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Königin Louise- Fest 18.-20.07.14 in Stavenhagen

18.-20.07.2014 - Stavenhagen oder das Wochenende der heißen Schlachten

 

Wie so oft in den letzten Jahren, fielen an diesem Wochenende mal wieder zwei Veranstaltungen zusammen, wo wir uns entscheiden mussten, welche wir besuchen. Aber die Entscheidung fiel dieses Mal anders aus, hatten wir doch den Historienfreunden vom IR Mecklenburg-Strelitz (Familie DWARS) versprochen, auch mal das Königin Louise Feldlager zu besuchen. So teilten wir uns also. Der größere Teil folgte dem Baron von Ende (Bernd SCHWABE) nach Altjeßnitz zum Irrgartenfest (separater Bericht) und die Vereinsvorsitzende und der Schatzmeister (Silvia und Frank WEISE) vertraten den Verein beim Königin Louise Feldlager. Auch wenn Königin Louise erst um 1800 gelebt hat, sind auch Darsteller anderer Epochen sehr gern gesehen.

 

Nach knapp 5 Stunden Fahrt, ausgebremst durch Baustellen, und ca. 400 km Weg erreichten wir in unserer Benzinkalesche gegen 17:15 Uhr endlich die Reuterstadt Stavenhagen. Am Eingang zum Biwak wurden wir gleich von René DWARS in Empfang genommen und zu unserem Biwakplatz geleitet. Nun waren wir fast die letzten - nach uns kamen nur noch der Dessauer Jägerleutnant (Michael PAKROPA) und die langen Kerls – und der Platz schon recht voll. Nach ein paar Mal drehen und wenden hatten wir unseren endgültigen Standplatz festgemacht und erkannten schnell die Vorzüge der kleinen sächsischen Wohnsiedlung im Kreise unserer sächsischen Freunde Katrin und Sven WUTTKE und Michael HELM – das Haupthaus von Graf und Gräfin von Suhm mit Wintergarten, übergehend auf die überdachte Terrasse mit Nebenhaus der Gräfin von Königsmarck und Ihrem Gesellschafter Graf von Weißenberg und im rückwertig gelegenen Park der Pavillon des Grafen Rutowski.

In Windeseile (sofern das bei den Temperaturen möglich war) wurde die Leinwandbehausung unterhalb des Schlosses aufgeschlagen und eingeräumt, denn bereits 18:30 Uhr hieß es antreten zum Eröffnungsappell. Die Gastgeber – das IR Mecklenburg Strelitz (welches hauptsächlich aus der Familie DWARS besteht) freute sich riesig über jeden Historienfreund, der den Weg nach Stavenhagen gefunden hatte, wurde doch von einigen großspurig gefragt, ob sie mit ein paar mehr Leuten kommen dürfen und erschienen dann aber gar nicht. So etwas ist schoflig und unfair den Veranstaltern gegenüber. Es wurde noch einmal der Ablaufplan fürs Wochenende bekannt gegeben, Fürst Leopold richtete das Wort an die Teilnehmer und auch der Bürgermeister von Stavenhagen Bernd MAHNKE, der aus seinem Amtszimmer im Schloss einen guten Blick auf das Biwak hatte, begrüßte die Historienfreunde aufs herzlichste.

Nun durften die von der Anreise und dem Aufbau bei sengender Hitze ausgetrockneten Kehlen mit kühlem Freibier benetzt werden – nicht ahnend, dass es mit der Hitze an den kommenden Tagen noch schlimmer werden sollte. So war es nicht verwunderlich, dass sich in Windeseile eine Traube um das Bierfass bildete. Da wir zur Begrüßung erfahren hatten, dass wir am nächsten Tag reichlich versorgt werden sollten, mussten nun die Steaks und Bratwürste schon am Freitagabend auf den Rost wandern. So machte sich unser Grillmeister (Frank WEISE) ans Werk, während die übrigen Bewohner der sächsischen Leinwandsiedlung die anderen Köstlichkeiten auf den Tisch im Wintergarten brachten.

Angelockt vom Duft gesellte sich dann noch der Dessauer Jägerleutnant dazu, der, an diesem Wochenende unbeweibt, nicht so recht wusste, ob er nur trocken Brot oder doch etwas anderes zu sich nehmen wollte. Wir halfen bei der Entscheidung und luden Ihn an unsere Tafel ein.

Zu späterer Stunde gesellten wir uns dann an die Feuerstelle der Familie SCHALLER, wo schon einige vergnüglich zusammensaßen. Unvermittelt ergriff Michael PAKROPA das Wort – was nicht immer leicht verständlich ist, weil er beim Reden immer etwas auf der Flucht ist – und bat seinen Namensvetter Michael HELM zu sich. Dieser führt seit geraumer Zeit verschiedene Kopfbedeckungen aus Pelz aus. So ließ es sich der Dessauer Jägerleutnant nicht nehmen, Ihn in dieser beschaulichen Runde mit Schärpe und Duftwässerchen zum Lord Skunk zu ernennen. Ob das wohl eine Revanche für die „Miss Marquardt 2013“ war? Bleiben wir gespannt, wie das sächsisch-anhaltinische Geplänkel weitergeht. Und wie das an Freitagabenden in Biwaks meistens ist, wurde auch dieser recht lang – für einige ging er gleich wieder in dem Morgen über, denn sie hatten ihre Bettstatt gar nicht gefunden.

 

Der Samstagmorgen brach recht früh an, einerseits bedingt durch das emsige Holzhacken unserer Nachbarn für den Morgenkaffee gegen 4:30 Uhr, andererseits durch den Zeitplan für diesen Tag. Die Militärs mussten bereits 8:30 Uhr zum Scharfschießen um den „Königin-Louise-Pokal“ ausrücken, die Zivildarsteller wurden 9:00 Uhr von Dieter KRÜGER zur Stadtführung abgeholt. Gut gestärkt mit Rührei, zubereitet vom „Lagerkoch“ Steffen SCHALLER hieß es sich sputen, um rechtzeitig in Robe zu sein. Wenige Stunden später wussten wir den zeitigen Beginn sehr zu schätzen, denn die Hitze wurde schier unerträglich. Da hieß es Haltung bewahren. So folgten wir dem kundigen Stavenhagener zum Marktplatz, wo das Museum und ein Denkmal des Mannes steht, der der Stadt ihren Beinamen gegeben hat – Reuterstadt, die dieses Jahr 750 Jahre Stadtrecht feiert.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Stavenhagen am 15. Mai 1252, als Remberno miles de Souen (Ritter Reinbern von Stove), Bewohner der Burg Stavenhagen das Nonnenkoster der Zisterzienser Ivenack stiftete und bewidmete. Um 1264 wurde Stavenhagen vermutlich das Stadtrecht verliehen. Eine Gründungsurkunde ist aber leider nicht nachweisbar. 1437 gelangte die Stadt endgültig in mecklenburgischen Besitz. Die vielen Kriege und Zwistigkeiten zwischen den Fürsten gingen auch an Stavenhagen nicht spurlos vorbei. Durch den 30-jährigen Krieg, den 2. Nordischen Krieg (1655-1661) und große Feuer war die Burg immer mehr verfallen. 1740 errichtete man auf den Fundamenten des 1606 von Herzog Carl I. von Mecklenburg-Güstrow in Auftrag gegebenen zweigeschossigen Hauptgebäudes mit massivem Keller das heutige Schloss. Der siebenjährige Krieg (1756-1763) und die Franzosenzeit (1806-1813) brachten erneut Not und Elend über die Stadt.

Das erste Rathaus wurde um 1785 gebaut. In dessen Amtswohnung zog 1808 Georg Johann Reuter, Vater von Fritz Reuter, als Bürgermeister ein. Als solcher erwarb er sich in 37 Amtsjahren in der Entwicklung der Stadt große Verdienste. Am 7. November 1810 erblickte dort Klein Fritz das Licht der Welt. Kindheit und Jugend verbrachte er in Stavenhagen. Auf Wunsch des Vaters begann er ein Studium der Rechte in Rostock und versuchte es in Jena fortzusetzen. Als Angehöriger der Deutschen Burschenschaft wurde er verhaftet, zum Tode verurteilt, zu 30 Jahren „begnadigt“, verbüßte er dann 7 Jahre in Festungshaft, die er als kranker Mann verließ. 1851 heiratete er die Pfarrerstochter Luise Kuntze und ließ sich in Treptow an der Tollense (heute Altentreptow) als Privatlehrer nieder. In der Freizeit widmete er sich der Schriftstellerei in niederdeutscher Sprache. Der erste Band von 1853 hieß „Läuschen und Rimels“ und wurde ein großer Erfolg. 1856 zog er in die Vorderstadt Neubrandenburg, aber schon 1863 aus dem rückständigen Mecklenburg nach Eisenach. 1868 bezogen sie die eigene Villa am Fuße der Wartburg. Am 12. Juli 1874 starb er dort als berühmter und geachteter Mann. Im Geburtshaus Fritz Reuters wurde 1949 das Fritz-Reuter-Literaturmuseum eingerichtet, davor ein großes Denkmal. Der Sitz des Rathauses unterdes zog einmal quer über den Markplatz und 1999 ins Schloss, wohin uns unser nächster Weg führte. Der Abstieg in die Kellerräume mit einer kleinen Ausstellung endete abrupt an einer verschlossenen Tür. Eigentlich sollte diese offen sein, aber der Herr der Schlüsselgewalt war noch nicht so zeitig auf den Beinen wie das vorbildliche Adelsvolk, allen voran Fürst Leopold, der sein Nachtlager wohl nicht gesehen hatte. Aber er erschien kurz darauf und ließ uns ein. Was uns aber leider verschlossen blieb war die Amtsstube des Herrn Bürgermeisters, hatte er uns doch am Abend zuvor dorthin eingeladen, aber das war vor dem Freibier. So wendeten wir unseren Schritt wieder zum Markt, um im dortigen Café eine Abkühlung zu uns zu nehmen. Fürst Leopold hatte den Gästeführer Dieter KRÜGER eindringlich dazu eingeladen. Aber so recht war man auf uns ca. 20 Personen um diese Zeit noch nicht eingestellt. So dauerte es „ein wenig“, bis alle versorgt waren. Weiter ging es durch die Stadt, die ein sehr interessantes Konzept zur Sanierung der Häuser hat. Die Stadt kauft die sanierungsbedürftigen Häuser auf, lässt sie herrichten und verkauft sie den Besitzern wieder zurück oder weiter. So werden die Gebäude nach den Vorstellungen des Stadtplaners und des Denkmalschutzes saniert und passen damit ins Gesamtkonzept und die Häuser verfallen nicht weiter, weil den Besitzern vielleicht das Geld fehlt, selbst zu investieren.

Gegen Mittag waren wir zurück im Biwak. Es ging kein Lüftchen und jeder suchte ein schattiges Plätzchen. Die Bewohner der sächsischen Siedlung zogen sich auf ihre überdachte Terrasse zurück und versuchten sich an neuen Karten und Brettspielen, aber die Hitze lähmte das Hirn, sodass man bald wieder aufgab. Zudem rief das Erbsensüppchen, welches die Strelitzer organisiert hatten. Es war zwar eher eine Kartoffelsuppe, aber geschmeckt hat sie trotzdem allen sehr gut, die es fertig brachten, bei dieser Hitze noch etwas Heißes zu essen.

Während sich die Militärs zum Scharmützel rund ums Schloss rüsteten, hatte Doris DWARS die Damen zur Kaffeetafel geladen. Bei Kaffee, prickelndem Nass und leckerem Kuchen hatte man keine Hand frei, den Fächer zu bedienen. Die Luft stand, und die Damen wünschten sich mindestens einen Bediensteten, der mit einem großen Fächer für Abkühlung oder wenigstens Luftbewegung sorgt. Hiermit wird ein offizieller Bewerbungsaufruf gestartet. Indes grollten am Schloss die Kanonen und knallten die Musketen. Etwa eine Stunde kämpften die Militärs mit dem Gegner und gegen die Hitze.

Am Ende stand das Kriegsgericht, bei dem Steffen SCHALLER als Deserteur bestraft wurde. Dann kam ein wütender Dessauer Jägerleutnant durch die Gasse gestapft. Die Auflösung folgte, als Graf Rutowski wieder zurück war und berichtete, dass die sächsischen Truppen gesiegt hatten und sogar Fürst Leopold und der Dessauer Jägerleutnant außer Gefecht gesetzt werden konnten. Sie wurden jedoch unversehrt ziehen gelassen. Eine Schmach für den Dessauer Jägerleutnant, Fürst Leopold zollte dem Grafen Rutowski zum Abschlußappell seinen Respekt. Man muss eben auch mal einen Gegner anerkennen (würde unser Bernd SCHWABE sagen).

Mit der sinkenden Sonne hieß es noch einmal Aufstellung nehmen für ein Gruppenfoto. Diese Gelegenheit nutzte der Graf Rutowski (Michael HELM), um den Freiherren Adalbert von Gardetzky (Sven WUTTKE) zum Leutnant und zu seinem persönlichen Adjutanten – ein Jahr auf Probe - zu ernennen. Ein etwas spöttisches Raunen ging durch die Reihen der langen Kerls. Als aber am nächsten Morgen der Leutnant bereits in neuer Garderobe erschien, kam dann doch etwas Neid auf. Tja die Preußen schießen zwar schneller (manchmal), aber die Sachsen sterben dafür schöner. Da die Augen des Grafen Rutowski trotz seines jungen Alters nicht mehr die besten sind, wurde auf seine Bitte hin die Ernennungsurkunde von der Gräfin von Königsmarck verlesen, die sich nicht scheute, sich einer Sehhilfe zu bedienen.

Zurück an den Zelten konnten dann die leichteren Kleider angelegt werden. Und schon wieder wurden wir verköstigt. Wildgulasch – ein Gedicht, köstlich. So gestärkt folgten wir der Einladung des Dessauer Jägerleutnants, der seine Schmach vom Nachmittag überwunden hatte. Gemütlich und heiter saßen wir beisammen. Um Mitternacht bedienten wir dann den elektronischen Meldereiter, um dem in Altjeßnitz als Baron von Ende befindlichen Geburtstagskind Bernd SCHWABE aus voller Kehle zum Geburtstag zu gratulieren. Die Freude war groß und die Stimmung auf beiden Seiten der neumodischen Meldereiter ausgelassen. Doch bald begaben wir uns zu unserer Bettstatt, denn der Abschlußappell am nächsten Morgen war auch schon 9:30 Uhr. Bis dahin hatten wir in den Zelten schon alles zusammengeräumt, denn es drohte eine erneute Hitzeschlacht. Zum Abschlussappell wurden dann die Sieger des Scharfschießens gekürt. Abräumer des Wochenendes waren die Mannen vom 1. Musketierbataillon Wismar, die alle 3 vordersten Plätze im Einzelschießen und den Gruppensieg und damit den „Königin-Louise-Pokal“ abräumten.

Trotz aller Bemühungen war es schon wieder Mittag, als wir alles wieder in den Benzinkaleschen verstaut hatten. Es folgten reichlich 4 Stunden in einer unklimatisierten Blechdose auf der Autobahn. Zu Hause waren wir dann gut durch.

Wir können resümieren, es war ein sehr schönes Wochenende, wir haben uns sehr wohl und umsorgt gefühlt, dank der Lagermutti Doris und natürlich allen, die zur Organisation und zum Gelingen beigetragen haben. Habt Ihr Klasse gemacht. Von uns gibt es *****.Text: Silvia Weise, Fotos: Frank und Silvia Weise (eingestellt am 29.07.2014)



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