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Teschen- Markt am 15.12.2012

Der Weihnachtsmarkt der Reichsfürstin von Teschen in Hoyerswerda

 Die Lausitzstadt Hoyerswerda, die dem Rezensenten gut bekannt ist, da sie eine Hochburg seines Hobbys Aquaristik ist und hier viele seiner guten Freunde wohnen,  ist mit dem Namen  der Reichsfürstin von Teschen eng verbunden. Als polnische Prinzessin Lubomirska wurde sie die Mätresse August des Starken und löste damit die exzentrische und als ausgesprochen habgierig geschilderte österreichische Gräfin von Esterle (auch Histerle von Chodau) ab.  Neben der Befriedigung amouröser Bedürftnisse des sächsischen Kurfürsten  Friedrich August, war sie diesem auch bei der Erlangung der polnischen Königskrone behilflich, denn sie war durch Familienbande eng mit dem polnischen Hochadel verbändelt und ihre Beziehungen waren August sehr behilflich. Relativ schnell war August II. der Lubomirska überflüssig, - trotz ihrer Schönheit und Klugheit, denn eine gewisse adelige holsteinische Landpomeranze, die später als Cosel einen Namen machte, übertraf sie in diesen Eigenschaften und auch in der Gunst bei August dem Starken. Nach kurzem Zerwürfnis mag sich August daran erinnert haben, wie jene polnische Prinzessin, die er in guten Zeiten, auf sein Betreiben hin, vom Kaiser in den hohen Stand einer Reichsfürstin von Teschen hatte erheben lassen, ihm in Sachen Polenkrone nützlich war. Lebenslang blieb die Teschen ihm, - ähnlich wie die Gräfin Königsmarck, eine gute Freundin und Beraterin und sie war ja auch die Mutter seines Sohnes, des späteren, von ihm legitimierten , Chevaliers de Saxe. Dem guten Einvernehmen zwischen König/Kurfürst und Reichsfürstin dürfte es geschuldet gewesen sein, dass August II. der Teschen 1704 (im Jahr der Geburt des gemeinsamen Sohnes) die Landesherrschaft Hoyerswerda und mehr als 70 weitere Herrschaften in der Umgegend vermachte. Mit der Herrschaft der Reichsfürstin lebte das arme, abseits der großen Strassen liegende, Ackerbürgerstädtchen regelrecht auf. Die Teschen förderte Handwerk und Gewerbe und die Stadt blühte während der 32 Jahre währenden Herrschaft der Fürstin von Teschen zur reichen Gewerkestadt auf. Heute erinnert noch das Schloss an die Landesherrschaft der Teschen und von ihren zahlreich angelegten Gärten und Parks, - aus heutiger Sicht würden wir die Frau als Landschafts- und Gartenarchitektin bezeichnen, hat nur einer als Tierpark überlebt (der hohe Zeiten unter der Direktion von Dr. JORGA erlebte!) Es ist erfreulich, dass sich die Stadt Hoyerswerda heute wieder an den Namen und das Wirken der Reichsfürstin Lubomirska von Teschen erinnert. Das wird auch damit zum Ausdruck gebracht, dass der diesjährige Weihnachtsmarkt als TESCHEN – MARKT durchgeführt wurde und sich künftig als "Markenzeichen" etablieren soll.

Der Veranstalter, die Lausitzhalle Hoyerswerda GmbH, war sicher gut beraten, als er nach seinen Recherchen, mit der Dresdner Gästeführerin Renata LINNÉ, die wohl authentischste und wissensreichste Darstellerin der Lubomirkska von Teschen ansprach und für den Weihnachtsmarkt der Stadt Hoyerswerda gewann. Unsere Vereinsfreundin Renata ist gebürtige Polin und daher passt schon ihre akzentuierte Aussprache zur Polin Lubomirska von Teschen, deren eingedeutschte Vornamen Ursula Katherina richtigerweise Urszula Katarzyna gesprochen werden sollten, trotz der Zungenbrecherei dabei! Es wäre wohl äußerst unschicklich gewesen, wäre die Fürstin ohne Herrenbegleitung gereist und so war ihr der Kämmerer SKM Bernhardt Heribert Graf von Schwabe zu Nau (Bernd SCHWABE) treuer Begleiter nach Hoyerswerda Ausgerechnet in dieser Woche gab es hier im Sachsenland ein ausgesprochenes Mistwetter, mit ausdrücklichen Unwetterwarnungen und der Empfehlung weite Fahrten zu unterlassen. Wir bestiegen trotzdem unsere Motorkutsche und sind, entgegen aller Prognosen und unserem Zweifel an der Wirksamkeit des Winterdienstes, gut über beräumter Autobahn und Landstrasse nach Hoyerswerda gekommen. Dass wir trotzdem beinahe unpünktlich gewesen wären, war dem zu verdanken, dass die Anziehungskraft des 578. Striezelmarktes die Dresdner Innenstadt so verstopft hat, dass wir über eine Stunde brauchten, bis wir auf die Autobahn via Bautzen gelangten.

Da hieß es im Org.- Büro im Rathaus, wo wir von Frau JENßEN bewillkommnet wurden,  schnell in die Roben zu steigen und per Taxi zum Lausitzer Seenland Klinikum gebracht zu werden. Wir teilten das Anliegen des Veranstalters und besuchten gern die dortige Kinderabteilung. Anfangs war, zumindest bei den ganz lütten Kleinen, die Skepsis sehr groß und mancher kleine Patient hatte zunächst feuchte Augen. Aber unsere Renata hat eine so gewinnende Art, dass die Mienen schnell freundlicher wurden. Das erreichte der hochfürstliche Besuch durch seine Vorstellung der Person der Teschen, deren Wirken hier in Hoyerswerda und nicht zuletzt durch die kleinen Freudenbringer – Mitbringsel. Bald aber hörten wir schon das Scharren der Hufe der Rösser, die vor die Kutsche gespannt waren, die uns zum Weihnachtsmarkt zu bringen hatte. Also nahmen wir Abschied von den kleinen Krankenhausinsassen, in deren Augen wir mit unserem Besuch etwas vorweihnachtlichen Glanz gebracht haben. Eine wunderschöne Kutsche und ebensolche edlen Pferde erwarteten uns und los ging die Fahrt durch das mittlerweile von Dämmerung heimgesuchte Hoyerswerda. Es hatte die ganze Zeit geregnet, aber als wir die Kutsche bestiegen, hörte es auf und das Verdeck konnte zurückgeschlagen werden, was uns die Möglichkeit gab, die winkenden  Hoyerswerdaer zu sehen und ihren Gruß zu erwidern.

Am Teschen- Markt begrüßten uns Fanfaren, die den Marktbesuchern damit auch unser Ankommen signalisierten. Der >Chef vons Janze<, weißbärtig und in roter Gewandung, begrüßte uns in aller Herzlichkeit und begleitete uns ein Stück über den Weihnachtsmarkt. Wir waren angenehm überrascht. Nicht nur Fressbuden dominierten das Marktgeschehen, nein, ein guter Mix aus Handwerker- und Händlerständen war vorherrschend, so dass es uns sehr schwer gefallen ist, wunschgemäß den besten Stand des Marktes herauszufinden. Nach kurzem Aufwärmen im Rathaus begaben wir uns auf die schon stark belagerte Bühne, wo die Reichsfürstin ihre Audienz zu geben geruhte. Unsere Renata LINNÉ ist schon recht wortgewaltig und sie konnte das Publikum fesseln und erzeugte manchen Lacher. Zum Vortrag der Fürstin stellte ihr der Kämmerer noch einige Fragen aus dem Publikum und solche, die allgemein interessant schienen. Auch hier, wie in der Klinik oder an den Ständen, verteilte die Fürstin an die, die sich zu fragen getraut hatten, wiederum kleine Geschenke. Dass dieser Bühnenauftritt gefallen hat, davon zeugte, dass wir noch lange von dankenden und interessiert weiter fragenden Marktbesuchern festgehalten wurden.

Einer jungen Frau mussten wir den Besuch derer Teestube in einem etwas verloren abgelegenen Seitengässchen versprechen und wir bestiegen nochmals die Kutsche, um uns zum heißen Apfelpunsch zu begeben. Ein weiterer Rundgang beschloss unser Intermezzo auf dem Teschen- Markt zu Hoyerswerda und wir verwandelten uns wieder in Leute des 21 Jahrhunderts. Als solche möchten wir dem Veranstalter Lausitzhalle Hoyerswerda GmbH ganz herzlich für die Einladung danken und ganz besonders danken wir den Damen Frau Korina JENßEN und Frau KÖCKRITZ, die uns so angenehm herzlich bei unserem Besuch in HY begleitet und (auch im Vorfeld) betreut haben. Gewiss werden wir gern mal wieder ein Festgeschehen in ihrer Stadt mit unserem Mitwirken begleiten.

Nun aber hieß es erst einmal an die Rückfahrt zu denken. Mit Grausen dachten wir an die üblen Aussichten der Wetterberichte von TV, Radio und Internet. Entgegen aller Vernunft und aller Warnungen (Straßensperrung wegen Schneeverwehungen in Ottendorf – Okrilla) nahmen wir den Weg über die Landstrasse, kamen damit in Bernsdorf, - trotz Geschlossener Veranstaltung im GH „Grüner Baum“, zu einem wohlschmeckenden Abendbrot beim dortigen Russischen Abend und erlebten, wie zwei dort anwesende Donkosaken (die wir bei unseren Flaniergängen schon oft in Dresden singen und musizieren hörten), aus der Dame LINNÉ die (Gästeführerin) Reichsfürstin Lubomirska von Teschen heraus erkannten. Großes Erkennungs- Hallo und beim Sturm auf das Buffet auch etwas russische Kultur vom Abendprogramm. Dann wagten wir die Fortsetzung unseres Weges und kamen auf vorbildlich beräumter Strasse bis in unser liebes Dresden. Schneewehen haben wir nirgendwo gesehen, auch nicht in Ottendorf…

Alle eigenen Bedenken und die der zu Hause auf den Grafen harrenden Hofsängerin waren unbegründet. Zuhause angekommen gab es im Austausch viel zu berichten., - durch mich vom Teschen- Markt und durch Regina von ihrem Auftritt vor Behinderten in Moritzburg. Aber zu letzterem könnte es ein Bericht für sich werden. Text : Bernd Schwabe, Fotos: Korina Jenßen und Bernd Schwabe



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