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Geburtstagsbesuch bei der Cosel am 17.10.2012

Geburtstagsbesuch am 17.10.2012 in Stolpen

332. Geburtstag der „Burggräfin“ Anna Constantia von Cosel

Was veranlasst uns, in Wahrung einer Tradition, jedes Jahr zu ihrem Geburtstag, der Gräfin Cosel einen Besuch auf der Burg Stolpen abzustatten? Unser AKB- Freund Werner POHLE, der den kurfürstlichen Liebhaber der einst so mächtigen und überaus schönen Mätresse darstellt, hat es am Grabe der Gräfin ganz treffen formuliert. Ihr kometenhafter Aufstieg und der ebenso ungebremste Fall der hohen Dame hat sie weit über die Grenzen des Sachsenlandes hinaus bekannt gemacht und wenn wir von Jahr zu Jahr mehr Touristen in Dresden und dem Freistaat begrüßen können, dann ist dies nicht nur dem großen Bekanntheitsgrad Friedrich Augusts, sondern im besonderen Maße auch seiner hochgestellten Gefangenen geschuldet.

Dabei hätte das alles nicht so kommen brauchen. Gräfin von Königsmarck und die Reichsfürstin von Teschen, zwei der prominentesten Vorgängerinnen en titre, haben ihre Grenzen rechtzeitig erkannt und dem Kurfürsten nie das Gefühl gegeben, ihn an der kurzen Leine zu führen. Im Gegenteil, sie blieben gute Freundinnen Augusts, und in mancher heiklen Situation auch Beraterinnen und gar auch Botschafterinnen. So schickte August die noch immer sehr schöne und dabei überaus kluge Grafin Aurora von Königsmarck dem Schwedenkönig Karl XII. entgegen, um günstigere Friedensbedingungen zu erreichen. Das gelang nicht, - Karl war wohl dem weiblichen Geschlecht nicht sehr hold. Der Cosel hingegen gelang es nicht, das Herz ihres hochgeborenen Liebhabers zurück zu erobern. Dazu war sie zu stolz, eigensinnig und rachedurstig. Sie gab das einst gegebene Eheversprechen nicht heraus, auch das Gut Pillnitz wollte sie nicht wieder hergeben, unbeherrscht war sie, wenn der Kurfürst oder seine beauftragten Minister wegen eines günstigen Vergleiches mit ihr reden wollten, die Höhe der Forderungen für eine Abfindung trieb sie in astronomische Höhen, sie transferierte große Teile ihrer umfangreichen Wertsachen ins Ausland und brachte das Fass zum Überlaufen, als sie selbst in das benachbarte Preußen flüchtete. Ein Jahr später lieferte sie der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm an Sachsen aus, was vielen, in Sachsen Aufnahme gefundenen, preußischen Deserteuren das Leben kostete. Denn ohne Gegenleistung wollte der Preuße die hohe Dame nicht ihrem Schicksal in sächsischen Landen überlassen. So wurde die einstige Grande Dame zur prominentesten Bewohnerin der Burg Stolpen, wo sie 49 Jahre bis zu ihrem Lebensende verbrachte.

Nach August des Starken Tod hätten sich die Tore ihres Gefängnisses öffnen können, aber sie blieb in der Abgeschiedenheit ihres Basaltberges, der großen Welt entwöhnt und selbst von ihren Kindern so gut wie verlassen. Da sollte die Gräfin dankbar auf uns herabschauen, die wir ihr, immerhin mit einer 13köpfigen Delegation, zum 332. Geburtstag gratulieren kamen. Am Markt nahm uns der hoch verehrte Herr Premierleutnant Bernd SCHALLER, der hier in Stolpen quasi Hausrecht hat, in Empfang und begrüßte uns ganz herzlich. Da gab es schon mal einen Leutnant, der die Cosel fliehen lassen wollte, - hätte unser Freund Bernd, mit seinem guten Herz, damals schon gelebt, - hätte er sicher  auch zum Fluchthelfer getaugt. Bis zum Burgtor führte er uns in voller Montur, „flüchtete“ dann aber zu seiner „Zweitwohnung“ dem Stadtmuseum, wo schon Mitglieder seiner Museums- Kindergruppe auf ihn warteten.

Bernd SCHALLER, das kann man nicht oft genug sagen, bemüht sich sehr um die Geschichtspflege seiner Heimatstadt- und Region und bemüht sich sehr darum, derartiges Geschichtsbewusstsein auch bei Kindern und Jugendlichen zu wecken.

Nun passierten wir das äußere Festungstor und im Gefolge des Kurfürsten/Königs August II. und der (sehr lebendigen Zweitausgabe) Gräfin von Cosel (Veneta LORENZ) nahmen wir Einzug in das Burgareal. Das schöne Herbstwetter hatte nicht nur uns auf den 357 Meter hohen Basaltkegel gelockt und so wurden wir von den Burgbesuchern freudig begrüßt und natürlich auch abgelichtet. Unser Weg führte uns zur Grabplatte der Gräfin, wo unsere ehrenwerte Gräfin von Bose /Christine BARTEL) ein Blumengebinde ablegte und ein künstlerisch gestaltetes Windlicht aufstellte. Wie schon erwähnt, hielt der Kurfürst (Werner POHLE) eine in treffenden Worten gehaltene kleine Rede, die auch von den Besuchern und einer Schulklasse verfolgt wurde. Ein passendes Geburtstagsständchen der Hofsängerin (Regina SCHWABE) durfte auch nicht fehlen. Aus dem Burgbrunnen, der mit 82m der tiefste in Basalt getriebene der Welt ist, schreckte uns ein Kollege unserer lieben Ina HIRCHE, die gelegentlich auch als Burggeist (allerdings in Meißen) umgeht…

Dann ging es gemütlichen Schrittes zurück und am Stadtmuseum kamen wir natürlich nicht vorbei, ohne es zu besuchen. Bernd SCHALLER nahm uns sogleich in seine Obhut und immer hat er etwas Interessantes zu berichten. Gern zeigte er im Museum das liebevoll zusammengetragene Sparkassenmuseum.

Am Marktplatz stärkten wir uns dann noch und hernach, ohne Parksünder geworden zu sein, trabten unsere Rösser wieder der Residenz zu. Es ist eine schöne Tradition unserer Barockfreundinnen- und Freunde, jeweils zum Cosel- Geburtstag nach Stolpen zu kommen und dieser noch immer so populären Frau zu gedenken, auch wenn, von Veneta abgesehen, sich unsere Damen während unserer Flaniergänge sehr sehr oft der Zuordnung zur Cosel erwehren müssen. Aber dafür sind wir als Traditionspfleger ja da, um zu erklären, dass es an Augusts Hofe noch viele weitere interessante Frauengestalten gab…  Am Donnerstag, den 17. Oktober 2013 geben wir uns wieder die Ehre bei Anna Constantia Gräfin von Cosel. Der Fleiß der Frieda Hockauf ist (leider) längst vergessen, der Glanz der Gräfin Cosel hingegen ist kaum verblichen meint der Verfasser dieser Zeilen und Lichtmaler Bernd Schwabe.(eingestellt am 18.10.12)

 



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