Print This Page

Glühweinfest auf Schloss Leuben am 29.01.2012

Glühweinfest und Enthusiasmus  auf Schloss Leuben

Schon längere Zeit hat sich unser lieber Vereinsfreund Rudolf FRITZSCHE / Leipzig darum bemüht, dass wir das Schloss Leuben und seinen Schlossverein kennen lernen sollten. Ausschlaggebend war unserem Rudi hierbei eine persönliche Begegnung mit dem überaus rührigen und sympathischen Vereinsvorsitzenden Marek SCHURIG, der Interesse am Kintakt mit unserem Verein bekundet hatte. Leider klappte es in 2011 nicht mit der Teilnahme der Leubener am Flanieren im historischen Dresdner Stadtkern und auch wir haben, ob der vielen Eventtermine übers Jahr, nicht den Weg nach Leuben gefunden. Schleunigst sollte das nachgeholt werden und da wir tags zuvor bei der Moritzburger Zitterpartie schon Erfahrung, mit frieren unter der Robe, gesammelt hatten, wollten wir den Leubener Glühwein als Gegenmittel zum frösteln erproben. So kamen wir, Elke METZNER, Siegfried SCHURA, Bernd SCHWABE und als Lenkerin Regina SCHWABE mit unserer Chaise gegen 13:00 Uhr am Landschloss an. Wenig später war auch Rudolf FRITZSCHE vor Ort, der als Philipp Herzog von Orleans, auf seiner Fahrt als Botschafter des Französischen Hofes nach Dresden, eine Verschnaufpause in Leuben eingelegt hatte. Sicher war er, der er den Glanz von Versailles kennt, zunächst genau so vom desolaten Zustand der Schlossfassade erschrocken, wie wir, die von der glänzenden Pracht des Dresdner Zwingers geblendet sind.

Aber dann haben wir dem herrlichen Vortrag von Freund SCHURIG gefolgt, den er bei seiner Führung hielt und wir empfanden danach große Freude. Wer mit so viel Begeisterung und Herzblut von diesem ihrem Schloss und dem Wirken seines Schlossvereins zur Erhaltung dieses barocken Baudenkmals berichtet, der bestärkte uns in der Meinung, dass dieses Schlösschen eines Tages als Schmuckkästchen wieder entstehen wird. Ein Blick zu den Dachgauben bestärkt diese Zuversicht. Mit Hilfe von Sponsoren und viel eigenem Engagement der Vereinsfreunde, ist das Dach voll saniert wurden und verhindert weitere Wasserschäden, die seit Mitte der 1970er Jahre den Verfall des Schlosses beschleunigt hatten. Bereits im Mittelalter (1312 urkundlich) als Wasserschloss erwähnt, war es unter wechselnden Besitzern als Rittergut bewohnt und kam 1668 in den Besitz derer von Thielau, die es um das Jahr 1770 im Stile des Spätbarock umbauen ließen. Nachkommen bzw. Nebenlinien des Hauses Thielau besaßen den Landsitz bis zur Enteignung 1945. Zunächst Umsiedlerunterkunft und Sitz einer sowjetischen Kommandantur, wurde nach 1952 im Schloss, nach Übernahme der Landwirtschaftsflächen, von der L PG  ein Büro eingerichtet. Später wurden Wohnungen, ein Kindergarten und eine Einklassenschule sowie eine Verkaufsstelle des Landkonsums im Schloss angesiedelt. Sicher waren diese Nutzungsformen dem denkmalpflegerischen Erhalt wenig dienlich, aber sicher besser als die 1974 erfolgte baupolizeiliche Sperrung, denn nun war dem Verfall durch Wetterbilden, Vandalismus und natürlicher Alterung nichts mehr entgegengestellt. Auch als die Treuhand 1990 das Schloss übernahm und für „einen Apfel und ein Ei“ verkaufte (in welche Himmelsrichtung wohl?), wurde das Dahingehen des Barockschlosses nicht gestoppt, - im Gegenteil.

Die neuen Schlossherren haben alle Sanierungsmaßnahmen und Bausicherung unterlassen, so dass der desolate Zustand des Bauwerks noch verschlimmert wurde. Als wir einige dieser Fakten aus dem Munde Marek SCHURIGS erfuhren, konnte es uns nur  bitterer aufstoßen. Gottlob verging dieses Grummeln in Magen und Speiseröhre schnell, als wir erfuhren, dass der Leubener Schlossverein 2005 sein Schloss zurückkaufen konnte und sofort mit der Dachsanierung begonnen wurde. Veranstaltungen, wie dieses Glühweinfest und die Schlossführungen dienen der Gewinnung von Sponsoren, Spenden und Aufmerksamkeit für die Rettung dieses Landschlosses. Als wir all diese Dinge erfuhren, waren wir noch froher hier dabei zu sein und wir kommen wieder, wenn die Schlossleute uns haben wollen. Wir flanierten etwas durch den Staub des Hauses und den noch total verwilderten Park, aber wir sind sicher, dass wir eines Tages unsere hochedlen Schnallenschuhe über blitzblankes Parkett und gepflegte Gartenwege setzen werden. Wenn es dazu auch noch immer, so wie heuer, den leckeren, von den Damen des Vereins selbst gezauberten, Kuchen gibt, wer sollte dann den Dresdner Hofstaat noch zurückhalten können?

Da der „Wilde Robert“, - die schmalspurige Döllnitzbahn und der Pferde- Kremser so viele Leute, trotz des frostigen Wetters, zum Schloss gebracht haben, hatten wir viele interessierte Gesprächspartner und Zuhörer, als unsere wohllöbliche Hofsängerin  Regina de Moretti (Regina SCHWABE) Kostproben ihrer Sangeskunst hören ließ. Uns hat die freundliche Aufnahme der Besucher und der Schlossherren sehr gefallen und so verging die Zeit wie im Fluge. Nach dem wir uns vom edel bepelzten Herzog von Orleans verabschiedet hatten und auch den Schlossleuten Adieu gesagt haben, sowie der Presse für ein Foto posiert haben, gab die Baronessa den Rossen die Peitsche und in raschem Galopp ging es wieder Richtung der wärmenden Kamine in der Residenz. 

Zitterpartie und Glühweinfest – zwei schöne Wintervergnügungen mit barockem Einschlag haben uns dieses letzte Januarwochenende verschönt. DANKE den Organisatoren in Moritzburg und Oschatz/Leuben. Begeisterter Text und Fotos: Bernd Schwabe  



Zurück