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Tafeln wie die Fürsten auf Schloss Nöthnitz (13.04.08)

Tafeln wie die Fürsten
Wir waren am Sonntag, den 13. April Geburtstagsgäste auf Schloss Nöthnitz

 

Schloss Nöthnitz
Im, zu Bannewitz gehörenden, Ortsteil Nöthnitz, drei Kilometer südlich von Dresden, liegt das Renaissanceschloss (Baubeginn 1635), dessen ehrwürdiges Gemäuer Spuren bis in das 14. Jahrhundert aufweist und in der Zeit des Barock in diesem Stil ausgebaut wurde. Besonders der Festsaal im ersten Obergeschoss und der Schlosspark tragen das Gepräge der Barockzeit.
In dieser Zeit beherbergte das Schloss die größte private Bibliothek Sachsens. Unter dem Namen „Bunaviana" - dem lateinisierten Namen des Gründers und Schlossherren Graf Heinrich von BÜNAU (1697-1762), erlangte diese Bibliothek, mit ihren 42.000 Bänden Weltruhm. Der Gutherr von BÜNAU war ein kritischer Geist, der sich nicht scheute, offene Kritik am Loderleben seines Landesherrn Kurfürst August I. zu üben. Der fromme Geist BÜNAU sah im arbeitenden Volk diejenigen, die den Reichtum Sachsens schaffen und in den Fürsten, die, die diesen Reichtum für ihre Vergnügungen verprassen. BÜNAU selbst hat die Einkünfte aus seinem Gut und den Tantiemen schriftstellerischer Arbeit hauptsächlich in Bücher angelegt. Es blieb wenig Geld übrig, um in seiner Bibliothek befähigte Mitarbeiter einzustellen. Zwischen 1748 - 1754 arbeitete hier ein junger, aus Stendal stammender Bibliothekar, dessen Name, Johann Joachim WINCKELMANN, später in der Welt den Klang eines geachteten großen Wissenschaftlers und erstklassigen Kenners der antiken Kunst hatte.
WINCKELMANN war dem Grafen von BÜNAU Zeit seines Lebens in Dankbarkeit verbunden, auch wenn er mit seiner Arbeit auf Schloss Nöthnitz keine finanziellen Schätze heben konnte. Mit den Schätzen der „Bunaviana" aber war er in der Lage eine der Geistesgrößen seiner Zeit zu werden. Im Schloss wird neben BÜNAU auch des berühmten „Bewohners" Johann Joachim WINCKELMANN (1717-1768/ermordet) gedacht.
Der Schlossherr
Seit 1872 sind derer von FINCK die Herren auf Schloss Nöthnitz und unter ihrer Regie wurde das Bauwerk grundlegend nach historischer Vorlage renoviert, nicht ohne auch wieder eine umfassende Bibliothek aufzunehmen.(Nach dem Tode des Grafen BÜNAU wurde die "Bunaviana" 1766 an den Kurfürsten Friedrich August verkauft.)
Bis zu Enteignung 1945 war das Schloss im Besitz der Familie von FICK. In den 40 Jahren der real existierenden, auch so kunstsinnigen, DDR war das ehrwürdige Gemäuer von Verwahrlosung gezeichnet.
Seit 1991 wohnte der Freiherr Viktor von FINCK mit seiner Familie wieder im Schloss - als Mieter in seinem „Eigentum". 1997 kaufte von FINCK das Anwesen für 300.000 Euro vom Freistaat Sachsen zurück. Seither bemüht sich der Schlossherr um Renovierung und Erhalt der kulturhistorisch wertvollen Immobilie. Unterstützt wird der Baron darin vom Amt für Denkmalpflege und dem Förderverein >>Studienstätte Schloss Nöthnitz e. V."<<
Sehr schön konnte u. a. bereits der Festsaal wieder hergestellt werden. Ob als Saal für Konzerte und Theateraufführungen, oder als Ort festlicher Tafel, bietet sich dieser aufwändig restaurierte Prunksaal für vielfältigste Anlässe an. Gäste werden vom 87jährigen Schlossherren gern persönlich begrüßt.
Wir sind dieser Ehre am 13. April 2008 teilhaftig geworden und sahen uns mit ihm und seiner Gattin sehr aufgeschlossenen und netten Schlossherrschaften gegenüber.
Die Einladung
Bereits am Ostersonntag wurden wir im Schlosspalais Zabeltitz von unserem Freund und Vorsitzenden der Interessengemeinschaft „Augustus Rex" Uwe MÜLLER herzlich nach Nöthnitz, in das Schloss des Barons von FINCK, eingeladen.
Grund war der Geburtstag von Uwe MÜLLER, auf dem Tag genau an diesem 13. April und der schon etwas zurück liegende Ehrentag von Christine BARTEL und der (Fast-)Geburtstag des Herrn von SCHÖNFELD.
So wurden wir Mitglieder des Traditionsvereins Dresdner Barock, angeführt von skm August des Starken (Tilo MEIßNER) an diesem Sonntagvormittag gegen 11 Uhr vom Reichsgrafen Christop August von Wackerbarth (U.MÜLLER) und der hochedlen Gräfin Amalie von Bose (C.BARTEL) herzlich auf Nöthnitz willkommen geheißen.
Wieder belebte Festkultur
Neben Majestät war auch der Hofstaat (Kämmerer Graf von Schwabe zu Nau/Bernd SCHWABE und Hofsängerin Regina de Moretti/Regina SCHWABE) erfreut, dass es sich unser Freund Bernd ROSSMANN, trotz seiner schweren Erkrankung, hat nicht nehmen lassen, in die Rolle des Generalakzisedirektors Graf Adolf Magnus von Hoym zu schlüpfen und, an der Festivität teilzunehmen.
Begleitet von seinem Bruder Helmut ROSSMANN, der als Bischof von Raab (Herzog Christian August von Sachsen- Zeitz) erschien, war auch die katholische Geistlichkeit vertreten und traf später auf einen evangelischen Kollegen, den Magister Manfredus (Manfred KREMPE), was sich glücklicherweise nicht als Feuer und Wasser erwies.
Zunächst führte uns der Reichsgraf durch einige der restaurierten Schlossräume und in den sonnigen Barockgarten. Hier trafen wir auch auf die jetzigen Schlossherren Baronin und Baron von FINCK, sowie der Tochter des Hauses, die uns im Verlaufe unseres Festgelages eine gute und aufmerksame, stets um das Wohl der Gäste besorgte, Zofe war. An dieser Stelle möchten wir hierfür unseren Dank aussprechen, denn unser Wohlfühlen auf Schloss Nöthnitz war zum nicht geringen Teil auch ihr zu verdanken.
Mittlerweile trafen auch weitere Geburtstagsgratulanten aus den Familien und Freundeskreisen der Jubilare im Schloss ein und alsbald konnten wir uns zum festlichen Mahl in den Saal begeben. Zur Linken des Kurfürst- Königs nahmen der Reichsgraf von Wackerbarth, die Hofsängerin Baronessa de Moretti, der Kämmerer Graf von Schwabe zu Nau, der Finanzminister Graf von Hoym und Bischof von Raab ihren Platz ein. Zur Rechten Augustus Rex waren die Reichsfürstin Ursula Katharina von Teschen (Renata LINNÈ), der Stadt- und Platzmajor von Dresden Oberst Carl Alexander Graf von Bose (Wolfgang PETZHOLDT) und dessen Gemahlin Grafin Amalia von Bose platziert.
Zu deren „Füßen" hatte die vielzählige Schar weiterer Geburtstagsgäste ihren Platz gefunden. Alle zusammen langten kräftig zu und ließen sich die Köstlichkeiten aus Küche und Keller munden. Wie es ihre Art ist, sorgte die Reichsfürstin wahrend der Tafel für allerlei Kurzweil und sorgte dafür, dass den Geburtstagskindern wohllöbliche Trinksprüche gewidmet wurden. Nach dem die Hofsängerin ihre Geburtstagsständchen tiriliert hatte, verlas der Kämmerer noch eine Grußdepesche der im Auslande weilenden Gräfin von Königsmarck und des Barons von Ossig. Majestät brillierte zwischendurch mit allerlei Anekdoten und Richtigstellungen zum Leben am Dresdner Hof zu Zeiten August des Starken.
Nunmehr war es wieder an der Zeit im Schlosspark das schöne Wetter zu genießen und einem Fototermin der Robenträger beizuwohnen.
Inzwischen dampfte der Coffè in den Kannen und leckerer Kuchen lockte...
Wieder im Saal vereint, konnten wir als Zaungäste noch unsere Vereinsfreundinnen Christine und Annett JAHN begrüßen - im seltenen Anblick neumodischer Verkleidung. Und aus dem Manöver enteilet, wollte auch noch die Gräfin Henriette Charlotte von Rogucka (Jutta NESTLER) und ihr getreuer Begleiter der Feldprediger Magister Manfredus , den Jubilaren Referenz erweisen.
Alle Anwesenden begeisterten sich nach der Kaffeetafel in den Gewölben der unteren Schlossebene an den dargebotenen barocken Tanzeinlagen der Reichsfürstin von Teschen mit ihrem Gegenüber Reichsgraf von Wackerbarth und dem Tanzpaar Gräfin und Graf von Bose.
Mit viel Fleiß sind die Freunde der IG dabei, historische Tänze zu erlernen. Die uns gebotene Kostprobe hat uns (noch) Zuschauer begeistert.
Alle, die wir auf Schloss Nöthnitz vereint waren, egal ob Robenträger oder ziviler Geburtstagsgast, sind uns einig, dass wir dort einen wunderschönen Tag verleben durften. Herzlichen Dank den Gastgebern. Ganz unziemlich salopp sei gefragt: "Wann gibt es die nächste Fete dort, in geschichtsträchtigem Gemäuer?" B.Schwabe

 




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