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Flanierfreuden am 13. September 2015

Ein 5. Lustlager und der Große Winzerumzug werfen ihre Schatten voraus

TDB- Mitgliederberatung mit potentiellen Helfern aus dem AKB und anschließendes Flanieren am Sonntag, den13. September

Flanierfreuden  

Auch der Umstand, für diese Art von Kulturpropagierung, - das Dresdner Barock, keine Fördermittel aus dem Stadtsäckel zu erhalten, hat uns bisher nicht davon abzuhalten, mit dem Lustlager in Moritzburg, ein eigenes Event zu veranstalten. So greifen wir auch heuer tief in die Schatztruhe des Hofstaates (sprich: TDB) und veranstalten nun schon unser 5. LuLa. Ganz ohne staatliche oder kommunale Mittel. Warum? Haben wir zuviel? Nein, aber es dünkt uns, dass man, wenn man wie der TDB, zu so vielen Veranstaltungen übers Jahr fährt, auch mal etwas zurückgeben muss. So kamen wir auf unsere Lustlager- Veranstaltung. Wenn dazu noch der Winzerumzug in der Hoflößnitz (Radebeul) kommt, der (im barocken Part) an unseren Verein gekoppelt ist, dann kann man über Arbeit nicht klagen. Besonders unsere 2. Vorsitzende (die für beide Sachen den Hut auf hat) Regina SCHWABE und unsere Kassiererin Nadin SCHUBERT hasten sich im Vorfeld unserer Veranstaltung die Hachsen ab und sollen hier schon mal mit etwas Lob bedacht werden. Sie jedenfalls luden uns zur Mitgliederversammlung (natürlich über den grauhaarigen Vorsitzenden) ein, um noch offene organisatorische Fragen zu klären und um Mithilfe einzufordern. Auch das letztere ist nicht immer und bei allen einfach. Aber doch überwiegt die Bereitschaft im TDB, dat Dingens anzupacken und erfolgreich über die Bühne zu bringen. Nach Reginas Ausführungen und einigen Bereitschaftserklärungen zur Mitarbeit, können wir sicher sein, dass wir wiederum erfolgreich sein werden. Zumindest in dem Bereich, der uns und unserem Organisationstalent obliegt. Beim Winzerzug scheint uns der momentane Gegenwind nicht so sehr günstig für die Sache zu sein. Übrigens bringen sich in die Vor- und Nachbereitungsarbeiten des LuLa auch unsere Freunde aus dem AKB Werner POHLE und Christine BARTEL mit ihrem Wolfgang PETZOLDT, mit ein. Das finden wir Klasse und es wird zu würdigen sein. Mehr will ich hier nicht schreiben, sonst fehlt mir der Stoff zum Bericht über das Lustlager und den Winzerumzug.

Nach einem guten Mittagsmahl begab sich ein Teil der Versammlungsteilnehmer, nunmehr zu Adelsleuten mutiert, auf den Weg zu den Orten, wo das Flanieren am meisten Spaß macht. Warum aber der andere Teil nicht in die Roben schlüpfte, ist mir nicht aufgegangen. Zumal Schlechtwetter (die Ausrede lag wohl schon parat) diesmal nicht als Hinderungsgrund gelten konnte. Das Wetter zeigte sich als schöner Spätsommertag und lockte doch regelrecht zum flanieren. Acht Unentwegte machten sich nun auf den Weg. Uns freute, dass unser neuer junger Freund Hsu Yu HSUAN aus Nationalchina wieder mit von der Partie war. Er hat wohl Blut geleckt, was das Barock angeht, denn er kann seine Begeisterung dafür nur schwer verstecken.

So strebten wir dem Kronentor zu und entdeckten in der Ferne einen edel Gewandeten. Ist Er es, oder ist Er es nicht? Das war die Frage. Und es zeigte sich, - er war es, - Väterchen Zar Peter I. (Reinhard LAUTERBACH) Völlig neu gewandet, war er auf diese Entfernung schwer auszumachen gewesen.

Nun kam, was ich hier schon so oft beschrieben habe, - Touristen sperren den Weg, nehmen uns als Fotostaffage, fordern Gruppenbilder und sorgen dafür, dass der Hofstaat selten ganz unter sich auf den Fotos abgebildet ist und und und…

Und, es ist immer wieder schön!!! Vor allem dann, wenn uns nicht nur freches Aufgedrängle, sondern echtes Interesse entgegenschlägt. 

So zogen wir unsere Runde, sehr zur Freude der Dresdner Spaziergänger und ihrer Gäste.

Wir hatten unsere Freude bei Heißen Himbeeren, Eierschecke, Kirschtorte, Eiskaffee und einem Kännchen Heeßen, - natürlich im Coselpalais.

Hier nun sei eine Straßenszene geschildert, wie sie sich am 13. September anno 1715 zugetragen haben könnte:

„Friedrich August Graf von Cosel entlässt seine Gäste, die bei Hofe dienen und gern die Einladung des Kurfürstensohnes zu einem starken Türkentrunk im Coselpalais annehmen. Wie sich diese nun der Gartenpforte nähern, werden sie des Landesherren Friedrich August I. gewahr, der auch seinerseits die Hofgesellschaft wahrnimmt. Herzlich begrüßt er seinen Sohn und die Herren und Damen seines Hofes. Für jeden hat er ein nettes aufmunterndes Wort. Natürlich hat er für seine Lebensfreundin und Beraterin Aurora einige mehr. Voll Interesse richtet er das Wort an den Prinzen aus dem Reich der Mitte königliche Hoheit Hsuan Sen und erkundigt sich über den Verlauf dessen Kavalierstour. Vielleicht hat er den Prinzen auch zum nächsten Ball in den Zwinger geladen. Nach artiger Referenz der Hofleute entfernt sich Majestät und hebt noch einmal die Hand grüßend empor.“

So hätte es gewesen sein können. Doch heute, am 13. 09. 2015, ist diese Begegnung anders. Der Hofstaat schwelgt bei Kaffee und Kuchen in nämlichem Coselpalais, der Kämmerer liest dabei Zeitung und ärgert sich mächtig über Urban, den 1. Minister des Ungarnreiches, da stürmt eine der Dresdner Majestäten ins Palais. Keinen Blick für seinen Hofstaat übrig stürmt er, regelrecht flüchtend, gleich wieder aus dem ehrwürdigen Palais hinaus. Um dann, nach dem Erscheinen seiner Hofschranzen am Gartentor, schnellen Schrittes, aber dafür ganz unmajestätisch, das Weite zu suchen. Da staunt ein Prinz aus Taiwan, die Hofleute nicht mehr. So ändern sich halt die Zeiten.

Unsere Zeit war schon arg fortgeschritten und so löste sich unsere kleine Adelsgesellschaft nach und nach auf. Der Kämmerer und Aurora Gräfin von Königsmarck mit ihrem Gesellschafter Grafen von Weisenberg (Silvia und Frank WEISE) begleiteten den Zaren noch bis zu seiner Chaise, um dann den Weg zum „Schießhaus“ fortzusetzen.

Nach viel Organisatorischem, - was hoffentlich auch mitreißend war, nun noch ein schöner mitreißender Flaniertag dort, wo Dresden sich von seiner schönsten Seite zeigt. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 15.09.2015) Namensgleichheiten mit heute lebenden Personen sind nicht gewollt und rein zufällig.  



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