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Sächsischer Winzerzug zur Hoflößnitz am 5.10.2014

Der Wüntzer Zugk durch die Hoff Lösznütz

Der Sächsische Winzerzug zur Radebeuler Hoflößnitz am 5. Oktober 2014

Eine Generalprobe für den Großen Jubiläums- Winzerzug 2015

Der Hoflößnitz ist urkundlich bescheinigt, dass seine Geschichte, auch als Mittelpunkt des Lößnitz- Meißnerischen Weinbaugebietes, ab dem Jahre 1401 begann. Damaliger Lehnsherr des Berges war der Wettiner Markgraf Wilhelm der Einäugige, der mit seinem gesunden Auge immer einen Blick auf das Gedeihen der Weinstöcke und der Weinkultur hatte. Die weinkulturelle Geschichte der Hoflößnitz wird seit dem 15. Jahrhundert geschrieben, - kunsthistorisch hat sie erst im 17. Jahrhundert eine Bedeutung, indem sie sich auf das dort 1650 erbaute Herrenhaus bezieht. Die äußere Gestalt, Teile der Ausstattung und die Ausschmückung der Schlossanlage sind bis heute unzerstört erhalten geblieben. 500 Jahre lang war die Hoflößnitz Zentrum der wettinisch- herrschaftlichen Weinbauentwicklung. Dieser Zeitraum beinhaltet viele Fakten und Persönlichkeiten, die dem „Kurberge“ des Kurfürsten Moritz "gutt tahten“. Wir wollen uns in unserer Betrachtung mehr „unserer“ Zeit zuwenden und sehen Johann Georg I. als Herr der Hoflößnitz, die dieser aber (belegt) nur einmal betreten haben soll. So gilt sein Sohn Johann Georg II. als der eigentliche Herr des Lößnitzer Weinbaus, den er mehrmalig persönlich in Augenschein nahm und wo er bei dieser Gelegenheit auch den Grundstock einer eigenen dort ansässigen Festkultur legte. Seine beiden Enkel Johann Georg und Friedrich August sahen dies wohl und letzterer, ein allseitig gebildeter, kunstsinniger aber auch lebenslustiger Mensch (Weib Wein und Gesang), war als Kurfürst gern hier, um den Weinanbau zu fördern und um zu feiern und dem Gott des Weines Bacchus seine Ehre zu erweisen. Anfang November d. J. 1715 tafelte Friedrich August wieder einmal in der Hoflößnitz und ein Umzug der Winzer krönte diese Festivität. Dabei waren auch seine Höflinge, die Zünfte und Krämer und „allerley Volcks darbey“. 1727 wurde ein Festumzug gehalten, der erstmals als Winzerzug bezeichnet wurde.

Dennoch bleibt der Umzug des Herbstes 1715 für uns das Jubiläumsdatum und wenn es unserer Vereinsvorsitzenden Silvia WEISE, als damit Beauftragter, gelang, heuer allein 65 Barockdarsteller in den Radebeuler Winzerzug (mit mehr als 400 Darstellern) zu integrieren, so  scheint mir unsere Generalprobe sehr gelungen.

Obwohl als Beginn des Sächsischen Winzerzuges 11:00 Uhr angesagt war, sind wir frühzeitig in Radebeul eingetroffen. Grund ist, dass man dadurch in der Nähe des Stellplatzes eher noch einen Parkplatz ergattert. Uns gelang das und bei der Gelegenheit scheuchten wir die SCHÖNEICHS aus den Federn, da sie im Caravan übernachtet hatten. Bald waren alle gemeldeten TDBer da und wir strebten dem Stellplatz am DDR- Museum zu. Hier trafen wir auf den Kurfürsten Johann Georg II. (Werner POHLE), der hier seine Kurfürstin Magdalena Sibylla von Brandenburg- Bayreuth (Silvia WEISE) in die Arme schließen konnte. Nach und nach vervollständigte sich der barocke Hofstaat, der vom Enkelchen des Kurfürsten Johann Georg, August des Starken (Uwe MÜLLER) hoch zu Ross angeführt werden sollte.(Mir hat sich Uwe als solcher dargestellt. Möglicherweise war er auch als Graf von Wackerbarth beim Winzerzug dabei (?).) Auch einige niedliche Prinzessinnen und Prinzen waren erschienen und waren dazu auserkoren, den barocken Teil des Umzuges anzuführen. Wir begrüßten unseren Prinzen David und den Überflieger (der Herzen) Prinz Paul von und zu Maxen.

Wer ausgehungert erschien, der konnte noch ausgiebig frühstücken und der Durstige konnte sich am Lößnitzwein laben.

Nach dem wir die Kurfürsten, den Schultheißen (OB von Radebeul) Bert WENDSCHE mit Gemahlin, den Geschäftsführer vom Weingut Hoflößnitz Jörg HAHN und die 2014er Weinkönigin Katharina I. (Katharina LAI) begrüßt und mit Wiedersehensfreude (wir trafen uns beim Doberluger Weinfest) der Weinprinzessin (Michaela TUTSCHKE) die Hand geküsst hatten, hieß es, sich einzureihen und der Glauchauer Schlosskompanie, dem königlichen Reiter und der  kurfürstlich – schultheißschen Kutsche zu folgen. Die Vierbeiner vor uns, bestimmten das Tempo, - der kleene Prinz Paul hielt lange Zeit wacker mit, -  und hinter uns trieben die nicht immer richtigen Töne einer Spielmannskapelle zur Eile…

Vom DDR- Museum ging es am Karl May – Museum vorbei und an den Geleisen des „Lößnitz – Dackels“ bis zur Sächsischen Landesbühne (übrigens eine ausgezeichnete Spielstätte!) und über das „Weiße Ross“ hinauf bis zur Hoflößnitz. Eine ganz schöne Strecke galt es zu bewältigen und der Dresdner Uraltadel hatte mächtig zu pusten. Unterwegs trafen wir den Starken August (Steffan REHER) der es verstand, sein müdes Adelsvolk zur freudvollen Vollendung des Umzugsmarsches anzutreiben.

Wir schafften es und wurden von hochedlen sächsischen Adelsleuten (IG Barock 1690) am Hofeingang des Schlosses Hoflößnitz begrüßt. Auch eine (gottlob) arbeitslose Reblaus (Jolanda QUERBEET) sprang uns freudig erregt zur Begrüßung an.

Nun wurden hier die verschiedensten sächsischen Weine probiert und den Ansprachen der Offiziellen gelauscht. Der Organisator der (wiedererstandenen) Sächsischen Weinumzüge Herr Jörg HAHN begrüßte von der Bühne aus die Gäste der Hoflößnitz und die Teilnehmer des Winzerzuges. Dabei verwies er von dieser Stelle aus nochmals auf das Vorhaben, im Oktober 2015, wo, anlässlich des vor 300 Jahren durchgeführten Winzerzuges, ein Großer Jubiläums – Winzerzug stattfindet, der das Zeug für einen Eintrag ins >>Guinnessbuch der Rekorde<<  haben soll. Dazu sind alle Weinfreunde aus der Zunft der Winzer und der Weinkonsumenten, der Gewerke, der Darsteller aus der Zeit der letzten 300 Jahre und alle, die Farbe in den Super – Winzerzug bringen können, herzlich eingeladen.

Auch der Bürgermeister der Stadt Radebeul Herr Bert WENDSCHE und die Weinhoheiten richteten Grußworte an alle Freunde des Sächsischen Winzerzuges.

Dann bat der ehrenwerte Graf von Weißenberg zu Ossig (Frank WEISE) die Adelsgesellschaft an den Fuß Spitzberges, wo für sie ein Imbiss bereit gestellt war. Aus eigenem Antrieb und mit eigenen Kosten hat unsere Vereinsvorsitzende Silvia WEISE, wie im Vorjahr auch schon, ein leckeres Picknick bereitet, dem auch kräftig zugesprochen wurde. Ich denke, dass ich im Namen aller adeligen Kostgänger, unserer Silvia ein ganz herzliches DANKE dafür aussprechen darf.

Die meisten Barockdarsteller hatten am Picknick teilgenommen und so stellten (oder legten) sie sich mitten in den Weinstöcken für ein Gruppenfoto in Positur. Während sich nach und nach die Gesellschaft auflöste, blieben einige Unentwegte noch hocken und schwätzten noch etwas über Gott und die Welt. Dann räumten WEISES ihren „Krempel“ ein und TENNERTS die von ihnen mitgebrachten Bänke. Auch ihnen danke ich dafür.

Der Weg ins Tal zum Parkplatz war dann noch mal die Härte, - die Haxen taten ganz schön weh, - aber wir konnten konstatieren, dass auch der 2014er – Winzerzug sehr gelungen war! So kann man berechtigt hoffen, dass der 2015er noch zu toppen ist. Text: Bernd Schwabe, Fotos: Bernd Schwabe / Fotos vom Umzug: Bernd SCHUBERT (eingestellt am 07.10.2014) Lit.: Dresdner Hefte 54 2/98 Kulturlandschaft Lößnitz - Radebeul

 



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