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Irrgartenfest am 19. 07. 2014 in Altjeßnitz

Ein Dorf versteht zu feiern – Altjeßnitzer Irrgartenfest am 19. Juli 2014:

Hans Adam Baron von Ende lud ein und er wurde erhört

Zahlreiche Beteiligung von Darstellern aus Dresden und Dessau, sowie dem örtlichen Verein am >>Barocken Gartentag<< (Irrgartenfest)

Soeben habe ich (beim ins Net stellen) den Bericht zum Königin Louise- Biwak in Stavenhagen gelesen und nun kann ich sagen, obwohl zur gleichen Zeit im anhaltinischen Altjeßnitz, dass ich in der mecklenburgischen Reuterstadt dabei gewesen bin. Ich habe mich amüsiert und musste mehrmals herzlich lachen. Nur, - wer sagt hier, olle Schwabe könne sich nicht kurz fassen? Es ist nun mal so, dass, wenn man mit dem Herzen dabei ist und viel Freude an diesem oder jenem Event hatte, man alle seine Eindrücke niederschreiben will… Da gibt es keine Kurzberichte. Der hier zum Irrgartenfest in Altjeßnitz wird sicher auch etwas länger.

Ja, als Silvia und Frank WEISE bereits in norddeutscher Sommerhitze schmorten und litten, waren wir Dresdner noch per Benzinkalesche unterwegs, und dieses >unterwegs< zog sich und wir fühlten uns wie in der Mikrowelle eingesperrt. Ursache mancher Unpünktlichkeit war dieser schwere Unfall auf der Autobahn bei Dresden, der in der Nacht des 18. zum 19. 07. 11 Menschenleben gefordert hatte. Beinahe im letzten Moment bekamen wir mit, dass alle BAB- Auffahrten um Dresden zu waren und so ging unsere Fahrt zunächst Richtung Freiberg. Unsere Chauffeurin Regina reagierte richtig, als sie in Mohorn Richtung Döbeln abbog. Wir gelangten dann so doch noch auf die Autobahn. Wer später die gleiche Idee hatte, der blieb auch hier im Stau hängen. Jedenfalls waren wir, Nadin SCHUBERT und Regina und Bernd SCHWABE, noch ganz rechtzeitig (vor 13:00 Uhr) in Altjeßnitz vor Ort, - später eintreffende Darstellerkollegen schafften es erst in der sechzehnten Stunde. Wir schaffen es bis zum Ziel unserer Wünsche sonst in ca. ein und einer halben Stunde, brauchten aber heuer gut drei Stunden für die 180 km.

Es hat irgendetwas mit Altjeßnitz und seinem Irrgartenfest, - entweder man bleibt bei der Anreise irgendwo hängen, oder der Himmel öffnet seine Schleusen und lässt den Park samt seinem Irrgartenfest absaufen, oder Petrus will uns rösten. Letzteres hatte der Wettergott wohl heuer mit uns vor, aber dennoch haben wir, das Publikum und die Organisatoren wacker ausgehalten, auch wenn sich unter den Allongeperücken ein tropisches Feuchtbiotop gebildet hat.

Das ganze Jahr haben wir uns schon auf den >>Barocken Gartentag<<, wie die Altjeßnitzer ihr Irrgartenfest auch liebevoll nennen, gefreut, denn war uns und dem Publikum hier geboten wird, ist wirklich einmalig und atmet die Freude und liebevolle Hinwendung aller Beteiligten.

Bisher waren wir, wegen noch anderer Verpflichtungen, gezwungen, das Irrgartenfest schon am Nachmittag wieder zu verlassen. Heuer aber wollten wir  das Fest bis in die Nacht mitgestalten und auch auskosten. Daher haben wir bei der Ortsbürgermeisterin Gudrun DITSCH, die uns mittlerweile zur guten Freundin wurde, um Übernachtungsmöglichkeiten gebeten. Die erhielten wir in einer Pension und die ganz Harten (Nadin SCHUBERT, Silke BRUX, Regina SCHWABE, Dieter SCHLEGEL und Bernd SCHWABE) hatten ihr Nachtlager im Gemeindeamt, - a-la „Schneewittchenschlafsaal „. Aber soweit sind wir noch nicht. Gegen 14:00 Uhr, inzwischen waren wir (fast) alle in Robe (so diese nicht noch auf der BAB unterwegs war), pilgerten wir zum Park, wo auch heuer das Irrgartenfest stattfinden würde.

Das Programm sah zunächst die Eröffnung des Festes mit Salutschüssen vor. Danach begrüßt der Freiherr von Ende das Publikum und die höfische Gesellschaft. Nachfolgend lud der Adelsmann zur festlichen Kaffeetafel (mit köstlichen >Self Made – Törtchen< ) und, nach dem sich der Adel vollgef… hatte, gab es kulturvolle Unterhaltung durch die Barockbühne Dresden. Das Regiment Holstein (von 1670/90) unter seinem Kommandeur Heinz A. BEHRENS stellte sich danach vor und der Pfeifer des Regiments musizierte meisterlich. Barocke Hoftänze bot das Barock- und Tanztheater Dresden und so war der Nachmittag für das Publikum und auch für uns angefüllt mit Sehens- und Hörenswertem.

Wurden wir und die weiteren Adelsgesellschaften vom Haushofmeister angekündigt und dem Freiherrn vorgestellt, - der Zar Peter (Reinhard LAUTERBACH) und sein Gefolge war pünktlich vor Ort, - so traf die getrennt reisende Zarin Katharina I. (Kerstin DANIEL) etwas später ein und auch dieser hohe Besuch freute das Baronenpaar sehr. Besondere Ehre für so einen kleinen bescheidenen Landjunker war wohl auch, dass ihm die Königliche Majestät von Preußen Friedrich II. geruhte, seine gekrönte Hand zu reichen. Na und nun, da ihm im letzten Jahr der Sachsenfürst Absolution erteilt hatte, konnte er sich vor August II. (Werner POHLE) und dessen Mätresse Gräfin von Cosel (Veneta LORENZ) nicht tief genug verbeugen. Sehr gefreut haben wir uns auch über das Wiedersehen mit dem Baron und der Baronin von Schönhausen (Eheleute Detlef und Gabriele HÄNSEL aus Berlin), deren wir längere Zeit nicht ansichtig wurden und Freude auch über das Wiedersehen mit den Dessauern, aber bei ihnen haben wir ja gerade erst beim Leopoldsfest Gastfreundschaft erfahren können.

Wieder ganz liebevoll hergerichtet die herrschaftliche Kaffeetafel(n), an der wir mit voller Aufmerksamkeit vom Hausdiener des Freiherrn bedient wurden. Ich glaube, hier ist ein Extra- Dankeschön angebracht. Auch der lieben Schultheißin und ihren fleißigen Helfern gebührt unser Dank. Ihr Einsatz macht uns dieses Irrgartenfest immer zum erinnerungswerten Höhepunkt. Der Freiherr besuchte die Altjeßnitzer und Dessauer Adelsgesellschaften an deren Tafeln und hatte manches nette Gespräch. Derweil bewies Väterchen Zar (im Bühnenstück „Die Jagd“ der Barockbühne Dresden), dass sich der Wodka als Munition für die Jagdflinte kaum eignet. Die Hofschranzin Gräfin von Reuss (Peggy SALOMON) fand dann die ganze Jagdgesellschaft recht fad, - zumal da nichts mehr stand, - am allerwenigsten der Herr aller Reußen… Passend zum Thema  konnte die Hofsängerin (Regina SCHWABE) ihr Lied „Der Jäger aus Kurpfalz“ einfügen. Dem Publikum haben die Darbietungen gefallen und wir sollten öfters Gemeinschaftliches auf die Bühne bringen.

In ganz anderem Outfit erschienen uns heuer die Militärs aus Thale. In aufwendigen und nicht weniger Blicke anziehenden Monturen, zeigten sich die Männer um Heinz BEHRENS als Regiment Holstein aus der Zeit um 1670 – 90.  Anschaulich schilderte BEHRENS die Uniformierung und Bewaffnung, sowie die Zeit seiner Mannen und weitere Darsteller anderer Zeitepochen wurden besprochen.

Als weiterer Programmpunkt folgten „Tänze bei Hofe“, dargeboten vom >>Barock- und Tanztheater Dresden<< (LORENZ, BARTEL, HIRCHE, POHLE, PETZOLDT, SCHREIBER). Bei ihrem ersten Auftritt in Altjeßnitz wurden sie von ihrem Tanzmeister Dieter als Maitre de Dance Baron von Schlegel begleitet. Das war sehr gut so, wir hätten sonst sehr viel weniger zu lachen gehabt (nach dem Tanze, - vor allem im Schlafsaal!).

Darf der Freiherr von Ende hier über seinen ganz persönlichen Höhepunkt berichten? Ich denke doch. Also, da bat doch Majestät, ihn den Freiherren, der kürzlich in Sachsen noch verfemt war und im Anhaltinischen um Asyl bitten musste, auf die Bühne. Was Majestät dort im Stofffutteral bei sich hatte, war weder ein Blindenstock, noch eine Gehhilfe für den ältlichen Landjunker, auch kein Fagott auf dem von Ende auf dem letzten Loch blasen könnte, - sondern entpuppte sich, - der Freiherr wollte es mit glänzenden Augen kaum glauben, - als Kavaliersdegen. So ein gutes Stück hatte er sich schon lange gewünscht aber leider brachte das Gut bisher zu wenig ein für einen derartigen Luxus. Der Freiherr von Ende war gerührt, oder soll ich doch sagen, ich Bernd SCHWABE war es, auch betreffs der Begründung durch Werner POHLE, die die Wertschätzung für das Engagement des „Secretarius“ in der Dresdner Barockszene offenbarte. Eigentlich wäre das gute Stück eher als Geburtstagsgeschenk gut gewesen, als einfach so…! Na, vielleicht ergibt es sich in allernächster Zeit noch.

Einige von uns wurden dann zu Kirchgängern, denn in der niedlichen Feldsteinkirche, die beim Fest stets als wirkungsvolle Kulisse dient, gab es ein Klassisches Konzert zum Thema „Tänze“.

Wer von all den sehens- und hörenswerten Programmpunkten noch nicht genug hatte, der konnte sich im herrlichen Landschaftspark ergehen, oder am Kuchenbuffet fündig werden (herrlich was Altjeßnitzer Frauen so auf ihren Kuchenblechen zaubern können), oder an den Ständen der Stauden- und Baumschulgärtner, oder im Zelt mit den noblen Gewandungen, oder an der Bücherkiste, oder der Schmuckschatulle, oder, oder, oder… Wer Glück hatte, dem lief die maskulin aufgeputzte Pfauenhenne (Verzeihung scheene Dame), oder die vermenschlichten Tüllblumen über den Weg…

Bei all dem, senkte sich ganz unmerklich die Abenddämmerung über den Park und sein Festgeschehen. Doch das Publikum schien wie angewachsen an seinen Stühlen und bald offenbarte sich der Grund, - das Abendkonzert hielt die Leute fest. Uns auch. Das >>Mitteldeutsche Salon- Orchester Halle<< unter der Leitung von Matthias ERBEN brannte dann ein wahres musikalisches Feuerwerk ab, - von Barockweisen über Operetten- und Musical- Melodien bis zu dem, was in den 1920er Jahren in den Salons auf die Tanzflächen lockte. Es war unglaublich mitreißend und so hielten sich die Adelsleute nicht vornehm zurück und machten es dem Ehepaar Jochen und Gudrun DITSCH nach und tanzten am Rande des Festplatzes in die Nacht. Besonders Nadin SCHUBERT und der „Kronprinz“ (und König) Steffen LEU zeigten ungebremsten Bewegungsdrang. Es steckte an…

Als die letzte Zugabe der Musiker verklungen war, begaben sich (oder hatten sich schon eher) einige der Adelsleute bereits Richtung Heimat und der Rest verschwand in der Pension oder versammelte sich an improvisierter Nachttafel vor dem Gemeindeamt. In irgendetwas galt es hineinzufeiern und 0:00 Uhr, der 20. Juli brach an, lüftete sich das „Geheimnis“. Der Freiherr von Ende, oder Graf zu Nau, oder Secretarius des AKB und Schriftführer im TDB, oder ganz einfach der Freund Bernd hatte nun Geburtstag (ganz unrund) und nun beguckte sich der olle SCHWABE das gute Stück, - den Degen (die Geburtstagsgabe der sächsischen Majestät), noch mal ganz genau. Nun hat auch er ein antikes Gehänge, was in seinem Alter aber auch Zeit wurde. Aber auch die Jabots und Naschereien aus dem „Dreimädelhaus“, das Malzbier- Krug und Becher- Set von Bosin und Boserisch, Getränkemarken für mein Postauto von Silke BRUX oder der Händedruck und die herzliche Umarmung (und später noch eintreffenden Glückwunschkarten) seiner Freunde machten ihn glücklich und gerührt. Besondere Freude macht ihm das Selbstgebastelte (Serviettentechnik) von Nadin SCHUBERT und 72 französische Chansons, - täglich inmitten unserer Blumenbeete abgespielt, sorgten schon dafür, dass mich mittlerweile einige Kleingärtner aus der Nachbarschaft nicht mehr grüßen. Noch lieber als die Melodien von der Seine, hat der Schreiber dieser Zeilen die Musik, die ein gewisser Kaiser (wir bleiben in adeligen Gefilden) alljährlich am Dresdner Elbufer hören lässt und als Fan hat mich die Einladung zum Konzert Roland KAISERS durch mein geliebtes Eheweib (ist so, auch wenn nicht immer offenkundig wahrnehmbar) sehr gefreut. Bis in den Morgen haben wir gefeiert, wenn auch zum Schluss im Inneren des Gemeindehauses, - wollten wir es uns doch nicht bei den 400 Altjeßnitzer Einwohnern verscherzen. Ja, - 400 Seelen zählt die Gemeinde und davon wirken 35 Einwohner aktiv im „Förderverein Irrgarten Altjeßnitz“ mit. Isst das nicht toll? Ich sage nur >>Hut ab<<.

Nach kurzer Nacht trafen wir uns vor dem Parkcafé wieder, denn das junge Wirtspaar sponserte uns ein Frühstück, was in manchem größeren Hotel so nicht geboten wird. Auch hierfür schicken wir noch ein ganz großes Dankeschön nach Altjeßnitz.

Es war wieder ganz wunderbar beim Irrgartenfest und die Teilnahme von 24 Darstellern aus Dresden, war unsererseits wiederum kein Irrtum. Wir kommen gern wieder, wenn uns der Freiherr Hans Adam von Ende (!) auch im nächsten Jahr wieder einlädt.

Einige Freundinnen und Freunde unseres Vereins waren erstmals dabei und sind ebenso des Lobes voll, wie die zum ersten Mal hier aufgetretenen Akteure der Barockbühne und einige andere Freunde aus dem AKB.

Im Kreise von guten Freunden fühlt man sich halt immer ganz wohl, - Auf Wiedersehen Gudrun und Jochen DITSCH und allen unseren Gastgebern. Text: Bernd Schwabe und Fotos: Silke BRUX, Bernd Schwabe (eingestellt am 30.07.2014)

 

 



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