Print This Page

Festumzug 825 Jahre Neustädtel am 30.06.2013

Wochenende der Festumzüge

Wir beteiligen uns als Hofstaat am Festumzug zur 825- Jahrfeier der westerzgebirgigen Stadt Neustädtel am Sonntag, den 30.06.2013

PROLOG:

Es war am späten Nachmittag, eines dieser milden Junitage des Jahres 1708, als vom Hartmannsdorfer Forst her, das Tönen der kurfürstlichen Jagdhörner zu vernehmen war. Der Schall legte sich über die still liegende Wasserfläche des Filzteiches, der im Nachbarrevier gelegen, mit seinem Wasser dem Bergbau in der Lage von Neustädtel bei der Silberstadt Schneeberg zu Fromm und Nutzen ist. Wasservögel wurden aufgeschreckt und der eilige Sprung der Frösche gab dem Wasserspiegel eine leichte Wellung. Das Pilze sammelnde Mütterchen machte sich schnell auf den Weg ins Unterholz und der ruhende Wilddieb schreckte auf und floh ebenfalls in die Dichte des Waldes. Es wurde nicht ruhiger um das Gewässer, denn das Hufgetrappel der Pferde der Jagdgesellschaft ließ den Boden erzittern und die überhitzten Tiere nahmen, mit gelockertem Zügel, ihren Weg zum Teichufer um ihren Durst zu stillen. Der die Jagdgesellschaft anführte, hatte Wasser nicht im Sinn, um seinen Kehlbrand zu stillen. Er ließ sich von seinem Oberhofjägermeister die Karaffe mit köstlichem Tokaierwein reichen, - sein Durst war so groß,  dass er dem Jagdgehilfen das kostbare Kristallglas aus der Hand schlug und den „Kelch“ zu hastigem Schlucken ansetzte. Der dies wagen durfte, war der sächsische Kurfürst Friedrich August in Persona. Zufrieden glitt sein Blick über die Idylle des Filzteiches, der als ein Teil der bergmännischen Anlagen künstlich angelegt wart. Doch nicht die Ruhe der Teichlandschaft war das Ziel des Fürsten, nein ihn interessierte an der Gegend das, was ihn und das Haus Wettin zu so immensen Reichtum verholfen hatte, - nämlich die vielen Zechen und Halden, die der Erschließung des Silberbergbaus nachfolgten, und ihm per zehntem Anteil, als Eigentümer dieser reichen Gegend zusteht. Der Kurfürst hatte Gespräche mit dem Berghauptmann und Obersteigern geführt, die ihm bestätigten, dass der Bauch der erzgebirgigen Erde noch reichlich Schätze zu bergen hatte. Auch sein Ritt durch das Filzrevier machte Friedrich August von Sachsen zufrieden, denn der Holzbestand war vom Bergbau bisher nur wenig angegriffen und gesund und der Wildbestand bürgte dafür, dass er, der Sachsenfürst, noch ewig seiner großen Leidenschaft, der Jagd, frönen kann. Der Ruf der Jagdhörner ließ die Gesellschaft aufbrechen, -Oh Hase, wilde Sau, Hirsch und Reh, nehmet euch in acht, im Jagdrausch gibt euch der fürstliche Oberjäger wohl kaum ein Pardon… Stille kehrt am Filzteich zu Neustädtel wieder ein. Die Frösche sind wieder aufgetaucht und das Vogelgezwitscher ist wieder zu hören, der fürstliche Spuck ist vorbei und…

und der Besuch August des Starken am Filzteich, ist der Stadt Neustädtel die Erinnerung und Einbeziehung in den Festumzug zum 825jährigen Jubiläum der Stadt wert.

So sind wir zu unserem Bild im großen Festumzug durch die Jubiläumsstadt gekommen, - der Besuch Friedrich Augusts im Filzrevier vor den Toren der Stadt.

Der Landvogt Heinrich von Weida siedelte um das Jahr 1118 aus Ostfranken stammende Bauern zur Urbarmachung  und Bewirtschaftung des kargen Landes um deren kleines Waldhufendorfes an. Als im Filzbach Zinn entdeckt wurde, gab es weiteren Zustrom und den Beginn einer Jahrhunderte währenden Bergbautradition. Jedoch erst ab 1470, als man auf dem Schneeberg das erste Silbererz brechen konnte, breitete sich der Bergbau schnell aus und erreichte auch Neustädtel. Bis hin zur SDAG WISMUT wurde hier im Westerzgebirge aktiver Bergbau betrieben. Heute kommt dieser nur noch zur Erscheinung, wenn die Steiger und Bergknappen in ihren schmucken Uniformen beziehungsweise Lederwämstern zur Bergparade schreiten und die Kapellen der Bergleute ihre Lieder spielen: „Der Steiger kommt und er hat sein helles Licht…“ Oder es gibt ein Ortsjubiläum, wie heuer hier in Neustädel, was heute in Schneeberg eingemeindet ist.

Wie gewohnt rechtzeitig, - gut zwei Stunden eher ist das wohl, - langten wir im Jubelort an und mit Hilfe der Organisatoren des Festumzuges fanden wir auch schnell den uns zugewiesenen Parkplatz. Trotz der Abgelegenheit hatte man an alles gedacht und es gab hier Stille Örtchen und selbst ein Umkleidezelt. Letzteres haben wir kaum gebraucht, denn gewohnheitsgemäß wechselte man schnell am Auto die Klamotten oder kam schon in Robe.

Wir Teilnehmer vom TDB - Silvia WEISE, Renata LINNÉ, Annett SCHADE, Elke METZNER, Silke AYDIN, Frank WEISE, Siegfried SCHURA und Bernd SCHWABE – freuten uns, dass sich mit Werner POHLE ein glaubhafter Kurfürst Friedrich August an unsere Spitze gestellt hat und zur Linken die „Burggräfin“ von Cosel mit ins Scheeberger Revier brachte.

Zunächst war es recht frisch auf zugiger Erzgebirgshöhe, so dass wir die weitere Wartezeit nutzten um im "Werkstatt- Café Mosch" (Konditorei mit vielen Kaffeespezialitäten, Museum, Verkaufsausstellung und Kerzenzieherei) ein Tässchen Heeßen und vorzügliche Tortenkreationen zu genießen. Alsbald blieben wir nicht allein und der Umgangston wurde rauer, blieb aber herzlich, als Bergleute, Landsknechte, Ritter und allerlei anderes Volk sich unter den Adel mischte. Kurz vor 14:00 Uhr strebten wir unserem Stellplatz Nummero 15 zu: „August der Starke am Filzteich 1708“ Der Kurfürst hievte seine drei linken Mädels Aurora, Ursula Katharina und Anna Constantia in die Kutsche und hatte Not, selbst noch in diese zu passen. Pünktlich setzte sich der Zug in Bewegung, - Fürst und Mätressen von Gäulen gezogen und der Hofstaat auf matten Füßen hinterher…

Es wurde ein langer, und rechts und links der Strecke sehr sehr dicht und begeistert belagerter, Festumzug mit vielen Höhepunkten, - wirklichen Schaubildern und einer wirklich heiter ausgelassenen Atmosphäre. Die Arzgabirgler  sind ein nettes Völkchen für sich, - zumindest die, die wir in Verkleidung und frenetisch klatschend im und am Festumzug trafen.  Keiner nahm die Sache todernst, eher fröhlich ausgelassen und so blickte Majestät öfters einmal über seine Schulter, um zu sehen, was da hinter seinem Rücken der Anlass für dieses unstandesgemäße Gelächter sei. Da es zumeist bergab ging, blieb der Fußmarsch auch ohne Folgen und die fürsorglich mitgenommenen Päckchen „Lebewohl Hühneraugen -  Pflaster“ konnten versteckt bleiben. Überhaupt ging alles glatt über die Bühne, was wohl auch dem Glücksbock zuzuschreiben ist, den man schon roch, ehe man ihn zu Gesicht bekam. Der Umzug endete am dafür ausgewiesenen Festplatz, wo man von angenehmeren Düften verlockt wurde und seine Verpflegungsbons abessen- und trinken konnte. Wir waren, da ziemlich weit vorn im Festumzug gewesen, im Festzelt zunächst fast allein, was sich aber schnell änderte. Als einer Bergmannskapelle Spiel erklang und der „STEIGER“ intoniert wurde, sah man, wie sich die Arzgebirgsmannln – und Weiberln von den Plätzen erhoben und ins Lied mit einstimmten. Das war schon berührend, - man nennt es Heimatverbundenheit – Scheen!!!

Als es uns dann doch zu eng wurde, nahmen wir den Service der FFW- Kameraden gern in Anspruch und nutzten den Shuttle- Transporter um geschonten Fußes zu unseren Benzinkarossen zu gelangen. Ein Blick über die Weiten und Berge des Westerzgebirges und des zu ihren Füßen liegende Neustädtel und man konnte nicht anders als ein Loblied auf dieses schöne Fest zu singen. Auch das 825jährige Neustädtel hat uns nicht enttäuscht, - wir wurden freudig aufgenommen und betreut, waren Bestandteil eines sehr sehenswerten Umzuges und erlebten die Ureinwohner des Westerzgebirges nicht, wie man ihnen gelegentlich nachsagt, den Fremden verschlossen und karg im Lachen, sondern ganz im Gegenteil, aufgeschlossen, heiter, bisweilen frech und/oder verschmitzt, - kurz gesagt, GUT SÄCHSISCH !!! Da ist ein Dankeschön an das Org.- Team René SCHUBERT, Ray LÄTZSCH,Mike REICHEMANN, Michael BRETSCHNEIDER, Ingo SEIFERT und alle ihre Mitstreiter mehr als angebracht. 

Epilog:

Oberhalb des Schneebergs, im Filzrevier, sitzt auf Nüstern blähendem Rappen, der, der sich Herr über Land und Stadt, Mann und Maus nennt und staunt, was dort unten in Neustädtel für ein quirliges Treiben herrscht, - man lacht, musiziert und singt gar, - dabei sind die Silbererzadern erloschen, die Zechen geschlossen und auch die Bestimmung des Filzteiches ist nun eine andere, - auch dort frönt man der Lebenslust, - badet gar ganz nacket und scheret sich keinen Deut darum, „wie Wir, der Churfürst und König in Pohlen noch die Kostenlast Unserer Amüsements tragen sollen, - oh wohin gehst Du, mein Sachsenland?...“

Schaut hin verblichene Majestät, den man heuer den Starken August nennt, schaut hin und Ihr seht ein glückliches, gemütliches, manchmal etwas heemtücksches aber nun endlich befreites und sich wie damals durch alle Lebenshärten durchbeißendes, (meist) zufriedenes starkes Volk, welches sich frei zu machen und zu feiern versteht - Euer Sachsenvolk eben!!! (Sächsischer Text mit Kurzgeschichte und Fotos von Bernd Schwabe / gerahmte Nachlese- Fotos von Renata Linné – eingestellt am 08.07.2013)



Zurück