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Auf dem Stein des Königs am 3. Mai 2015

Ein Besuchermagnet lädt ein

Auf dem Stein des Königs

Besuch der Festung Königstein mit Besuch der neuen Exposition

(Sonntag, den 03. Mai 2015)

 

Wir erfuhren, dass es auf der Festung Königstein, nach vielen umfassenden Restaurierungsarbeiten, nun auch eine neu gestaltete Ausstellung zum Thema „800 Jahre Festung Königstein“ gibt. Honoratioreneröffnung war am 01. Mai und wir waren am 03. Mai in unseren Barockroben gern und ohne Eintritt zahlen zu müssen, gesehen. Als wir uns gegen 11:00 Uhr am Parkhaus des unteren Festungsparkplatzes trafen, waren wir mit unseren 23 barock gewandeten Adelsleuten schon eine ansehenswerte Schar, die noch stärker in Erscheinung getreten wäre, wenn nicht einige Dresdner Barockfreunde schon am Vortage ihren Besuch abgestattet hätten und unsere Reichsfürstin samt Hofdame mit ihrer Kalesche nicht unterwegs liegen geblieben wäre.

Nach Eintreffen des Kurfürsten und der Begrüßung durch den Festungskommandanten Generallieutenant Freiherr Moritz August von Spörcken, bestiegen wir den Festungsexpress und fuhren der Festung entgegen. Das letzte Stück (sehr steilen) Weges ersparte uns der Aufzug.

Angekommen und Positur gestanden für ein Gruppenfoto, begaben wir uns auf eine Umrundung der Festungsbauten. Trotz der vielen anders lautenden Wetterprognosen, lustwandelten wir bei herrlichstem Sonnenschein und wunderbarer Fernsicht, - hier, wo mancher Insasse früherer Zeiten keine Lustanwandlungen hatte, denn der Königstein war berüchtigt für seine strenge, wenig humanitäre Festungshaft.    

Wer nichts ausgefressen hatte, der kam allerdings so einfach nicht in die Festung:

Der Besuch der Festung war zu früheren Zeiten zumeist mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Es mussten besondere Anträge für Pässe beim Kriegsministerium beantragt werden. Trotz dieses Eintrittsbilletts durfte man nur anderthalb Stunden auf dem Plateau verweilen und musste zu allem Übel auch noch einen Taler und zehn Neugroschen löhnen…

Wer nicht nur besuchsweise hier war, sondern seine Haftstrafe verbüßte, der hatte ein größeres Übel zu ertragen. Kanzler Nikolaus Krell, Wolf Dietrich von Beichlingen, der Musikdirektor Carl August Röckel (49er), der Porzellanerfinder Johann F. Böttger (1706/07), der Anarchist Michael Bakunin, der als Skandalschriftsteller geltende Frank Wedekind, die Arbeiterführer August Bebel, und Fritz Heckert, sowie etliche kriegsgefangene französische Generale waren einige der vielen prominenten Häftlinge der Veste… (Nicht aus unserem Gedächtnis streichen wollen wir die zahlreich Opfer unter den NS-Zwangsarbeitern, deren Lager dort war, wo heute das moderne Parkhaus steht.)

Wir hatten es da besser, denn zahlen mussten wir nur für die gipfelbringende Nuckelpinne und auch die Toilettenfrauen zeigten sich unerbittlich. Der Eintritt war für alle Robenträger frei, auch der Besuch der Ausstellung. Und wir wussten, wenn die Füße erlahmen, können wir ungehemmt den Heimweg antreten.

Die neue Ausstellung zur Geschichte der Veste, die unter der Bezeichnung „In Lapide Regis*) titelt, ist, um es entsprechend auszudrücken, einfach phantastisch. Hier wurden 2,0 Millionen Euro für eine wunderbare Sache ausgegeben und auch die 12,5 Millionen für die Sanierung von Torhaus und Streichwehr sind gut angelegt. Die Festung Königstein war schon immer ein interessanter Besuchermagnet, - der Thälmannpionier Bernd S. freute sich immer sehr, wenn der Wandertag auf die Festung führte. Hier waren die Kanone „Dicke Magd“ und weitere Donnerrohre, der tiefe Brunnen, die Blitzeiche und viele Dinge, die die Knirpse begeisterten. Heute begeistert die Alten (aber nicht nur diese) eine Ausstellung, deren Erfolg vorprogrammiert ist. Tolle Exponate erfreuen den Besucher und dort, wo sich, unter den Augen von Augusts Töchterlein der Gräfin Orselska, der Sachsenfürst und Polenkönig und der Soldatenkönig aus dem Preußischen gerade in Begriff sind die Hände zu reichen, möchte man diese liebend gern auch schütteln, - als Dank an die Ausstellungsmacher!!!

Wenn der Rezensent seiner Begeisterung freien Lauf lassen würde, dann würde er seinem Bericht wieder eine totale Überlänge verpassen. Seht es Euch selber an, - die Festung Königstein ist immer einen Besuch wert. Das jetzige Ausstellungskonzept und die Exponate sind eine Schau für sich.

Bemerkenswert an unserem Ausflug auf den „Stein des Königs“ war noch, dass das Wetter die ganze Zeit über ausgehalten hat und es erst zu tröpfeln begann, als wir in den Chaisen saßen. Wir haben es halt nicht anders verdient.

Resümierend stellten alle Beteiligten unserer Adelsgesellschaft fest, dass wir einen wunderschönen, lehrreichen und erinnerungswerten Ausflug auf Sachsens berühmtesten Tafelberg hatten.

*)  Am 7. Mai 1241 „in lapide regis“ war die Grenzvertragsunterzeichnung zwischen König Wenzel I. von Böhmen und dem Bistum Meißen. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 07.05.2015)

 

 



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