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Biwak auf Marquardt vom 31.08. - 2.09.2012

Herbstrevue der Potsdamer Riesengarde – Lange Kerls

Biwak am Schloss Marquardt bei Potsdam vom 31.08. bis zum 2.09.2012

Wir müssen ehrlich bekennen, dass wir, als uns die Einladung zum Biwak ins Haus flatterte, bis dato noch nie etwas vom Ort und Schloss Marquardt gehört hatten. Im Frühjahr, als wir (Regina und Bernd SCHWABE) die bei Potsdam gelegene Pfaueninsel besuchten, sahen wir am Wegesrand einen Wegweiser zum Schloss und damit wurde unser Interesse geweckt. Zu Potsdam eingemeindet, liegt Marquardt ca. 30.km von Berlin entfernt, mitten im landschaftlich schönen und wasserreichen Havelland. Das Schloss als Zielpunkt unseres Ausfluges nach hier, liegt direkt am Schlänitzsee,  welcher ein Anglerparadies und ein solches für Stechmücken ist, was wir bald nach Ankunft schon schmerzlich bemerken konnten. Der Ort  selbst hat 1313 seine erste urkundliche Erwähnung als Schorin (Chorin) und das Herrschaftsgut ging 1704 – 1708 als Lehen an den Schlosshauptmann und Lehensdirectheur namens Marquard Ludwig von Printzen (klingt stark nach damaligem Treuhandunwesen). Wohl in einem Anflug von Größenwahn stellte Herr von Pritzen an seinen Kurfürsten Friedrich I. den Antrag um Umbenennung Schorins in Marquard (ein späterer Dorfschulze setzte die heutige Schreibweise Marquardt durch). 1795 ging Ort und Herrenhaus an deren von Bischoffswerder. Bis 1858 stand der Familie der preußische Minister und General Rudolf von Bischoffswerder vor. Er erweiterte das Herrenhaus zum Schloss in barockem Stil und ließ den Park neu anlegen, wobei die Lage des Sees mit einbezogen wurde, was uns heute noch bei dem Blick zum Wasser in Bewunderung versetzt. Auch wenn von der Handschrift des großen Gartengestalters Peter Joseph Lenné, der 1823 den Park erweiterte und umgestaltete, manches nicht mehr sichtbar ist, zeugt doch der alte Baumbestand von einstiger Blüte und macht den Ort für Naturliebhaber zur Schatzkammer. Kriege, oft vom Adel initiiert, haben dafür gesorgt, dass es zur Umschichtung der Besitztümer kam. So war es auch mit dem Schloss Marquardt. 1892 wurde der Berliner Industrielle Louis Raven neuer Schlossherr und sein Geld sorgte für den Erhalt des Gebäudes. 40 Jahre später 1932 machte der bekannte Hotelier Kempinski das Schloss mit 47 Betten zur Nobelherberge. Die Blütezeit des Barockschlosses ging mit Kriegsende 1945 und der Enteignung zu Ende. Zunächst war die Rote Armee „Einmieter“, dann folgten Vertriebene und als diese geeigneteren Wohnraum hatten, zog ein Kindererholungsheim und Gehörlosenschule in die ehrwürdigen Mauern ein. Später war das Schloss Herberge des Lehr- und Versuchsgutes Bornim und bis zum Jahresende 1993 für das Institut für Obstbau… der Humboldt Universität Berlin. Längerer Leerstand bekam dem Gebäude offensichtlich nicht sehr gut und bei unserem Eintreffen waren wir doch etwas unangenehm berührt. Im Gegensatz zu Teilen des Parks, haftet dem Schloss (zumindest außen) noch 40jähriges Grau(sen) an. Doch wir wissen, dass der neue Besitzer etwas tut, um das Schloss Marquardt zu erhalten und einer neuen Bestimmung zuzuführen. In unserem Freund Mike SPRENGER & Friends hat er darin gute Verbündete.

Kurzum, in der Gewissheit, dass auch dieses Landschloss dem Verfall entrissen wird, haben wir unsere Zelte im Schlossareal aufgeschlagen, - zwar nicht eben auf einer gepflegten Rasenfläche, eher auf einer Weide, wo man vor dem großen Regen vergessen hat, das Heu einzufahren. Wir, Silvia und Frank WEISE und Regina und Bernd SCHWABE reisten am Freitagmittag in Marquardt an. Der Hofschneider und die Riesengarde hatten ihre Leinwandvillen schon aufgeschlagen. In Nachbarschaft des Spitzzeltes der wohl situierten schwedischen Patrizierin und Kaufmannsfrau Anna Johannsson errichteten wir unsere Zelte. Übrigens gehört es zu den schönen Momenten dieses Biwaks, dass wir in unserer Nachbarin Annika SIEVERS aus Braunschweig, eine neue nette Freundin gewinnen konnten. Auch der Chirurgicus (Christian PIETSCH) aus einem der Nachbarzelte war uns ein angenehmer Gesellschafter. Während die WEISES noch am zimmern ihrer Wochenendbehausung waren, gingen wir auf Einkaufstour, die uns bis nach Potsdam führte. Nach Rückkehr wurde uns gewahr, dass wir zu viele Vorräte eingekauft hatten, denn während unserer Abwesenheit kam die Einladung der Langen Kerls zum gemeinsamen Mittagessen. (Die weitere Verpflegung war per Essenmarken geregelt)

Der Abend brachte uns unseren Gitarre spielenden Freund Flo, der, wie uns offenbart wurde, ein früherer Schulkamerad unserer Nachbarin Annika/Anna war. Nach und nach konnten wir weitere Freunde von les danseurs de Sans, Souci an unserem Zelt begrüßen. Mike SPRENGER sah man den Stress der letzten Zeit an und es bleibt zu hoffen, dass er auch künftig am Ball bleibt und wir weitere Biwaks am Schloss Marquardt erleben können. Mit viel Gesang und Gitarrespiel, - auch neuer Lieder und viel Spaß und Lachen, ging der Freitagabend zur Nacht über und kurz vor dem Morgengrauen war dann Ruhe über unserer kleinen Zeltstadt.

Letzte Teilnehmer trafen dann am Samstagvormittag ein und richteten ihre Behausungen. Gern begrüßten wir Elke und Klaus BRUCKER, die später zu Fürstin und Fürst von Anhalt- Dessau wurden, sowie Sylke HARP und ihren mitorganisierenden Mann (der lange HARP von den Langen Kerls) und den Hofschneider mit Dienstmädchen Marie, die wackeren Kerls vom Militär aus Sachsen und unsere Weißenfelser mit Freund auf vier Pfoten, den Querpfeiferbergmannsfeldpriester u. v. m.  

Bald gab es den Begrüßungsappell mit Begrüßung des Königs Friedrich Wilhelm I. (Mike SPRENGER), Salutschießen ect. Am Ufer des Schlänitzsees gab es einen Aufmarsch der Riesengarde, die durch Hobbykollegen aus Italien verstärkt wurde. Dabei klappte es bei beiden Kontingenten wie am Schnürchen. Nur durch den kleineren Körperwuchs der Italiener waren sie zu unterscheiten. Es folgten weitere Darstellungen der Riesengarde und weiterer militärischer Formationen, - wobei es besonders die Kanone aus Maxen war, die dafür sorgte, dass keiner tagsüber auf Strohsack oder Luftbett einnickte.

Am späteren Nachmittag wurden die Besucher und Teilnehmer ins Schloss gebeten und wir erlebten eine Stunde Barock/Rokoko- Tanz mit les danseurs de Sans, Souci, wobei die in Gotha von Dame S aufgestellte Behauptung ad ab­sur­dum geführt wurde, dass nur die (anderen) Tänzer aus Potsdam diese Tänze meisterhaft tanzen können. Erfreulich empfand der Rezensent den Umstand, dass es mit Matthias LEWONIG (dem Hofschneider) und Marie („Herr Karl“) eine Freundschaftsgeste gab, indem diese, - Mitglieder der Tanzgruppe Potsdamer Rokoko e. V., gemeinsam mit den les danseurs einige Tänze vorführten. Uns wurde die Ebenbürtigkeit der beiden Potsdamer Tanzgruppen eindrucksvoll vorgeführt.

Am frühen Abend gab es dann, gesponsert von den Potsdamer Riesen, Spanferkel, oder besser Jungschwein. Hier hatte sich die Hofsängerin rechtzeitig das linke Ohr zum Knaupeln gesichert. Eigenes Grillgut hatte nach so viel Schwein kaum noch Platz und so stand es unserem zahlreichen Besuch ebenso zur Verfügung, wie des ollen Kämmerers und „Grafen Go Go“ selbst gemachter Morellenlikor. Auch am Samstagabend gab es wieder viel zu lachen und wir unternahmen einen Ausflug in die bunte Welt der Insekten, wobei besonders ein grünes, stechrüsseliges Krabbeltier von Interesse war… Ohne des Nachtens von solchen belästigt geworden zu sein, hatten wir eine gute, wenn auch kurze, Nacht.

Der Sonntag erlebte wieder viel Militär und wiederum Tanz. Der Gottesdienst brachte klare Worte, die wir uns alle ins Poesiealbum schreiben sollten. Eine weitere Zersplitterung der Szene mit immer mehr Gruppen und Grüppchen und mancher Unartigkeit muss aufhören, will die Barockszene überleben und gar wachsen. Diese Predigt war gut, mutig und notwendig. Man mag dem Feldprobst (Mario STEDER) für diese klaren Worte danken.  Der Dresdner Hofstaat flanierte anschließend am Schloss und im Feldlager, und die ehrenwerte Gräfin von Königsmarck (Silvia WEISE) verzeichnete die erfreuliche Tatsache, dass ihr feilgebotener kunsthandwerklicher Schmuck viel Interesse bei den Besuchern und Teilnehmern fand. Dann kam, was immer kommt, das Ende. Der Generalfeldmarschall Fürst Leopold beorderte lautstark und bestimmend die Langen und etwas kürzeren Kerls des Militärs, die Marketenderinnen, den Dresdner Hofstaat und alle weiteren Darsteller zum Abschlussappell. Der König dankte allen am Gelingen dieses ersten Biwaks am Schloss Marquardt Beteiligten und unterstrich diesen Dank mit der Ausgabe einer Urkunde und eines aktuellen Soldatenkönigkalenders für 2013. Besonders dankte er seinen Freunden, die am Schloss werkelten und auch weiterhin werkeln und damit das Treffen erst ermöglichten… Dank ging auch zu den Pflegern preußischer Traditionen in Italien, die in originalgetreuer Uniformierung hier in Marquardt aufliefen und dabei offensichtlich ebenso viel Freude hatten, wie Besucher und Darstellerkollegen.

Mit besonderer und persönlicher Herzlichkeit dankte Mike SPRENGER, in seiner Rolle als Kurfürst und König Friedrich Wilhelm I., den vier Teilnehmern des TDB, die, nach seinen Worten, den Dresdner Hofstaat würdig vertreten haben und damit das Einvernehmen widerspiegelten, dessen sich August der Starke und der Soldatenkönig zu ihrer Zeit rühmen konnten. Mit klingendem Spiel ging die Herbstrevue 2012 seinem Ende entgegen, nicht ohne, dass der König die Einladung ausgesprochen hätte, in Kürze im Schloss nochmals dem Können der Tänzer zu folgen. Diese Worte waren nicht gegen den Wind gesprochen und so versammelten sich noch einmal Tanzinteressierte im (teilrenovierten) Großen Saal des Schlosses.

Viel Eleganz und Grazie war da auf altehrwürdigem Parkett zu sehen und wiederum verstärkten Matthias und Marie die San, Souci danseurs mit ihrem Können. Und  beim Tanz namens Berolinate,  gab es weitere Verstärkung. Weil dieser Tanz mit dem total preußisch klingenden Namen aus dem Sächsischen stammt, waren dazu unsere Mädels Silvia und Regina, sowie unsere niedersächsische Freundin Annika dazu gebeten. Matthes,- der Meistertänzer von les danseurs de Sans Souci, der am Vormittag ca. eine Dreiviertelstunde mit den Damen geprobt hatte, äußerte sich sehr lobend: „Ich bin stolz auf eure Mädels…“ Es sah wirklich so aus, als wenn Silvia, Regina und Annika seit Langem nichts anderes tun als diesen Tanz zu tanzen. Zudem ist es schon eine Leistung, gleichzeitig mit Handarbeit beschäftigt zu sein, so wie es Annika war! (So tief  sind halt die Taschen nicht in Barockroben, dass da nicht auch mal ein Wollknäuel auf Wanderschaft gehen könnte!)

Der letzte Tanz war getanzt und das Tänzchen des Abbauens kam auf uns zu. Fast als Letzte hatten wir alles,- wenn auch noch vom heftigen Gewitterguss des Freitag teilweise regelrecht nass, verstaut und konnten gen Heimat starten. Vorher verabschiedeten wir uns bei Annika, dem Knochenbrecher, dem Hofschneider mit Marie, unseren Weißenfelsern, den Mecklenburgern um René, den BRUCKERS, den Langen Kerls mit Max und bei den Maxenern und bei Manuela, Matthes, Florian und Mike u. a. Freunden: „ Also dann bis spätestens zu der Langen Kerls Haus- Biwak 2013 am Schloss in Marquardt.“ Es war einfach schön bei Euch. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 4.09.2012) ****(*)

 

Depesche des Fürsten Leopold von Anhalt - Dessau

Dem hochwohllöblichen Cämmerer (Bernd Schwabe) lassen Wir uns es angenehm sein zu depechiren.
Wheilen die Fürstin uns berichtet, welch formideble Zeitung er for das
Feldlager niedergeschrieben.
Er hat in excelenter Art treffend bezeuget was wir gemeinsam zu erleben die
Freude hatten.
Auch die Conterveys geben trefflich Kunde von des Königs Lager.
Naturlement ists im preussischen nit so opulent als es dies im sächsischen
sein kann.
Uns ebenfalls blieb chagrin ersparet wheilen ihr mit eurer Abordnung gar
trefflich bekundet habet, was wir in unser aller Intension zu leben die
Absicht haben.
Darumb bleibet uns zu sagen, habt Danck for die gute Zeit, for
Menschlichkeit und die Kameradschaft.
Wir werden uns wiedersehen, so Unsere Hoffnung.
In 2013 wird es in Dessau wieder ein Fest geben ( 05.-07.07) da es jedoch
der 800. Jahrestag der Stadt ist, so wird es nicht Leopoldsfest heißen
können.
Seid Unserer Affection stets gewiss.

Leopold I.



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