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Radebeuler Winzerfest - Winzerzug zur Hoflößnitz am 06.10.2013

Ein werbend Zug für die Hoflößnitzer Reben

Der Radebeuler Winzerzug am Sonntag, den 06. Oktober 2013

Der Sächsische Weinbau, dessen Erzeugnisse von Kennern geschätzt und hoch gelobt werden, hat neben Meißen, hier auf den Hängen über Kötzschenbroda, der so genannten Hoflößnitz (einem einstigen Landsitz der sächsischen Linie der Wettiner), eines seiner Hauptanbaugebiete und belebt seit ein paar Jahren eine alte Tradition wieder, - die der Winzerumzüge. August der Starke, obwohl eher dem süßen Tokaier zugetan, förderte, wie seine Vorfahren, den sächsischen Weinanbau und ließ im Jahre 1715 die Lößnitzer und Meißner Winzer, hier in der Hoflößnitz, mit ihren Erzeugnissen – auf Traubentrage, auf Schiebock, im Fass oder in der Flasche- an sich vorbeidefilieren. Damit überzeugte sich der Kurfürst nicht nur von der Güte des Rebsaftes, sondern begründete auch die Tradition des Hoflößnitzer Winzerzuges. Viel älter als dieser, ist der Weinbau im klimatisch begünstigten Kessel des Elbtales. In der Lößnitz ist er urkundlich zwischen 1265 – 67 nachweisbar. (Ein Landjunker schenkte einem benachbarten Kloster mehrere Zuber Wein, was aus dem damaligen Begleitschreiben hervorgeht.) Der Landadel erschloss zunächst den Weinbau, - bekam aber bald durch den Dresdner Hofadel und das emporstrebende reiche Patriziertum Konkurrenz. Natürlich trat auch das Fürstenhaus der Wettiner frühzeitig im Kötzschenbrodaer Weinland als Grundeigentümer der Lößnitz auf, - woher auch die Bezeichnung Hoflößnitz, mit seiner bis auf 1401 zurückgehenden Weinkultur, zurückzuführen ist. (Im 16. Jh. hatte das sächsische Elbland 230 ha Rebfläche.)

Ganz böse Zungen (auch schon mal die des Colakonsumenten und Rezensenten dieser Veranstaltung) behaupten zwar, dass man mit dem Sachsenwein auch Gurken sauer einlegen kann, aber die Kenner sind hingegen des Lobes voll, - umso mehr BRUT – umso köstlicher sei der edle Tropfen von den Elbhängen. Und diese Kenner gibt es schon seit langem. So schreibt der Lockwitzer Magister Christian Gerber 1717 in seiner Lobesschrift unter dem Titel: >>Die Unerkennten Wohlthaten GOTTES in dem Churfürstenthume Sachßen Und desselben vornehmsten Städten Dresden und Leipzig<< folgendes: Die Lößnitz ist ein gewisser Strich, da lauter hohe Gebirge seyn, die köstlichen Wein tragen und weyl die Churfürstlichen Berge auch allda liegen, wird diese Gegend genennet die Hoff – Lößnitze. Und dieser Lößnitzer Wein ist auch der beste im ganzen Lande…“   Nicht nur die sächsischen Kurfürsten haben dem gewiss zugestimmt, auch in unseren Tagen wird man dies als wahrer Weinkenner können, - vorausgesetzt das Jahr war klimatisch dem Rebwuchs und Rebertrag zugetan.

Noch vor dem Magister Gerber beurteilte Kurfürst Friedrich August I. den Wein der Elbhänge so überaus günstig und mit seinem Winzerzug schuf er für Sachsen eine Einmaligkeit, die lange Zeit keine Konkurrenz kannte, denn erst vor 90 Jahren veranstaltete Neustadt auch einen Winzerzug. Deutschlandweit ist der Radebeuler Winzerzug in der Hoflößnitz der älteste und im Jahre 2015, - also 300 Jahre nach dem ersten, soll es hier als Jubiläumszug den größten deutschen Winzerzug aller Zeiten geben. Wir alle, - Barockdarsteller und Darsteller früherer und späterer Weinzeiten aus Nah und Fern, sind aufgerufen, dass dieser Anspruch in die Tat umgesetzt wird. Wer heute hier diese Zeilen liest, sollt sich jetzt schon den ersten Oktobersonntag 2015 dafür vormerken.

Organisatorisch betreut von >>STORIED EVENTS<< , folgten um die 40 Barockdarsteller der Einladung des Geschäftsführers der Hoflößnitz Herrn Jörg HAHN und reihten sich am Sonntag, den 06.10.2013 in den Reigen der 400 Darsteller des diesjährigen Winzerzuges ein. Damit begeisterten sie mehr als 20. 000 Besucher, die die Strassen Radebeuls säumten und nicht mit Beifallsbekundungen geizten.

Schon am Samstag gab es Beifall beim Weinfest auf der Hoflößnitz. Gespendet von Jörg HAHN, der eine kleine Abordnung des TDB und AKB zum Weinfest auf die Hoflößnitz, zwecks organisatorischer Rücksprachen, gebeten hatte und sich über das, von der Hofsängerin Regina Baronessa de Moretti (Regina SCHWABE) vorgetragene Liebeslied sehr gefreut hat. Gefreut hat sich der Chef der Hoflößnitz auch über die von uns geäußerte Bereitschaft, auch künftig bei den Winzerzügen aktiv mitzuwirken.

Zurück zum Winzerzug. Wieder am Areal um das DDR- Museum zum Stellen, nahmen einige unserer Leute die Einladung zum Frühstück wahr und begrüßten weitere der nun nach und nach eintreffenden Barockdarsteller, wobei unser Freund Werner POHLE, am Vortage noch als stolzer Polenkönig und sächsischer Kurfürst August II. auf der Hoflößnitz viel beachtet, sich heute auf dem Parkplatz in seinen Opa Johann Georg II. verwandelte. Auch die werte Gräfin von Königsmarck (Silvia WEISE) erfuhr eine Verwandlung und wurde im Winzerzug zur Gemahlin Johann Georgs, der Kurfürstin Magdalena Sibylla (von Brandenburg- Bayreuth). Der kunstsinnige Kurfürst, der wenig Neigung zum Regieren zeigte, durch die Folgen des Dreißigjährigen Krieges (und einer verheerenden Pestepidemie)   aber auch ein schweres Erbe anzutreten hatte, brachte Sachsen dennoch einige Segnungen. Die Leipziger Messen nahmen durch seine Förderung einen erheblichen Aufschwung und neben der Industrie entwickelte sich während der Regierung Johann Georg’s II. auch die Landwirtschaft, der Obst- und Gartenbau und nicht zuletzt, - was rechtfertigt, dass das Kurfürstenpaar den barocken Part des Winzerzuges mit anführte, - der Weinbau in sächsischen Landen.

Gegen 11:00 Uhr setzte sich der Winzerzug, auf diesmal etwas abgeänderter Strecke, in Bewegung. Der Herbst und der Weingott Bacchus hatten wieder ihre Prachtwagen besetzt und das Kurfürstenpaar luden den Radebeuler Schultheißen Bert WENDSCHE mit Gemahlin, als Vertreter der Wein trinkenden Jahrhundertwende mit in ihre Kutsche ein. Unter den 21 Pferden des Umzuges war auch eines für den Reichsgrafen August Christoph von Wackerbarth (Uwe MÜLLER) gesattelt, der darin eine ebenso gute Figur abgab, wie die verehelichte Gräfin Caterina von Wackerbarth- Salmour (Madame de Brandebourg) auf ihrem Fuchs.

Unter den Klängen von 4 Musikkapellen und preußischer Eskorte (aus Glauchau) ging es an den Gleisen des „Lößnitzdackel“ entlang zu den Landesbühnen und auf der Meißner Landstrasse dann links in das Radebeuler Hinterland, der Hoflößnitz entgegen. Wie schon eingangs erwähnt, zeigte ein vielzähliges Publikum Interesse am Winzerzug und der diesjährige Besucherrekord wird die verantwortlichen Organisatoren und auch uns als Mitwirkende ermutigen, dem Super- Winzerzug in zwei Jahren, sehr optimistisch entgegenzusehen.

Am Fuße der Weinberge der Hoflößnitz passierten wir eine Bühne, wo wir als Majestät August II. unseren Freund Stephan REHER entdeckten, der uns in seiner eigenen, humorisch- netten Art begrüßte. Danach kam noch ein kleiner Anstieg, der den nun doch schon etwas schweren Winzerzugfüßen nicht ganz so wohl bekam. Aber der helle Beifall rechts und links des Weges ließ uns auch den letzten Teil des Weges gut angehen…

Im Areal der Hoflößnitz wurden wir mit einem Glase gutem sächsischen Wein begrüßt und wir hörten, wie am Vortage schon, viele nette Worte vom Cheforganisator Jörg HAHN, der auf der Bühne auch noch mal näher auf den geplanten Rekord- Winzerzug einging, - der das Zeug haben könnte, Eingang in das >>Guinnessbuch der Rekorde<< zu finden. Der Winzerzug Anfang Oktober 2014 soll die Generalprobe sein.

Nach dem wir aus unserem offiziellem Mittun entlassen waren,  gab es Aufstellung für ein Gruppenfoto aller beteiligten Barockleute (leider schaffte es der nette Besucher nicht, uns alle auf ein Bild zu bannen!!), die Markt- und Handwerkerstände wurden besichtigt und mancher Taler wechselte den Besitzer. Zudem machten wir einige interessante Bekanntschaften, wie z. B. mit dem (ehemaligen) Wirt der "Linie 6“, der allerdings seine Entwertungszange schon länger aus der Hand gelegt hat und, - obwohl selbst ein liebenswertes Dresdner Original, zumeist als „gucke mal, ist das nicht der Mann DER GÄBLER?“ bemerkt wird, der Entertainer Karl- Heinz BELLMANN…

Es schien, dass alle die vielen Leute, die den Weg des Winzerzuges säumten, nunmehr auf das Gastgelände der Hoflößnitz drängte, - den Wirt wird es gefreut haben, aber unsere Roben wollten ins Freie.

Der überraschenden Ankündigung unserer TDB- Vorsitzenden Silvia WEISE, dass uns am Rande des Festes ein kleiner Imbiss erwarte, kamen die Barockdarsteller gern nach. Was uns bei Frank WEISE erwartete, war mit „klein“ sehr stark untertrieben. Mehrere Schüsseln leckerer Salate aus Käse, Fisch u. a. lukullischem Innenleben, sowie ein umfänglicher Wurstaufschnitt und diverse Getränke, dürften selbst den mittlerweile eingestellten stärksten Hunger und Durst gestillt haben… Da kann man nur herzlich danken. Es war schön, zu sehen, wie die Historiendarsteller unterschiedlichster Gruppen und Herkommens so eng zusammengerückt sind, wo es doch noch gar nicht so lange her ist, dass man noch große Berührungsängste hatte. Es gibt uns die Hoffnung, dass es doch noch eine geschlossene, einige Barockszene in Sachsen, aber zumindest in Dresden geben wird. Der Anfang ist schon lange gemacht, - ich sage nur >>AKB<<!!!

Danke allen, aus unseren Reihen stammenden, Teilnehmern für ihr dabei sein und die Bitte, auch 2014 und dann in 2015 beim Jubiläumswinzerzug wieder mit dabei zu sein. Gern zähle ich bei den Events die barocken Teilnehmer in meinen Berichten namentlich auf, aber heuer wäre die Aufzählung doch etwas zu lang gewesen. Sicher wird sich jeder auf irgendeinem Bild zu diesem Bericht entdecken.

Gegen 17:00 Uhr lenkten uns unsere Schritte dann talwärts zu unseren Benzinkarossen, die uns nach Hause zu bringen hatten. Hofsängerin und Kämmerer machten noch einen Abstecher nach Klipphausen, dem Sommersitz der Gräfin von Hoym (Ute HORN), wo es frischen Pflaumenkuchen und Kaffee gab. Von dort rollte die Chaise noch zum Schloss der (ja zu wem?) Gräfin „de Kleene“ um mit einsetzender Dämmerung im eigenen Sommersitz in Bühlau einzutrudeln…  Es war scheen beim diesjährigen Winzerzug in Radebeul, - wir sagen Tschüß bis zum nächsten. Wem das zu lange scheint, dem sei schon vorher ein Besuch des >>Sächsischen Weinbaumuseums<< hier auf Gut Hoflößnitz wärmstens anempfohlen    Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 10.10.2013)

 

 



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