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Beim 9. Leopoldsfest vom 04. -06.07.14 dabei

Stimmgewaltig lud er ein, uns soll es eine Freude sein, heuer, ganz bei Sonnenschein, beim  Leopoldsfest in Dessau wiederum dabei zu sein.

Auch das 9. Leopoldsfest haben wir uns nicht entgehen lassen

Wenn es in der Barockszene Events gibt, auf die man sich das ganze Jahr schon freut und, wo wir in unserem speziellen Fall resümieren können, mit unserer Vereinsvorsitzenden Silvia WEISE und unserem unvergessenen Freund Tilo MEIßNER, schon dabei gewesen zu sein, als wir uns noch gar nicht als Verein zusammengetan hatten, so spricht das für das traditionelle Leopoldsfest in Dessau und den veranstaltenden >>Verein zur Förderung der Stadtkultur<<. Erstmals in größerer Besetzung und als e. V. waren wir im Sommer 2008 dabei, als das Biwak aus der smogigen Innenstadt in das Grün des Stadtparks umgezogen war. Damit wurden wir zu begeisterten Leopoldinern- und Leopoldinerinnen.

Wir haben Klaus BRUCKER  2011, während eines Fluchtaufenthaltes (vor sintflutähnlichem Regen),  versprochen, in der Dresdner Barockszene für das Leopoldsfest zu werben, was wir einhielten und schon im vergangenen Jahr waren neue Dresdner dabei, heuer weitere. Nur unsere lieben „Bosens“ gehören schon seit Längerem zum „Inventar“ des Events, denn sie waren uns schon einige Jahre vorher treue Begleiter nach Dessau-Roßlau.

Heuer begleiteten uns (Regina und Bernd SCHWABE) aus dem TDB wieder Frank WEISE, dazu Renate AL ATRASH, Anke PAUL, Rudolf FRITZSCHE, Gerd JACOB (mit Frau), Nadin SCHUBERT, das Ehepaar Günther und Heidrun TENNERT, die Eheleute Thomas und Kathrin HEFFT und als Tagesgast am Samstag Silke BRUX. Vom AKB konnten wir Werner POHLE und Veneta LORENZ, sowie Kerstin DANIEL mit Papa Alexander DANIEL, Petra TREPPTE und Sonja BADERSCHNEIDER, Marlies FRONHÖFER sowie als Tagesgast am Sonntag Günther KUNZE (Wackerbarth) begrüßen. Das Barocktheater war mit Ines und Reinhard LAUTERBACH vertreten. Alle zusammen haben als Dresdner, bzw. Petersburger Hofstaat viel hergemacht, - vor allem beim Festumzug am Sonntagnachmittag.

Wir reisten schon am Freitagnachmittag an, - was schon am Vormittag geplant war, aber leider standen wir 4 Kilometer vor unserer Ausfahrt, wegen eines schweren Verkehrsunfalls und mussten uns sehr lange in Geduld üben. JACOBS mussten noch mehr Zeit in Anspruch nehmen. Wir waren daher nicht in der Spitzengruppe der Ankömmlinge, - die Hotelschläfer hatten ihr Domizil schon in Beschlag genommen und Franks Leinwandvilla stand auch schon. Wie wir unseren Freund nicht anders kennen, hat er bei uns sofort mit Hand angelegt und bald stand auch unsere leinene Behausung. Ehe wir uns aber ins Zeug legten, galt es auf Begrüßungstour zu gehen. Da lagen uns unsere Weißenfelser Kathrin, Sven und Michael in den Armen, das Schneiderlein Matthias und die Marie ebenso, wie Anita und Bernd SCHALLER, die Freundesrunde aus Magdeburg, den Kronprinz Steffen LEU u. v. a. Traurig waren wir, unsere Freunde aus Düren, die Obristen und ihre Gemahlinnen, nicht begrüßen zu können. Sie werden selbst wehmütig gewesen sein, gehörten sie doch nun wirklich zum festen „Inventar“ bei den Leopoldsfesten vieler vergangener Jahre und sind dabei eigentlich unentbehrlich. Schade, sehr schade.

Als wir nun alles in Sack und Tüten hatten, begaben wir (Frank WEISE und Regina und Bernd SCHWABE) uns auf einen sehr gern gegangenen Weg. Wir konnten unserem langjährigen lieben Freund Bernd SCHALLER (der Garnisonshandwerker) ganz herzlich zum 70. Geburtstag gratulieren. Ein Fläschelein (wirklich nur lein von klein!) mit Selbstgebranntem (SCHWABES berühmt berüchtigter Morellenlikör) sollte als Gutschein für eine Einladung zum Geburtstagsessen, - bereitet nach Originalrezepten der Barockzeit, dienen.

Später liefen vor der Leinwandbehausung des Premierleutnants mehrere militärische Truppenteile und barocke Zivilisten auf, um ihre Geburtstagsgrüße zu überbringen. Lautstark darunter Fürst Leopold (Klaus BRUCKER) und noch lautstärker die drauffolgenden Ehrensalven der Militärs. Gerührt nahm Bernd die Guten Wünsche, die Geschenke, die persönliche Gratulation des Fürsten und weiterer Darstellerfreunde und die Ehrensalve entgegen. Wir können uns schon vorstellen, dass Bernd SCHALLER, so bescheiden er aber auch immer ist, dieser Auflauf doch etwas peinsam war. Gefreut hat’s ihn und die Rührung stand ihm ins Gesicht geschrieben.

Ganz aus der Sache raus war unser lieber Freund Bernd SCHALLER damit noch lange nicht. Später, - er, inzwischen vorschriftsmäßig uniformiert, nahm nun in Anwesenheit aller bis dato eingetroffenen militärischen Formationen und höfischer Zuschauer weitere Ehrungen entgegen. Ein Salut ging gen Himmel, zu dem der sächsische Premierleutnant SCHALLER, auf ausdrückliches Geheiß des Anhaltinischen Landesherren Leopold I., den Feuerbefehl zu geben hatte. Die Dienste tuenden Officiers werden großzügig darüber hinweggesehen haben, denn wer will sich schon mit dem Alten Dessauer anlegen wollen? (Unterliegen vorprogrammiert!)

Der Tag war fortgeschritten und die erste Abenddämmerung senkte sich über den Festplatz, da waren die Dessauer Vereinsmitglieder schon mitten drin, für ihre Biwakgäste die abendlichen Tafeln aufzustellen. Da der Rezesent derartiges nie gegessen, weiß er nicht genau, waren es nun Hamburger oder Hot- Docs (oder wie auch diese Dinger bezeichnet und geschrieben werden)? Er kann aber sagen, sie haben ganz gut geschmeckt und das fleißige zurecht packen der Dinger nötigte anerkennenden Respekt ab. Leider war das Freibier nach der ersten Rund schon aus, - es war halt Freibier, - da saufen sogar die Abstinenzler. Halt, falsch, einer (ich) am Tisch sprach der roten Fassbrause zu, die gottlob etwas länger gezapft werden konnte. Als es nichts mehr für Magen und Kehle gab, zerstreute sich die Abendgesellschaft ganz schnell und die meisten feierten vor ihren Zelten weiter, - nun die eigenen Vorräte anreißend. Wir waren noch lange zwischen den Zelten der Dresdner und Weißenfelser zu Gange und hatten viel Spaß dabei und, - ganz erstaunlicherweise gab es kaum ein surrendes Mückenvieh. Das kennen wir von Dessau ganz anders, - ganze Myriaden dieser Plagegeister reisten in den vergangenen Jahren aus der Muldenaue und von der Elbe  aus heran um uns zu piesacken. Auch die Junikäfer hielten sich bedeckt, - nun ja, die gelben Uniformen der Dürener Obristen standen ja auch nicht als Anflugsorientierung zurr Verfügung.

So konnten wir Mirellenlikör und Nusslikör (vom Kronprinzen gesponsert) ganz genussvoll und ungestört genießen.

Der Samstagmorgen zeigte sich wettermäßig positiv und so konnte es nach ausgiebigem Frühstück (der Dessauer Semmeldienst klappte wieder prima) gegen 10:00 Uhr zum Tagesappell auf den Festplatz gehen.

Der Fürst hatte wieder allerhand zu ranzen, - aber wenn das nicht wäre, fehlte seinem Leopoldsfest der letzte Pepp. Er begrüßte die weit gereisten hochadeligen Gäste aus dem Ausland (Sachsen ect.) Der Sachsenfürst gab sich (gewohnt) gedeckter und begrüßte besonders zugetan sein IR aus Weißenfels – Barby. Bedeckung erhielt er durch den Feldmarschall Grafen RUTOWSKI (Michael HELM), dem General von Spörcken (Gerd JACOB) und den sächsischen Kämmerer Grafen Schwabe zu Nau (Bernd SCHWABE). Der Kronprinz von Preußen Friedrich (Steffen LEU) war während des Zeremoniells dabei und ließ sich Meldung machen.

Dann klaubte sich der Fürst eine junge Frau aus dem Eichsfelder Spielmannszug und ließ es sich nicht angelegen sein, der Flötistin der Eichsfelder (Frau BISCHOFF) zum Geburtstag zu gratulieren. Mit Wohlwollen nahm das die inzwischen eingetroffene Fürstin Louise (mit Hofdame von Harpstedt) zur Kenntnis und spendete zustimmenden Applaus.

Danach begab sich die Fürstin zum Rundgang durch das Lustlager und begegnete dort, bei den Zelten der Sachsen, dem soeben (ganz inkognito) eingetroffenen Czaren Peter I. von Russland (Reinhard LAUTERBACH), der wohl von Schweden kommend seine gute Freundin Aurora Gräfin von Königsmarck (Ines LAUTERBACH) zur Seite hatte. Auch die Zarewna (Ehegemahlin seines missratenen Sohnes Alexei) Prinzessin Charlotte Christiane von Braunschweig- Wolfenbüttel (Nadin SCHUBERT) hatte er zur Seite. Man sagte, dass auf anderer Route auch die Zarin Katharina I. (Kerstin DANIEL) mit ihrem umfangreichen Gefolge in Dessau eingetroffen wäre.

Nach einem Platzkonzert der Eichsfelder (ltg.: Maik DONNER) konnten Publikum und Adelsgesellschaft dem Tanz der Gruppe SALTATUS BURGUS folgen… Danach nahm das Fürstenpaar an der Bühne (auf der Bühne wäre wegen der Hitze eine Folter gewesen) die Huldigungen der adeligen Gäste entgegen und ließen sich diese vorstellen.

In straffer Folge gab es einen Programmpunkt nach dem anderen. Wir konnten weitere meisterliche Tanzschritte sehen. Die Akteure aus Dresden/Meißen sind uns als >>Les amis de la danse baroque<< sehr gut bekannt, haben wir doch unsere ersten barocken Tanzschritte einst gemeinsam aufs Parkett gesetzt. Es freut uns, dass die Truppe eine so erfolgreiche Entwicklung genommen hat. Man schaut gern hin, aber zum gemeinsamen Tanz (mit weiteren Leuten aus dem Publikum) haben wir uns dann doch nicht hinreißen lassen). Kurze Zeit später begrüßten wir weitere Meistertänzer, - unsere Freunde von >>Les danseurs de San. Souci<< um Mike SPRENGER, die aus Potsdam angereist waren, aber ihre Tanzschuhe nicht im Gepäck hatten. Das mögen nicht nur wir als schade empfunden haben.

Eine sehr kurze Stippvisite gab unser guter Bekannter Herr Rudolf VON BÜNAU, der ja in Dessau lebt und arbeitet, aber oft auf dem Herrensitz seiner Ahnen auf Schloss Weesenstein weilt und dann gelegentlich unserem Verein einen Besuch abstattet. Zu mehr reicht wohl derzeit seine Zeit nicht.

15:00 Uhr lockte dann die Historische Kaffeetafel unsere Damen zum Areal an der Stadtmauer, wo diese liebevoll eingedeckt, aufs Platz nehmen wartete. Das verzögerte sich aber, weil ausgerechnet zu dem Moment der Himmel seine Schleusen öffnen musste. Dann war es schnell wieder sonnig und die Stühle trocken gewischt, - um von oben wieder nassen Nachschub zu bekommen. Doch dann siegte die Sonne doch und die Köstlichkeiten Dessauer Konditor- Azubis konnten, nebst Türkentrunk, die verwöhnten Gaumen der Adelsdamen erfreuen. Vorher ließ sich die Fürstin ihre Gäste vom Hofmeister vorstellen. Wirklich, - eine Gaumenfreude diese Kaffeetafel, - und das kann der Rezensent aus eigener Anschauung bestätigen, wurde er doch, in der Nähe als Lichtmaler verweilend, neben einigen anderen maskulinen Schleckermäulern zum Herrentisch genötigt, - wozu sich der olle Graf zu Nau auch gern nötigen ließ. Oh wie lecker diese süßen Tittchen und Tattchen…

Nach opulenter Kaffee- und Kuchenschlemmerei taten ein paar Schritte gut und der Graf schnappte sich seine Baronessa und eine weitere Hofadelige und so defilierten sie durch das Marktgewimmel in der Innenstadt. In St. Marien’s Kühle konnte man der großen Hitze für kurze Zeit entfliehen.

Im Biwak zurück, rief schon die Vorstellung der militärhistorischen Gruppen auf den Festplatz. Hier gab unser Churfürst August eine gute Figur neben Poldy ab. Es blieb nach Abrücken der Truppen nicht lange ruhig, - denn >>DE WEFZA – Guggenmusik aus Bietigheim<< rückte an und wer die Truppe kennt, der weiß, beschauliche Ruhe verströmen diese Energiebündel gewiss nicht. Der Rezensent freut sich alljährlich auf diese Art von Musik und findet es toll, dass eine der „Bauchtrommlerinnen“ auch nach einem Jahr noch immer ihr bezaubernd ekstatisches Lachen im Gesicht hat. Eine durchweg dufte Truppe. 

Mit der Nacht kam auch der Große Zapfenstreich, - erstmals mit den >>Seydlitzkürassieren<< und diesmal im Feldlagerareal. Dieser Teil des Festes ist immer sehr erhebend. Sicher war das auch das gegen 1:00 Uhr abgebrannte Feuerwerk, aber leider verdeckte es das Rathaus fast und zum Entgegengehen waren wir alle zu faul. Dann ging es an den Zelten weiter und als wir Mike und Florian begrüßen konnten, war vorprogrammiert, dass es noch viel zu lachen geben würde.

Der Sonntagmorgen weckte uns mit Sektkorkenknall und danach mit einem Frühstück wie zu heeme.

Einige kamen schwer in die Gänge, aber der Luftbettgefolterte Graf konnte einige Hotelschläfer in Schlepptau nehmen und so ging es zum Feldlagergottesdienst. Entweder ist der altbekannte und bewährte Feldprediger zu den Lutheranern übergelaufen oder er liegt noch etwas unwohl zu Bette, - auf jeden Fall zelebrierte der Fürst den Gottesdienst selbst, - ach ja, wer da fest im Glauben ist.

Noch ehe es zum Festumzug ging, erfreuten die Dresdner Barocktänzer nochmals mit ihrem Können.

In der Mittagstunde begaben wir uns zu unserem ziemlich entfernt liegenden Stellplatz. Auf dem Weg dort hin und auch vor Ort trafen wir wieder einige liebe Freunde. Besonders angetan war der Rezensent von „seinen Leuten“ aus Altjeßnitz und die Begrüßung der Schultheißin Frau Gudrun DIETSCH durch den (verkappten) Baron von Ende (Bernd SCHWABE) verlief in Herzlichkeit und mit Vorfreude auf das Irrgartenfest am 19./20.07. ebenda in Altjeßnitz.

Der Festumzug, den wir immer mit viel Freude mitmachen, wurde vom wunderbaren Dessauer Publikum wieder sehr stark beklatscht, so dass der heiße Asphalt unter den Füßen nicht mehr ganz so schmerzhaft zu verspüren war. Auch, dass die Umzugsstrecke nicht zur Durststrecke wurde, dafür sorgten unsere rührigen Gastgeber mit kühlem Mineralwasser am Streckenrand. In und um den Festumzug gab es nette Begegnungen zu Hauf…

Nach kurzem Verschnaufen ging es erneut auf den Festplatz, denn Leopold hatte zum Abschlussappell gerufen. Neben seinem Dank an alle Teilnehmer würdigte Klaus BRUCKER (der Fürst) die Treue, mit der viele Angereiste schon seit Jahren am Gelingen seiner Feste, - auch dieses 9. Leopoldsfestes, teilgenommen haben. Er lud uns alle ein, im nächsten Jahr wieder mit von der Partie zu sein. Als er gegenüber uns TDBern diese Worte richtete, mag er an unseren Tilo gedacht haben, der uns die Begeisterung für das Leopoldsfest in die Herzen gepflanzt hat.

Schon als wir unsere Leinwandvillen eingerissen haben, kam in uns auf, dass es doch sehr schade ist, jetzt schon die Segel streichen zu müssen.

Hatte beim Aufbau unsere liebe Renate AL ATRASH sehr emsig zugepackt, war es jetzt beim Abbau unsere Freundin Nadin SCHUBERT die tatkräftig mitgeholfen hat. Dafür danken wir Euch und unser weiterer Dank geht an alle die, die am Gelingen des 9. Leopoldsfestes maßgeblich beteiligt waren. Danke Dessau.

Text und Fotos: Bernd Schwabe/ Fotos Tagesappell (10): Frank WEISE (eingestellt am 17.07.2014)    

 

 

 



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