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Spieletag in Lichtenwalde am 28. 07. 2013

Ausflug zum „Barocken -  Spiele – Tag“ am 28. 07. 2013 nach dem Schloss Lichtenwalde in Niederwiesa bei Chemnitz

 Eigentlich war es für uns schon historischer Boden, der Park des Schlosses Lichtenwalde in Niederwiesa bei Chemnitz, denn hier waren wir schon als Mitwirkende beim Parkfest involviert und im vergangenen Jahres wählten wir den Park für unser vereinsinternes Fotoshooting aus. Als Staffage hatten wir damals unser historisches Maillespiel, dessen Gebrauch inzwischen in der Szene einige Nachahmer gefunden hat, im Gepäck, - nichts ahnend, dass sich uns der Park einmal als Paradies barocker Spiele präsentieren würde. Denn wir folgten an diesem Sonntag Ende des Juli 2013 der Einladung unserer Chemnitzer Barockfreunde Ulla und Achim SCHÖNEICH, zum Spieletag nach Lichtenwalde – trotz der, dieser Tage üblichen 40°C im Schatten…

Tags zuvor waren die Hofsängerin und der kurfürstliche Kämmerer im Hause des Herzogspaares VON HOHENBERG in Miltitz bei Meißen zu Gast und da unterblieb die Einladung zum Spieletag nach Niederwiesa natürlich nicht.

Nach dem wir uns am Sonntagvormittag überpünktlich am Schloss eingefunden hatten und ohne Hektik und (später einsetzendem) Gedränge in unsere Barockroben geschlüpft waren – der Etikette gemäß, - trotz der Hundswettertemperaturen (im Gegensatz zu anderen, etwas nachlässigeren Edelmännern) mit Perücke, - nahmen wir den Lichtenwalder Schlosspark, - ein gartengestalterisches Kleinod, in erneutem Besitz und bald entdeckten wir aus entgegenkommender Richtung die herzogliche Hofgesellschaft mit Volker und Peter Herzöge VON HOHENBERG als derer von Hohenberg Herzog Friedrich Karl mit seiner Herzogin Leopoldine, dem Eröffnungstreff zustreben. Mit ihnen begrüßten wir auch die Fürstin Sophie Dorothee von Brandenburg als dero herzogliche Durchlaucht Hofdame.

Umschwirrt von Fotoreportern, Journalisten und dem Kamerateam des mdr- Fernsehens sammelten sich die Adelsleute, - echte wie nachgestellte, - und ließen sich vom Reichsgrafen Friedrich Vitzthum von Eckstädt (Achim SCHÖNEICH) willkommen heißen. Der Graf gab seiner Freude Ausdruck, dass der Sachsenadel, - sprich: die hiesigen Barockvereine – bzw. Tanzgruppen, in so großer Personenzahl seiner Einladung zum Spieletag nach Lichtenwalde gefolgt sind. Neben dem TDB, der mit 8 Personen kam, sah man auch Vertreter von Barock in Dresden, Tänzer aus Glauchau (um Bernhard SCHAREK) und die große Truppe von Bernd ANGERMANN, die sich als >>Les amis de la danse baroque<< einen Namen in der Szene gemacht hat. Gewundert hat sich der Rezensent nur, dass kein Mitstreiter des AKB den Weg nach Lichtenwalde fand, obwohl dort die Begeisterung über den vorjährigen Spieletag so groß war. Schade.  Als die Gesellschaft zum Fototermin für die Presse schritt, lief uns auch der Graf von Saumagen, - jener Mensch, der als Hofnarr Joseph Frölich (Andreas HÖFKEN) den Herrschenden manche Wahrheit ins Gesicht sagen konnte, über den Weg.

Nach dem alle Speicherkarten voll und Filme abgedreht waren, konnten wir uns an den vielfältigsten Spielen ergehen, so wie seinerzeit im Barock. Es handelte sich um originalgetreue Nachbildungen oder neue Kreationen, - so historisch barock wie unser Maillespiel, war keines der gezeigten. Sie verbreiteten aber viel Freude bei den Spielern, die sich leider überwiegend aus den Barockleuten rekrutierten. Das mag der, vom Wetterbericht vorausgesagten, Hitze geschuldet gewesen sein. Nun ja, der olle Kämmerer, der es unter seiner Würde sah, bar jeglichen haarigen Kopfschmuck zu erscheinen, schwitzte recht ordentlich unter seiner Allongeperücke! Dagegen half auch der Schatten der altehrwürdigen Parkbäume kaum und es konnte als Geschenk angesehen werden, dass die Sonne mit ihren sengenden Strahlen von einigen Wolken gebändigt wurde… Auch vor der Bühne war es sehr sehr warm und die wenigen Besucher waren mehrheitlich auch durch wohl tönende Musici und elegant gesetzte Tanzschritte nicht vor diese zu locken. So saß der Adel in der ersten Reihe und transpirierte vornehm vor sich hin, oder vergaß alle Kontenance  und schwitzte was die Poren hergaben… Genuss an den Darbietungen der >Barocktanz- Allstars< aus Dresden und Glauchau und der Tanzgruppe >>Le amis de la danse baroque<< hatten sie allemal… Auch die Hofsängerin Baronessa de Moretti (Regina SCHWABE) mit ihrer Zweitstimme (Silvia WEISE) begeisterten, was auch einigen enthusiastischen Zurufen zu entnehmen war. Mag auch nur ein einzelner Zuhörer die Gesangsdarbietungen über sich ergehen lassen haben, die Mehrheit des Publikums wusste sich zu begeistern. Auch die schelmischen Zwischentexte des Hofnarren Frölich, gepaart mit einer unnachahmbaren Mimik, wussten ebenfalls zu begeistern… Nur dem wahrlich exzellent aufspielenden Kammerorchester hätte man vom Publikum her etwas mehr Bühnennähe und verdienten Beifall gewünscht.  Alles in allem ein unterhaltsames Programm, so dass die Zeit wie im Fluge verstrich. Nicht nur wir verspürten nun den ununterdrückbaren Drang, unter Allonge und aus Justaucorps heraus zu kommen und Weiberspeck und Schnürbrust ablegen zu können, denn alles Adelvolk strebte dem Garderoberaum zu.  Dem Gedränge, - unter dem Motto: „Würde Durchlaucht wohl die Güte haben, Ihre Nase aus meinem Ohr zu nehmen…“, entkommen, -  hieß es sich nun erneut einem Brutkasten anzuvertrauen und unsere Motorchaisen brachten uns gut, aber wie frisch gebadet, gen Heimat.

Ich möchte meine Zeilen nicht endigen, ohne vorher dem Ehepaar SCHÖNEICH und allen Mitwirkenden, auch den Erschaffern und Ausstellern der Spiele, herzlich gedankt zu haben. Ich glaube, Ihr Herzöge VON HOHENBERG, hattet einen guten Einstieg bei Eurem ersten Flaniergeschehen und es bleibt zu hoffen, dass der Spaß an der Freude fortdauert. Wir sind jederzeit dabei. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 31.07.2013)



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