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Flanieren mit Schnuppergästen in Moritzburg am 10. 08. 2014

Ein Schnupperkurs in Flanieren, - als Hochzeitstagsgeschenk – wir schnupperten mit

Rund um das Jagdschloss zu Moritzburg am 10. August 2014

Seit Anbeginn bietet unser Traditionsverein die Möglichkeit, uns, edel gewandet, auf unseren Flaniergängen zu begleiten. Durch einen derartigen „Schnupperkurs“ ist schon der oder die Eine zum Barock gekommen und auch im TDB hängen geblieben.

Nun war es wieder einmal soweit, dass sich uns Begleitung anbot und, da in Dresden, auf unserer gewohnten Strecke die Radler unterwegs waren (Jedermann – Radrennen), verlegten wir unser Flanieren nach Moritzburg. Am Parkplatz zum Fasanenschlösschen erwarteten wir gegen 11:00 Uhr die zwei jungen Frauen, die es aus der Döbelner Ecke zum Schloss Moritzburg verschlagen hat. Sehr passend als Hofdamen eingekleidet, - übrigens von unserem Vereinsmitglied Heidrun TENNERT, die in Ebersbach (Richtung Großenhain) einen Kostümverleih betreibt, - konnten wir sie begrüßen und unsere Tour rund um den Schlossteich beginnen.

Vom TDB waren mit von der Partie, - Renate AL ATRASH, Elke METZNER, Silvia WEISE, Regina SCHWABE, Heidrun TENNERT, sowie das Mannsvolk Frank WEISE, Günther TENNERT, Bernd SCHWABE und Gerd JACOB mit seiner Veronika als Gast. Nach dem die Behauptung aufkam, dass der Kämmerer Graf Schwabe zu Nau der Ranghöchste sei, folgte der Hofstaat diesem und am Teichufer konnten wir erstmals auf unserer kleinen Tour dieses herrliche Bild des, sich im Wasser spiegelnden, Schlosses genießen. Nach den ersten Schritten stellte uns der Kämmerer und die von uns verkörperten historischen oder fiktiven Persönlichkeiten vor. Wir erfuhren, dass dieses Flanieren in historischer Robe ein Geschenk des Ehemannes zum Hochzeitstag war, - bei solchen Worten zog der olle Kämmerer seinen Kopf zwischen die Schultern, denn der schafft bei derartigem Anlass gerade mal einen Blumenstrauß, - wenn er es nicht ganz vergessen hat… Da dieses Geschenk überraschend war und sicher etwas befangen machte, - immerhin hatten wir ja vorher keine Begegnung, nahm sich unsere frischgebackene Freifrau eine feminine Verstärkung an die Seite.

Man war wissbegierig und auf unserem Wege machten wir unseren Verein, und seine Ziele bekannt und erzählten über unsere zahlreichen Unternehmungen. Durch diese Informationen wurden unsere beiden netten Begleiterinnen noch erwartungsfroher und, wie sie uns später bei der Verabschiedung sagten, sie wurden nicht enttäuscht. „Wir sehen uns bestimmt wieder…“.

Wir nahmen den Weg auf der Rückseite des Jagdschlosses und mit jeder Veränderung unserer Position zeigte sich unser Schloss Moritzburg von einer anderen prächtigen Seite. Viele Spaziergänger und Radler kreuzten unseren Weg und hielten mit ihrer Begeisterung nicht hinter dem Berg. Die meisten Besucher kamen aus den so genannten Alten Bundesländern (dabei war Sachsen schon kurz nach dem Krieg eigenständiges Land und Freistaat, - nur leider nicht sehr lange!). Mir gefiel der Satz: „Da habe ich nun 25 Jahre gebraucht um ein östliches Bundesland zu besuchen und dann radle ich durch Sachsen und bin über so viel Historie (fast jeden Kilometer) pass erstaunt, - und nun noch die Freude, Sie hier in Ihren Gewändern zu treffen…, hier entsteht gerade eine große Liebe…“. Auch die Besucherin aus Hessen, am heutigen Tage Geburtstagskind, war überrascht und gerührt, dass ihr die Hofsängerin so spontan ein Geburtstagslied dargebracht hat.

Doch die allerliebste Begegnung kam noch. An den Eckpunkten der, das Schloss umgebenden, Himmelsteiche, befinden sich Teichwärterhäuschen, die vermietet ein paar romantische und mückenträchtige Urlaubstage garantieren. Aus einem dieser Häuschen begrüßte uns ein kleiner Spatz, der uns auf Papas Armen entgegen geflogen kam. Erst drei Monate Erdenbürger und trotzdem gingen seine Äuglein ganz interessiert hin und her und blieben am Opa- Kämmerer haften. Der hatte das Kerlchen auch bald in den Armen und erfuhr, dass er einen kleinen Leopold wiegte. Wie waren die Hofleute entzückt, als zu verkünden war, dass hier der nächste deutsche Kaiser unsere Reverenz einforderte…

Ungern trennten wir uns von diesem goldigen Baby und suchten die Kühle des altehrwürdigen Schlossgemäuers auf. Hier wurden wir wiederum zu gefragten Gesprächspartnern und selbst erfuhren wir manche Episode und historische Information rund um das Schloss und den Ort, der einstens noch Eisenberg hieß und heute als Gemeinde Moritzburg einen wahren touristischen Magnet darstellt. Jagdszenen auf den Gemälden wiesen auf den ursprünglichen Zweck des Gebäudes hin, aber das gelegentlich zu vernehmende Knurren, stammte weder von Keiler, Dachs und Bär, sondern entfleuchte den hungrigen Mägen der Flaniergesellschaft.

So peilten wir als nächstes Ziel die Restauration „Bärenhäusel“ an. Hier stillten wir mit einem Freigetränk (Danke der Wirtin) unseren gröbsten Durst und brachten Ruhe in unsere Leiber.

Voller Begeisterung wegen unseres Hier sein, sprach uns eine Dame aus Kalifornien an. Auch sie war total begeistert von unserem Tun und konnte aus ihrer Heimat nichts Ebenbürtiges berichten.

Gestärkt ging es nun nochmals zum Schloss, - zwischen den beiden Schlossteichen entlang, dort, wo einst die Kalesche des Kurfürsten entlang gebrecht ist, oder das Aschenbrödel nach ihrem verlorenen Schuh gesucht hat…

Unsere beiden Begleiterinnen waren erstaunt, wie gut wir als Adelsleute aufgenommen wurden, - und das nicht nur durch das zahllose Betätigen der Fotoauslöser. Ganz entspannt ging es nun zurück zum Ausgangspunkt unseres Ausfluges und wir nahmen Abschied von unseren beiden Barockfreundinnen. Ob es eine Initialzündung gegeben hat, wird die Zukunft zeigen. Wir würden uns freuen und gern noch andere Ziele gemeinschaftlich ansteuern.

Jeder, der diese Zeilen liest, ist herzlich willkommen und wir sind immer gern bereit, als Begleiter zu fungieren. Text und Foto: Bernd Schwabe (eingestellt am 19.08.2014)

 



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