Print This Page

Ostern in Marienberg am 7.04.2012

Osterfahrt ins winterliche Erzgebirge nach Marienberg am 7. April 2012

                                 Barocke Osterunterhaltung in der  >>Baldauf- Villa<<

Gemeinsam mit weiteren Freunden des AKB wurden wir gebeten, wie Ostern des vergangenen Jahres, im Kulturzentrum >>Baldauf- Villa<< in Marienberg einen Einblick in das Wirken der Mitstreiter (unserer) Barockszene zu geben. Dazu reisten am Ostersonnabend die Mitglieder des >>Kurfürstlich- Sächsischen Barockensembles, die Darsteller der Barockbühne Dresden, die Mitwirkenden des Barock- und Tanztheaters gemeinsam mit der Gruppe >>Programme zur Feier<<, Tänzer der Renaissancetanzgruppe Torgau und dem TDB an.

Lachte vergangenes Jahr die Ostersonne und schickte ihre wärmenden Strahlen, so dass sich die Barockgesellschaft und ihre Gäste im Park hinter der Villa verlustieren konnten, so mussten heuer die Gartenstühle hochgeklappt bleiben. Es war zunächst windig und kalt, mit gelegentlichen Graubelschauern, aber das am späteren Nachmittag mal hin und wieder hervorlugende Klärchen konnte kein wirkliches frühlingshaftes Osterwetter fabrizieren und wurde am Abend von Schneewolken verdrängt, die sich entleerten und (zumindest bis zum Vormittag des Ostersonntags) jeden österlichen Blütengruß weiß bedeckten. In der Villa knisterte aber der Kamin und mit der Zeit wurde es uns warm unter den Perücken. Warm ums  Herz war uns sofort, weil wir spürten, willkommen zu sein und weil das Publikum mit Ausdauer und Interesse, unserem umfangreichen Programm folgte und durch Handgeklapper Dankbarkeit ausgedrückte.

Bevor es hieß, in die Roben zu schlüpfen, wurde unserem Geburtstagskind Christine gratuliert und von Hofsängerin und Kämmerer ein kleines Blumengesteck überreicht.

Der erste Teil des Programms begann (fast) pünktlich 12:00 Uhr – die meisten Mitwirkenden hatten den Stau an Freibergs Konsumententempeln vom vergangenen Jahr noch in schlechtester Erinnerung und wählten eine Umgehung über OT Zug oder kamen über die BAB -  und der zweite Teil war auf 14:30 Uhr angesetzt. Angeführt vom Zarenherrscher der Moskowiter Peter dem Großen (Reinhard LAUTERBACH), der an seiner Seite die Kurfürstin Christiane Eberhardine (Martina HEGER)  führte, nahm der Dresdner Hofstaat seinen Einzug unter den Klängen des Musikstückes „Trampet Voluntery“, was dem ansagenden und „zwangsverpflichteten“ edelsächsischer Mundart verpflichteten Zeremonienmeister (Bernd SCHWABE) schon eine sprachliche Herausforderung war, die sich bei der Ankündigung weiterer hochkarätiger Programmpunkte fortsetzte, denn er hatte mit den Texten "seiner" Skripten arg zu kämpfen.

Alte Melodien der Barockzeit und spätere Volksweisen (19.Jh) brachten Manfred KUGLER (Tasteninstrument), Thomas REUTHER (Kontrabass), Silvia WEISE (Querflöte), die auch rezitierte und Regina Schwabe (Gesang/Mezzosopran) zu Gehör.

Das Barocktheater Dresden ließ die Kurfürstin (Martina HEGER) über die Untreue ihres kurfürstlichen Gatten und dessen Mätressen- Unwesen klagen, zeigte aber auch, dass sich die, als brandenburgisch-bayreuthische Prinzessin geborene, sächsische Landesherrin nicht brechen ließ und stets ihren Stolz bewahrte, so wie sie dem lutherisch- reformierten Glauben ihrer Väter und Vorväter immer treu geblieben ist. Dafür liebte und liebt das sächsische Volk seine Kurfürstin Eberhardine. Vom untadeligen Charakter der ersten Mätresse des Starken August, der Gräfin Aurora von Königsmarck, (hier dargestellt von Ines LAUTERBACH) zeugt es, dass diese von der Kurfürstin als Vertraute und Freundin betrachtet wurde, was auch die Kurfürstenmutter so hielt. Als ranghöchste, als kaiserliche Majestät, konnte es sich der Zar aller Reußen Peter I. leisten, in vergnüglicher Form über eine seiner Hirschhatzen in den Weiten der sibirischen Wälder zu berichten. Hier hatte er als Jagdgenossen nur seinen Jagdstutzen und seinen treuen Begleiter WOloDKA FLACHMANNINOW dabei…(!) Der Hirsch wusste, was er seinem kaiserlichen Jagdherren schuldig war und transportierte den inzwischen recht gehunsicheren Zaren auf seinem Rücken zum Lager… Präsident Jelzin hatte halt damals schon recht trinkfeste Vorgänger.

Barocktanz legten Adelsleute aufs Parkett, die sich aus Christine BARTEL, Ina HIRCHE, Wolfgang PETZOLDT und Günter THOMAS rekrutierte. Johanna und Frank ROLLE, die vom Renaissancetanz zum TDB kamen und diese Kunst in einer entsprechenden Gruppe in Torgau ausüben, zeigten Kostproben ihres Könnens und animierten das Publikum und manche schon etwas müde Adelsperson zum Mitmachen. Graf von Wackerbarth (Günter THOMAS) hatte noch ein Schmankerl der besonderen (modernen) Art als Gastgeschenk mit nach Marienberg gebracht und ließ die Puppe tanzen, - oder besser gesagt, wie einen Wirbelwind über das Parkett fegen… Das war ein Augenschmaus, der die etwas zu laute hypermoderne Musik vergessen ließ. Alle Darbietungen forderten zu lautstarkem Beifall heraus. In der anschließenden Pause gab es Gespräche mit interessierten Besuchern, man stellte sich in Fotopositur,- auch unser Darsteller des Freiherren von Spröcken mit Gattin (Gerd und Veronika JACOB), die den ollen Kämmerer sehr inständig um einige Ablichtungen baten. Bei einem nachösterlichen Blick in den neuesten Vorstellungs- Flyer der KULTOUR- Einrichtung >>Baldauf Villa<< wurde mir dieser Wunsch verständlich. Ist doch dort darinnen tatsächlich der Alte Fritz (Gerd JACOB) abgebildet – Oh, Leute, wo bleibt Euer sächsisches Fühlen? Nun gut, Fotos wurden zahlreiche geschossen, im nächsten Flyer kann ein sächsisches Adelspaar für diese sächsische Kulturstätte im sächsischen Erzgebirge werben!!! Ob der Kartoffelsalat und die Wienerchen, die den Darstellern vom Veranstalter spendiert wurden, aus sächsischer Produktion stammten war nicht auszumachen (raus zu schmecken), aber gemundet haben sie uns.

So gestärkt nahmen wir erneut unseren Einzug in den Veranstaltungssaal, wo auf der Bühne wieder das Barockensemble musizierte und dazwischen das Stück aus der Feder von Wolfgang PETZOLDT >>Der Mistkrieg zu Schleinitz<< zur Aufführung kam. Da ordnete doch der berühmt- berüchtigte Premierminister Graf von Brühl an, dass der Schlossherr von Schleinitz, der Graf von Bose, eine hochherrschaftliche Jagd auszurichten hätte. Die Zeiten waren nach den Siebenjährigen Krieg nicht sonderlich fett und so eine Jagd kostete viel Geld – nicht dem Kurfürsten, sondern dem armen Besitzer der Jagd, in unserem Falle dem Grafen von Bose, der darüber recht ins Jammern kam. Da taucht doch auch noch dieser junge Schnösel von Riedesel (Ina HIRCHE) auf, der als Erfüllungsgehilfe Brühls eine schier unerhörte Rechnung aufmachte. Groß war die Jagdgesellschaft, viele Pferde waren zu tränken und zu füttern und ebenso viele äpfelten die Gemarkung Schleinitz fast zu, so dass des Gecken Riedesel hochwohlgeborene Näse sehr beleidigt ward, als er den Pferdemist,- von den Gäulen der Jagdgesellschaft reichlich produziert, als wertvollen Dünger deklarierte und, man wollte es kaum glauben, dem armen Bose in Rechnung stellte. Der Landjunker war ganz außer sich, aber sein guter Geist und Diener (Günter THOMAS), ein rechtes Schlitzohr mit dem Herz auf dem rechten Fleck, hatte da so eine Idee. Pfarrers Esel, der wohl etwas zu weit vom Pfarrhof entfernt geweidet hatte, war dem Sonntagsjäger Riedesel vor die Flinte gekommen und der streckte den falschen Hirschen nieder. IA, IA war das letzte, was das arme Grautier von sich gab. Der Kuckuck, der sich mit ihm dem Sängerwettstreit hingeben wollte, flog enttäuscht davon und überließ der Hofsängerin die Melodie von „Kuckuck ...“. Der dienstbare Geist des Schlosses aber präparierte des Grautieres Löffel, so wie der Hirsch sein Geweih und der Rehbock seine Spießer zur Trophäe geben muss… Wie hätte die Jagdgesellschaft gelacht,- sicher so sehr, wie es dem armen Eselsschützen Riedesel sauer aufgestoßen ist… Nun, es ging für Bosen und Riedeseln noch mal gut aus. Rechnung und Eselsohren speisten den Schlosskamin und wir den Kuchen mit dem obligaten Schälchen Heeßen, zu denen wir, nach Abschluss unseres vielbeklatschten Programms, von der Hausleitung eingeladen wurden. Leider hatten es einige Teilnehmer wieder sehr eilig, so dass die Gruppenfotos wieder einmal nicht alle Darsteller abbilden.

Sicher hätte der Berichterstatter noch über das Eine oder Andere berichten können, - es gab viele nette Momente, die wir Barockleute in der Jugendstilvilla des einstigen Knopfproduzenten Theobald Baldauf erleben konnten,- aber irgendwann heißt es immer Abschied nehmen. Während es das Gros gen Heimat, in das kalte, aber grünende Elbtal zurückzog, waren der Rezensent (bis kurz vorher noch Kämmerer) und die vormalige Hofsängerin noch bis Ostersonntagnachmittag in den rauen Gefilden des mittleren Erzgebirges, wo sie zum Verwandtenbesuch weilten. Wir wissen nun genau, dass der Osterhase im Erzgebirge gebürtig ist und ein ausgesprochen guter Skiläufer ist.  Text Bernd Schwabe Foto: M. Hilbert, A. Schuffenhauer und Bernd Schwabe (eingestellt am 10.04.2012)



Zurück