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Fachkundige Führung auf Burg Stolpen am 16.03.2014

Sächsischer Geschichte auf der Spur:

Führung mit dem AKB durch das Zwangsdomizil der Gräfin Cosel

Besuch der Burg Stolpen mit sachkundiger Führung durch einen Museologen

Manchmal zahlt es sich wirklich aus, wenn man für eine Sache brennt. So finden wir uns seit Jahren immer am 17. Oktober auf Burg Stolpen, an der Grablage der wohl bekanntesten Sächsin, - der Holsteinerin Anna Constantia Gräfin von Cosel ein, um ihrer an ihrem Geburtstag zu gedenken. Dabei wurden wir letztes Jahr von einem Mann beobachtet, der von unserem Tun sehr angetan war. Dieser Herr, der Kurator der Burg, Jens GAITZSCH, seines Zeichen diplomierter Museologe, gesellte sich uns zu und brachte uns schon damals, wegen seines profunden Wissens über die Burg Stolpen und ihre prominenteste Bewohnerin, ins Staunen. Dieser heutige Burgherr wiederum staunte über die ihm gestellten Fragen, die ihn ahnen ließen, dass diese Burgbesucher in ihren Roben nicht ganz unbeleckt sind. Da dieser Zeitgenosse, in positivstem Sinne, sehr mitteilungsbedürftig ist, erbot er sich, im Frühjahr 2014 eine Führung mit den AKB- Mitstreitern zu machen. Seine Bitte war nur, - das hängt mit räumlicher Enge der Museumsräume zusammen, dass die Teilnehmerzahl nicht weit über 20 Personen liegen soll. Das haben wir nun, am Tage der Führung, Sonntag den 16. März 2014 eingehalten. 19 AKB- Mitstreiter und ein ungeladener Zaungast fanden sich 13:00 Uhr im Kassenbereich der Burg ein und wurden von Herrn GAITZSCH in Funktion des Gästeführers begrüßt. Im Laufe der Führung gesellten sich noch weitere Zaungäste dazu, die nicht an uns und den Ausführungen des Burgherren vorbei kamen. Selbst an den Fenstern saßen gefiederte „Mithörer“ (Columba palumbus - Ringeltaube), die sich kein Wort des >Guten Geistes der Burg< entgegen lassen wollten.

Nach der Begrüßung also, ging es im Gefolge des Hausherren in den Johannisturm, dessen Innenleben ganz dem Hiersein der „Burggräfin“ von Cosel gewidmet ist, auch wenn der Museologe mit Bedauern feststellen musste, dass die dort ausgestellten Exponate sämtlich nie mit der Cosel in Berührung gekommen sind. Lediglich eine noch erhaltene und vom Museum erworbene Bibel, war nachweislich im Besitz der Gräfin, auch wenn diese sich ihrem Lebensende zu, vom Judentum angezogen fühlte. Diese und ein Fülle weiterer Informationen gab uns unser Museumsführer. Wir stellten fest, der Mann ist ein wandelndes Lexikon (nicht nur in Sachen Cosel!). Während mancher von uns schon etwas Fußlahm wurde, gab er uns zu verstehen, wie berechtigt zu Beginn der Führung seine Bemerkung war: „Erzwingen Sie sich mit Ihren Fragen eine Unterbrechung meiner Ausführungen, - was sicher nicht so leicht sein wird!“ Leichtigkeit, gute Rhetorik und immenses Fachwissen begleiteten Herrn GAITZSCH in seinen Ausführungen, was wir mit Genuss verkonsumierten.

Nach gut 2 Stunden verließen wir den Johannisturm und folgten der Fortsetzung der Burgführung im Burghof. Hier richteten wir unseren Blick auf die Reste des Zeughauses, welches zu damaliger Zeit als Wohntrakt der prominenten Gefangenen ausgebaut wurde. Wir erfuhren, dass die Cosel hier (bis 1743) durchaus nicht fürstlich logierte, - beispielsweise bewohnte sie nur einen einzigen Raum, auch wenn in der Literatur (so Herr GAITZSCH) immer wieder etwas anderes behauptet wird. Auch mit der Mär, dass die Gräfin nach dem Tod ihres fürstlichen Liebhabers freiwillig auf der Burg geblieben wäre, räumte der Vortragende auf. August III., der Sohn August des Starken, erwirkte zwar manche „Hafterleichterung“, war aber durchaus nicht bereit, die als unbeherrscht, streitsüchtig, intrigant und eigenwillig geltende Gefangene ins freie Leben zu entlassen…

Kein Besuch der Burg, ohne einen Besuch des Grabes der Gräfin Cosel. Auch hier wusste unser Führer viel Wissenswertes zu berichten. Wir hörten gespannt zu, auch wenn uns hier orkanartiger Wind umpusten wollte.

Unsere liebe Elke METZNER hatte sich etwas einfallen lassen und war am Vormittag nach Pillnitz gepilgert, so dass sie am Grabe unserer „Burggräfin“ eine Schale mit originalen >Pillnitzer – Kamelienblüten< abstellen konnte. Dieser Gruß aus der Gräfin Cosel einstigen Gutsbesitz sollte ihr das Herz erwärmt haben.

Nun erst merkten wir so richtig, dass da eine wichtige Person bei unserem Ausflug auf Burg Stolpen fehlte, - nämlich die Cosel selbst. Auch ohne die Anwesenheit des Sensationsblattes BILD machte die Skandalnachricht die Runde, dass die Gräfin sich zum Kuren ins Preußische begeben haben soll und, - man will es nicht glauben, S.K.M. August der Starke soll sie dort im Feindesland sogar mit ihrem Besuch beehrt haben. Offenbar rostet alte Liebe auch über die Jahrhunderte und alle Grenzen hinweg nicht…

Wir sturmgebeutelten Burgstürmer waren dankbar, dass uns der heutige Burgherr einen windgeschützten Unterschlupf im Burggewölbe zuwies, wo es zwar auch a…kalt, aber wenigstens nicht so zugig war. Hier verabschiedete sich unser Museumsführer Herr Jens GAITZSCH von uns und wir konnten für diesen tollen Exkurs in die Zeit der Anna Constantia Gräfin von Cosel nur ganz herzlich und mit viel Händegeklapper danken.

Zu jedem AKB- Treffen gehört (wie beim jeweiligen Stammtisch) auch Organisatorisches und dazu nahm hier in Stolpens Unterwelt, unser El Presidente Wolfgang PETZOLDT das Wort. Dabei wurden einige Termine und Vorhaben besprochen, bei denen der AKB mehr Präsenz als bisher zeigen will.

Nun in der Neuzeit wieder angekommen, musste zur Sache nicht hinter vorgehaltener Hand geredet werden und so ergingen die besten Wünsche für einen heilsamen Kurerfolg gen Berlin, zu unserem lieben „Burgknacki“ Veneta LORENZ.

Der Nachmittag war inzwischen schon weit fortgeschritten und so lenkten wir unsere Schritte in Richtung unserer Benzinkarossen. Dabei kamen wir an einer Einkehr nicht vorbei, um uns mit heißer Honigmilch aufzuwärmen und unsere knurrenden Mägen zu beruhigen. Ansonsten war der Aufenthalt in dieser „Schänke“ doch recht eigenartig!

Wir haben echt gefroren im Sturmgebrause und müde Füße hatten wir auch, - aber dennoch meinen wir, dass alle, die diesen wirklich fruchtbringenden Ausflug auf die Burg Stolpen versäumten, echt etwas verpasst haben!

Wenn es die Gelegenheit bietet, werden wir der Einladung des Burgherren Jens GAITZSCH zu weiteren Unternehmungen, - dann in Robe, gern nachkommen. Also bis denne. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 17.03.2014)

 



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