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Historisches Wochenende in Blankenburg vom 17. - 19. 08. 2012

Abgespecktes Historisches Wochenende in Blankenburg / Harz vom (17.) 18. bis 19.08.2012

Zwischen Großem- und Kleinem Welfenschloss – lebendiger Barock

Seit wir unser Hobby im Rahmen des TDB ausüben, besuchen wir auch das Event, welches sich den Namen Historisches Wochenende gab und immer ein besonderer Anziehungspunkt in und für die Barockszene war. Einen gleich bleibenden Qualitätsmoment konnten wir dabei nur in früheren Jahren bemerken. Bei unserer  letzten Teilnahme im Jahre 2010 verzeichneten wir einige Enttäuschungen seitens des städtischen (?) Veranstalters, obwohl unser Freund Norbert ARBANOWSKI sein bestes getan hatte, um wenigstens den barocken Part des Festes stimmig zu gestalten. Heuer musste das Event auf Norbert verzichten, aber da sich eine Veranstaltungsagentur des Historischen Wochenendes angenommen hat, war unsere Teilnahme eine beschlossene Sache und so reisten der TDB und das Kurfürstlich- Sächsische Barockensemble im beschaulichen Harzstädtchen Blankenburg an. Das Gro unserer bunten Gesellschaft war am Freitag schon vor Ort, wohingegen die Zelte der Familien WEISE und SCHWABE, sowie der Koch, - Aufenthalts, - Schlaf, - und Verkaufsstand der Ledergoldy Marlies FROHNHÖFER bereits ab Donnerstag im Park am Fasanengarten aufgeschlagen waren.

Obwohl, ob der Hitze um die 35° C, das Wetter nicht unbedingt ideal zum Wandern war, stimmten wir der Idee der Hofsängerin zu und beschlossen, am Freitagvormittag einen Teil der Teufelsmauer zu erwandern. Von Timmenrode aus ging es neben und auf dem Kamm, dieser verstreut in der Landschaft herumliegenden Felsbrocken, über den Großvaterstuhl zurück nach Blankenburg. Dabei wurden mehrere Varianten erörtert, wie es zu diesen Felsformationen kam. Wir einigten uns auf die Überlieferung der entsprechenden Sage. Silvia, Frank und der Rezensent nahmen ab Höhe des Großvaterfelsens die schwierigere Wegstrecke, was ziemlich schweißtreibend, aber wegen der herrlichen Aussicht auch sehr erbaulich war. Vor Opas Stuhl lauerten mit knurrendem Magen Regina und Marlies und so blieb keine Zeit zum Verschnaufen und in Thale warteten Grosgebackene Ente und andere asiatische Gaumenfreuden auf uns. Da sich die Anrufe derer mehrten, die ziellos durch Blankenburg irrten, aber nicht auf den Schlosspark trafen, ging es, die letzten Bissen kaum heruntergeschluckt, flugs zurück. Es gelang uns sogar, alle unsere Schäfchen einzusammeln. Unsere Freundin Renate  AL ATRASH hatte es doch noch geschafft mit ihrer Anke in Blankenburg Unterkunft zu bekommen und so lud sie uns zum Kaffee und selbstgebackenen Kuchen in das Jugendcamp (nicht das der Naturfreundehäuser, - hier war Anke mit ihrer Behinderung nicht erwünscht) ein.

Am Ort des Biwaks mehrten sich die Zelte (wobei die unsrigen, die einzigen der Barockszene blieben) und Händlerstände. In einem der nun errichteten „Nebengelasse“ lernten wir die „Spinnerin“ Ennovy von Krawoll kennen und lernten dabei, wie es so geht in unserer mittelalterlichen Vorzeit und was man aus Wolle zaubern und aus Kräutern brauen und mischen kann. Es ist immer wieder schön, wenn man bei den Events neue nette Leute kennen lernen kann.  Mit Hallo wurden unsere Freunde von den Harzer Hunnen aus Halberstadt begrüßt. Sie haben mit ihrer Jurte und dem ganzen Drumherum den meisten Aufwand zu bewältigen. Dafür entschädigte sie im Laufe des Wochenendes das glockenhelle Stimmchen des ollen, sich zunächst recht zierenden, Reisbauernkämmerers mit dem allbekannten >Lied der vietnamesischen Reisschnitterjugend<.

Nicht nur die meisten Darsteller waren nun vor Ort, - nein, auch die Örtchen. Es war eine echte Blankenburger Glanzleistung, dass wir Frühzeitigen so lange Bedürfnislose und ohne Wasch- und Kaffeewasser bleiben mussten.

Norbert und Rita ARBANOWSKI gesellten sich auch zu uns und wir sind jetzt alle fit zur Haltung von mindestens einem Beagle – Hund… Da nun auch Veronika und Gerd JACOB, sowie unsere Bosens Christine BARTEL und Wolfgang PETZOLDT und zu guter letzt, trotz defektem Auto, Annett SCHADE und Thomas NITSCHKE im Leihwagen eingetrudelt waren, konnte der Grill angeworfen werden. Das Wetter war so mild, dass es lange auszuhalten war. Mittlerweile hatten wir auch die Vertreterin der Veranstaltungsagentur COEX persönlich kennen lernen dürfen und da wir mit ihr so viel Freud und Leid dieses Wochenendes geteilt haben, wurde aus der Frau KATINS flugs die Birgit… Mit ihr kam endlich auch der Programmablauf in unsere Hände und  der Samstag und Sonntag sah ein durchaus akzeptables Programm mit einigen schönen Höhepunkten.

Der gemeinsame samstägliche Einzug Friedrich des Großen (Gerd JACOB) mit Hofstaat und allerley fünsteren Rittersleuten, wilden Hunnen und Spielleuten, war es, will man mit der Besetzung der Events früherer Jahre vergleichen, gewiss nicht. Beklatscht wurden wir doch von einigen (der um die Mittagszeit noch raren) Besuchern. Damit wir Barockleute nicht zu würdevoll daher schreiten sollten, mischten sich drei barockikios aussehende Akteure einer Wanderschauspielertruppe unter uns und sorgten für viel guten Spaß, nicht nur bei den zahlenden Gästen. „Zeter und Mordio“ geheißen, boten die etwas einfältige Madame oder dominante Megäre (je nach Situation) und die beiden verschrobenen Mannsbilder alle Nuancen der Stehgreif- Schauspielerei auf und kamen damit hervorragend an. Wohlgemut war es dem Publikum und auch uns Darstellern, beim Klang der Stimmen und historischen Instrumente der Gruppe „Wolgemut“ aus dem >stinkischen Flecken Berlinum<… Wir wollen bei unserer Aufzählung auch die Märchen erzählende Hexe nicht vergessen. Auch was sie bot, war perfekte Kleinkunst. Eine Hexe, die nicht nur schauerliche Geschichten erzählt, sondern auch mit Anmut zu „Wolgemut“ tanzen kann, sieht man so oft nicht. Auch die Ritter aus Quedlinburg hatten schlagende Argumente, nicht als Fehlbesetzung dieses Events zu gelten. Ihre Ritterkämpfe nötigten schon deshalb Respekt, weil sich die Temperaturen knapp unter 40° C bewegten.

Der Beitrag unseres TDB war, neben leidvollem Hitzeflanieren, das historische Maillespiel, welches wir an einer der seltenen schattigen Ecken des Schlossparks aufbauten. Um zum Mitmachen zu animieren, floss viel adeliger Schweiß, aber dennoch hat es den Besuchern und uns viel Spaß gemacht. Hitze und Umgang macht schlapp, - da loben sich die Adelsleute einen kräftigen Türkentrunk. Pustekuchen, - keiner der Stände konnte solchen (zunächst) bieten und so floss die Fassbrause in Strömen. Doch die >Krämerei< erkannte den schmerzlichen Engpass und nahm kurz entschlossen das schwarze belebende Bohnengetränk in ihr Sortiment auf. Gab es denn eigentlich auch etwas auf der Bühne zu sehen und hören, die sich vor der Baustelle Kleines Schloss präsentierte?

Nun, unsere Damen, die wohllöbliche Hofsängerin Regina Baronessa de Moretti (Regina SCHWABE) und die ehrenwerte Gräfin Aurora von Königsmarck (Silvia WEISE) als Zweitstimme (und mit Flöte), - verstärkt durch die Musiker des „Kurfürstlich- Sächsischen Barockensembles“ Manfred KUGLER (Tasteninstrumente) und Thomas REUTER, boten zum Nachmittage die schönsten deutschen Volksweisen zu Gehör. Schön, dass die beiden Musici nun, dank ihres neuen Outfits, auch barockig aussehen. Wir sehen es immer wieder gern, wie die dargebotenen Volkslieder mit Begeisterung und Mitsingen angenommen werden.

 Zum frühen Abend hatte das Ensemble einen weiteren Auftritt, - diesmal ganz barockem Liedgut und Instrumentalmusik vorbehalten. Auch diese Darbietungen, - einschließlich der Tänze (S.WEISE, R. Al ATRASH, R. u. B. SCHWABE) kamen sehr gut an und ernteten kräftiges Händegeklapper, - auch von der Eventmanagerin Birgit KATINS, die wohl jetzt erst so richtig merkte, was doch Gutes aus Dresden zum Gelingen des Festes in Blankenburg aufgefahren wurde. Der Samstag neigte sich und wir stiegen den Berg zum Fasanengarten, zu unseren Zelten hinauf. Auf unserem Weg kamen wir an drei Häuschen mit der Doppelnull vorbei. So schräg wie die in einem Wasserabschlaggraben standen, konnte man nach erfolgreicher Benutzung immer nur sagen: „Toi, Toi, Toi, – wie gut, dies unbeschadet überstanden zu haben“.  

Gut überstanden hat die fröhliche Abendgesellschaft dann auch den Met aus hunneischer Produktion und im Gegenzug der Morellenlikör von den sonnigen Hängen des Elbtales. Ein absoluter Kurzbesuch, war die Stippvisite unserer Freunde von der BTG. Kaum begrüßt, verschluckte sie wieder die Dunkelheit der Nacht. Schade.  Krönender Abschluss des ersten Eventtages war zweifelsfrei das Feuerwerk zu Füßen des Großen Welfenschlosses. Wir verfolgten es von unserem Biwak aus. Die Nacht war kurz und unanständig warm, - man konnte es im Zelt nur ohne alles aushalten… Sonntagmorgen, - die Pensionsschläfer waren eingetroffen, ging es im fröhlichen Umzuge hinunter zum Kleinen Schloss, wo es annähernd das gleiche Programm wie am Vortag gab, nur die Hitze war noch etwas brummiger und wir suchten für unsere Maillebahn schnell ein schattiges Plätzchen, bevor der rare Schatten andererseits okkupiert wurde.

Im Laufe des Tages kamen doch einige Besucher mehr zum Kleinen Schloss und dem dortigen Historischen Wochenende, auch wenn sich die Veranstaltungen im Städtchen so häuften, dass es einer Großstadt gut zu Gesicht gestanden hätte. Irgendwie bekommt der Rezensent das Gefühl nicht los, dass ein Erfolg des Historischen Wochenendes, seitens der Stadt Blankenburg nicht so sehr gewünscht war, trotz der blumigen Begrüßungsrede durch Herrn Bürgermeister NOLL. Da bleibt nun ein Teil unserer Mitwirkenden  am Sonntag bis Anschlag  im Festgelände, auch für den letzten Besucher, präsent, dafür sperrt man ihnen die sanitären Anlagen und empfiehlt die Benutzung des Öffentlichen WC in der Stadtmitte. Sehr gastfreundlich ist das nicht, Herr Bürgermeister.

Doch zunächst verbleiben wir noch im Schlosspark und lauschen der Hofsängerin und der Zofe der Königsmarck beim á-capella-Vortrage altbekannter Volksweisen, mit dem Wunschtitel der Birgit KATINS "Wenn alle Brünnlein Fließen", als Dankeschön für deren Wirken zum (doch noch) Gelingen des Festes und schieben eine ruhige Kugel beim Maillespiel. Wir nehmen einige barock gewandete Damen wahr, die am Vortage nicht zu sehen waren, - haben aber, wegen deren Kontaktscheue, keine Gelegenheit zu näherer Bekanntschaft. Ihrerseits unterblieb jegliche Referenz gegenüber skm Friedrich II., sodass wieder einmal konstatiert werden muss, die Robe allein macht es noch nicht…

Wir haben, wegen mangelndem Besucherinteresse an der Maillebahn, Muse, um uns das Abschiedskonzert des „Duo Wolgemut“ anzuhören und den künstlerischen Tanz der Hexe anzusehen. Pünktlich 19:00 Uhr fegt uns die Sicherheitsfirma vom Gelände, - im letzten Moment gelingt uns noch die Sicherstellung des Wassers für unseren Morgenkaffee. Im Biwak sind die Hunnen schweißtreibend beim Packen und wir verabschieden uns von diesen Freunden herzlich. Auch Rita und Norbert kommen zum Verabschieden und wir klönen noch etwas mit dagebliebenen Kunsthandwerkern. Die nun folgende Nacht war beinahe unerträglich, da noch wärmer als die vorige. Der Zeltabbau erfolgte in der morgendlichen „Kühle“ und unsere Abfahrt glich einer Flucht, - zum nächsten Autobahn- WC. Freud und Leid waren bei diesem Event in der Tat sehr eng beieinander, aber dass wir nun noch bei 40° C über zwei Stunden im Stau verbringen mussten, war dann doch etwas sehr happig.

Resümierend lässt sich feststellen, dass es uns in Blankenburg schon erquicklicher war, wir aber dennoch heuer ein nettes Wochenende erlebten und nach Kräften mitgestalteten. Der Eventagentur COEX, respektive Birgit KATINS, die während der zurückliegenden drei Tage unermüdlich umherwirbelte und dabei noch manche Unebenheit glättete, sagen wir DANKE und der Stadt Blankenburg wünschen wir in ihrem 800. Jahr alles Gute und künftige Stadtfeste, die man ohne Einschränkungen, gern wieder besucht. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 27.08.2012) ***                                                                

 



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