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Beim 10. Leopoldsfest 3. - 5.07.2015 in Dessau dabei

Tropicale de Leopoldinae – bei > 40°C im Schatten

Zur Schwitzkur zum Alten Dessauer nach Dessau- Roßlau

Das 10. Leopoldsfest vom Freitag, den 3. Juli bis Sonntag, den 5. Juli 2015

Schon die Fahrt zum anhaltinischen Dessau- Rosslau hatte es in sich. Man fühlte sich im Auto wie der Braten in der Kasserolle… Zum Glück gab es auf dieser BAB 04 diesmal keinen Stau, - so wie wir es andere Jahre fast immer kurz vor Bitterfeld/Wolfen hatten. Trotzdem kamen wir gut, - und noch besser durchgegart, auf dem Festplatz, in den sich der Stadtpark an diesem Wochenende mutieren würde, an. Zunächst noch von den sonstigen Nutzern beargwöhnt, zeigten sich die meisten dieser dunkelhäutigen Neudessauer dann doch recht freundlich und interessiert.

Als wir (Regina und Bernd SCHWABE) am Ort des Geschehens ankamen, war unsere Freundin Renate AL ATRASH und unser Freund Frank WEISE schon anwesend und letzterem Leinwandvilla stand schon. Da hatten wir zwei tatkräftige Aufbauhelfer, die uns bei der fast unerträglichen Hitze sehr gut taten. Vorher gab es natürlich erst ein Begrüßungshallo, was auch unsere Weißenfelser Freunde Katrin und Sven WUTTKE und Michael HELM mit einschloss. Auch die liebe Nachbarschaft, - unsere Freunde Heidrun und Günther TENNERT und Katrin und Thomas HEFFT, die schon fleißig an ihrem (nunmehr noch schöner ausstaffierten) Präsentationszelt werkelten, konnte (mit Hitze bedingtem Abstand) in die Arme geschlossen werden.

Zunächst meldeten wir uns im Organisationszelt an und konnten dort einige der uns bekannten Gastgeber begrüßen. Da galt es Frau SÄNZE dem „Hofrat“ RICHTER und dem Chef des Dessauer Hofstaates Hartmut PANNIER ebenso die Hände zu schütteln, wie der „Fürstin“ Elke BRUCKER und deren „Hofdame“ Silke HARB. Inzwischen kamen weitere TDBer (Gerd JACOB mit Frau Veronika und deren Mitfahrerin Nadin SCHUBERT) an und auch die ersten „Hotelzelter“ hatten ihre kühlen Hallen verlassen und ließen sich im Lustlager-Biwak blicken (Rudolf FRITZSCHE, die Herzöge Peter und Volker VON HOHENBERG, „Bosens“ Christine BARTEL und Wolfgang PETZOLDT und deren Mitfahrerin Elke METZNER). Irgendwer fehlte noch. Aber auch der Geenisch (Werner POHLE) mit seiner Cosel, die sehr nach Fatima aussah (Veneta LORENZ), tauchte irgendwann auch auf, womit der Dresdner Hofstaat, als Gästeschar beim Leopoldsfest, komplett anwesend war. Dank der helfenden Hände unserer TDB- Freunde stand auch bald unser Zelt und präsentierte sich als Brutkasten, - trotz der schattigen Ecke, die uns als Lustlagerplatz zugewiesen wurden war. Das Thermometer stieg unaufhaltsam und man wurde nass ohne einen Tropfen Regen abbekommen zu haben (Zum Glück blieb es während des gesamten Festes von oben Trocken, trotz der in der Ferne grollenden Gewitter(die sich in der Altmark austobten (150l/qm).)

Manchen lieben Freund konnten wir in der Folge begrüßen, - und, wenn er, wie der „Kronprinz“ Steffen LEU, auch noch superleckeren Haselnusslikör dabei hat, wollte man diesen erst wieder entlassen, wenn der edle Tropfen bis auf den letzten Rest weggesüffelt war. Selbst der allseits beliebte hochprozentische Morellensaft des ollen Cämmerers kam da nicht mit. Dann gab es noch Gelegenheit mit prickelndem eingefangenen Sonnenschein namens „Rotkäppchen“ anzustoßen. Unsere Begleiterin auf barocken Wegen Veronika JACOB gab damit ihre Geburtstagsrunde. Der Verein und weitere Barockfreunde gratulierten mit einem Gutschein für „echten“ Schmuck von "Brigitte Bijou"…

Dann gab uns ein mobiles Glockenspiel, das 37 Bronzeglocken zum klingen brachte, Signal, dass sich da noch mehr tut im Areal des historischen Feld- und Lustlagers. So kamen wir dann gegen 19:30 Uhr in den Genuss von Speis und Trank der Hoflieferanten und des >>Kochvereins Anhalt- Dessau e.V. << . Auch Gurgelspülung aus dem Fass, - gehaltvoller Hopfensaft und weniger gehaltvolle, dafür schön rot gefärbte Brause, kam zum Ausschank und wurde, ob der nicht weniger werden wollenden Bullenhitze, in großen Mengen geschluckt. Das wunderbar anzuhörende >>Drehorgelorchester Duisburg<< gab die passende musikalische Umrahmung. Wer  hätte wohl gedacht, dass man mit Leierkasten echte Unterhaltungskunst produzieren kann. Die nordrheinischen Westfahlen haben es bewiesen und unsere Mädels Nadin und Regina waren auch nicht schlecht an der Drehorgelkurbel anzusehen und zu hören!

Die Zofe der hochwohllöblichen Hofsängerin, die sich offenbar einiges von ihrer Herrin abgelauscht hat und gut bei Stimme war, hatte den Einfall, etwas zum Drehorgelklang für das historische Geburtstagskind Leopold von Anhalt- Dessau zum 339.  zu singen. Der Oberdrehorgler hielt das in seiner Ansage für recht schwer, aber das „ Ännchen von Tharau“ sollte das Geburtstagsständchen für Fürst Leopold sein. Jene, den Gesang liebende Zofe (Regina SCHWABE), blieb nicht lange als Solostimme dort am Bühnenrand, denn der Fürst (Klaus BRUCKER) gesellte sich stimmgewaltig dazu, - und, - was von ihm zu hören war, war so übel nicht. Ein passendes Duo,- das Händegeklapper bestätigte es. 

Das war aber der absolute Höhepunkt des ersten Festtages noch nicht. Den stellte, unter dem Motto „Der Stadtpark in Flammen“ ein Barockfeuerwerk zum Geburtstag des Fürsten Leopold, dar. Viel Geräusch, viel Farbe und viele skurrile Formen der Raketenknaller lagen in der Luft. Wirklich schön. Aber der Betthupferl war das auch noch nicht, - im Areal der Leinwandvillen des Dresdner Hofstaates ging es noch bis spät in die Nacht hoch her. Es gab kaum Abkühlung, so dass ohnehin nicht an schnelles Einschlafen zu denken war.

Der Samstagmorgen kam recht gemiedlich voran und begann mit gesponserten frischen Brötchen und dem Frühstück gemeinsam mit unseren Weißenfelsern. Es zog sich und einige der Adelsherren, wie Generalleutnant, Stadtmajor und Cämmerer, haben dann auch etwas den Anschluss der, für 11:00 Uhr auf der Hauptbühne am Markt geplanten, Eröffnung des Dessauer Stadtfestes, verpasst. Schnellen Schrittes preschten sie durch die Häuserschlucht der Einkaufspassage, was bei der schon vorherrschenden Hitze nicht ganz ohne war. Geschafft haben sie es nicht. Der Fürst hatte schon sein Wort an das Volk davor und die Adelsgesellschaft (unsere Damen waren darunter, da sie pünktlich waren) auf der Bühne gerichtet und alle herzlich zu seinem Fest eingeladen. Einige Programmpunkte und Standorte hatte Fürst Leopold genannt und wir nahmen uns davon den historischen Mittelaltermarkt vor. Der Weg dorthin war die reinste Hitzeschlacht und hätte ihn seine Begleitung nicht aufgefangen, hätte es den ollen Cämmerer wohl umgebrettert. Kühle Fassbrause, - die edle rote, brachte ihn schnell wieder auf  de Beene. Danach freudige Begrüßung eines Teils des „Scherbelhaufens“.

Im Lager zurück, begrüßten wir unsere Freunde der Dresdner Barocktänzer von >>Les amis de la danse baroque<<, - hier besonders gern den süßen kleinen Nachwuchs namens Odin. Auf der Bühne folgten wir seinen Onkels und Tanten bei ihren barocken Tanzschritten. Auch das Glockenspiel war wieder zu hören und einige unserer Damen sahen (hörten) darin das Signal zum Aufbruch zur gemeinsamen Fahrt zum Schloss Mosigkau. (Begeistert trafen sie nach ca. 2 Std. wieder ein.)

Wir hier gebliebenen erfreuten uns erneut an den Drehorgelspielern und einem Platzkonzert des >>Musikkorps der FFW Eichsfeld<< unter Maik DONNER.

Dabei hatte es der Adel gut, denn er konnte jederzeit in den Schatten ausweichen, die Kerls bei ihren Exerzierübungen konnten das nicht. Der Major (Andreas PÖSCHEL) war unerbittlich.

Die Fürstin war gerade noch pünktlich aus Mosigkau zurück und konnte die  Damen ihres Hofstaates und befreundeter Höfe zur historischen Kaffeetafel, die des Hofkonditors Handschrift trug, bitten. Unsere Damen ließen es sich munden und die süßen Leckereien bekamen den meisten besser als die bullige Hitze. Da musste schon mal eine Sonderkalesche mit blauer Fackel vorbei kommen. Wie waren wir alle froh, als wir später die Fürstin Luise und unsere Baronin von Zetau wieder wohlauf und bei Kräften antrafen.

Sicher haben auch die Vierbeiner der >>Traditionsreiterei der Seydlitzkürassiere<< unter der Hitze gelitten, aber ihre Reiter wussten wohl, was ihnen zuzumuten war und so lieferten diese eine sehenswerte Vorführung auf den zehn Pferderücken ab.

Im Lager wurde exerziert, die Kanonen donnerten, Leierkasten wurden strapaziert und die „Glocken auf Rädern“ gaben den Ton an und die Meistertänzer der Dessauer Gruppe >>Saltatio Burgus<< zeigten Tänze des, Mittelalters, der Renaissance und aus dem Frühbarock (sehr ansehenswert). Später waren auch noch mal die Barocktänzer aus Dresden zu sehen.

Der Cämmerer/Rezensent hat das alles mit Interesse und Freude verfolgt, aber sein ganz persönlicher Höhepunkt ließ auf sich warten. Doch dann kündigte er sich lautstark an, - die >>D’Wefzga – Guggenmusik<<  aus Bietigheim!!! Eine wohl recht lautstarke, aber mit so viel Freude und Hingabe gespielte Musik, - die man immer und immer wieder gerne hört. Da war ihr schneller Abmarsch zur Hauptbühne (hier Programmvorverlegung) sehr schade.

Wie im Vorjahr, so gab es auch heuer 22:00 Uhr auf dem Festplatz den >>Großen Zapfenstreich<< mit den Pferden der Traditionsreiterei und unter Einbeziehung der Teilnehmer am Feldlager. Den musikalischen Part gab dabei wieder die Truppe aus Eichsfeld. Schön, aber mit den Zapfenstreichen früherer Jahre, so wie am Johannbau, nicht schritt haltend.

 

Erwähnen möchte der Rezensent noch, dass auch heuer der Termin des Leopoldsfestes so lag, dass er mit dem Geburtstag unseres Freundes Bernd SCHALLER zusammen gefallen ist. Wir TDBer gratuliertem ihm mit einem kleinen Präsent und von Herzen kommenden guten Wünschen.

Wer den Himmel flammen sehen wollte der musste bis nach 1:00 Uhr am Sonntagmorgen ausharren. Der Cämmerer gehörte nicht zu den Unentwegten, aber ihm wurde berichtet, dass das Höhenfeuerwerk der Stadt Dessau sehr schön gewesen wäre. Schön, wie das ganze bisherige Fest, - wenn es nur etwas kühler geworden wäre!

Das Frühstück eröffnete den Sonntag und gestaltete sich völlig ungewöhnlich. So erbat man sich etwa einen Löffel Milch (da gemaddelt) oder einen Schluck Butter (da diese geschmolzen), - aber ansonsten alles wie immer…

Damit der olle Weltenverderber Attila (Michael SCHNEIDER) nicht ebenfalls dahin schmilzt, gaben ihm die Kameraden der Feuerwehr eine kräftige Dusche aus dem C- Rohr.

Die Lützower Jäger hingegen gaben Feuer aus ihren Donnerrohren, was die hochedle „Fadima- Cosel“ etwas unfein fluchend aus dem Klappsessel gewummst hat…

Auch so eine Art „Robin Hood – Ersatz“ ging im Lager um und ließ sich von der Damenwelt seine superschönen Beine bewundern, - wenn man halt nüscht weiter zum bewundern hat!

Es klingt orthodox, aber unsere Zarewna wurde dazu ausersehen uns beim Gottesdienst zu vertreten. Offenbar wurden in des Alten Fritzen Armee alle Feldprediger schon verheizt, denn der Fürst selbst nahm auch in diesem Jahr die ökumenische Andacht vor. (Wie zu hören war, sind danach keine größeren Kirchenaustritte zu verzeichnen gewesen!!!)

Unsere, offenbar wenig hitzeresistenten, Weißenfelser begannen schon mit dem Abbau ihrer Zelte, denn die, die sich nunmehr in die Roben und unter die Allongeperücken quälten um beim Festumzug dabei zu sein, wollten Katrin, Sven und Michael partout nicht begleiten. Auch der Dresdner Hofstaat war arg geschmolzen, aber, - da gelobt ist, was hart macht, - brachten wir dennoch 10 Adelsleute auf die Strecke. Es war schon hart, - und wohl bei nunmehr 41°C im Schatten nur durch die reichlich am Wege ausgeschenkten Mineralwasser zu schaffen. Wer wollte manchem der Dessauer, die all die Jahre ein ganz tolles Publikum waren, heuer verübeln, bei der Hitze lieber in der kühlen Wohnung geblieben zu sein. Die aber den Wegesrand säumten, bewunderten beklatschten, und bedauerten die Teilnehmer am Hitzeumzug ganz frenetisch und in Herzlichkeit. Ungefähr nach der Hälfte der Strecke mutierte der Cämmerer zum Landjunker Hans Adam Freiherr von Ende (Bernd SCHWABE – Darsteller beim Parkfest) und begleitete die beiden unentwegten und etwas einsamen Adelsdamen aus Altjeßnitz bis zum Ziel an der Bühne am Markt. Dort ging er dann im Schatten des Rathauses zu Boden, -geschafft aber glücklich… Die beiden Altjeßnitzer Damen waren dann zur Mund zu Mund- Beatmung des Freiherren/Grafen leider nicht mehr aufzutreiben…

Unsere kleine Zeltstadt war derweil schon im Abbruch begriffen, aber wir ( der noch anwesende Rest aus TDB und AKB) folgten Fürst Leopold zu einem (der wenigen) schattigen Plätzchen im Stadtpark und nahmen am traditionellen Abschlussappell teil. Zarewna Nadin und der Cämmerer nahmen für den TDB die Erinnerungsurkunde aus fürstlicher Hand entgegen und das Teilnahmebanner erhielt einen Ehrenplatz an der neuen Sachsenstandarte unseres gefürsteten Reichsgrafen von Reuß zu Köstritz (Thomas HEFFT).

Damit war das 10. Leopoldsfest der Stadt Dessau- Rosslau für uns Historiendarsteller gelaufen und der nun folgende völlige Abbau und das Verstauen unserer Zelte war noch mal ein harter Akt. Es steht fest, solch Hundswetter mit derartig hohen, fast nicht erträglichen, Temperaturen, hatten wir wohl bisher noch nie bei einem Event. Dessau 2015 stellte die Gartentage in Großsedlitz glatt in den (nicht vorhandenen) Schatten. Aber trotz alledem, es war wieder schön bei Leopolds Geburtstagsparty und Teilnehmer wie Besucher werden dafür zu danken haben, dass es zum gewohnten Bekannten, heuer auch einige sehr schöne neue Programmpunkte gegeben hat. Das Fehlen der meisterlichen Potsdamer Barocktänzer >>Les danseurs de San. Souci << bedauert der Rezensent wiederum.

Namens meiner Vereinskollegen des TDB und der Mitstreiter aus dem Arbeitskreis Barock in Sachsen, möchte ich den Organisatoren und Helfern des Feld- und Lustlagers des 10. Leopoldsfests ganz herzlich für all das Gebotene danken. Da wir bei früheren Leopoldsfesten schon abgesoffen waren, und nun fast einem Hitzschlag erlegen sind, wäre doch beim 11. Leopoldsfest ein kräftiger Hagelschlag mit Temperatursturz mal ganz was anderes, oder?

Egal wie das Wetter wird, wenn der Alte Dessauer ruft, der Dresdner Hofstaat ist wieder mit dabei und pflanzt seine Standarten im Stadtpark (der hoffentlich sein Areal und Gesicht als "Grüne Lunge" Dessaus behält) auf . Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 13.07.2015) 

 

 

 



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