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Beim Festumzug des 22. Tages der Sachsen in Schwarzenberg am 8.09.2013

Ein Sachsentag mit Hindernissen – im Land der hilfreichen freundlichen Leute

Unser TDB war im sagenhaften Festumzug beim 22. Tag der Sachsen am 8. 09. 2013  in Schwarzenberg/Erzgebirge dabei

Im Vorjahr in Freiberg wurde unsere Lust auf weitere Sachsentage geweckt, denn dort klappte, aus unserer Sicht alles ganz hervorragend und wir hatten damals ein ungetrübtes Erlebnis. Das haben wir nun beim 22. Tag der Sachsen auch so im schönen Schwarzenberg erwartet. Und in der Tat, wir hatten bei unserer Teilnahme als Darsteller viele schöne erinnerungswerte Momente, - aber auch gegenteilige.

Zunächst war es äußerst schwierig als Mitwirkende in die Feststadt zu gelangen. Mit Verlassen der Autobahn folgten wir gutgläubig den Leitschildern zum Sachsentag und erreichten den ersten Parkplatz. Hier wollte man uns zunächst nicht haben, die Farbe der Vignette passte nicht und als wir beharrten, sollten wir, - wohlgemerkt als Mitwirkende, 10 Euro Parkgebühr berappen. Das vertrieb uns bis zur ersten Sperre. Auch hier die Feststellung, dass die Farbe unserer Durchlass- und Parkvignette nicht passte. Die überaus netten Polizisten hatten aber ein Einsehen, auch deren Kollegen an zwei weiteren Durchlasssperren. Viel weiter kamen wir aber trotzdem nicht. Wir irrten durch Schwarzenberg und erhielten nirgends eine Antwort, wo der für uns richtige Parkplatz liegt und wie er zu erreichen sei.

Dann kam per Handy auch noch die Hiobsbotschaft unseres Freundes Wolfgang PETZOLDT: „Bernd, dein Auto stinkt und will nicht mehr…“ Unsere Chauffeurin Regina SCHWABE, die ihren Ollen und Annett SCHADE kutschierte, hatte dann den richtigen Riecher (immer dem Gestank verbrannter Kupplungsscheiben entgegen) und nach weiterer Irrfahrt sichteten wir das >Auto will nicht mehr< und deren Besatzung W.PETZOLDT, Christine BARTEL, Renata LINNÉ und Siegfried SCHURA…

Nervenkrise und Ratlosigkeit, aber auch unerwartete schnelle Hilfe. Ohne Zweifel, wir waren im „Land der hilfreichen und freundlichen Leute“ angekommen. Ein Einwohner hatte das Malheur verfolgt, - sah unsere Roben und kombinierte richtig, dass dieses edel gewandete Völkchen sicher zum Stellplatz des Festumzuges wolle. Nachdem das Gepäck vom kaputten ins fahrbereite Autos der SCHWABES umgeladen war und der ADAC informiert wart, erbot sich der nette Schwarzenberger Bürger (der aus Bescheidenheit seinen Namen nicht nennen wollte), die Adelsgesellschaft mit seiner Chaise zum Ort des Geschehens zu bringen. In „stillem“ Dirigat unserer werten Hofsängerin (Regina SCHWABE), verlief der Tag, trotz einiger Widrigkeiten für uns doch noch in ganz geordneten Bahnen.

Während nun Wolfgang und der Rezensent auf den ADAC warteten, gelangten unsere Mitreisenden durch zwei Fuhren unseres Helfers zum angewiesenen Stellplatz. Hier gab es ein erneutes Beispiel für die Freundlichkeit der Erzgebirgsstädter. Es wurde, da noch relativ viel Zeit bis zum Start des Umzuges war, unseren Leuten Platz im schattigen Gärtchen angeboten und Getränke und selbstgebackener Pflaumenkuchen gereicht, - wir fühlten uns aufgenommen und wie zuhause, trotz der vorherigen Schwierigkeiten in die Stadt zu gelangen.

Derweil musste am havarierten Auto vom ADAC zur Kenntnis genommen werden, dass momentan nicht geholfen werden konnte. Am Abend konnte dann aber mein geliebtes Mazel (MAZDA) zurück nach Dresden überführt werden, wo es nun in aller Stille auf dem Autofriedhof ruht. Nun brachte uns unser Durchhalte- MAZDA zum nahe liegenden Parkplatz, - ahnt Ihr es? Natürlich wurde uns beharrlich die Einfahrt verweigert… Liebes Team des Projektbüros für den Sachsentag, - es wäre alles so einfach gewesen, wenn in Ihren Unterlagen gestanden hätte, wo welche Farbvignette auf welchem Wege zu welchem Parkplatz gelangen kann!  Nach gut einer halben Stunde nahte rettende Hilfe, - wieder in Person eines netten Polizisten, der die Parkplatzbewacherin überzeugen konnte, dass diese zwei Kerle in Robe mit Perücke und Dreispitz sich sicher nicht zum Autoklau kostümiert haben! Wenn an einer Kontrollstelle unsere Hofsängerin für die dort Dienst tuenden Polizisten ein Lied darbrachte, so stellvertretend für alle Polizisten, die statt Sonntagsruhe hier Dienst schoben und dabei dem Slogan „Die Polizei dein Freund und Helfer“ ganz und gar und in bester Weise gerecht wurden.

Irgendwann war unsere Hofgesellschaft zamnander und wir ergingen uns in geduldigen gemeinsamen Warten.  Dabei waren wir pass erstaunt, was für Massen an Darstellern, auf der Suche nach ihrem Stellplatz, an uns vorbeizogen ( und wie viele schon vor uns ihren Platz gefunden hatten). Es versprach, ein sehr langer und sehr vielgestaltiger Festumzug zu werden. Man sagte uns, dass es gut 4km werden würden. Irgendwann traf eine Pferdekutsche ein, die von der  >>Gräflich Schönburgischen Schlosscompagnie<< aus Glauchau (unter B. SCHARECK) besetzt wurde. Auch unsere Reichsfürstin von Teschen (Renata LINNÉ) fand darauf einen Platz. Später, der Zug hatte sich schon lange in Bewegung gesetzt, verkündete der Sprecher an der Haupttribüne, bei der Vorstellung unseres TDB, dass sogar 78jährige Darsteller im Verein aktiv sind, - ja wie wahr,- an diesem Sachsentag waren (mit zwei Ausnahmen) alle unsere Mitwirkenden über 60, (wir sind halt von altem Adel) - da wäre die Bereitstellung von 2PS- Fahrzeugen nicht unangebracht gewesen (ein Kremser wie in Freiberg hätte es auch getan!), zumal wir mit den acht kräftigen Pferdebeinen nach einiger Zeit nicht mehr mithalten konnten.

Angeführt wurde der Zug durch den tapferen Ritter Georg und den dampfend schnaufenden Lindwurm, den der Wappenheld von Schwarzenberg im mutigen Kampfe besiegte und damit sein auserkorenes Bürgfräulein aus des Drachen Klauen befreien konnte. Dieser Georg war das Maskottchen des 22. Sachsentages in Schwarzenberg. Nach ermüdendem Warten zogen wir also los und passierten, rechts und links der nicht enden wollenden Strasse dicht gedrängt, ein aufgeschlossenes Publikum, welches uns teilweise mit herzlichem Händegeklapper begrüßte und (leider, leider – Geschichtskenntnis gering), mich, so vollbärtig wie der olle Kämmerer nun mal ist, oft als Starken August ansprach und unseren ehrenwerten Stadtmajor Oberst Graf von Bose (Wolfgang PETZOLDT), sehr zu dessen Ärgernis, als Alten Fritz oder gar Napoleon (!) identifizierte. Nun ja, wir blieben der sächsische Hofstaat auch dann, als uns einige Ordner anzutreiben versuchten, da die Schweife der vor uns kutschierenden Chaise kaum noch zu sehen waren. Schnell sind (damalige) Sachsen immer nur im Reißausnehmen gewesen… Übrigens, als wir nach Absolvierung unseres Umzugweges auf die Nachfolgenden warteten, taten sich gleiche Lücken auf. Offenbar wurde die Durchlaufzeit der Festautos bemessen und nicht des Fußvolkes… Zunächst trug, ganz unstandesgemäß, Oberst von Bose unser Ankündigungsplakat voran und wurde dann vom Kämmerer und unserem Generalleutnant Baron von Spörcken (Gerd JACOB) abgewechselt. An der Haupttribüne machten wir unsere Reverenz vor unserem Landesherrn Stanislaw TILLICH und den anderen Ehrengästen, um danach vergebens den Anschluss zu suchen. Ziemlich abgehetzt kamen wir am Ziel an und bekamen noch etwas vom nachkommenden Festumzug mit. Er war schon sehr vielseitig und interessant, aber vielleicht doch etwas zu umfangreich und auf zu langer Strecke. Wir sahen auch bei anderen „Darstellern per Beene“ recht gehetzte Minen. Also, uns ging es wie dem mdr- Fernsetteam, - etwas zu schnell, und der anschließende Weg zu den recht abseits bereitstehenden Shuttlebusen war eine fast nicht mehr zu verkraftende Anstrengung. Leider trafen wir den für uns zuständigen Shuttle nicht, aber ein äußerst liebenswürdiger Busfahrer eines Linienbusses nahm uns mit und hatte auch Geduld, - denn bereifrockt und fußlahm kann auch ein Zu- und Absteigevorgang zur ausgemährten Sache werden…

Zu den Widrigkeiten des Tages, - diese jetzt selbst gemacht, gehörte auch, dass Oberst und Kämmerer ihre Karosse nicht auf diesem Parkplatz abgestellt hatten und so musste der Busfahrer erneut bemüht werden. Dieser hatte vorsichtshalber noch etwas gewartet. So gelangten wohl alle TDBer gut zu ihren Transportmitteln und anschließend nach Hause. Der Kämmerer nahm noch einen Fußmarsch in Kauf, denn er musste ja noch zu seinem ehemaligen Transportmittel, das inzwischen schon verschrottet ist. Oberst Bose kam dann noch dazu und gab ihm Geleitschutz, als das ADAC- Abschleppauto gen Dresden startete.

Wie gesagt, das war ein wirklicher Tag mit Hindernissen, aber auch mit vielen schönen Momenten und vor allem mit einer Vielzahl von freundlichen und hilfsbereiten Zeitgenossen, die mit dafür sorgten, dass der Tag für uns nicht in Betrübnis verging, sondern voller Sonnenschein war, auch wenn meteorologisch ganz zum Schluss des Sachsentages noch der angekündigte Regen kam. Es war schon sagenhaft was wir in Schwarzenberg erlebten, - Ritter Georg und Drache lassen grüßen.

250.000 Gäste sollen Schwarzenberg besucht haben und reichlich 4000 Mitwirkende gestalteten den Festumzug, der in 15 Bildern gestaffelt war. Eine organisatorische Hochleistung mit Abstrichen, - siehe oben.  

Im nächsten Jahr wird der Sachsentag fast vor unserer Haustür stattfinden, - in Großenhain. Ich denke, dass wir als TDB/AKB dann wieder mit von der Partie sein werden, vorausgesetzt, die Nähe Moritzburgs, - der Hochburg der Zucht edler Rösser, strahlt bis Großenhain und es sind wieder mehr Pferdekutschen im Einsatz, damit der Dresdner Hofstaat standesgemäß und altersgerecht in sächsischen Landen unterwegs sein kann.

Mein Dank geht an meine Vereinskollegen und meine AKB- Freunde, - die mittlerweile ihre Gehblasen kuriert haben sollten, - dafür, dass sie sich so tapfer im Festumzug bis zum Ende durchgekämpft haben. 

Besonderer Dank geht an die unbekannten hilfsbereiten PolizeibeamtInnen, zu den Org.-Helfern, die uns auf heißer Strecke mit Getränken versorgten und vor allem an den unbekannten Helfer, der unsere Darsteller mit seinem PKW zum Stellplatz brachte und an das Ehepaar NEUBERT, das uns in ihrem gastlichen Garten holte und mit Sitzgelegenheiten, Getränken und hausbackenen Kuchen versorgte und dringende Verrichtungen machen ließ. Ich persönlich möchte dem ADAC danken, der mal wieder „ein Geschicke“ draus gemacht hat und in Sachen „Schrottsammlung“ so hilfreich war.

Auch zur Stadtverwaltung und dem Projektteam des 22. Sachsentages geht unser Dank, auch wenn unsere (wie wir meinen) berechtigte Kritik dort am Telefon so unwirsch aufgenommen wurde.  Fotos: Renata Linné und Bernd Schwabe, Text: Bernd Schwabe (eingestellt am 11.09.2013)

 

 



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