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Schreibkurs im Schulmuseum Dresden ab 28.02.2013

Im Schulmuseum Dresden am 28. 02. 2013

Sütter

Wir belegen einen Kurs zum Erlernen des barocken Schreibens und Lesens

„Die Heimat hat sich schön gemacht und Tau blinkt ihr im Haar…“ – dieses Lied nach der Begrüßung mit <Seid bereit – Immer Bereit< auf den Lippen und wir wären alle in Nostalgie verfallen und hätten vollständig eine Sequenz aus unserem Schulleben >Made in GDR< nacherlebt.

Wir waren in das Dresdner Schulmuseum auf der Seminarstrasse in der Friedrichstadt gekommen, um einen Kurs zu belegen, der uns in die Anfangsgründe des barocken Lesens und Schreibens einführen soll. Von den 8 gemeldeten Teilnehmern aus dem AKB waren auch 7 erschienen, - eine Schulschwänzerin war nicht erschienen, - und wir danken es dem Leiter des Kurses, dass er trotz der Unterschreitung der Mindestteilnehmerzahl, den Kurs eröffnete. Wie gesagt, der Herr Lehrer namens Franz NEUGEBAUER, der ein sympathischer Lehramtsbewerber ist und das Thema des Kurses zu seinem Hobby gemacht hat, eröffnete seine Unterrichtsstunde im DDR- Schulzimmer und da kamen schon nostalgische Gedanken bei uns auf. Es sei vorweg genommen, dass sich Herr NEUGEBAUER uns Schreibunkundige mit einigem Einfühlungsvermögen und angenehmer Art zur Brust nahm, was bei uns schnell alle Hemmungen abbaute. Nach Ausgabe einiger Lehrutensilien und der anschaulichen Bekanntmachung mit den verschiedensten Schreibfedern, Federkielen und Federhaltern und einem Übungsbogen, galt es dann auch schon, die Feder ins Tintenfass zu tunken…

Da hieß es sütterlinisch- barockig bbb,ff, tt,BBB,CCC,NN oder  PPP,EEE oder F und noch mal F und F aufs Papier zu bringen. Mancher Buchstabenteil war nur in der Wohnung oder bis zum Dach oder gar bis in den Keller zu platzieren (Uff) Am Ende stand dann auf des Rezensenten Blatt,  in etwas merkwürdiger Form, aber sütterlinisch, Bernd, was der Herr Lehrer, zu meiner großen Pein, nicht auf den ersten Blick als Bernd erkannt hatte. Nun ja, auf meiner Bankreihe saß ein Streber, der sich mehrmals loben ließ, aber als es ans Lesen ging, hatte der Herr Lehrer auch einige Lobe in die Runde zu geben. Das Lesen klappte nach seiner Aussage schon viel besser als das Schreiben. So verging die Zeit sehr schnell und wir wollten, wie der Lehrer Herr NEUGEBAUER auch, die Stundenüberziehung nicht bemerken! Das war wohl der Unterschied zu unserer früheren Schulzeit, - damals hätte aber auch eine 40minütige Überziehung Schülerproteste hervorgerufen! Leicht war es nicht und wird es sicher auch nicht sogleich werden, aber nun haben wir Blut geleckt, - besser gesagt Tinte, und da wollen wir schon etwas Erfolg mit nach Hause nehmen.

Vorerst ist für mich das Mitbringsel, neben dem Lehrmaterial, eine kräftige Erkältung, die wohl daher kam, dass unser Schulzimmer aus den 1950er Jahren stammte, wo Heizmaterial, trotz Sonderschicht von Adolf Hennecke und Kollegen , noch knapp war… Nun weiß ich nur nicht, ob wir uns für unsere nächste Unterrichtsstunde das Kaiserzeit- Schulzimmer wünschen sollen? Da steht doch gewiss ein Spanisches Rohr in der Ecke…   Das heizt dann richtig ein, aber auf andere Art und sehr sehr partiell. Und das „Lied vom Kleinen Trompeter“ oder „Spaniens Himmel“ dürfen wir dort auch nicht zum Unterrichtsschluss anstimmen. Bleiben wir also (diesmal) der DDR treu.  Das meint der Klassensprecher Bernd, mit diesem Bericht für die Klassenchronik, der auch in höchstbewerteter gesellschaftlicher Arbeit die Fotos knipste und dem Pionierfotoklub hiermit übergibt. (eingestellt am 4.03.2013)*) leider ließen sich die Sütterlinbuchstaben nicht nach hier übertragen.

Ein Nachtrag:

Im Schulmuseum Dresden am 28. 02. 2013:                                                       Zeugnisausgabe nach letztem Tag unseres Schreibkurses

Eigentlich hätten wir gar nicht mehr die Schulbänke im Schulmuseum drücken sollen, denn nach vormalig letzter Unterrichtsstunde war das ursprüngliche Lernziel erreicht und nur bis dahin auch mit klingender Münze abgegolten. Wir haben uns mit Schriftbildern des Barock in Wort und Schrift abgequält und uns manchmal gewünscht, die hätten früher so einfach geschrieben, wie die meisten von uns es heute tun. Doch da taten sich noch einige Fragen auf, die zum barocken Schreiben und Lesen dazugehören wie das Pünktchen übers I. Das Falten der barocken Briefbögen, das Siegeln mit Siegellack oder das fälschungssichere Siegeln unter Zuhilfenahme von Karlsbader Oblaten, die Titulierung (Anrede) der Empfänger der Depeschen entsprechend ihrer Stellung, Rezepte zum selber Mischen von Tinten unterschiedlichster Tönung und viele Dinge mehr wollte die so sehr interessierte Truppe vom Lehrer Franz noch erfahren und so musste er uns ganz einfach eine Zugabe geben. Wir denken, dass er es gern getan hat, denn er spürte unser großes Interesse. Also führte uns unser Weg am Abend des Gründonnerstags noch einmal hinter die Schulbänke im Schulmuseum auf der Seminarstrasse in Dresden- Friedrichstadt.

Wir hatten sogar Verstärkung erhalten, - „Sitzenbleiber“ aus höheren Klassen nahmen an diesem Unterricht teil. So konnte der Klassensprecher das voll- bzw. übervollzählige Antreten zum Unterricht dem Klassenlehrer Herrn NEUGEBAUER melden. Doch bevor hier etwas losgehen konnte, hatte unser neuer Klassenkamerad Reinhard Russlan D. KAISER die gute Idee, uns mit echter gelber Ostertinte im chicen Schokobecher auf den nun folgenden Schulstress vorzubereiten.  Wie auch bei den vorigen Stunden hatte sich unser Lehrer gut vorbereitet und  uns allerlei Material zum Selbststudium ausgedruckt (und selbst nicht mitgeschluckt!). So können wir nun nachlesen, wie eine Gänseschreibfeder richtig beschnitten wird, oder wie man Tintenmixturen selbst herstellt und welche Eigenschaften das Papier für nachempfundene historische Schriftstücke haben muss. Praktische Übungen führten uns in das richtige Siegeln von Schriftstücken ein. Da gibt es wohl große Unterschiede in der Qualität des Siegellackes. Aus der Trickkiste holte Herr NEUGEBAUER uns eine ziemlich sichere Möglichkeit der Fälschungssicherheit beim Siegeln, indem die Petschaft auf eine Unterfütterung des Umschlagpapiers aus leicht befeuchteter Oblate geschlagen wird. Dazu lernten wir auch das Schneiden von Papiersternen-  und Rosetten.

Da die Zeit dann doch schon sehr vorangeschritten war, konnte das Thema Anrede in barocken Briefen nur gestreift werden. Auch hierzu sollen wir noch etwas zum Nachlesen erhalten.

Bei nachmaligem erneuten Befüllens der Schokobecher und viel Spaß an der Sache, ging unser Unterrichtskurs seinem Ende entgegen. Nach einem Erinnerungsfoto der Klasse mit Lehrer und dem Einsammeln der Pioniertücher, übergab unsere Mitschülerin Silvia WEISE noch ein kleines Dankeschön- Präsent an unseren Lehrer Herrn Franz NEUGEBAUER und auch der Klassenkameradin Ines LAUTERBACH dankte sie dafür, dass diese uns den Fortbildungskursus organisatorisch ermöglicht hat.

So rückten wir ein letztes Mal unsere Stühle unter die Bänke, verabschiedeten uns von unserem Freund dem kleinen Pionier und von Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht und Ernst Thälmann, den zeitgeistigen Losungen und Fahnen an den Wänden, den Bildern von Mattheuer und einem Stück unserer, durch diesen Kurs etwas wieder näher in Erinnerung gerückten, eigenen Schulzeit. Gern mal wieder. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 02.04.2013)

 

 

 



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