernd SCHWABE), gefolgt vom Stadtmajor Graf von Bose, der sich und seine Gattin (Wolfgang PETZOLDT und Christine BARTEL), vorstellte. Ebenfalls Gast hoher Geburt und aus fernen Landen war die Zarewna von Russland (Nadin SCHUBERT), die das Publikum auch auf Russisch begrüßen konnte. Nun sagte die Gräfin zu Nau (Regina SCHWABE) etwas zu ihrer Person und auch die Gräfin von Kolowrat- Krakowsky (Silke BRUX) tat dies. Den Reigen der Adelsvorstellung beschloss die ehrenwerte Gräfin von Zinzendorf (Elke METZNER). Damit war die zehnköpfige Adelsgesellschaft und damit die Mitwirkenden vorgestellt. Nach einem Schlusswort August II. stürzte sich das Adelsvolk nochmals in das nunmehr sehr große Marktgewimmel.

Hier warfen wir nochmalige Blicke auf die Qualität der Standpräsentationen und fanden unsere drei Erstplatzierten nun endgültig. Der Siegerplatz wurde heuer der sorbischen Weißstickerin Frau Carola GEPPERT aus Bad Muskau zugesprochen. Hier wurde auch die Ausübung dieses seltenen Handwerks in der Bewertung mit ausgedrückt.

Es hätte uns auch gern zum Schloss gezogen, aber offenbar kocht hier in HY in Sachen Adventsveranstaltung jeder sein eigenes Süppchen,( Schlossverein im Schloss, Lausitzhalle auf dem Markt, Kirche wieder woanders u.s.w).- statt ihre Kompetenzen zu bündeln und eine ganz große Sache zu etablieren. Dann hätte der mdr vielleicht Grund, in der Bewertung mehr als die Note 2,7 zu geben!?

Mit der Zeit wurde es etwas kühl und die Füße zeigten langsam Ermüdungserscheinungen, sodass es uns in die Wärme des „Pinguin“ zog. Hier aßen wir gemeinsam zu Abend und nahmen jeder gern sein Fingerpüppchen (Made in Peru – Eine „Eine Welt“- Unterstützung) von der Teschen entgegen. Für unsere Freundinnen Elke und Silke, die noch den Heimweg vor sich hatten, wurde es Zeit des Abschieds. Wir gingen mit gefülltem Magen noch „auf Zimmer“, wo viel philosophiert, - und in persona Rudi und Bernd fest geschlafen wurde (Jeder  hat halt so seine eigene Philosophie!!!)

Nach stürmischer und regenreicher Nacht, die wir gottlob in des Watschelvogels Geborgenheit und Wärme verbrachten, wurde am Sonntagmorgen ein letztes Mal hier in HY im „Pinguin“ gefrühstückt und danach wurde gepackt.

Nach zwei schönen Tagen in Hoyerswerda, als Dresdner Hofstaat im Gefolge des Kurfürsten und der Reichsfürstin, konnten wir konstatieren, dass unser Mitwirken beim Teschen- Markt für uns wieder sehr freudvoll war. Da der barocke Part zu diesem Weihnachtsmarkt einfach dazu gehört, sollte dieser mehr auf- als abgebaut werden. Das Publikum wird es danken und wir Dresdner kommen gern wieder.

Heimwärts ging es auf der Landstrasse B 97, - an der auch das Schloss Hermsdorf liegt. Dem Wunsche Nadins und Rudis folgend, machten wir einen Abstecher nach dort, um zu bedauern, dass man dort so wenig das Barock zum Anlass von Veranstaltungen nimmt. (Wir haben es doch 2012, mit unserem Schlossfest, dort vorgemacht wie es gehen kann!)

Danke HOYWOY, danke Cornelia, danke Freunde, die ihr mit uns beim Teschen- Markt präsent wart. Leider war ein Teil unserer treuen TDB- Mitstreiter durch Krankheit bzw. durch Krankenpflege verhindert, sodass wir froh waren, diese Lücken durch unsere Freunde Christine, Werner und Wolfgang vom AKB ausfüllen zu können. Text und Fotos: Bernd Schwabe/Wochenkurier(5) (eingestellt am 15. 12. 2015)

 

     

 



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