Print This Page

Teschen- Markt in Hoyerswerda vom 12. bis 14. 12. 2014

Der Weihnachtsmarkt der Reichsfürstin

Der TDB als Hofstaat der Reichsfürstin Urszula Katarzyna von Teschen bei ihrem Weihnachtsmarkt in Hoyerswerda vom 12. bis 14. Dezember 2014 dabei

Wir,

Urszula Katarzyna

 de Domo zu Altenbockum Fürstin Lubomirska – Prinzessin von Württemberg – Winnental und Reichsfürstin von Teschen,

Herrin der Standesherrschaft zumb Hoyerswerda und 57 weiteren Belehnungen, sowie 32 Mühlen in lausitzischer Gegend gut vertheilet,

erlauben Uns, Euch edle Herren und dazuigen hochgeborenen Damen, sowien Unser getreues Volck gar herziglich zu Uns auf Hoyerswerda einzuladen, um mit Uns gar fiehl Pläsier bey dem vorweihnachtlichen Markte, dem Wir unseren guten Namen gegeben haben, zu erleben.

So eilet herbey, wenn Wir in Unserer Stadt die Weihnachtslichte entzünden und vielerley liebliche Gerüche und gar manches Schmankerl für Euren verwöhnten Gaumen rufet und Euch animieret, mit Uns gar fiehl Vorfreude zumb dem nahenden Christfeste zu haben.“

So hat die Herrin über Stadt und Umland Hoyerswerda, die Reichsfürstin von Teschen gerufen und wir, der Dresdner Hofstaat, - rekrutiert aus Mitgliedern des TDB, folgten diesem Aufruf zum wiederholten Male, um dort, gemeinsam mit den Bewohnern, ein nettes vorweihnachtliches Fest zu feiern.

Schon zu später Mittagsstunde des Freitag fuhren unsere Kaleschen in die Stadt ein, wo der Hofstaat Quartier zu nehmen gedachte. Jene Schänke, deren Name sonstig ein Vogel des Eismeeres trägt, nämlich „Pinguin“, war dem Adelsvolk auch schon im vergangenen Jahr eine gute Ruhestätte nach regem Marktgetriebe. In der Kutsche der Hofsängerin (Regina SCHWABE) hatte noch die Zarewna von Russland (Nadin SCHUBERT), die Freifrau von Schadow (Annett SCHADE) und die Witwe des Grafen von Bünau (Elke METZNER) Platz gefunden. Neben dem Leibkutscher hatte der Kämmerer Graf zu Nau (Bernd SCHWABE) sein Plätzchen gefunden. Während die Hofsängerin die Ehre der Abholung seiner königlichen Hoheit, des Prinzregenten Philipp II. Pair von Bourbon, Herzog von Orléans und Anjou (Rudolf FRITZSCHE) vom Dampfrossbahnhof wahrnahm, trafen auch der sächsische Botschafter am Wiener Hof, der Wirklich Geheime Rat Karl Friedrich Herzog von Hohenberg mit seiner Gemahlin Leopoldine (Volker und Peter HERZOG VON HOHENBERG RUH) an der Poststation ein. Nicht viel später trabten auch die Rösser des Gouverneurs der Feste Königstein,  Generalleutnant Moritz August Freiherr von Spörcken in den Hof der Ausspanne, wo jener seiner ehrenwerten Gemahlin aus der Kutsche half (Gerd und Veronika JACOB).

Nach kurzer Stärkung durch einen kräftigen Türkentrunk und den Wechsel von Reisekleidung in edle Festgewandung, stand der Hofstaat bereit, um von der Gastgeberin Reichsfürstin von Teschen (Cornelia SCHNIPPA) begrüßt und zum Ort des künftigen Geschehens, dem Weihnachtsmarkt, geführt zu werden.

Die Dämmerung fiel nun schon über den Markt und die bunten Lichter des Weihnachtsbaumes und der Marktstände spiegelten sich im Asphalt, der während der gesamten drei Markttage leider nie trocken wurde. Dafür aber die Schirme der Damen und die Roben der Herren umso mehr und oft feucht.  Das Wetter hielt wohl, zumindest an diesem Freitag, das Marktgetümmel in Grenzen und der mdr wäre gut beraten gewesen, seine Weihnachtsmarkt- Beliebtheitsfragen am Folgetag zu stellen.

Auf der Bühne wurde weihnachtliche Blasmusik gespielt und der Weihnachtsmann (Reinhard FLADE), den wir soeben noch als Zivilist in der Tourist- Information angetroffen hatten, war nun schon in seiner tiefroten Arbeitskluft fleißig im Einsatz und machte erste glänzende Kinderaugen. Der Hofstaat folgte der Namensgeberin des Marktes zu den Ständen der Handwerker, Händler und zu den Glühwein- und Grillständen. Hier wurden schon erste kritisch bewertende Blicke auf die Auslagen und die Art des Anbietens gerichtet, denn auch heuer sollten die drei Besten Stände ermittelt werden.

Gegen 17:30 Uhr kündigte sich die Kutsche der Reichsfürstin an. Ihr entstieg die Teschen selbst und es folgten ihr hoher Gast aus Frankreich, der Herzog von Orléans und der alte weißbärtige Zeitarbeiter. Später lenkte auch der Schuldheiß seine Schritte auf den Markt und gemeinsam mit Weihnachtsmann und der Teschen, sowie dem Bescherkind und weiteren Sorbinnen eröffnete er sodann den 2014er Teschen- Markt.

Neben der Bühne harrte der Hofstaat aus und auch der überlange Stollen, den nun Reichsfürstin, Weihnachtsmann und Oberbürgermeister anschnitten und unter das Publikum verteilten. Auch die adeligen Gourmets aus der Residenz probierten und befanden ihn als gut, aber etwas trocken. Ist halt doch ein Unterschied zum zertifizierten Dresdner Christstollen mit Gütesiegel.

Weiter ging der Rundgang und so wurden dabei (so ganz nebenbei) die verschiedensten Varianten von Glühwein, Punsch und Co. probiert und dem leckeren Eierpunsch die Krone des Genussvollsten zugesprochen. Der Gourmet de la Francaise Herzog Philipp ging der Nase nach und fand unter vielen angebotenen, bald die beste Bratwurst. Des Pairs Grande Appetite ist schon erstaunlich. Verpflegungsbons, so sie aufgetaucht wären, hätten den Appetit vielleicht noch verstärkt.

Da das Marktende für diesen Freitag nahte, die Feuchte von oben sich verstärkte und unten die Füße nicht mehr wollten, baten wir die Reichsfürstin um Entlassung und strebten alsbald unserem Quartiere zu.

Nun folgte der gemütliche Teil und das „Café Pinguin“ konnte erfolgreich beweisen, eine gute Küche zu haben. Mit der Bevorratung an stärkeren schöngeistigen Getränken sah es hingegen etwas mau aus. Aber das sollte uns nicht Trübsal blasen lassen, denn wir hatten sehr viel Spaß. Hier schon stellten unsere Herzöge VON HOHENBERG fest, dass sich der weite Weg vom österreichischen Burgenland bis ins Sachsenland gelohnt hat. Und weil es ihnen in unserer Mitte so gut gefällt, bekundeten sie, dass die räumliche Entfernung kein Hinderungsgrund einer (weiteren) Mitgliedschaft im TDB sei. Dieses Adventswochenende hat zu besserem Kennenlernen und Abbau von Vorbehalten, auf beiden Seiten, erfolgreich beigetragen. SCHEEN!!!

Der zweite Markttag begann mit einem opulenten Frühstück, welches keine Wünsche offen ließ.

Dann begab sich der Hofstaat, - jetzt ganz Inkognito (sprich: in heutiger Kledage) auf einen kleinen Bummel durch die Hoyerswerdaer Altstadt. Hier nun stieß auch unsere Vereinsvorsitzende Silvia WEISE, die sich später zur Gräfin von Königsmarck verwandeln sollte, dazu. Das Wetter war dazu angetan, auch jetzt schon wärmende Getränke zu sich zu nehmen und es trieb uns dann doch recht schnell wieder in unser Quartier.

Während wir hier schon beim Kleiderwechsel waren, konnte mit Werner POHLE, dem Darsteller August des Starken, ein Eintagesbesucher unseres Festes begrüßt werden. Ihm folgten dann auch unsere Freunde Heidrun und Günther TENNERT, die im TDB das Freiherrenpaar von Erdmannsdorff verkörpern. (Was ihnen die Presse wohl nicht zugestehen wollte, denn in der „Lausitzer Rundschau vom 15.12.14 war zu lesen, dass der Besuch aus Österreich in diese Rollen geschlüpft sei. Mancher Pressemensch kann halt nicht richtig zuhören!)

Nach einem Gruppenfoto mit Pinguin, setzte sich der Hofstaat, angeführt durch August II. in Richtung Markt in Bewegung.

Erste Nachfrage nach den vertragsmäßig zugesagten Verpflegungsbons blieb erfolglos.

Einem ersten Rundgang folgte der Besuch unserer traditionellen Apfelpunsch- Anlaufstelle bei der Fa. „Kräuter Mayer“. Seit drei Jahren freut man sich auf den Besuch der hochedlen Gäste der Teschen in ihrem Geschäft.

Anschließend führte uns unser Weg noch in die nahe gelegene Kirche, wo wir in eine Probe von Kirchenchor- und Orchester gerieten und damit noch etwas mehr mental in die Vorweihnachtszeit eingestimmt wurden.

Zurück auf dem Markt, wurde weiterhin nach den besten Ständen gesucht, auch nach Verpflegungsbons (wieder erfolglos) und gern ließen sich die Adelsleute auch vom „WOCHENKURIER“- Fotografen gemeinsam mit dem Weihnachtsmann ablichten. Bei weiterer Eierpunsch- und Bratwurstkonsumtion und unter Jagdhornklang von der Bühne, verging die Zeit wie im Fluge. Und auch der Weihnachtsmann wurde betreffs Verpflegungsbons nicht fündig.

Es wurde schon dunkel, als der ehrenwerte Generalleutnant von Spörcken, die Adelsleute auf die Bühne geleitete, wo sie der Ankunft ihrer reichsfürstlichen Gastgeberin Urszula Katarzyna von Teschen entgegensahen. Bald war das Schlagen der Hufe zu vernehmen und die hochherrschaftliche Kutsche hielt vor der Bühne. Die Teschen und ihr königlicher Gast, der Prinzregent von Frankreich Philipp II. entstiegen ihr und nahmen ihren Weg zu Bühne. Hier stellte sie der Kämmerer dem Hofstaat und dem Volke ebenso vor, wie die gesamte Adelsgesellschaft aus Dresden.

Die Hofdame der Fürstin, Gräfin zu Nau, aber griff in das weitere Geschehen ein, indem sie der Reichsfürstin eine Überraschung ankündigte. Diese ließ nicht lange auf sich warten. Einer weiteren Kutsche entstieg, der Fürstin wollte der Atem versagen, ihr so lange Zeit schon schmerzlich vermisster, seinerzeitiger königlicher Liebhaber Augustus Rex.

Mit warmen Worten begrüßte dieser seine ehemalige Herzdame, und vergaß dabei auch seine erste Dame zur Linken, die ehrenwerte Aurora Gräfin von Königsmarck nicht.

Dem Landesherren und der Reichsfürstin zur Ehr und dem Volk von Hoyerswerda zur Freude, stimmte die Hofsängerin und Gräfin Königsmarck einige der beliebtesten deutschen Weihnachtslieder an.

So recht weihnachtlich eingestimmt, folgte nun Majestät und der Hofstaat der Fürstin zum Schloss, wo es einen „Ableger“ des Teschen- Marktes und viele interessante Dinge aus der Geschichte der Stadt zu sehen gab. Auf dem Weg dort hin, war schon zu bemerken, dass die Teschen sehr bewandert in der Stadtgeschichte ist (kein Wunder, ist sie doch im Zweitberuf Gästeführerin).

Nach dem einige der Adelsleute (zwecks Lichtmalerei) ein Kutschenrelikt erklommen hatten, - dem Kämmerer wurde nur der Kutschbock zugestanden, - wurde der Heimweg zum „Pinguin“ beschlossen.

In bequemere „Lagerkleidung“ umgezogen, wurde nun wieder gar königlich zu Abend gespeist und noch etwas mit unseren Tagesgästen Werner POHLE und Heidrun und Günther TENNERT beisammen gesessen.  

Dann wechselten wir die Lokalität und gaben dem Damenstift im Hinterhaus die Ehre unseres Besuches.

Irgendwann wurde aber unsere Müdigkeit bleiern und so verkroch sich jeder in sein eigenes Bett und träumte von verschollenen Verpflegungsbons.

Der Sonntagmorgen präsentierte sich noch etwas feuchter als die Vortage und so wurde beschlossen, nach dem Frühstück auch etwas von der Hoyerswerdaer Neustadt in Augenschein zu nehmen. Zunächst wurde die Gesellschaft zur Lausitzhalle gelockt, wo ein gewisser Aquarienfreund SCHWABE eine Zierfischbörse vermutete… Das Ankündigungsplakat von Samstag, den 13.12.14 wurde auch noch vorgefunden. Nun, was jetzt hier noch zu sehen war, ist die Tristesse einer typischen sozialistischen Wohnsiedlung, in der sich in den letzten 25 Jahren nicht viel verändert zu haben schien. Wir machten schnell kehrt in unser schönes warmes und trockenes Quartier.

Doch bleiben konnten wir dort nicht. Wir hatten eine andere Bestimmung. Die nunmehr eingetroffene Reichsfürstin ließ uns keine Chance und scheuchte uns in die Roben und hatte noch ein besonderes Lockmittel dabei: ganz frische hausgeschlachtene Bockwürste.

So waren wir bald wieder im Regen unterwegs und waren froh, der Einladung des Kino- Chefs Herrn SPRECHER folgen zu können. Auf dem Weg dort hin, präsentierte uns der wojo- Geschäftsinhaber schokoladigen  Genuss & Freude, welche wir uns gern auf der Zunge zergehen ließen.

Im Kino „CineMotion“ empfingen wir weitere Freude und Wärme durch die fachkundigen Erklärungen Herrn SPRECHERS und den spendierten Kaffee und/oder Sekt.

Vorbei an der Tourist- Information (natürlich mit erfolgloser Nachfrage nach den Verpflegungsbons) ging es im Gefolge der Fürstin zurück zum Markt und neben Ausführungen zu Röhrenbrunnen, Adelswappen und Klang- Apotheke hörten wir noch von vielen anderen wissenswerten und kuriosen Dingen…

Bei diesem Rundgang wurde nun unsere Entscheidung zur Prämierung der drei besten Marktstände unumkehrbar festgelegt.

Doch zunächst begab sich die Adelsgesellschaft gegen 15:30 Uhr nochmals auf die Bühne und empfing dort die Reichsfürstin Lubomirska von Teschen und den Herzog von Oléans und Anjou. Auch diesmal erklangen hier auch wieder weihnachtliche Lieder.

Anschließend wurde der Weihnachtsmann aufgetrieben und gemeinsam übergaben wir die Urkunden für die drei besten Stände und dem Sieger überreichte Knecht Ruprecht noch einen Geschenkekorb.

Ein letzter Rundgang brachte weitere nette Begegnungen mit den Hoyerswerdaern und bei unserer Verabschiedung 18:00 Uhr in der Tourist- Information auch die so lange vermissten Verpflegungsbons zu tage. (Wer wird hier schlecht denken!?!) Die wollten wir nun nicht mehr und zogen es vor, noch ein letztes Mal ein Mahl im „Pinguin“ zu uns zu nehmen.

Nun probierten wir auch die Hausspezialitäten des Café „Pinguin“, - nämlich dessen leckeres Eis.

Nach dem Umzug in den Mädchenstift wurden noch einige Bockwürste verschnabuliert, viel gelacht, geklönt und der trockenen Luft entgegengewirkt…

Die nachfolgende Nacht war kurz, doch in manchem Traum tauchten Verpflegungsbons auf, die dem Träumer den 3. Hoyerswerdaer Teschen- Markt noch zusätzlich versüßten.

Nach einem letzten, sehr üppigen Frühstück (übrigens ganz ohne Verpflegungsbons) gab es die große Verabschiedungsszene. Unsere Herzöge Peter und Volker starteten gen Burgenland und wir etwas weniger weit in die Residenz Dresden.

Gemeinsam hatten wir alle, - auch die eher abgereisten Freunde und Tagesteilnehmer, - große Freude an diesem Event, dass uns wieder etwas mehr zusammengeschweißt hat. Das hofft zumindest der Schreiberling dieser Zeilen.

Gern sind wir beim 4. Teschen- Markt am 3. Adventswochenende 2015 wieder mit von der Partie.

Bleibt noch die Notwendigkeit eines Nachsatzes. Da wohl einige prekäre Mängel in der Organisation nicht zu übersehen waren (nicht nur die zurückgehaltenen Verpflegungsbons waren ärgerlich) und wir trotzdem ein erlebenswertes Event hatten, macht sich ein besonderes Dankeschön an Regina nötig. Ihrer Wendigkeit ist zu danken, dass trotzdem alles so gut über die Bühne ging. Dank auch an „Conny“ SCHNIPPA, die sich als Lokalmatadorin erfolgreich mühte, der Reichsfürstin ein glaubhaftes Gesicht zu geben und uns viel Wissenswertes vermittelte. Mit dem Besuch des Kurfürsten, hat Werner POHLE dem Teschen- Markt einen weiteren Glanzpunkt aufgesetzt. Allen mitwirkenden TDBern (besonders, wenn sie ca. 700 km Anfahrt nicht scheuten), gebührt ebenfalls Dank. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 16.12.2014)

 

.

 



Zurück