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Abenteuertage in Rottleberode vom 22. bis 23. 06. 2013

Kaiser Barbarossa ruft zum Kyffhäuserberg:

Wir wirkten bei den Südharzer Abenteuertagen in Rottleberode mit

Es sei vorweggenommen, dass uns diese Veranstaltung der Manthey Event GmbH wieder sehr viel Spaß gemacht hat, - nicht zuletzt durch das breite Spektrum von Darstellern der verschiedensten geschichtlichen Epochen und einem Herold (Moderator), der den Humor im Blut hat. Es waren für uns echte Abenteuertage, - zumindest was die Toilettenbenutzung anging. Ansonsten war alles sehr vergnüglich und wir trafen gute alte Bekannte und Freunde.

Gegen Freitagmittag in Dresden gestartet, ging es bei schönem Sommerwetter zunächst in die nette Rosenstadt Sangerhausen, wo aber wegen vorgerückter Zeit vom geplanten Besuch des Euro- Rosariums abgesehen werden musste. In Rottleberode, einem Teilort der Gemeinde Südharz, angekommen, ging es zunächst zum Quartier unserer Mitstreiter. Dort erwartete uns schon unsere Freundin Renate AL ATRASH mit ihrer Anke und Annett SCHADE. Auf der Festwiese hatten die Harzer Hunnen bereits ihre Jurte aufgestellt und wir wurden mit viel Hallo begrüßt. Nun traf auch die Motorchaise von Silvia WEISE ein. Schnell waren unsere Zelte aufgebaut und, ich wollte es selbst kaum glauben, dabei fiel kein böses Wort…   Mittlerweile erreichte auch der „Geisterfahrer“ Wolfgang PETZOLDT (der kaum über dem Lenkrad auszumachen ist) mit Christine BARTEL und Nadin SCHUBERT den Festplatz. Regina SCHWABE verließ in dem Moment denselben, denn sie machte sich auf den Weg nach Kelbra, um unseren Leipziger Freund Rudolf FRITZSCHE vom Zug abzuholen. Irgendwann gegen Abend trafen dann auch noch die JACOBS, Veronika und Gerd, zur Begrüßung auf dem Werksgelände der  Firma Deutsche Gipswerke KNAUF KG, die seit Jahren Gastgeber für die Veranstaltungen ist, ein. Da, wie Tilo immer betonte, der Dresdner Hofstaat ein rechter „Schönwetterhofstaat“ ist, nächtigen nunmehr nur noch die Familien WEISE und SCHWABE in Zelten, für den größeren „Rest“ müssen nahe liegende Pensionen gesucht werden. Das ist der Grund, dass wir nicht gemeinsam an den Abenden feiern und unseren Spaß gemeinsam haben können, - ein Teil hockt vor den Zelten, der andere in der Unterkunft, - wir hockten bei der „Geißel Gottes“, - will sagen bei Attila und seiner Sippe, wo wir allerdings auch unseren Spaß und… Met hatten…

Mahnende Worte der Vorsitzenden bewirkten, dass am Samstagmorgen pünktlich 10:00 Uhr alle unsere Darsteller auf dem Festgelände anwesend waren. Selbst unsere liebe Anke nahm ihre Stellung vor unseren Zelten ein. Wir waren erschrocken gewesen, wie weit deren Quartier vom Festplatz entfernt liegt, obwohl der Vermieter ja gemeint hatte, dass sich dieses in nächster Nachbarschaft der Fa. KNAUF bepfände. Ein Weg jedenfalls, der für einen Rollstuhlfahrer, auch mit den besten Betreuerarmmuskeln, nicht zu bewältigen ist. Eine Nachfrage bei den freundlichen Kameraden der DRK- Bereitschaft hatte zur Folge, dass Anke nun an beiden Veranstaltungstagen am Quartier ab- und auch wieder zurück gebracht wurde. Ein herzliches Dankeschön den Rotkreuzlern für ihre Menschlichkeit. Ihre Hilfe ermöglichte es, unserer schwerstbehinderten Freundin Anke PAUL, in ihren gewiss nicht leichten Alltag (was auch für ihre Pflegerin und Mutti Renate gelten wird) ein paar helle Sonnenstrahlen zu bringen.

Die ersten Besucher eroberten sich nun das Festareal und der Dresdner Hofstaat pilgerte zum Appellplatz, wo der, dem Mittelalter entstiegene, „Falkenflüsterer“ Deimos seine Beizvogelshow abhielt. Was zu sehen war, war sehr interessant, nur, der Vogel wollte partout nicht so wie sein Falkner und machte es sich im Geäst einer Blaufichte gemütlich, - wo er ausharrte und damit die Schau vorzeitig zum Abbruch brachte.

Mittlerweile aber war es Zeit, dass sich die Darsteller und Darstellergruppen zum Morgenappell einfinden. Begrüßt wurden sie, in altbewährter Weise, vom Herold, der den Pöbel, die Kerls der militärischen Darstellergruppen und die Majestäten und Majestätininniennen auf seine herzerfrischende spaßige Art begrüßte und nach der Vorstellung aller Teilnehmer, diese zur 1. Parade der Geschichten anführte. Natürlich waren wir als Dresdner Hofstaat als Vertreter des Barock im Zuge dabei. Bei unserer Vorstellung wurde auch der hohe königliche Besuch, der mit uns aus der Residenz in die äußerste sächsische Provinz gereist war, vorgestellt. Der Preußenkönig und Kurfürst von Brandenburg Friedrich II. mit seiner Schwester Wilhelmine Markgräfin von Brandenburg- Bayreuth (Gerd und Veronika JACOB), sowie der französische Prinzregent und Bruder des Sonnenkönig Philipp I. von Orleans und Anjou (Rudolf FRITZSCHE) wurden vom Herold herausgehoben willkommen geheißen. Dann ging es also, durch Werksgelände und Festplatz, zum „Tal des Donners, wo es eine Kanonen- und Musketen- Böllerei mit viel Krach und Pulverdampf, aber auch mit viel Disziplin, gab. Die Majestäten und das Adelsvolk mit ihren militärischen Bedeckungen erlebten das Spektakel vom sicheren Feldherrenhügel aus. Nach dem lautstarken Schusswechsel gab es Gefechtsdarstellungen, wie sie im Dreißigjährigen Krieg stattgefunden haben könnten, - also auch recht lautstark durch raue Landsknechtkehlen begleitet. Zeitlich noch weiter zurück, in die Zeit der Ritter und ihrer Knappen versetzt, gab es dann um die späte Mittagszeit Schaukämpfe der Mannen vom „Thüringer Ritterorden“ und der Söldnerschaft vom „Banner des Roten Adlers“. Bevor es dann gegen 15:00 Uhr zur 2. Parade kam, gab es noch eine weitere Greifvogelschau, wo der gefiederte Freund seinem Herrn und Meister „The Falcon Whisperer“ besser gefolgt hat als es am Morgen der Fall war.

Die zweite Vorstellung und 2. Parade der Geschichten sah nun merklich mehr Publikum und wir Teilnehmer mehr Ulk und Dallerei, - teils vom Herold, teils aus den Darstellergruppen heraus. Wie stets ein Höhepunkt, fast schon eine Ikone der Rottleberoder Veranstaltungen, der 73jährige armstarke Fahnenschwenker der „Alten Garde Bleicherode“, dem sein Fahneschwenken und seine Einlage per Mundharmonika mit lautem Hallo der Paradeteilnehmer unterstützt wurden. Uns gefallen immer besonders die Gaudieinlagen der Russischen Jäger, deren Vorbilder, die Soldaten der russischen Truppen, denen Napoleon einen so grausigen Krieg aufgezwungen hatte, sicher sehr wenig Spaß an diesen blutigen Auseinandersetzungen hatten. Die Programmabfolge wiederholte sich bis zur 3. Parade der Geschichten, um dann ab 18:00 Uhr mit mittelalterlicher Live – Musik der Gruppe „Feuerdorn“ eine Abwechslung zu finden. Wir erkundeten nun das Biwak und begrüßten alte Freunde wie die Blankenburger der BTG oder die Truppe von Heiko BLUM, die hier als Finnische Jäger in schwedischen Diensten, - gewohnt urig und authentisch und mit schnarrig- schnurrigem Kommandeur, aufgeschlagen hatte. Die Hofsängerin kam an der Truppe nicht vorbei, ehe sie nicht etwas von ihrer Sangeskunst zum Besten gegeben hatte. Silvia WEISE begleitete uns auf unserer Exkursion, - die anderen TDBer hatten sich ins Quartier begeben, was ihr sicher eine willkommene Abwechslung war, denn sie hatte an den beiden Veranstaltungstagen einen Bastelstand im Kinder- und Familienareal der Veranstaltung zu betreuen. Ihr Angebot wurde dort genauso angenommen, wie die Kindereisenbahn, die Water – Walking – Bälle, das Kinderpaddeln im Minisee, dass Bungee – Trampolin u. v. m.  Glücklicherweise ging den mittelalterlichen Musici die Luft nicht erst nach 0:00 Uhr aus, - Mangels Zuhörerschaft aus dem Publikum gaben sie eher Ruhe, die wir dann auch alsbald in unseren Kissen fanden.

Gegen 10:00 Uhr erwachte das Biwak am Sonntagmorgen und die ersten Besucher begrüßten „Der frechen Völker Schar“.

Bevor es zum sonntäglichen Morgenappell ging, ein paar Gedanken zu den Darstellern um uns. Es hat uns gefreut, dass die Mannen des IR „Jung – Braunschweig“, - unsere Freunde aus Blankenburg, durch ihren Grenadier Helge, den Wunsch gegenüber dem Preußenkönig  kund gab, dass dieser doch den preußisch- brandenburgischen Truppen vorangehen möge. Das war umso erfreulicher, da zunächst eine andere preußische Einheit ziemlich teilnahmslos über ihren König hinweggesehen hat. Gerd JACOB hat dann die Rolle des Alten Fritzen gut und bis zum Ende der Veranstaltung ausgefüllt und seine anfängliche Meinung zum Positiven hin revidiert.  Bei unseren Freunden den Harzer – Hunnen haben wir unsere liebe Bruni, die schwer erkrankt ist, sehr vermisst. Auch ihr Attila (Michael SCHNEIDER) machte sich deswegen rar, denn er besuchte (ganz zwischendurch) seine Brunhilde im fernen Krankenhaus. Wir senden nach dort die besten Genesungswünsche, - Kopf hoch, die Hunnenhorde soll wieder ganz vollzählig auftreten.  Erstmals, aber deshalb besonders freudig begrüßten wir eine Formation sächsischer Soldaten, die im Veranstaltungsort Rottleberode zuhause sind und durch ihre wunderschöne Standarte  auffielen. Von diesen wackeren Mannen erfuhren wir, dass wir uns hier am Ort auf sächsischem Territorium befinden. Der Höhenzug, der hinter der Fabrik das Firmengelände der Gipswerke begrenzt, - Alter Stollenberg, - weist noch heute 250 alte sächsische Grenzsteine auf, die beweisen, dass hier August der Starke einst sein eigenes Kurfürstentum durch kriegerische Tat „etwas“ erweitert hat. Wie hätte sich unser Kurfürst und König in persona Tilo MEIßNER über diese unerwartete Bedeckung durch sächsisches Militär gefreut.

Überhaupt, wir wurden öfter angesprochen, wo wir denn unseren August hätten. Die traurige Begründung seines Fernbleibens, machte die Fragesteller sehr betroffen, - auch der Herold hätte sich gern wieder in ein Wortgefecht mit unserem Kurfürst Tilo eingelassen…

Bei den Appellen dann staunten wir nicht schlecht, dass sich die Einlagen der Truppen noch steigern ließen. Da wurde ein Bombenanschlag auf den Herold verübt, oder er musste sich eines Überfalls recht maskuliner Marketenderinnen erwehren, oder sah, wie die meisten Fahnenschwenker das Feld nicht dem Fahnenschwenkersenior (der Alten Garde Bleicherode) überlassen wollten und dabei über alle körperlichen Kräfte  gingen… Gekrönt wurde das Ganze vom Gesang des Jägers Pjotr, der aus voller Lunge und begleitet durch seine „russischen“ Kameraden (aus Leipzig), eine alte Volksweise aus der Heimat sang. Die Jungs verströmen Freundlichkeit, - viel viel mehr, wie das strenge Foto im neuesten Heft des „Stern“ über sie erahnen lässt… In ihrer Nettigkeit sahen es die Russischen Jäger als Ehre an, vom sächsischen Lichtmaler gemeinsam mit der Zarewna von Russland (Nadin SCHUBERT) abgelichtet zu werden. Die Ehre ist ganz auf unserer Seite und unsere Freundin Nadin hatte überdies ihre helle Freude an ihren Landsleuten und deren Einlagen, - wir aber auch!!!

Gern erwiderten wir auch den Besuch der Nordhausener Historiendarsteller, mit dem ersten deutschen König Heinrich, - dem Vogler, mit seiner Gemahlin Mathilde zur Seite, wo es sich die Hofsängerin (Regina SCHWABE) nicht nehmen ließ, wunschgemäß dem ersten deutschen Königshause ein Ständchen zu bringen. Mit weiteren Paraderundgängen, dem Verfolgen der Falknerschau, wo diesmal der Greif besser folgte, dem Spektakulum weiterer Ritterkämpfe u. a. Vorstellungen, sowie dem Besuch unserer „Basteltante“ Silvia und der Kinderbelustigungsanlagen, kamen wir gut über den Sonntagvormittag. Dem Adel war es nicht zu elend, per neumodischem  „Weichporzellan“ und „Weißsilberlöffel“ die Erbsensuppe aus der Gulaschkanone zu probieren. Was sich lohnte, da diese ebenso gut mundete, wie die Gulaschsuppe am Vortage. Der Nachmittag war, abgesehen weiterer Appelle und Paraden, bei denen man sich  mit den humorigen Einlagen gegenseitig zu übertrumpfen suchte. Auch der gestrenge Dresdner Hofstaat ließ sich anstecken und stimmte in das Vivat für seinen „Staatsgast“ Philipp von Orleans und Anjou „stimmgewaltig“ ein. Das folgende „NU“, aber hat er wohl nur selbst verstanden (dabei dürfte ein Dräschdner gaum mit JA antworten, wenn es was zu bejahen gibt, - da kommt nun mal das typische „NU“, - immer!)

Stellte man uns die Frage, ob es uns auch heuer in Rottleberode bei der Parade der Geschichten gefallen hat, könnten wir ehrlichen Herzens antworten: „Nu, nu, nu…!“

Doch bald näherte sich der Uhrzeiger der Sechsten Stunde und damit das Ende der Veranstaltung und unsere Unterverschlusshaltung durch die Leute vom Sicherheitsdienst… Der Prinzregent nahm die Motorchaise der Gräfin zu Nau, um in Kelbra das nächste Dampfross nach St. Leipzig zu erreichen, der Adel (schier unglaublich) half der Händlerin und „Basteltante“ beim Abbau ihres Standes, Anke und Renate bestiegen ihre Sonderkutsche gen Residenz und der Dresdner Hofadel zerstreute sich in alle Winde. Die Zelter packten alle ihre Siebensachen und Leinwandvillen ein, ärgerten sich über die neuerliche Verschlusshaltung gewisser Örtchen und erlebten mit dem Moment, da sich die Türen ihrer Chaisen schlossen, dass die Himmelsschleusen noch immer über Reserven verfügen. Kräftiger Guss begleitete uns bis hinter Leipzig…

So haben wir TDBer auch bei der heurigen Neuauflage der Parade der Geschichten selbst Geschichte der Paraden geschrieben – und das wiederum sehr gern. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 03.07.2013)

 

 

 



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