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Barockparkfest in Lichtenwalde (02. bis 03.08.08)

 

Lustwandeln in einem der schönsten deutschen Parks - Barockfest in Lichtenwalde

 

Ich gebe zu, dass wir ziemlich ahnungslos nach Lichtenwalde, einem Ortsteil von Niederwiesa im Landkreis Freiberg, gereist sind, nicht ahnend was uns hier für eine Perle barocker Gartengestaltung erwarten würde.
Fast vor der eigenen Haustür gelegen gibt es hier ein prächtiges restauriertes Schloss, mit weitläufigem Park, das zu besuchen sich schon viel eher und viel öfter gelohnt hätte. Nun waren wir eingeladen, am Wochenende 02./03.08.08, am dortigen Barockfest mitzuwirken und konnten uns beim Flanieren, in Robe damaliger Zeit, in diesem schönen Gelände, an der Schönheit und dem Geschick der Gärtner, ergehen und diese Perle deutscher Gartenarchitektur etwas näher kennen lernen. Eine Perle, die im Jahre 2005 zu einem der schönsten Parkanlagen Deutschlands gekürt wurde.
Die Geschichte von Schloss und Park ist lang. Uns interessiert besonders die Zeit des Barock und so erfuhren wir, dass der Reichsgraf von Flemming die damalige alte Burganlage aus dem Besitz der verschuldeten Adelsfamilie von Bünau ersteigerte, um den Besitz bereits 1722 an den Reichsgrafen Christop Heinrich von Watzdorf zu veräußern. Jener Adelsherr errichtete auf dem Areal der alten Burg ein weiträumiges und prächtiges Barockschloss, dem sein Sohn Carl Graf von Watzdorf ,ab 1730, in siebenjähriger Bauzeit, den heute so herrlich wiedererstandenen Barockgarten und Landschaftspark hinzufügte. Man kann heute wieder den Blick in die einzelnen Gartenteile und die Weite der umliegenden Landschaft schweifen lassen, - wir waren regelrecht bezaubert vom Blick in das Tal der Zschopau, was so nicht möglich sein könnte, wenn nicht nach dem 1945 beginnenden Niedergang, seit 1954 der Verwilderung Einhalt geboten wurden wäre. Das 10 Hektar- Areal wurde zwischen 1990 bis 1997 umfassend saniert und seiner ursprünglichen Form nahe gebracht. Seit 2004 erstrahlt der Garten in altem Glanz, wovon die Besucher besonders von den Wasserspielen, wie den „Sieben Künsten", beeindruckt sein dürften. Wir waren es, auch als schmückendes „Beiwerk" zu den Fotos der Adelsleute vom Dresdner Hof August des Starken. Selbiger weilte anderenorts und hatte Pflichten im Parke zu Großsedlitz nachzukommen.
Seine Hofschranzen kamen erwartungsfroh am Orte an und hatten zunächst die Ernüchterung, dass der ihnen zur Verfügung gestellte Platz für ihr Biwaklager völlig ungeeignet war, denn der Hartplatz ließ die (zu den Zelten gehörenden, historischen) Heringe nicht einen Zentimeter in den Boden eindringen. Da der Besuch diverser Baumärkte zum Erwerb von geeigneten Stahlnägeln erfolglos blieb, musste schnell ein Ausweichplatz für unsere historischen Zelte gefunden werden. Der lag nun leider nicht ganz im Bannfeld der „Fressmeile", eher etwas abseits und nicht nur Etwas abschüssig... Das Wetter war zunächst am Samstag nicht sehr besucherhold und daher verirrten sich am ersten Tag des Festes nicht zu viele Besucher in das Refugium der Adelsleute. Am sonnigen Sonntag sah dies ganz anders aus und der Besucher Andrang war beträchtlich, so dass wir reichlich Rede und Antwort zu „unserer" Zeit des Barock und unseren Verein zu stehen hatten.
Dann zum Abendbrot hatten wir noch einen ganz speziellen Gast. Das, von uns zur Lager-Katze ernannte, Miezchen, beteiligte sich gern am Spanferkelessen (Dank den Sponsoren aus'm Fränkischen!) und stattete ihren Dank derart ab, dass sie uns am nächsten Morgen ein etwas stark lädiertes Mäuschen vor das Zelt legte. So nett sind die Lichtenwalder!
An beiden Tagen erwartete die Besucher ein umfangreiches und abwechslungsreiches Besuchsprogramm, wozu der gastgebende Reichsgraf von Watzdorf (Norbert HEINE) und seine Herzdame Gräfin von Cosel (Birgitt LEHMANN) einluden und auch durch das Programm führten. Besonders die Gräfin tat es wortgewandt und wirkungsvoll mit vielen Erklärungen, was uns gar wohl gefallen hat. Das trifft auch auf die meisten Programmpunkte zu. Hervorgehoben seien das Duo „Dreifach" - Spielleute mit Wortgewandtheit und meisterhafter Situationskomik. Neudeutsch: Große Klasse, barock ausgedrückt: Es war ein >>grande plaisier <<. Das trifft auch auf die Tanzgruppe >>Rot- Weiß<< aus Pegau zu, deren Akteure sehenswerte Showtanzeinlagen, angelehnt an die Tänze der Barockzeit, zu bieten hatten. Etwas rauer ging es bei den Kaskadeuren aus dem Böhmischen zu, deren Fechtszenen allerdings so gekonnt vorgetragen wurden, dass keiner der Landsknechte wirklich zu Boden ging. Zu Boden, oder besser zu Wasser im tiefen Brunnen ging dagegen der böse Wolf, der vorher Oma und Rotkäppchen verspachtelt hatte und letztendlich mit Wackersteinen vorlieb nehmen musste. Das kleine mobile Einmann-Marionettentheater gehörte, dank der gekonnten Spielweise des Puppenspielers, zu den Höhepunkten dieses Festes, wozu noch Barockmusik einer Streichergruppe, Spielszenen um die Intrigen gegen die Gräfin von Cosel und nicht zu vergessen die Darbietungen „unseres" >>Kurfürstlichen Barockensembles Dresden<< mit Bernhard und Thomas an Klavier und Bass, sowie der Gräfin von Königsmarck (Silvia WEISE) an der Querflöte und dem Gesang der Hofsängerin Regina de Moretti (Regina SCHWABE) gehörten.
Das Höhenfeuerwerk am Samstag brachte viel Farbe in den abendlichen Himmel über Schloss und Park Schönwalde.
Uns Mitgliedern des Traditionsvereins Dresdner Barock brachte dieses Wochenende, in schöner barocker Kulisse, viel Spaß und Freude. Besonders freute uns die Anwesenheit unseres so schwer erkrankten Freundes Bernd ROSSMANN, der zwar an das Zelt gebunden, aber dennoch, als Sächsischer General Akzise Direktor Graf Magnus von Hoym, gefragt als Gesprächspartner interessierter Festbesucher war.
Wir danken dem Organisationskollegium für dieses schöne Fest und die Einladung. Gern führen uns unsere Wege wieder einmal in den schönen Barockpark von Lichtenwalde, schon um dann die wiedereröffneten Museumsschauen im Schloss erleben zu können.
Bernd Schwabe

 

 



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