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Anflanieren und AKB- Stammtisch am 25.02.2012

Der Auftakt – Winterliches, vorfrühlingshaftes Anflanieren und 1. Stammtisch 2012 am Sonnabend, den 25. Februar

Für den >Arbeitskreis Barock in Sachsen< war das Stammtischtreffen und anschließende Flanieren  (Samstag, den 25.02.2012) der Auftakt für das noch junge Veranstaltungsjahr 2012, - für uns im TDB war es immerhin schon die sechste Unternehmung. Bei zweien (Zitterpartie und Glühweinfest) ging es da schon nach Draußen und trotzdem hatten wir, in punkto Flanieren, schon gehörige Hummeln unter Reifrock und Kniebunthose… Die Wetterprognosen waren dem nicht günstig, aber zumeist kommt das Wetter der TV- Wetterfrösche einen Tag später zu uns. Haute 100%ig hin, denn am Sonntag hatten wir den für Samstag angesagten Regen, der sich aber am Vormittag auströpfelte. Bevor wir uns aber am Samstag auf Tour begaben, hieß es erst einmal zu beraten, wie und was der AKB im Laufe des Jahres zu unternehmen gedenkt. Die Versammlungsleitung lag diesmal in den Händen des AKB- Koordinators Siegfried SCHURA, da unser Präsident Wolfgang PETZOLDT einen Dentalschaden zu verzeichnen hatte. Wir nehmen an, dass er sich nicht am AKB die Zähne ausgebissen hat, sondern dies eher an der altbackenen Frühstückssemmel gelegen haben muss. Siggi hat organisatorische Dinge nur gestreift, - dazu wird El Presidente beim nächsten Stammtisch etwas zu sagen haben. Sein Thema war das Auftreten der Barockdarsteller in der Öffentlichkeit, wenn sie in ihre Roben geschlüpft sind. Hier ging es um die Rangfolge, das höfische Benehmen, barocke Sprachkultur u. ä. Punkte, die (fast) alle ungeteilte Zustimmung fanden und zu einer regen und anregenden Diskussion führten. Dass es dann in der Praxis des späteren Anflanierens noch nicht so perfekt klappte, wie wir es besprochen hatten, zeigt uns, dass wir noch immer Suchende sind und uns nur verbessern können. Das Bemühen ist da, vor allem werden wir AKB- Mitstreiter (was uns TDBer unbedingt einschließt) bei Begegnungen mit anderen Barockdarstellern (so sie in Robe sind) die gebotene Contenance wahren und entsprechend der Rangordnung unsere Referenz entrichten. Vielleicht werden diese Zeilen, von den vielen Barockdarstellern und „Barockdarstellern“, die in Dresden unterwegs sind,  gelesen und es kommt von allen Seiten zu mehr Normalität in unseren Begegnungen (und Beziehungen). Wir anwesenden 22 AKB- Mitstreiter jedenfalls, haben uns bei unserem ersten Stammtischtreffen des Jahres 2012 so besprochen und waren uns einig. Einig waren wir uns auch darin, dass die Küche unserer Stammkneipe „Schießhaus“  deftig- schmackhaft ist und so schlug sich der Hofstaat die Wamse voll, ehe es dann gen Zeugen des Dresdner Barock ging.

Dreizehn Barockenthusiasten hatten ihren Winterschlaf für beendet erklärt und begaben sich gegen 13:00 Uhr auf Tour. Zugegeben, wir hatten schon angenehmeres Flanierwetter, aber immerhin hatten wir zu bedenken, dass wir noch den Wintermonat Februar haben und ohne weiße Pracht von oben blieben. Zunächst führten uns unsere Schritte zum Zwinger, der noch immer und noch eine ganze Weile länger, eine große Baustelle ist. Trotzdem waren nicht wenige Touristen im Zwingerhof unterwegs und nahmen zum Grau der Bauplanen- und Zäune die Farbtupfer unserer Roben dankbar auf und wieder klickten die Auslöser der Kameras und wir wurden, wie so oft, wieder zu gefragten Fotomodellen. Dabei still zu verharren, um die Bildschärfe zu garantieren, war diesmal oft recht schwierig, den der Wind blies stellenweise doch recht heftig. Unsere ehrenwerte Hofdame Henriette Baronin von Gönselwitz (Renate AL ATRASH) wollte z. B. diesen Aufwind mehrmals dazu benutzen, um als Paragleiterin über unser barockes Kleinod, den Zwinger, zu fliegen… Aber letztendlich haben wir alle Bodenhaftung behalten, nur über die Brühlsche Terrasse hat uns diesmal unser Weg nicht geführt. Niemand von uns hatte große Lust, seinem Dreispitz oder der Perücke in der Elbe hinterher zu schwimmen. So ging es am Fürstenzug vorbei und zum Neumarkt. Ehe wir uns „een Tässchen Heeßen“ gönnten, hatten wir noch nette Begegnungen mit Turniertänzern aus dem Holsteinischen, die von unseren Gewandungen genau so angetan waren wie wir von den gelackten, panzerfesten Frisurkreationen  der Tänzerinnen.

Im „Augustiner“ machten wir dann Rast, bei der das äußerliche und innerliche Aufwärmen sehr wichtig waren. Der Rezensent war beim blättern  in der Augustiner- Zeitung „Dresdner Stadtgespräch“ u. a. davon angenehm überrascht, dort einen Bericht über den ersten Deutschen, der die Erde vom All aus gesehen hat, den sächsischen Kosmonauten Dr. Siegmund JÄHN, lesen zu können. Sehr bemerkenswert, da der Herausgeber dieser illustrierten und als Zeitung  aufgemachten Speisekarte, aus Bayern stammt… An Leib und Geist gestärkt, ging es dann, unsere Steinernen Glocke links liegen lassend, zum Neumarkt, wo wir auch hier wiederholt Rede und Antwort stehen mussten. Und weiter auf dem Rückweg, ging es noch mal am Fürstenzug und Ständehaus vorbei, bis ein Menschenauflauf auch unsere Schritte zum stocken brachte. Barfüßig und im leichten Sommerkleidchen, mit Ohrstöpseln für die (offensichtlich wohltemperierte) Musik, lag dort, wie vom Frost erstarrt, eine junge Frau auf kaltem Kopfsteinpflaster und diente in dieser „Zähneklapper- Pose“ nicht nur „ihrem“ Fotografen, sondern halb Japan als Fotomotiv. Nee, liebe Leute, es gibt doch recht merkwürdige Begegnungen bei unseren Flanierspaziergängen zu erleben.

Da gefiel mir doch die Begegnung mit der Greyhounddame Sybille, einer edlen Windhundschönheit, besser, - zumal die Sympathie gegenseitig war und sich das Tier vom Kämmerer anstandslos führen ließ. Den Großteil unserer Flanierstrecke wurde ich allerdings von der ehrenwerten Hofsängerin geführt und auch gut wieder zum „Schießhaus“, dem Ausgangspunkt unseres Flanierens, gebracht. Dadurch ging der Kämmerer nicht verloren, so wie einige Edelherren, die sich vorher grußlos aus dem Staube gemacht hatten. Auch wenn wir die heutige Strecke schon des Öfteren genommen haben, macht es immer wieder Spaß, vor allem dann, wenn wir bemerken, wie viel Freude unser Auftreten auch den Dresdnern und ihren Gästen macht.

Daher freuen wir uns jetzt schon auf die AKB- Flaniertermine, die wir 2012 noch am 05. Mai, 11. August und am 10. November  in Angriff nehmen werden. Auch mit dem TDB werden wir uns im Laufe des Jahres in Dresden und an anderen schönen barocken Stellen auf Flaniertour begeben.  Text und Fotos: Bernd Schwabe   (eingestellt am 27.02.2012) 

 



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