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Das 15. Barockfest auf Friedenstein in Gotha, 28. - 30.08.2015

Barockes Leben hoch über den Dächern von Gotha

Unser Besuch des 15. Schlossfestes auf Friedenstein (28. -30.08.15)

Als wir uns zum Traditionsverein zusammengefunden hatten und unser künftiges Tun besprachen, war unser Freund Tilo MEIßNER der Meinung, dass zu den favorisierten Teilnahmen an Events unbedingt auch das Barockfest auf Schloss Friedenstein in Gotha gehören müsste. Das nahmen wir zunächst so hin, doch nach dem ersten gemeinsamen Besuch in Gotha stand für uns fest, ja, diese Veranstaltung lohnt den Weg bis nach Thüringen. Damals ahnte weder unser Gründungsmitglied Annett JAHN, dass sie eines Tages maßgeblich als Darstellerin (Herzogin Luise Dorothea) mitwirken würde, noch wir, dass wir uns auf ein Event eingeschworen hatten, dass sich zum wohl beliebtesten Treffen der Barockdarsteller mausern würde.

Dem ist inzwischen so. Heuer gab es das 15. Barockfest auf Friedenstein und wir wollen meinen, dass so viele Darsteller bisher nicht den Weg nach Gotha gefunden hatten. 

Auch wir vom TDB waren wieder mit von der Partie, wenn auch das schon in größerer Gruppe geschah. In altbewährter Unterkunft kamen am frühen Freitagnachmittag Nadin SCHUBERT, Regina und Bernd SCHWABE vom TDB an, denen wenig später Christine BARTEL, Wolfgang PETZOLDT und Werner POHLE, unsere Freunde vom AKB, folgten.

Zu dem Zeitpunkt waren unsere Vereinsfreunde Kathrin und Thomas HEFFT und Heidrun und Günther TENNERT im Biwak bereits fleißig beim Aufbau ihrer Leinwandvillen, - bzw. konnten sich vom fleißigen Werkeln bereits erholen.

Langsam aber stetig kamen auch wir dann in die Pötte, - d.h. in die barocke Kledage. Gegen 18:45 Uhr waren wir am Rathaus angelangt, wo es wenig später die offizielle Eröffnung des Barockfestes geben sollte. Aber vorher versäumten wir nicht, unserem, inzwischen zum Freund gewordenen, „Kleinen Italiener“ Valentino, in seinem Restaurant um den Hals zu fallen und uns zum Abendessen anzumelden. Als das geschehen, war schon laut und vernehmlich das Spiel der uniformierten Pfeiffer und Trommler zu vernehmen. Wie jedes Jahr führten diese den Zug der Edelleute an.

Der nahende Zug der Robenträger (und auch wieder einiger Kostümierter) wollte nicht abreißen. Schon aus dem Defilee heraus hob sich manche grüßende Hand in unsere Richtung, was sich später mit herzlichen Umarmungen und Händeschütteln fortsetzte. Schön, dass wir hier immer wieder gute alte Bekannte und Freunde treffen.

Alsbald folgten dem Adelsvolk die durchlauchtigsten Gastgeber Herzog Friedrich III. mit seiner Gemahlin der Herzogin Luise Dorothea (Uwe MÜLLER, Annett JAHN) Durch ein Spalier, ihnen Referenz erweisender Adelsleute, steuerten sie dem Rathausportal zu. Hier gab es eine Rede des Herzogs, der den Bogen bis in die derzeitige Gegenwart zu spannen verstand und ein paar artige Worte der Herzogin. Was aber wohl der Magnet zum Rathaus ist, sind die alljährlichen, mit viel Humor gewürzten, nicht ganz so ernst zu nehmenden, vom Stadtoberhaupt, dem Schultheißen Knut KREUCH, vorgetragenen Ausführungen. Kurz gesagt, der Mann hat was drauf.

Nach dieser Eröffnungscour machte sich die Festgesellschaft, wie jedes Jahr gehabt, in Richtung Orangerie auf den Weg. Hier im Orangehaus gab es einen Festabend. Uns zog es, - zumal wir uns ohnehin nicht angemeldet hatten, aber lieber zu Pasta, Lasagne, Tortellinos und Co.

Wie gut es doch war, dass wir Plätze bei Valentino vorbestellt hatten, denn auch noch viele andere Robenträger hatten die gleiche Idee und es war kein freier Platz mehr zu finden. Wir konnten einen sehr vergnüglichen Abend mit viel Spaß und guter Laune, in der Runde unserer TDB- und anderer Freunde, verleben.  In der zehnten Stunde führte uns der Weg heimwärts in unsere gastfreundliche Pension.

Bettfertig waren wir schnell gemacht, aber Lust in die Federn zu gehen hatten wir alle noch nicht. Dank einer DVD, die ein begeisterter Besucher beim Irrgartenfest aufgenommen hatte, hatten wir dann noch einen schönen Vortragsabend.

Irgendwann fand dann auch der letzte von uns aufs Laken und wir schliefen einem wunderbaren Barockfesttag entgegen. Nach opulentem Frühstück, - unsere Pensionswirtin mit ihrem herrlichen kölsch- rheinländischen Dialekt, sorgte für Morgenunterhaltung ebenso, wie für ein äußerst reichhaltiges Mahl, wurde Angehost und los ging es gen Schloss.

Auf halbem Wege wollten wir unserem „Gothaer Moosi“ Frank BÖRNER und seiner Boutique einen Besuch abstatten, aber trafen ihn nicht an. So gelangten wir pünktlich mit dem Erscheinen des Herzogpaares im Festareal ein. Wie dieses, so haben auch wir geschaut, was die Händler und Handwerker anzubieten hatten.

Auch im Schloss, auf der Bühne und an vielen anderen Stellen, gab es den ganzen Tag über ein reichhaltiges Programm. Mögen die 15,00 Euro Eintritt hoch erschienen sein, - ihre Berechtigung hatten sie allemal. Würde ich auf alle Programmpunkte eingehen, würde dieser Bericht wieder mal eine totale Überlänge bekommen. Daher werde ich nur einige wenige Glanzpunkte in meinem Text erwähnen können.

Während wir uns im Festsaal des Schlosses an den Tanzdarbietungen der Gruppe Potsdamer Rokoko erfreuen konnten, geschah das Unfassbare. August der Starke hatte sein Inkognito aufgegeben und fuhr mit der Kutsche an der Bühne vor, wo er vom Herzog, ganz dem Range des Kurfürsten und Polenkönigs entsprechend, in allen Ehren und Respekt empfangen wurde. Im Laufe des Empfanges werden dem Platzmajor die Ohren geklingelt haben, - aber so ist er, unser Gurferscht, - gerecht zu jedermann. Stünde der Major in dessen Diensten, wäre eine Beförderung fällig gewesen.

Zaubershow, Musik von „La Fantare“/Gera, Barockmusik von „Corda mobile“ verkürzten uns die Zeit bis zum nächsten Empfang eines Ehrengastes. Das war diesmal, ganz ohne seinen preußischen Gönner, jener Voltaire, der von der Tortenkreation des Hofkonditors naschen durfte.

Nach dem man uns das Wasser hat im Munde zusammenlaufen lassen, führte uns unser Weg in das Feldlager im Rosengarten. Hier erwarteten uns schon unsere Freunde Katrin und Thomas HEFFT, die uns zur Kaffeestunde einluden. Gleiches geschah an der Leinwandvilla von Heidrun und Günther TENNERT, aber da gab es schon eine Massenansammlung bedürftiger Adelsleute…

Wir besuchten auch die Zelte von anderen, langjährigen Freunden und erfreulicherweise gingen dabei mehrere Teilnahmemeldungen für unser Lustlager ein. Gegen 15:00 Uhr rollte der Herzog im Biwak ein, ließ das Adelsvolk schnöde links liegen und steuerte die Zelte der Militärs an. Hier hörte man alsbald die Korken knallen.

Die Sonne meinte es, wie das ganze Wochenende, mehr als gut und vertrieb uns dann in den Schatten des Parks, von wo wir einen Blick zur wieder wunderbar mit Rabattenblumen dekorierten Orangerie hinunter warfen. Unsere Zarewna (Nadin SCHUBERT) kannte sie noch nicht. Dann hieß es wieder zum Schlosshof gehen um Durst und Hunger zu stillen. Anschließend bzw. auch dabei, erfreuten uns Darbietungen des umfangreichen Festprogramms.

Nach den barocken Reitvorführungen erstürmten wir das Ekhof- Theater und ergatterten noch einen Platz um dem „Tanzunterricht am Hofe des Sonnenkönigs“ vom Ensemble contretem(p)s aus Berlin beizuwohnen. Der anschließende sehr heftige Beifall bekräftigte unsere Einschätzung: WUNDERVOLL!

Danach konnten wir bessere Plätze ergattern und blieben sitzen, um bei dem Schauspiel „Die Zofe, ihr Bruder, die Gräfin und der König“ dabei zu sein. Auch das war ein Erlebnis der besonderen Art.

Im Schlosshof sah man uns dann noch mit Freunden zusammen sitzen und sich mit Erfrischungen laben. Danach zog es uns mit magischer Kraft, - sprich: „zur guten Küche Valentinos“ ins Tal, wo wir noch lange in Feierlaune waren. In der Ferne vernahmen wir die Geräusche des Feuerwerks und nach allerlei Naschwerk und schöngeistigen Getränken hörte man aus den Schlafzimmern andere ruhestörende Töne…

Der Sonntagmorgen begrüßte uns wiederum mit viel Sonne und der reich gedeckten Frühstückstafel der wackeren Pensionswirtin Frau Schäfer.

Auf dem Schloss setzte sich das Barockfest fort, - wie dem Programmheft zu entnehmen, mit (fast) denselben Programmpunkten des Vortages, sodass hier eine weitere Schilderung entfallen kann.

Resümierend stellt der Rezensent fest, - auch das 15. Barockfest war es wert, den weiten Weg von Dresden gemacht zu haben. Unser Kurfürst und König in Polen (Werner POHLE) ist wohl nun in Gotha beim Barockfest angekommen, so wie wir alle wieder gut in unserer Sachsenheimat angekommen sind. Gern kommen wir wieder, wenn dem Fest eine 16 voran steht. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 02.09.2015)



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