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Besuch des Schlossmuseums Nossen am 24.07.2012

Vom Eigensinn der Damen - bildender Ausflug ins Schlösserland

Besuch der Ausstellung über starke sächsische Frauen im Schloss Nossen

 Es war einer dieser bisher seltenen 2012er schwülwarmen Sommertage, dieser Dienstag, der 24.Juli, der uns in die sächsische Provinz nach Nossen lockte. Es war schon fast zu heiß für derartige Ausflüge, aber wenn eine Ausstellung lockt, von der wir uns viel Wissensvermittlung erhofften, dann macht man schon so eine Tour in vierrädrigen mobilen Sauna- Fuhrwerken. Als Thema der Sonderausstellung wurde uns >>Vom Eigensinn der Damen…<< angekündigt und so stieg der Schriftführer des TDB in die vorfahrende Motorchaise, die mit Silvia WEISE am Lenkrad und Marlies FROHNHÖFER auf dem Beifahrersitz gut feminin, - ganz zum Thema passend, ausgefüllt war. Eigensinn verspürte der Zusteiger dann lediglich von der kleinen Dame, die aus rechteckigem Kästchen ständig unsere Fahrtroute bestimmen wollte und bei jedem Gespräch dazwischen quasselte. Nossen  liegt ja so weit von Dresden nichts entfernt und so war das zu verkraften.

Dann standen wir plötzlich, nach unserer Parkplatzsuche, vor jenem stolzen Renaissanceschloss, dass sich stolz über das Tal der Freiberger Mulde erhebt und auf den Kurfürsten August zurückgeht, der das Gebäude ab 1554 auf einer Felsklippe errichten ließ. Es diente als kurfürstliches Jagdschloss und sah rauschende Feste und manches ausgelassene Gelage. Im Fremdenbuch des Schlosses findet sich auch mehrmals der Name August des Starken als Gast vermerkt und seine ehemalige Mätresse, die Gräfin von Cosel, lag hier, bevor sie zur Burg Stolpen überstellt wurde, als Gefangene auf dem Krankenlager. Im Schloss brütete ein kleiner korsischer Welteroberer namens Napoleon Bonaparte seinen nächsten Feldzug aus und war wohl kein sehr gern gesehener “Gast”, auch wenn er nur eine Nacht blieb. Langzeitgast war hingegen in den Tiefen des Tullian- Turmes der Räuber Christian Eckold, der hier für seine Missetaten büßen musste. Seit 1775 hatte das Schloss seine ursprüngliche Bedeutung als Jagdschloss und Übernachtungsstätte für hochadelige Durchreisende verloren, - ein Renaissancebau war in der Barock- Rokokozeit nicht mehr zeitgemäß, doch heute ist das Nossener Schloss eine Perle der sächsischen Schlösserlandschaft und lädt mit hervorragenden Ausstellungen zur Geschichte des Schlosses und seiner Bewohner und anderer bedeutender Persönlichkeiten ebenso ein, wie zu Theater- und Konzertveranstaltungen und tröstenden Worten des Standesbeamten… Wir aber wollten hauptsächlich die starken Frauen in der Geschichte des sächsischen Adels erleben. Ehe wir uns aber über das Leben und Wirken von Johanna Erdmuthe von Bünau (1741 - 1779), von Louise Freiin von Friesen (1797 - 1870), der, sich standhaft gegen eine arrangierte Ehe wehrenden, königlichen Hofdame, oder Johanne Margarethe Christine Gräfin von Brühl (1756 - 1816), der Schöpferin des Landschaftsparks >Seifersdorfer Tal< bei Radeberg , Christiana Mariana von Ziegler (1695 - 1760), Helena Dorothea von Schönberg (1729 - 1799) und Cecilia von Haugwitz (* vor 1512) informieren und bewundernd staunen konnten, führte uns unser Weg noch durch die ständigen Ausstellungen und die Sonderschau in der Hofestube, wo unsere früheren Kurfürsten “Hof hielten”, und heute an das altehrwürdige und herausragende Adelsgeschlecht derer von Schönberg erinnert wird. Viele Mitglieder dieses Adelgeschlechtes wirkten in hervorragender Weise für das Kurfürstentum Sachsen, - ob als Amtmann, Höfling, Berghauptmann oder gar Kardinal. In anderer Motorchaise waren Elke METZNER, Siggi SCHURA und Wolfgang PETZOLDT, sowie Christine BARTEL ebenfalls zu unserem Fortbildungsausflug gestoßen und Christine entdeckte in der Ahnengalerie den Mann, den sie auch schon in Robe gewandet, bei AKB- Veranstaltungen mit Leben erfüllt hat, - nämlich den Oberberghauptmann Abraham von Schönberg. Auf mehreren großformatigen Gemälden wurden die männlichen Mitglieder der Familie vorgestellt, - wobei die Bilder des bedeutenden deutschen Porträtmalers und Grafikers Ferdinand von Rayski, der bis zu seinem Tode im Jahre 1890 in Dresden wirkte, besonders ins Auge fielen. Man fror, trotz der Hitze draußen, regelrecht mit, beim Anblick der französischen Soldaten im russischen Wintersturm („Grenadiere im Schnee“)…

Ein Zimmer des Schlosses widmete sich den Arbeiten des >Heller- Malers<  Otto Altenkirch, einem begnadeten Landschaftsmaler, der die Landschaft um Dresden liebte und insbesondere Bilder vom, auf und um den Heller malte. Die kleine Exposition trägt daher auch den Namen „Verlorene Idylle – Impressionen vom alten Hellergut“. In einem weiteren Saal im Mittelgeschoss wurde, durch zeitgerecht gekleidete Figurinen, eine Gerichtsverhandlung dargestellt. Nossen war Amtshauptstadt und hatte eine eigene Gerichtsbarkeit. Im Jagdsaal prangte unser Starker August in einer eindrucksvollen Jagdszene von der Wand und wenn es nicht so sommerwarm gewesen wäre, hätte man gern am Kamin Platz genommen. Schlossgeflüster oder gar die Hexe Henriette haben wir nicht vernommen als wir in das düstere Obergeschoss hinauf gestiegen sind und hier nun die starken Sächsinnen kennen lernen konnten, wobei uns viele zeitgenössische Abbildungen und über 80 Exponate hilfreich waren.

Einige dieser Damen, die sich zu ihren Lebzeiten aus der männlichen “Umarmung” befreit und ein eigenes Leben geführt haben, kannten wir als Person und in ihrer Lebensleistung, aber viel Neues war auch zu erfahren. Den Rezensenten hat besonders die Person der aus dem Kloster entwichenen ehemaligen Äbtissin Cecilia von Haugwitz beeindruckt, die ihr machtvolles Amt verließ, um ihrem Gewissen folgend, zum Lutherischen Glauben zu finden,-  aber auch für die Dichterin Christiana Mariana von Ziegler, die von der bloßen Salondame zur Dichterin wurde und in Leipzig einen literarischen Salon führte, wo die höchsten Geistesgrößen ein- und ausgingen, empfand er besondere Sympathie.  Alle diese vorgestellten Damen führten ein selbstbestimmtes Leben, was für ihre Zeit schon von besonderer Persönlichkeit zeugte.

Die empfundene Sympathie setzte sich im benachbarten Vortragsraum bei mehreren Videos (Medienstation von Vicky ROTHE und Martin ARNOLD) fort, in denen, heute hier  lebende Adelsdamen interviewt wurden. Wie schön, dass sich Adelsfamilien wieder in der alten Heimat angesiedelt haben und dem oftmals verheerenden Verfall der Landschlösser und Gutshöfe Einhalt gebieten. Wir hätten den durchaus nicht eigensinnigen, sympathischen Damen noch länger zuhören mögen, wenn uns nicht ein lautes Geräusch,  aus dem etwas düster beleuchteten Ausstellungsraum kommend, aufgeschreckt hätte. Unsere liebe Berghauptmännin hatte wohl im schlecht beleuchteten Raum die Orientierung verloren. Wie mag es den Berghauptleuten, Steigern und Knappen damals in der Finsternis der Silberstollen gegangen sein? Christine „Abrahamine“ war offenbar lange nicht mehr eingefahren, aber schnell wieder auf den Beinen.

Mit diesen ging es hinunter in die Unterwelt des Tullian- Turmes, wo der böse Räuber Eckhold schmachten musste. Es waren halt raue Sitten in damaliger Zeit, vor allem dann, wenn man in Katen lebte und nicht in Schlössern. Das Jammergeschrei des Delinquenten noch im Ohr, stiegen wir schnell wieder in die Helligkeit dieses “schön” warmen Sonnentages empor und nach dem obligaten Gruppenfoto und dem Erwerb diverser Literatur, verabschiedeten wir uns von Schloss Nossen, den Schönbergs, den starken Adelsdamen von Einst und Jetzt und strebten unseren Benzinkutschen zu, die neben der Kirche parkten, die wir vor dem Schlossbesuch besichtigt hatten.

Bevor wir gen Heimat rollten, gab es noch einen erfrischenden Stopp an einer in der Region berühmten Eisdiele, wo wir ganz lecker schlemmerten. Ein vergnüglicher Tag, der uns in unserer eigenen Region viele interessante Dinge offenbarte, und den Umstand wettmachte, dass der Rezensent noch nie an diesem geschichtsträchtigen Ort Schloss Nossen gewesen ist!  Schon wegen der Ausstellung zu den eigensinnigen Damen, die noch bis zum 7.10.12 geht, ist ein Besuch des Nossener Schlosses sehr zu empfehlen. www.schloss-nossen.de Text und Fotos: Bernd Schwabe  (eingestellt am 27.07.12)

 

 



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