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Schlossfest in Hainewalde am 17.06.2012

Schlossfest in Hainewalde am 17. Juni 2012

Eine kleine Abordnung des TDB (Silvia WEISE, Renate AL ATRASH, Siegfried SCHURA) reiste an diesem warmen Frühsommersonntag Richtung Zittauer Gebirge um erstmals das Schloss von Hainewalde zu beschnorcheln. Vom dortigen >>Förderverein zur Erhaltung des Kanitz- Kyawschen Schlosses Hainewalde e. V.<< eingeladen, waren wir wiederum in einer dieser Halbruinen zu Gast, wie wir sie leider schon öfters kennenlernen mussten. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die adeligen Besitzer enteignet und vertrieben und zumeist waren diese altehrwürdigen Gemäuer damit mehr oder weniger dem Verfall preisgegeben. Unbekömmliche Nutzung oder gar Leerstand (wie Schloss Hainewalde seit 1972) haben das Ihrige dazu beigetragen, dass sich Fördervereine der verfallenden Gemäuer annehmen. Das war allerdings erst nach der Wende möglich. Einige dieser Schlösser hatten Glück und fielen in die richtigen Hände, wie z. B. das Landschloss Proschwitz, wo der Prinz zur Lippe ein wahres Schmuckkästchen daraus gemacht hat. Bei den Fördervereinen, wo es kaum eigenes Geld, oder staatliche Förderung nur in geringem Umfang gibt und man auf Spenden angewiesen ist, dauert alles etwas länger und hat mehr Schwierigkeiten zu überwinden.

Seit dem Jahre 2000 bemüht sich der Förderverein in Hainewalde um das Schloss und seit 2007 um die Sanierung des Ostflügels. Der Ort Hainewalde entstand als sogenanntes Waldhufendorf und wurde 1326 gegründet. 1392 wurde das Alte Schloss als Rittergut erbaut (heute steht noch das Torhaus des ehemaligen Wasserschlosses). Mit Ulrich von Nostitz taucht in der Schlossgeschichte 1546 ein alter klangvoller sächsischer Adelsname auf. In dem Jahr wurde Nostitz mit Hainewalde belehnt. Mitte des 18. Jahrhunderts gab es keine sächsischen Herren mehr in Hainewalde. Der einflussreiche und vermögende preußische Kammerherr Samuel Friedrich von Kanitz lässt die Reste der alten Schlossruine schleifen und errichtet von 1749 – 1755 das Neue Schloss. Nach ihm waren derer von Kyaw Schlossherren und 1927 wurde das Areal samt Schloss an die Gemeinde Großschönau verkauft, die wohl nicht so recht wusste, was sie mit dem mondänen Barockbau  anfangen sollte. Die Nationalsozialisten dann wussten es und machten einen SA- Stützpunkt und in der Folge ein provisorisches Konzentrationslager daraus. Auch nach Beseitigung des braunen Spuks war die Nutzung des Schlosses glücklos und so kam es ab dem Jahre 1972 zum Leerstand und schnell voranschreitendem Verfall.

Dem setzten engagierte Hainewalder einen Stopp und bemühen sich seit gut 10 Jahren um die Rettung des Schlosses. Wenn sie jetzt schon zu ihren Schlossfesten einladen, so soll das sicherlich dem Erhalt des Gebäudes dienen. Die Bilder dieses Berichtes, geschossen von der TDB- Vorsitzenden Silvia WEISE, zeigen eindrucksvoll, dass der Weg noch weit ist und noch viel getan werden muss. So wird man vom Breitenberg, dem Hausberg Hainewaldes, noch lange auf eine Baustelle blicken müssen. Aber eines ist gewiss,- denn die Hainewalder sind auch Sachsen (wenn auch niederschlesische),- sie werden es schaffen und eines Tages erstrahlt das Kanitz- Kyawsche Schloss wieder in altem Glanz. Wenn wir mit unserer Teilnahme an den Benefizveranstaltungen dazu beitragen können, befriedigt uns das und dem Besuch heuer, werden gewiss weitere folgen. (Autor dieses Textteiles: Bernd Schwabe)  

Silvia Weise zum Schlossfest Hainewalde:

 "Als ich das Schloss Hainewalde im Spätherbst letzten Jahres kennenlernen durfte, war ich fasziniert von diesem Kleinod im Zittauer Gebirge. Da blieb es nicht aus, dass Andreas MORY vom „Förderverein zur Erhaltung des Kanitz-Kyawschen Schlosses Hainewalde e. V.“ mich und unseren Traditionsverein Dresdner Barock e. V. zum diesjährigen Schlossfest einlud. Aus dem Programm war vorab zu ersehen, dass der Sonnabend rein mittelalterlich gestaltet und am Sonntag auch dem Barock gehuldigt wird. So viel unsere Entscheidung für einen Sonntagsausflug nicht schwer. Allerdings traten wir die Reise über die sieben Berge nach Hainewalde leider nur zu dritt an, da unser Terminkalender wieder voll gespickt ist und auch die eine oder andere persönliche Verpflichtung wahrgenommen werden muss.

So bestiegen Maria Aurora Gräfin von Königsmarck (Silvia WEISE), Renate Henriette Baronin von Zethau (Renate AL ATRASH) und Heinrich Reichsgraf von Bünau (Siegfried SCHURA) die Königsmarcksche Kalesche in der zehnten Stunde. Schon da kündigte sich ein drückend warmer Frühsommertag an. Von Spitzkunnersdorf kommend fuhren wir Hainewalde von oben an. Ein Herrlicher Blick über die umliegende Gebirgslandschaft. Zwischen den Häusern tauchte ganz unscheinbar das Dach des Schlosses auf, welches man auch einem ehemaligen Fabrikgebäude hätte zuordnen können. Meine Mitfahrer ahnten ja noch nicht, welch imposanter Anblick sich ihnen von unten bieten sollte. Als wir die Serpentinen am Schloss hinabfuhren, standen da schon zahlreiche Kaleschen von Besuchern des Schlossfestes. Eingewiesen von fleißigen Helfern, fanden wir sogar noch ein schattiges Plätzchen. Nachdem die sommerliche Garderobe gerichtet und die Sonnenschirme aufgespannt waren, ging es frischen Schrittes Richtung Schloss. Dort tummelten sich – wie schon vermutet – zahlreich die Besucher, deren Anzahl im Laufe des Nachmittages noch stark zunehmen sollte.

Unser erster Weg führte uns treppauf zum Schlossverein. Oben angekommen, begrüßte uns Andreas MORY, der sich über unsere Anwesenheit sehr freute und erzählte, was an diesem Tag alles passieren soll. Er stellte uns auch kurz die neue Vereinschefin Christine JUST vor. Kurz deshalb, denn mit den vielen Besuchern hatten die fleißigen Vereinsmitglieder alle Hände voll zu tun. Jeder sah, wo es etwas zu tun gab. Da räumte selbst die Vereinsvorsitzende mal ein paar schmutzige Teller mit ab. Wir wissen ja selbst, wie viel Arbeit es ist, ein Event zu organisieren. Nur wenn alle mit anpacken, wird es ein Erfolg. Und das konnten wir schon in diesem Moment auch vom Schlossfest Hainewalde sagen.

Im Vorfeld hatte sich bei mir eine Dame gemeldet, die Ihrer Mutter ein historisches Fotoshooting zum Geburtstag schenken wollte. Wissend, dass Ursula SCHULZ vom Förderverein an diesem Tag dies anbietet, habe ich sie dort hin vermittelt. Die Familie reiste bereits am Sonnabend an, um sich in Ruhe das Schloss anzuschauen und am Sonntag dann das Fotoshooting zu genießen. Wir hatten Ihnen noch ein Gruppenfoto mit uns versprochen. Da die Dame zwischenzeitlich schon wieder in neumodische Kleidung geschlüpft war, konnten wir lange nach einer historischen Robe Ausschau halten. Mit einem Tipp fanden wir die Dame. Ihr Kleid war allerdings gerade für ein anderes Shooting in Benutzung, sodass wir die Gelegenheit nutzten und am Buffet des Schlossvereins unseren Kehlen ob der Wärme etwas kühlendes Nass und unseren Mägen leckeren Kuchen und ein Paar Wiener gönnten. Frisch gestärkt ging es zum Fotografieren hinters Schloss. Wir freuen uns schon auf die Bilder, die uns davon noch zugesandt werden.

Die vielen und vor allem unregelmäßigen Stufen zum Schloss hoch, haben schon so ihre Tücken und bedürfen der Kondition. Deshalb hieß es, unseren Aufenthalt so zu koordinieren, dass wir nicht ständig die Treppen auf und ab mussten. Aber erst mal trieb uns die Notdurft nach unten, denn oben waren „nur“ Dixis, was mit unseren Kleidern bekanntermaßen etwas schwierig geworden wäre. Unten angekommen nutzen wir die Gelegenheit, um den kleinen aber feinen Mittelaltermarkt zu erkunden. Eine Taverne bot Speis und Trank, Edelsteine und Geschmeide konnten erworben werden, Graf von Bünau schlug bei wohlriechenden Seifen zu, jedoch nicht für den Eigenbedarf, sondern als Geschenk. Nun waren wir im Zeltlager angelangt und kamen mit dessen Bewohnern ins Gespräch. Es ist immer wieder interessant zu erfahren, wie andere zu ihrem Hobby gekommen sind, und oft ähneln sich die Geschichten. Oft ist es – wie auch bei uns – so, dass man über den historischen Tellerrand hinausschaut und auch andere Epochen für sich entdeckt. So besitzt die eine Dame ein selbstgenähtes Rokokokleid, dass sie dieses Jahr erstmals zum WGT(?) trug, welches sie aber auch gern als Besucherin unseres nächsten Lustlagers ausführen möchte. Sie und alle anderen Interessenten sind uns herzlich willkommen. Weiter ging es mittelalterlichen Gewandungen und kleinen Handwerkern vorbei zu einem Stand mit Patchwork. Patchwork ist keine Erfindung der Neuzeit, erklärt Frau Heider. Sie ging ursprünglich davon aus, dass diese Arbeit aus Amerika stammt und im 18. Jahrhundert nach Europa kam. Inzwischen weiß sie, dass Patchwork eine sehr viel längere Geschichte hat und aus Zentralasien kommt. Wer einmal in Dresden die Türkische Kammer besucht und sich das Prunkzelt genau ansieht, wird bemerken, dass auch dort Patchwork mit im Spiel ist.

Für die Kinder hatte man im Schlosspark Heuballen zum Toben und einen Ministreichelzoo in einem alten Kinderlaufstall aufgebaut. Die Marktrunde schlossen wir beim Gerber ab. Nicht nur Felle bot er feil. Wir entdeckten bei ihm neckisches für unten drunter, knöchernes, was unser Graf von Bünau gern als Utensil für unser nächstes Lustlager mitgenommen hätte, was sich dann jedoch lediglich als Aufbewahrung für Nadeln entpuppte. Nun ja, man lernt halt nie aus.

Nun machten wir uns noch einmal auf den Weg nach oben, denn wir wollten an einer der halbstündig beginnenden Führungen teilnehmen, die jedes Mal sehr gut besucht war, denn die Räume waren oft so klein, dass nur ca. 25 – 30 Personen hineinpassten, um auch noch etwas hören und sehen zu können. Doch auf halber Treppe überkam unsere Baronin von Zethau beinahe die Ohnmacht. Ob es an den vielen Eindrücken lag? Es wird wohl die Anstrengung, die Wärme und der Mangel an Flüssigkeit gewesen sein. Gottlob war unser Graf von Bünau zu Stelle und konnte verhindern, dass Madame die Treppe nicht wieder hinabstürzte. Nach einer kleinen Verschnaufpause, erklommen wir die restlichen Treppen nach oben, platzierten Madame im Schatten und versorgten sie mit Wasser. Unter den wachsamen Augen der fürsorglichen Organisatoren wagten Graf von Bünau und ich uns zur Führung, die mit viel Engagement von den Vereinsmitgliedern abwechselnd geleitet wurden. Ob des instabilen Kreislaufes unserer Baronin von Zethau verließen wir jedoch die Führungen und machten uns auf eigene Faust auf dem Weg durch das Schloss. Viele Räume konnten nicht betreten werden, weil sie baufällig waren. Die übrigen Räume waren trotz ihrer ebenfalls Renovierungs- und Sanierungsbedürftigkeit liebevoll dekoriert. In einigen Räumen war eine Ausstellung aufgebaut. Zurück im Freien nahmen wir noch eine kleine Stärkung für den Heimweg zu uns. Baronin von Zethau probierte einen „Schlossbaustein“, einen altdeutschen Zuckerkuchen mit sehr vielen Rosinen. Es hat trefflich gemundet. In der fünften Stunde des Nachmittages spannten wir die Kalesche wieder an und reisten in die Residenz zurück, jedoch nicht ohne dem Förderverein zu versprechen, dass wir in Verbindung bleiben.

Abschließend können wir konstatieren: Der Sonntagsausflug nach Hainewalde zum Schlossfest hat sich gelohnt. Wir wünschen dem Schlossverein viel Kraft und vor allem Sponsoren und Mäzene, die mit ihren Mitteln helfen, wenigstens den Verfall des Schlosses aufzuhalten, besser noch, weitere Räume wieder nutzbar zu machen. Es wäre schade, wenn dieses Kleinod weiter verkommen würde."  Text,Fotos und Bildkommentare: Silvia Weise (eingestellt am19.06.12)                                                                              

 

 



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