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Barocke Lustbarkeiten auf Schloss Hermsdorf, 12. - 13.05.2012

Barocke Lustbarkeiten im Landschloss

August der Starke feiert im Schloss zu Hermsdorf seinen 342. Geburtstag –                                                Wir vom TDB und AKB feiern mit und gestalten ein lustvolles Fest (11.- 13.05.2012)

Prolog:                                                                                                                                                                 „Um es gleich vorwegzunehmen: Das erste Barockfest auf Schloss Hermsdorf war ein Knüller im Veranstaltungsangebot… Zahlreiche Vereine waren aus weit entfernten Orten angereist, um dem Hermsdorfer Barockschloss, ein ganzes Wochenende lang historischen Charme einzuhauchen…“ Pressenotiz: SZ- Regionalausgabe Radeberg vom 14.05.12

Dem Bericht des eigentlichen Festes muss noch etwas vorangestellt werden. Schon am Dienstag, den 8. Mai bewegte sich eine kleine Hofgesellschaft, angeführt durch seine Majestät Kurfürst Friedrich August (Tilo MEIßNER), auf das Schloss zu, um sich den Fragen der Schreiberlinge zu stellen und um sich für die Lichtmaler in Positur zu bringen. Was die nette Reporterin der SZ, Frau Jana MUNDUS, in ihrem Ankündigungsartikel geschrieben hat, zeigt Stil und hat Hand und Fuß,- was wir schon bei mancher Pressenotiz so nicht hatten… Aber offenbar wurden diese Zeilen nicht von zu vielen SZ- Lesern in Augenschein genommen, denn die Betreibergesellschaft des Schlosses hätte sich letztendlich einige Besucher mehr gewünscht.

Am Programm kann es überhaupt nicht gelegen haben, das Wetter war so schlecht nicht, sodass vielleicht die Werbung nicht ausreichend war. Silvia WEISE hat mit ihrer Storied- Eventagentur ihr Bestes gegeben, sodass der barocke Part des Festes stimmig war. Unsere Freunde von der Schöppenstedter Bürgerwehr aus Niedersachsen, die Lohnjäger des Historischen Vereins Oederan, die Kanoniere vom Regiment Nr.12 der 1. Königlich- Sächsischen Feldartillerie aus Moritzburg und einige Freunde des AKB haben unseren TDB mit mehr als 50 Darstellern  bei diesem Fest verstärkt und publikumswirksam mitgewirkt. Köstlich waren die Programme der Barockbühne Dresden und des Kurfürstlich- Sächsischen Barockensembles Dresden, die damit echte Glanzlichter setzten.

In der Presse wurde das zwar schon hinreichend gewürdigt, aber ich möchte meiner persönlichen Begeisterung hier mit diesen Zeilen freien Lauf lassen. Von außen war mir Schloss und Park Hermsdorf schon bekannt,- früher haben wir hier im Schlossteich Wasserflöhe für unsere Aquarienfische gefangen und damit jedes Mal deswegen Ärger bekommen… Da war der Blick weniger auf das barocke Ensemble von Schloss und Park gerichtet. Nun, am 8. Mai wurden aber auch wir von der Schlossherrin Frau FRENZEL mit dem Innenleben des Schlosses bekannt gemacht. Unser Fazit konnte nur sein, dass hier das Barock zuhause ist und am Veranstaltungswochenende aufleben soll.

In den späten Mittagstunden des Freitag, langten die beiden SCHWABES im Schlossareal an und da die Leinwandvilla der Familie WEISE schon stand, konnte mit vereinten Kräften und viel, sehr viel verlorenem Schweiß, an das Aufstellen unserer Zelte gedacht werden. Da wir mit unserer Annett SCHADE (Gräfin von Rutowska) eine Biwak- Novizin dabei hatten, schlug Frank auch noch einige Häringe für eines dieser Zukunfts- Zelte in den Rasen. Die Oederaner, Schöppenstedter, Moritzburger und einige hunnisch aussehende Bürgerwehrer sind im Laufe des späten Nachmittags eingetroffen und haben das Areal in Beschlag genommen. Auch hier floss der Schweiß in Strömen,- aber bei diesen Strömen sollte es nicht bleiben. Der Kämmerer musste zwischenzeitlich noch mal weg. Sein Kurfürst hat ihn zum Oberhoffischermeister bestellt und so hatte er sich mit den Teichpächtern herumzuschlagen (neudeutsch könnte auch gesagt werden, dass er sich als Vorsitzender des örtlichen Aquarienvereins etwas Ärger um die Näse wehen lassen wollte!!- hat geklappt.)

Während das geschah, ging in der Residenz ein sagenhaftes Gewitter hernieder und voll Bangigkeit dachte der olle Graf daran, ob denn die Häringe halten, oder die Zelte davon schwimmen würden? (hatten wir schon) Zurück war alles gut und trocken und er konnte sich zu gemütlicher Freundesrunde dazuhocken. In der späten Nacht dann, war das Gewitter in Hermsdorf angelangt und des Grafen Befürchtungen hätten sich beinahe bewahrheitet.

Nach ziemlicher Abkühlung war es dann gottlob in der Samstagfrüh trocken und nach und nach traf die Hofgesellschaft ein. Vornweg die Person Nummer Eins des Tages, das 342 Jahre alte Geburtstagskind August der Starke (Tilo MEIßNER) Nun setzte an den Zelten ein emsiges Putzen, Kämmen, Schnüren, Schminken und Schmücken ein. Die Ensembles der Barockbühne und der Barockmusik trafen ein und richteten sich auf ihre Auftritte ein und vor… So war gegen 10:00 Uhr gewährleistet, dass mögliche frühe Besucher auf viel Barock stießen. Dazu mussten sie aber zunächst die strengen Kerle der Torwache passieren,- die Schöppenstedter Bürgerwehr und die Oederaner Lohnjäger haben sich an beiden Tagen darin abgelöst. Wer es geschafft hatte und dem etwas frischkühlen Morgen ein Schnippchen schlagen wollte, der nahm Kurs auf die Maillebahn und spielte dieses historische Spiel mit Schläger und Holzkugel unter Anleitung durch die Betreuer des TDB. Da wir ja bekanntermaßen ein Schönwetterhofstaat sind, also einige Frostbeulen im Verein haben, waren die Spieler zunächst überwiegend in Robe gewandet und spielten sich warm.

Gegen 11:00 Uhr verrieten laute Böller, dass es auf der Wiese an der Rückfront des Schlosses militärhistorische Vorführungen gibt. Ein Salut gegen 12:00 Uhr gab bekannt, dass unsere hochverehrungswürdige königlich- kursächsische Majestät August II. zum Empfange bittet.

In Vertretung des auf dem Krankenlager darniederliegenden Oberhofmarschalls kündigte Majestäts Vertrauter, der Obercämmerer und Directheur der Hofcantzeley Graf von Schwabe zu Nau (Bernd SCHWABE) die hohen Herrschaften an. Die Audienz wurde zur Gratulationscour, denn Majestät beging seinen 342. Geburtstag und ein Jeder oder Jede, die ihre Knie vor ihr beugten, hatten ein kleines Geschenk dabei, - Wein von den Hängen der Lößnitz, Honig aus den lieblichsten sächsischen Fluren, Glas aus den besten Hütten, eine Königsrose aus dem Glashause des Herzogin Garten, eine Ehrenplakette aus Porcellaine von Meißen und weitere Geschenke mehr. Das wertvollste Mitbringsel hatte aber die ehrenwerte Gräfin von Königsmarck (Ines LAUTERBACH) dabei,- eine Flasche voll Nichts, denn schon das Beschaffen von Nichts war recht schwierig, doch dann gelang es doch noch, seiner Majestät Nichts zu überreichen. Auch wenn des hohen Jubilars Miene etwas säuerlich wirkte, die Gräfin hatte ein wirklich Nichtswürdiges Präsent dabei. Auch wenn der Fürst die kleinen Geschenke entgegennahm, waren sie wohl doch eine jeweilige kleine Geste der Wertschätzung für den Darsteller des Starken August Tilo MEIßNER. Jedes Präsent war mit der Hoffnung verbunden, dass unser Freund bald wieder ganz gesund werden möge.

Als Ehrengast mit besonderen Würden empfangen, machte der Herr aller Reußen, seine kaiserliche Majestät Zar Peter I. (Thomas TÖPFER) den glänzenden Abschluss dieser Gratulationscour. Neidvoll mussten der Directheur der Hofcantzeley und Gesandte in Russisch- Finnland feststellen, dass sich der Zar mit einem sehr brauchbaren Deutsch an seinen „Cousin“ Friedrich August gewandt hat. Nun, sollte der nächste russisch - …. Krieg schief gehen, wird er als Spätaussiedler hier in teutschen Landen auch seinen Weg machen. Man wird dann sehen, dass sich Peters Fleiß in der Volkshochschule auszahlt.

Auch beim sich nun anschließenden Programm der Barockbühne Dresden: „Verflixtes- Luder- Lotterleben“ – „Ein Bette im Hochstand“ brillierte der Zar mit seiner Ausdrucksweise,- allerdings mehr durch seinen perfekten russischen Akzent als durch hohes Deutsch. Es war schon lottrig, was da die Zofe Babette (Martina HERGERT) so zu erzählen hatte. Wiewohl sie sich nur in das Bett des Kurfürsten geträumt hatte, war das „pikierte“ Publikum erleichtert, als sie wieder in der Wirklichkeit keusch und fleusch angekommen war. Nun, diese Babette hatte es wohl faustdick hinter den Ohren und war wohl des Öfteren mehr Liebesbote zwischen ihrer Herrin der Königsmarckchen und deren fürstlichen Liebhaber, als sie Bedienstete war. Die Gräfin war wohl zunächst sehr betroffen, von ihrem hochgeborenen Galan abgelegt wurden zu sein, aber wer wollte es diesem vollblütigen Weibsbild verargen, wenn sie von den Burgzinnen nicht nur nach einem reuigen Rückkehrer Friedrich August Ausschau gehalten hätte? Unüberwindlich die Burganlagen und Aurora war sehr verzwiefelt und die Bochse lag groffbereut. Noch ehe der ebenfalls verzwiefelte Ritter Rötter (Jürgen HERGERT) auf der Burg angepermosert war, (nach ein paar Tagen Scheintot der Aurora kam ein röttender Ritter (Thomas LEHM) auf Lehmgelben Hengst angeprescht und dasselbe Procedere  wiederholte sich) hauchte die Gräfin ihren letzten Atemzug aus. Oh wie verzwiefelt war da der verliebte Ritter Rötter,- er zog seinen Daugen und es zog ihn hin an der Königsmarckchen Seite… Friedrich August nahm das Drama kaum zur Kenntnis und lud stattdessen zur Jagd. Oh wie fand das die Gräfin COSEL (Peggy SALOMO) fad, fader am fadesten. Wie kam ihr da zupass, dass der ebenfalls zum großen Halali geladene Zar lieber einen Hochstand im Bette, als ein Bett im Hochstand haben wollte. Doch dann verschlug es Peter, der, wie wir feststellen konnten, als Zar zwei Gesichter haben kann, doch noch in den Wald. Sein Begleiter war Towarisch Flachmanninow, was dem Jagdergebnis wenig zuträglich war. Hatte der Jagdpage „nur“ einen Meister Reinicke vor die Flinte bekommen, war der Zar noch weniger erfolgreich. So es sein Rausch noch zuließ, hörte er den Hirsch in der Ferne dankbar lachend röhren: „Halali- weg bin ih“. So lag der Zar dann im Schloss in seinem hochprozentigen blauen Blute und vollgekrümmelt… war seine Bude! Doch da tauchte eine hochgeborene adelige Putzfrau Namens Reichsgräfin von Flemming (Jeannett HOFMANN) auf, die hier hätte Abhilfe schaffen können, aber die edle Dame putzte lieber den Himmel und polierte die Sterne und statt Peter wusch sie lieber den Regen… Oh ja, der Graf von Schwabe zu Nau war bei der Jagdgesellschaft dabei und neben kräftigem Biss in den saftigen Saubraten, nahm er auch dergleichen Schlucke Hochprozentiges zu sich, so er hieren nicht glaubhaft versichern kann, alle Abläufe von Jagd und Fest richtig mitbekommen zu haben.

Doch wurde er hochgePUCKt, als die Mädchen (und zwei Jungen) der Kindertanzklasse der Palucca- Schule ihre Tänze zeigten. Da waren wieder viele stolze Eltern und Großeltern unter den Zuschauern, so dass man kaum zum Luftschnappen ins Freie kam. 14:30 Uhr gab es im Saal den nächsten Programmhöhepunkt. Das Kurfürstlich-Sächsische Barockensemble bat zu barocker Musik und Gesang. Der Kämmerer führte durch ein vielseitiges Programm mit Vokalmusik von Bach über Haydn bis Händel (usw.) und Liedern aus dem „Anna- Magdalena- Bach- Büchlein“, sowie gern gehörten Volksliedern (bis in das 19. Jh.) Hier brillierte unsere vielseitige Vereinsvorsitzende Silvia WEISE auf der Querflöte, am Klavier Manfred KUGLER und am Kontrabass Thomas REUTER), sowie mit ihrer viel gelobten Stimme, die ehrenwerte Hofsängerin Regina Baronessa de Moretti (Regina SCHWABE), die Sächsische Nachtigall,- wie Majestät seine Hofsängerin anzukündigen beliebt. Dann hatten einige unserer TDB- Mitglieder auch noch ihren großen Auftritt. Erstmals tanzten wir,- Renate AL ATRASH, Regina SCHWABE, Siegfried SCHURA und Bernd SCHWABE, zu Life- Musik unsere ersten einstudierten beiden Tänze. Herzklopfen inklusive – durch die Begleitung der Vollblutmusiker übertönt (Gottseidank). Das Publikum sah uns wohl unser Lampenfieber an und sein Beifall war wohlmeinend und lautstark. Der im Publikum weilende Oberst Graf von Bose (Wolfgang PETZOLDT) hatte Lob für uns übrig. „Es sah doch gut aus. Es entsprach dem, was ihr jetzt zu bieten habt und das ist allerhand“.

Das Publikum hat unsere drei Auftritte an diesen zwei Tagen sehr gut aufgenommen und anerkennende Worte bekamen wir zuhauf zu hören. Zwischen den Auftritten der Barockbühne und des Barockensembles gab es im Rittersaal eine „Vorstellung der Kurfürstlichen Jagd“ durch den Ober- Lohnjäger Dieter HEINRICH und es gab weitere Militärhistorische Vorführungen mit Büchsenknall und Kanonendonner. Im Gelände verteilt waren Stände von Handwerkern (z.B. unsere LEDERGOLDY) und solche zur leiblichen Stärkung oder zur Leckerei (EIS- HASE). Mit Glock 18:00 Uhr waren wir als Darsteller befreit. Der öffentliche Tanz musste entfallen, aber wir machten unser „Tänzchen“ in unserem kleinen Biwak. Regina meinte, dass wir uns doch alle vor unseren Zelten zusammensetzen sollten, um uns besser kennenzulernen. Zunächst recht zögerlich, waren wir dann bis spät in der Nacht versammelt und hatten unseren Spaß. Noch,- denn erst später fielen die Temperaturen bis auf 2°C und da war es in unseren Leinwandbehausungen alles andere als mollig.

Am Sonntag setzten wir unsere Programme fort,- so in der Art, wie am Vortage. Dazu gab uns auch die Reichsfürstin Anna Katharina von Teschen (Renata LINNÉ) die Ehre. Auch unsere Tanzquirle der PUCK- Kindertanzklasse der Hochschule für Tanz „Gret Palucca“ hatten sich mit ihren Eltern erneut nach Hermsdorf bemüht und begeisterten das Publikum. Die Mitwirkenden der Barockbühne gaben wieder ihr Bestes und auch das Barockensemble musizierte vor begeistertem Publikum. Alle Mitwirkenden haben an beiden Tagen vollen Einsatz gezeigt, ohne nach großen „Gagen“ zu fragen. Wenn man bedenkt, wie weit z.B. die Anreise der Bürgerwehr (Region Wolfenbüttel) war, nötigt das Anerkennung ab. Man will hoffen, dass der Veranstalter das auch so sieht. Bis Sonntag 18:00 Uhr wurde ausgeharrt, dann der Abbau und die Heimreise. Der harte Kern von TDB/AKB (Fam. WEISE, SCHWABE und Marlies FROHNHÖFER) blieb bis Montag und sorgte dafür, dass der Platz so übergeben werden konnte, wie wir ihn vorgefunden haben. Auch wenn es in den Zeitungsartikeln nicht zum Ausdruck kam, so war unser TDB der maßgeblich beteiligte und organisierende Verein, wo sich bei unserer Vorsitzenden alle Fäden zusammenfanden. Nur zum Verständnis sei gesagt, dass die „Barocklust auf Schloss Hermsdorf“ nicht als irgendein Ersatz für ein 2012er Lustlager gedacht war. Unseren Höhepunkt  im Vereinsleben werden wir, wie festgelegt, alle zwei Jahre haben und so sehen wir uns hoffentlich alle recht zahlreich im II. Quartal 2013 in Moritzburg. Allen Mitwirkenden aus Nah und Fern, auch unseren treuen Freunden des TDB und allen teilnehmenden Vereinsmitgliedern, sowie unserem Freund Tilo MEIßNER, der uns trotz Krankheit unterstütze, möchte ich hier herzlich danken. Egal ob es hier wieder ein Barockfest gibt, einen Besuch im Schloss Hermsdorf und vor allem in diesem fantastischen Landschaftspark, kann man nur wärmstens empfehlen. Text: Bernd Schwabe, Fotos: Bernd Schwabe, Renata Linné , Birgit Hirche und Thomas Nitsche 

(eingestellt am 15.05.2012)  ***(*) 

 



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