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Hochsommerflanieren am 9. August 2015

Hitzeschlacht mit reger Beteiligung – wenn auch weniger aus dem TDB

 

Hochsommerlicher Flaniergang des TDB mit vielen Gästen (9.08.15)

In seinem Veranstaltungsplan hat der TDB, wie die Jahre davor, auch heuer wieder zum Flanieren in den Hochsommer eingeladen. Abgesehen von den eigenen Mitgliedern, - Gerd JACOB hielt die TDB- Fahne hoch, wurde dieser Einladung auch rege aus dem AKB und der weiteren Dresdner Barockszene entsprochen. Damit Tilo immer und ewig recht behält, dass der TDB ein >>Schönwetterverein<< ist, hat die anhaltende Hundshitze dessen Mitglieder vom Hochsommerflanieren abgehalten. Da war ein Kommentar: „40°C im Schatten ist kein Schönwetter mehr“ – also blieb man zuhause. Auch der Schreiberling war nicht mit dabei, aber der hatte wohl auch etwas mehr auszuhalten als ein bisschen sommerliche Wärme. Mit aufgemeißeltem Kiefer und einer Gesichtsphysiognomie, mit der er sich als Quasimodo hätte auf den Weg begeben können, waren es gewichtige Gründe, seiner eigenen Einladung zum Flanieren diesmal nicht folge geleistet zu haben.

Umso erfreulicher die Teilnahme von Barockenthusiasten aus Nah und Fern.

Allerdings an unserem Treffpunkt, dem Ausgangspunkt der TDB/AKB- Flaniergänge, dem „Schießhaus“, blieb der Kurfürst (Werner POHLE), der einzige, der sich von dort auf den Weg begab und zunächst meinte, er wäre ein einsamer Wanderer. Glücklicherweise blieb das nicht so, - es stießen, wie schon gesagt, mehr Flanierfreunde dazu, als zu erwarten war (das Hitzewetter von 40°C hatten ja alle!!!).

Also ging unser Geenisch los. Dabei ein Gebäude im Rücken lassend, dass seit 1554 der Schützengilde als Schießhaus (Vorläufer des jetzigen) diente. „Den 9ten Octobre anno 1545 hielte Churfürst August ein Cross- Schiessen zum Dresden ab, - gab dazun wol 500 Gulden zum besthen wurden 70 Schüsse gethan und gwan diese der Fürste als der beste…“ Im Dreißigjährigen Krieg diente das „Schießhaus“ als Spital und 1656 befiehlt Kurfürst Johann Georg II. einen Neubau des Schießhauses, der 1658 beendet wurde. Da Schützen zumeist bei ihrem Sport recht viel Durst haben, gab es hier auch stets einen Ausschank. Als die Stadt im Jahre 1823 die Verlegung des Schießplatzes beschloss, wurde nach mehreren anderen Nutzungsarten das Schießhaus zum Gasthaus. Auch wir vom Arbeitskreis Dresdner Barock kehren heutigentags gern zu unseren Stammtischtreffen hier ein.

Inzwischen passiert Majestät den >>Herzogin Garten<<, welchen der Kurfürst Christian I. seiner Gemahlin, der Herzogin Sophie von Sachsen zum Geschenk gemacht hatte. Hier beschäftigte sich die hohe Frau u. a. auch mit der Pflanzenzucht. Später gab es im Areal ein Überwinterungshaus (Orangerie) für fremdländische Pflanzen, ein Tierkundemuseum hatte hier ebenso seinen Platz, wie ihn die Freimaurerloge hatte. Unser König mag sich über heutige Einfallslosigkeit beim erneuten Bebauen des Areals gewundert haben.

Nun erreicht der Landesherr den Zwingergraben und sieht wohl allerlei Federvieh darauf und Karpfenschatten darin… Was er nicht sieht, ist die erloschene Bitterlingspopulation, denn die vertrug damalige Entsorgung der Kupferdachplatten im Zwingerteich nicht. In der DDR hatte man es ja!!! Des Zwingers Name beruht nicht darauf, dass es hier Tierhatzen, Fuchsprellen und allerlei andere Tierquälereinen gab, sondern hat mit der winkeligen Lage der Wehranlagen zu tun. Mittlerweile durcheilt Friedrich August den Zwingergarten, trifft dort allerlei Adelsvolk und meint wohl, dass die Patina des angewitterten Sandsteins, den Zwingerbauten besser zu Gesicht steht, als zu seiner Zeit der weiße Anstrich mit den blau getünchten Dächern. Auch mag er wohl froh sein, dass man in den 1920er Jahren Waldreben- und Orangentöpfe aus dem Zwingergarten entfernt hat, - als Orangerie diente er ja nie (was er ursprünglich sollte).

Nie wird Majestät die Treppe an Sempers Langgalerie meiden, denn dort pflegen sich die Hofadeligen dem Volke der Lichtmaler zu stellen. Auf dem Theaterplatz sieht er die Oper, - ebenfalls vom genialen Architekten Gottfried Semper geschaffen, - und er wird wohl meinen, dass ihm dieser Musentempel für seine Opernaufführungen auch sehr gut angestanden hätte.

Die vier Tageszeiten MORGEN, MITTAG, ABEND und die NACHT flankieren die Treppe zur Brühlschen Terrasse, die der Kurfürst und König zu seiner Zeit noch nicht hätte benutzen können. Gut hundert Jahre später ist diese erst erstanden. Von der Terrasse schweift sein Blick nach „Altendresden“ der Neuen Königsstadt und er erblickt dort drüben sein güldenes Ebenbild. „Lang hat es gedauert, ehe sich der Herr Sohn dazu aufgerafft hat, es endlich aufstellen zu lassen.“ Der Blick des Goldenen Reiters geht gen Polen, wo er doch so viel Undank statt königlicher Größe geerntet hat. So legt er diese Dornenkrone ab und hinter dem Hasenberge bemerkt er die porzellainerne Plakette seines „Goldmachers“ Johann Friedrich Böttger und Majestät’s Miene erhellt sich.

Gern wird er nun das Menschengewimmel auf dem Neumarkt bemerken, denn der Besucher hohe Zahl füllet ihm das Staatssäckel. Und er wird denken: „Wie war es doch klug von mir, dem katholischen König in Polen, hier in meiner Sachsenresidenz, diesen Ratszimmermann George Bähr gefördert und seine Steinerne Glocke befördert zu haben. Was könnte (neben meinem Zwingergarten) ein größerer Anziehungspunkt für Dresden sein?“

Oft führt der (Rück-)Weg des sächsischen Landesherren am Fürstenzug vorbei und er wird stolzerfüllt auf die Ahnenreihe der sächsischen Fürsten, des Geschlechtes der Wettiner, blicken und denken, dass er darin die schlechteste Rolle nicht gespielt hat. Und der Anblick der Porzellankacheln, worauf der Zug der Fürsten verewigt ist, erinnert ihn und die Welt, dass das Europäische Weichporzellan hier in seiner Residenzstadt Dresden erfunden wurde.

Was alles kann der hohe Herr noch erblicken, kann seine Flaniergesellschaft, die Einwohner der Stadt und deren Gäste entdecken? Viel, sehr viel hat unsere Stadt zu bieten, denn unser Dresden ist schön, - an Regen wie an Hundshitzetagen!!! Text: Bernd Schwabe, Fotos: Veronika Jacob (eingestellt am 18. August 2015)



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