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Irrgartenfest 2013 in Altjeßnitz am 13.07.2013

Irrgartenfest in Altjeßnitz – Hans Adam Baron von Ende lädt ein (13.07.13)

Dort wo noch vor zwei Jahrzehnten der Smog ungefilterter Bitterfeldscher Industrieabgase über der Landschaft lag, duckt sich damals wie heute (wo die Luft um Bitterfeld und Wolfen um etliches reiner ist) eine grüne Oase, - der vier Hektar große Landschaftspark des Leopold Nicolas Freiherrn von Ende, der diesen um die Mitte des 18. Jh. anlegte und wo mit dem Irrgarten aus ca. 2 Meter hohen Hainbuchen (Carpinus betulus ) und einer Fläche von 2,6 qm heute der einzige barocke seiner Art erhalten ist und alljährlich viele Besucher anlockt, in seinen Bann zieht und manchen lange im Geviert umherirren lässt… Park und Irrgarten werden von der Gemeinde verwaltet und gepflegt, - und daher ergeht von der Gemeindeverwaltung in persona der Ortsvorsteherin Frau Gudrun DIETSCH, alljährlich an uns die Einladung, aktiv am Irrgartenfest mitzuwirken. Seit der ersten Teilnahme von TDB- Mitgliedern, - inzwischen werden sie durch Mitstreiter des AKB verstärkt, ist gewissermaßen Bernd SCHWABE, in der Verkörperung des Barons von Ende, der Gastgeber des Festes. Leider gab es im Vorjahr eine unfreiwillige Pause, da ein Unwetter über Altjeßnitz niedergegangen war und das Fest regelrecht ersäuft hatte. Umso mehr freuten wir uns heuer auf das immer mit viel Liebe vom >>Förderverein Irrgarten Altjeßnitz e.V.<< vorbereitete und durchgeführte Gemeindefest um Park und Irrgarten, und mit 14 Personen war der Dresdner Hofstaat umfangreich wie wohl nie zuvor am Fest beteiligt. Ganz korrekt ist die Bezeichnung Dresdner Hofstaat nicht, da ja aus dem fernen Russland, die Gattin Peter des Großen, die Zarin Katharina I. (Kerstin DANIEL) in Begleitung dreier Großfürstinnen ihres Hofes (Petra TREPPTE, Sonja BADERSCHNEIDER und Marlies FROHNHÖFER), auf der Durchreise von Holland kommend (wo man in Augenschein nahm, inwieweit Zar Peter mittlerweile zum Zimmermann mutiert ist) dem Flecken Altjeßnitz und dessen Lehnsherren die Ehre ihres Besuchs machten. Im Gemeindeamt hatten wir Gelegenheit uns als Adelspersonen zu verkleiden, mussten aber dabei einen hohen Blutzoll lassen. Es wimmelte und sirrte nur so von blutrünstigem Mückengesindel und da half auch heftigstes um sich schlagen kaum etwas… Vom TDB schlüpften zunächst Regina und Bernd SCHWABE, Nadin SCHUBERT und Silke AYDIN in die Roben, später kamen (auf den letzten Drücker) noch Elke METZNER und Siegfried SCHURA dazu, die von Wolfgang PETZOLDT kutschiert und in Gesellschaft von Christine BARTEL angereist waren. Ein kleiner weißer Hund der Rasse West Highland White Terrier wuselte um unsere Beine und zeigte an, dass sich da ganz ungewöhnlicher Besuch in Altjeßnitz ankündigte…

Inzwischen waren weitere Adelsgesellschaften eingetroffen, wie die des Ortes und aus Dessau, die nun dem Festareal zustrebten und sich im Schatten der Feldsteinkirche sammelten. Auch den unsrigen Hofstaat und die Zarinnengesellschaft zog es dorthin. Der Baron und Baronin von Ende (Bernd und Regina SCHWABE) hingegen inspizierten das wiederum wunderbar dekorierte Festgelände und wurden dort vom IR von Hülsen unter Major Heinz BEHRENS mit militärischer Achtung und Zeremonie begrüßt. Danach nahm das freiherrliche Paar Platz und harrte der Vorstellung der Adelsgesellschaft durch den Duc de Brissak (Mike SPRENGER), der in Begleitung der Tanzcompagnie >>le danseurs de San. Souci<< aus Potsdam herbeigeeilt war. Angeführt durch kleine Prinzessinnen und Prinzen, die dem Hausherrenpaar  artig ihre Referenz erwiesen, so wie dann auch die nachfolgende Gesellschaft ihr Haupt neigte, zog der Adel ein und verteilte sich im Schatten der uralten Parkbäume um das Kirchlein. Nun begaben sich Hans Adam von Ende und seine Gemahlin (jene im strahlenden Rot ihrer Robe), auf die Bühne, von wo der Hausherr seine Gäste begrüßte und nicht in der Lage war, den Dank für die ihm, durch den Besuch der Zarin, erwiesene große Ehre entsprechend zum Ausdruck zu bringen… Doch sah er auch nicht, was sich hinter seinem Rücken tat. Wie beutelte ihn die erschröckliche Überraschung, als er seinen einstigen Brotherren, den sächsischen Kurfürsten und König in Pohlen August II. (Werner POHLE) vor seinem Angesicht hatte. Einst aus Sachsen in fliegender Hast weggegangen und seither dieses Land gemieden, beglückte es den Baron nun um so mehr, als ihm August der Starke Vergebung für seine damaligen Steuervergehen gewährte. Selten prostete der Baron so glücklich in die Runde, wie nun, da er die Ächtung durch das Kurfürstentum Sachsen nicht mehr fürchten muss. So perlte der Sekt in den Gläsern der Adelsleute und vieler Besucher. Letztere stürmten das Kuchenbuffet, um vom köstlichen hausbackenen Kuchen der Damen des Fördervereins noch etwas abzubekommen. Nach dem die Zarin und ihre Damen an dem ihnen zugewiesenen Rundtisch Platz genommen hatten und von rührigen anhaltischen Kammerherren bedient wurden, bat auch Baron von Ende den Dresdner Hofstaat und die Duchesse de Brissac, sowie die Comtesse de Beauchamp sich an deren Festtafel zu platzieren. An den Stirnseiten das Gastgeberpaar und gegenüber August II. mit der Reichsgräfin von Cosel (Veneta LORENZ), der die frische anhaltinisch- preußische Luft während ihres Freiganges offenbar sehr gut bekam. Militärmusik des IR von Hülsen aus dem Harz sorgte für Unterhaltung und auch ein Falkner mit seinem Uhu und Turmfalken wusste das Publikum zu fesseln. Auf der Festmeile des Parkgeländes gab es wieder einige Händlerstände, wovon besonders die mit den angebotenen Gartenpflanzen und Blumenarrangements ins Auge fielen. Ebenfalls echte Hingucker waren die schlankranken, sehr femininen Schmetterlinge und die Pfauendame, die wohl ihren werten Ehegemahl bis auf die letzte Feder gerupft hatte, um selbst im pfauenprächtigen Outfit glänzen zu können.

Gerne wären wir noch länger geblieben, - das dortige Publikum und die Freundinnen und Freunde des Fördervereins hätten es verdient und wir hätten uns gern an weiteren Programmpunkten ergötzt, - aber da wartete noch eine andere Verpflichtung am Abend über den Dächern unserer Heimatstadt Dresden…

Im Reifrock und mit Hüftspeck, mit Jabot und Dreispitz zum Irrgartenfest gekommen, verabschiedeten sich nun die Damen in  blumengeschmückten Roben und ebensolchen Hüten,- und die Herren im Überzieher und mit Zylinder, um zum nächsten Spektakel zuzustreben…  Nicht, ohne vorher den fleißigen Altjeßnitzern um Gudrun DIETSCH ein ganz herzliches Dankeschön zugerufen zu haben. Nächstes Jahr gerne wieder. Text: Bernd Schwabe, Fotos: Bernd Schwabe und Silke Aydin (eingestellt am 16.07.2013) 



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