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300jähriges Thronjubiläum des Soldatenkönigs, 14. -16-06.2013 in Marquardt

Biwak am Schloss Marquardt (14. – 16. 06. 2013)

300jähriges Thronjubiläum des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelms

Unter dieser Ankündigung erging an uns die Einladung unserer Potsdamer Freunde zum neuerlichen Feldlager am Schloss Marquardt bei Potsdam. Dass dabei dieses Jubiläum mehr oder weniger unter ging, war dem geschuldet, dass gleichzeitig das 700jährige Jubiläum des Gemeinwesens Marquardt gefeiert wurde. Auf jedem Fall wurde das Zeitfenster 1650 bis 1730 gut durch die Riesengarde und deren militärische und höfische Gäste ausgefüllt. Im umfangreichen Programm, auf großer Bühne am Ufer des Schlänitzsees dargeboten, war an den beiden Haupttagen der Veranstaltung mehrmals „Die Langen Kerls und ihr König Friedrich Wilhelm I. mit eingebunden

Wir TDBer, Silvia WEISE, Regina SCHWABE, Siegfried SCHURA und Bernd SCHWABE, wieder einmal durch unsere Bosens (Christine BARTEL und Wolfgang PETZOLDT) verstärkt, reisten schon am Freitagnachmittag an. Wir konnten erleben, wie das Biwak wuchs, auch wenn sich die Potsdamer Vereinsfreunde eine größere Beteiligung durch militärische, wie höfische Darsteller gewünscht hätten. Ärgerlich war ihnen auch, dass einige angemeldete Mitwirkende nicht erschienen, ohne es für nötig zu halten, sich abzumelden. Das macht offenbar viel Mühe, - so viel, wie die Anreise der >Lange Kerls- Freaks< aus Italien? Auch heuer nahmen die italienischen Langen Kerls, - in zwar identische Monturen, aber etwas durch Untermaß gut von den Preußen zu unterscheiden, am Biwak  teil.

Am Freitag konnten wir schon unsere Freunde Katrin und Sven WUTTKE, sowie Michael HELM aus Weißenfels begrüßen. Auch Michael PAKROPA, den Dessauer Jäger, der von der gesamten Damenwelt ob seiner Haarpracht beneidet wird, konnten wir in unsere Arme schließen. Im Laufe des Abends gesellte sich auch ein junger Havelländer (Kevin van KAMA) zu uns, der sich, trotz preußischer Montur (Kleister Freikorps), offenbar recht wohl in Gegenwart der Sachsen fühlte. Gern folgten wir der Einladung der Langen Kerls, bei ihnen einen Teller Kesselgulasch zum Abendbrot abzufassen. Demoiselle Marie sorgte dafür, dass nichts anbrande. Am dunklen Abend dann, Silvia hatte die hochprozentigen Ergebnisse ihrer Giftküche ausgepackt und auch der Morellenlikör eines ollen Kämmerers ging die Runde, gaben sich uns auch unsere Freunde von >le danseurs de San. Souci< die Ehre. FLOrian KOHLRUSCH schlug seine Gitarre und wurde vom König in persona auf dem Tamburin begleitet, - auch Dudelsackklänge waren vor den Zelten der Sachsen zu vernehmen. Da brauchte nicht lange gewartet werden und die Stimmung war in Hochform. Ein gewisser seidenhaariger Naturbursche mutierte zur grazilen Schönheit und wagte ein Tänzchen unter wehenden Röcken…  Bei so viel Fetzerei und Ausgelassenheit, wurden die mahnenden Worte des Kämmerers, der vor erneutem Einfall eines grünen Rüsseltieres warnend seine Stimme erhob, kaum noch wahrgenommen… Unsere Hochstimmung forderte indes einen hohen Blutzoll, denn ein anderes rüsseliges Untier fiel in Scharen über uns her. Culex pipiens, - die Hundsgemeine Stechmücke sorgte dafür, dass manche Wade eher einem Streuselkuchen glich. An Schlaf war da nur in geringem Maße zu denken, zumal einige besonders bissige Exemplare ihren nächtlichen Surrflug im Zelt absolvierten. Dazu kam noch der schnarchende Baum, der mit den Geräuschen, die ein abgestorbener und verklemmter Ast erzeugte, auch mit für ein unruhiges Nächtle sorgte.

Samstagmorgen, - trotzdem waren wir alle fit, - besonders die Riesengardisten, die schon zur frühen Stunde exerzieren mussten.  Etwas später folgten wir ihnen zum Festplatz, wo es die Eröffnung des Jubiläumsfestes gab. Der OB von Potsdam Herr Jann JAKOBS, der Ortsvorsteher von Marquardt Herr Dr. GRITTNER und eine Bundestagsabgeordnete richteten das Wort ans Publikum, wobei Herr GITTNER erläuterte, wie Marquardt zu seinem Namen kam (siehe hier in der Galerie 2012). Anschließend empfingen die Langen Kerls und das mittlerweile verstärkt ankommende Publikum ihren König Friedrich Wilhelm I. (Mike SPRINGER), der mit Ehrensalut begrüßt wurde und das Schauexerzieren seiner Kerls abnahm. Am Nachmittag gab es auf der Bühne „Marquardter Geschichte in lebendigen Bildern“, worin u. a. die Rokokotänzer von >les danseurs de San. Souci< ihren stark beklatschten Auftritt hatten und das >Paretzer Liebhabertheater< mit Tänzen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts folgte. Ein Adelsmann, der uns sehr an den „Skandalreporter“ Baron von Pöllnitz („Das Galante Sachsen“) erinnerte, - sich aber als Junker Hans Rudolf von Birkenwerder entpuppte, gab in gekonnter Rede einen Abriss zur Geschichte des Schlosses und Ortes Marquardt. Abends dann, wir saßen längst in Lagerkleidung vor unseren Leinwandvillen und lachten gemeinsam mit unseren Freunden, war nicht zu überhören, dass das >Filmorchester Babelsberg< ein Konzert mit Filmmusiken gab. Wir ließen uns die Stimmung nicht vermiesen, auch nicht durch den DJ Hansy, der bis weit nach Mitternacht für eine recht unerkleckliche Geräuschkulisse sorgte. Zwischendurch wurden wir von unseren Klappstühlen gerissen, um einem Festfeuerwerk vom Schlosse aus besser folgen zu können.

Sonntagmorgen, den (fehlenden) Schlaf noch in den Augen, war Hochwürden der Feldprobst Mario STEDER schon zeitig auf den Beinen um seinen Feldgottesdienst vorzubereiten. Der fand dann auch statt, - Evangelische, Katholiken (und sogar Atheisten) in Gemeinschaft versammelt… Wir waren beruhigt, unter den Gläubigen auch jene finsteren Burschen zu sehen, die des Morgens mit gesenkten Piken das Lager anrannten, so wir glaubten, der 30jährige Krieg hätte seine Fortsetzung gefunden. Doch fromm wie die Lämmchen war wohl keine Gefahr und gern erkannten wir Heinz A. BEHRENS und seine Mannen von der Nordharzer Altertumsgesellschaft.

Gegen Sonntagmittag gab es wieder einen Auftritt der Langen Kerls und ihres Königs, welcher für uns Barockdarsteller zum Abschlussappell wurde.

Akustisch dabei, bauten wir am Nachmittag, unter Begleitung des Kinderprogramms „Ulf und Zwulf“, unsere Biwakzelte ab, während das Jubiläumsfest am Schloss Marquardt seine Fortsetzung nahm.

Diesmal bei bestem Wetter, - mit sattem und dadurch zufriedenem Mückenvolk, bei bester Aufnahme und Hochstimmung, einer herrlichen Naturkulisse an den Gestaden des Schlänitzsees und einem Schloss an dem sich was tut, sowie einem aufgeschlossenen und interessierten Publikum (Wer sagt da, die Preußen und Sachsen könnten nicht miteinander?), - erlebten wir ein Event, dass uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. Diese Zeilen sollen das unterstützen. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 20.06.2013)



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