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Flanieren im Großen Garten am 17. 08. 2013

Flanieren auf selten begangenen Wegen

Lustwandeln in Dresdens Grüner Lunge, - dem Großen Garten (17.08.13)

Eigentlich war das Flanieren im August ursprünglich im Rahmen des AKB geplant, aber als der 17.08. näher kam, zeichnete sich immer mehr ab, dass es eine Mehrheit nach Häselicht zog, wo es eine Veranstaltung der Napoleonik geben sollte.

Wegen dem Gewimmel und Gewühl des Stadtfestes in Dresden, war ein Flaniergang im historischen Stadtzentrum nicht unbedingt zu empfehlen, - und so hatte der TDB zwischen dem Großen Garten und Weesenstein zu entscheiden. Letzterer Flanierort war ein Zugeständnis für Herrn Rudolf von BÜNAU und Gattin, ist Weesenstein doch der Sitz seiner Familie, einem alten sächsisch – böhmischen Adelsgeschlechtes. Doch leider kam kurzfristig die Absage und so stand fest, dass wir uns an diesem Samstag nach dem Großen Garten auf den Weg machen würden. An echtem Adel fehlte es letztendlich dabei nicht, hatten doch Volker und P. HERZÖGE VON HOHENBERG, die die Nähe des TDB suchen und mit dem Gedanken einer Mitgliedschaft spielen, ihr Kommen angekündigt. Überpünktlich vor 11:00 Uhr trafen sie an der Querallee an der Tiergartenstrasse ein und trafen dort auf weitere neun Barockfreunde. Gern in unserer Mitte waren Christine BARTEL und Wolfgang PETZOLDT auch diesmal mit von der Partie, aus Maxen kam Gerd JACOB, auch Siegfried SCHURA ließ nicht auf sich warten, so wie auch Elke METZNER nicht, die die niedliche Prinzessin Felicitas im Schlepptau hatte. Kaum aus dem Krankenhaus entlassen, kribbelte es unserer Renate AL ATRASH in den Füßen und sie freute sich auf das Flanieren in der Dresdner größter Parkanlage. Ja und, dass selbst unser Rudolf FRITZSCHE aus Leipzig herbeigeeilt war, freute den Rezensenten Bernd SCHWABE, der auch nicht fehlen durfte, besonders.

Auf ging es, angeführt durch die Herzöge VON HOHENBERG und Monsieur Herzog von Orleans, am Carolasee vorbei mit Blick zum Palais, in das herrliche Grün des Großen Gartens…

Neben der Dresdner Heide (stadtnaher Forst) ist der Große Garten die Grüne Lunge der sächsischen Landeshauptstadt und hat so seine Geschichte, die nicht nur für uns Barockfreaks von großem Interesse sein dürfte:

Wie die meisten deutschen Gartenanlagen von Bedeutung, verdankt auch der Große Garten in Dresden seine Existenz der Prachtliebe des herrschenden Fürsten. August der Starke brauchte großräumig angelegte Flächen für seine nicht minder großartigen Openair – Feste und so haben wir heute alle etwas vom Bautrieb unseres Kurfürsten, wenn sich auch vom ursprünglichen Glanz nur noch wenig erhalten hat. Wer aber genauer schaut, der wird an mancher Stelle des Parks Ecken mit besonderem Charme entdecken. Sachsen war bezüglich der Schöpfung wahrer Perlen der Gartenkunst, einst führend in deutschen Landen und konzentrierte diese besonders im Großraum um die Residenz Dresden. Der Große Garten hatte seinen Beginn als Fasanengarten, den der Kurfürst Georg II. bereits im Jahre 1675 in Auftrag gegeben hatte. Die nachmalige Leitung hatte der Oberhofgärtner Johann Friedrich Karscher (8.09.1650 – 9.02.1726), - späterer Oberlandesbaumeister. Aus unwirtlichem Sumpfgelände, das kaum zu einer landwirtschaftlichen Nutzung taugte und vom Hofgärtner Martin Göttler zunächst als Jagdgarten gestaltet wurde, gestaltete Karscher (nach dessen Plänen auch seine Nachfolger) dann eine Parkanlage, die den Dresdnern schon damals sehr zu Gefallen war (und vom Kurfürsten öffentlich gemacht wurde!). Besonders das von Karscher befürwortete und ab 1676 vom Oberlandbaumeister Johann Georg Starcke (für den Kronprinzen Joh. Georg III.) erbaute Palais, dort, wo sich die Achsen der Haupt- und Querallee treffen, ist ein außergewöhnlicher Blickpunkt des Parks und wurde zum Mittelpunkt prächtiger Parkfeste des kurfürstlichen Gastgebers Friedrich August I., der seinerzeit auch gern „der Kunstsinnige“ genannt wurde. Ihm verdanken wir auch die Kavaliershäuschen, das Freilichttheater und den Schlossteich, der damals von ihm angelegte Irrgarten hat sich aber leider nicht erhalten. Hier kauft uns Altjeßnitz den Schneid ab, denn die kleine anhaltinische Gemeinde bei Bitterfeld pflegt und hegt einen der letzten barocken Irrgärten Deutschlands…  Vielleicht fiel der Irrgarten auch den Wirren des Siebenjährigen Krieges zum Opfer, denn neben der Bevölkerung litt auch der Große Garten sehr unter preußischer Verwüstung. Auch die Napoleonzeit brachte der sächsischen Gartenkunst einen unglaublichen Niedergang. Erhebliche Verwilderung und Zweckentfremdung trafen auch den Großen Garten, von denen sich der Park nie wieder so recht erholt hat, auch wenn Gärtnerfleiß Sorge traf, dass Dresdens Grüne Lunge auch heute noch besteht. Der rührige Hofgärtner Johann Gotthelf Hübler war schon zu vormaliger Zeit, unter der Oberaufsicht des Amtshauptmannes von Carlowitz, sehr emsig damit befasst, dass der Park seine Einmaligkeit behält und dabei trotzdem nicht auf die Einflüsse des Zeitgeschmacks verzichtet. Längs der Haupt- und Herkulesallee wurden Obstbäume gepflanzt und auch eine Baumschule wurde im Parkareal platziert. Erhalten hat sich bis heute eine Gärtnerei, die Jungpflanzenanzucht und Überwinterung frostempfindlicher Pflanzen (z.B. Dahlien) betreibt. 1663 wurden dem Park ca. 6ha Fläche abgezwackt, - Zeitgenossen bedauerten dies, da es der schönste Teil des Großen Garten gewesen wäre, auf dem der „Aktienverein Zoologischer Garten“ Tiergehege anlegen konnte. Tiergärtner und Gärtner fochten damals manchen Kampf aus, der auch in neuester Zeit zugunsten der Parkanlage ausfällt, obwohl die Enge des Zoos Einschränkungen in der Tierhaltung mit sich bringt. Auch der Expansionsdrang der SG Dynamo konnte bisher abgewehrt werden. Neben normalen pflegerischen Tätigkeiten, kam es 1871 zur Planung, die im Garten liegende Kiesgrube, - von Zeitgenossen als übler Schandfleck angesehen, in einen Teich umzugestalten. Trotz massivem Widerspruch entstand in der Folge der Carolasee (gespeist vom Kaitzbach), der heute noch zu Füßen eines Gartenlokals liegt und als Gondelteich bei den Dresdnern und ihren Gästen in hoher Gunst steht. Um diese Zeit entstand auch ein Wasserwerk, was der Pflege der Rabattenblumen sehr dienlich war. Es entstanden Fuß- und Radwege und es wurden zum Altbestand (so dieser die Kriegswirren unbeschadet überstanden hatte) neue Skulpturen hinzugefügt. Nicht alle dieser Kunstwerke konnten aus Kriegszeiten in die Jetztzeit hinübergerettet werden. Besonders erwähnenswert  ist die Plastik „Die Zeit raubt die Schönheit“, - unsere kleine Adelsgesellschaft nahm sie zur Fotostaffage… Nicht zu allen Zeiten war der Große Garten nur Ausflugsort, - Kriege trieben die Menschen in den Park, hier in der Hoffnung, den Krallen des Krieges zu entkommen. Im Februar 1945 suchten hier viele Menschen Schutz vor den angloamerikanischen Bombardements und kamen im MG- Feuer der Tiefflieger um… Der Nachkriegsnot konnte mancher alte Baum nicht trotzen und wurde abgeholzt, aber der Aufbauwille der Dresdner verhinderte den Niedergang ihres Großen Gartens und bald fuhr die Pioniereisenbahn ebenso durch Neupflanzungen, wie unter altem Baumbestand. Volksfeste belebten den Garten, - hier seien nur die Pressefeste der Sächsischen Zeitung erwähnt, aber auch der Ruhesuchende wird hier immer sein Plätzchen finden. Wenn wir nun unseren Großen Garten gar zum Ziel unserer Flaniergänge machen, erhält er einen weiteren Bestehensgrund… Schön ist es hier immer! (Quelle: „Festschrift 100 Jahre Bestehen der Flora“ der sächsischen Gesellschaft für Botanik und Gartenbau. 1926)

Nachdem wir das Palais umrundet und zum Fototermin Aufstellung zwischen den Blumenornamenten und bei der Skulptur „Die Zeit raubt die Schönheit“ genommen hatten, ging es am Palaisteich vorbei. Dort wo einst Augusts Prachtgondeln sich wiegten, schwimmen heute die, die wir als Silvesterkarpfen verspeisen werden. Das Karree wird von den acht Kavaliershäuschen flankiert, deren eines als Naturjugendhaus dem Nachwuchs die Zusammenhänge und Schönheit der Tier- und Pflanzenwelt unserer Heimat und der Ferne nahe bringen möchte.

Eine Sommergaststätte bot ausreichend Platz, - die meisten Dresdner und ihre Gäste waren halt doch beim Stadtfest, und so genoss die Adelsgesellschaft im Schatten alter ehrwürdiger Bäume, was Zapfhahn und Küche zu bieten hatte.

Gestärkt und mit ausgeglichenem Feuchtigkeitspegel ging es noch einige Schritte und wir landeten im Dahliengarten. Den hatte der Rezensent doch in besserer Erinnerung, - die Dahlienquartiere waren sehr geschrumpft (was war das doch in den 1960/70er Jahren für eine Pracht und Vielfalt), allerdings dürften die wenigen offenen Blüten dem unwirschen Wetter des Frühsommers anzulasten sein. Ein paar Bänke, wiederum im Schatten altehrwürdiger Baumveteranen, ließen die Gesellschaft nochmals verschnaufen und die Ruhe des Parks genießen. Gern standen wir Parkbesuchern Rede und Antwort und wir freuten uns, wie sich die Spaziergänger über unser Tun freuten…

Auch Felicitas, die Enkelin von Elke, war mit viel Freude dabei und sie fühlte sich in ihrer Prinzessinnen- Robe sehr wohl und äußerte den Wunsch, die Herzöge, Grafen und Gräfinnen, Barone und Baroninnen bald mal wieder begleiten zu dürfen. Ja und die, die würden sich freuen Prinzesschen wieder mit dabei zu haben.

Gegen 15:00 Uhr waren wir, nach mehreren Zwischenstopps, die interessierte Gartenbesucher erzwangen, wieder an der Tiergartenstrasse und unsere Chaisen brachten uns heimwärts. Wir waren uns einig, dass auch die letzten schönen Sommersonnentage des Jahres 2013 zum Flanieren genutzt werden sollten. So tun wir es doch!!! Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 20.08.2013)

 



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