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Schlossfest in Königs Wusterhausen am 24.09.2011

                      *****  Fünf Sterne leuchten über Königs Wusterhausen  *****

                        >>Königlich zu Gast<< – Schlossfest am 24. September 2011

 Wir hatten es kaum noch geglaubt, aber das Event in der brandenburgischen Provinzstadt mit dem Kürzel KW, sorgte dafür, dass wir in 2011 doch noch fünf Sterne vergeben konnten. Eine nahezu perfekte Organisation, eine breite Vielfältigkeit der Darbietungen, ein Rahmenprogramm mit viel Kunst, Kultur, Handwerk und Handel, ein Festumzug mit mehr als 400 Mitwirkenden und nicht zuletzt genannt, das Publikum, die Wusterhausener, die ihr Fest so gut angenommen haben und in selten gesehener Zahl dem Schlossfest die Ehre gaben, gaben dafür den Ausschlag. Wir vom TDB fühlten uns ausgesprochen wohl und haben uns gern in die Veranstaltung eingebracht. Unser Dank gilt Frau Gabriela JUX, die u. a. den Festumzug koordinierte und für sich und das Event verbuchen kann, dass das Schlossfest nicht billiger „Jux und Dallerei“, sondern ein ganz rundes Ding war. Auch das emsige Wirken der Organisationschefin der Stadtverwaltung Frau Claudia BARONICK verdient Dank und Anerkennung, worin selbstverständlich alle Beteiligten eingeschlossen sind, - nicht zuletzt auch unser werter Freund Mike SPRENGER. Er gab, oder besser, musste geben, manchen fachlichen Rat, um alle Nuancen des Festes, das die Zeit des „Soldatenkönigs“ innehatte, so authentisch wie möglich erscheinen zu lassen. Den Schlossfest- Verantwortlichen danken wir für die Einladung nach KW, die auch unser Churfürst von Sachsen und König in Polen August der Starke mit mehr als 300jähriger Verspätung gern angenommen hat.

Doch bevor das Fest für uns beginnen konnte, gab es noch eine Ouvertüre am Mittwoch, den 21.09.2011, als wir, Silvia WEISE als TDB- Vorsitzende und ich Bernd SCHWABE, an der Generalprobe im und am Schlossareal teilgenommen haben. Die Organisationsverantwortlichen wollten gar nicht glauben, dass wir hierzu extra aus Dresden angereist waren. Wie erklärte das Mike SPRENGER „Meine Dräsdner sind halt so!“ Da wollen wir doch aber auch gut und gerne zustimmen. Bei der Gelegenheit machten wir mit dem größten Teil der Hauptdarsteller Bekanntschaft und, ich will es nicht verhehlen, wir hatten teilweise so unsere Bedenken, die sich aber, wie der Auftritt beim Schlossfest am Samstag bestätigte, als mehr oder weniger unbegründet erwiesen. Der nunmehrige Soldatenkönig hatte sich von seiner „Rotzbremse“ getrennt und der Zar in spe hatte sich eine solche angeklebt, so wie es die beiden Monarchen damals hatten. Eine frohe, aber nichtsdestotrotz recht disziplinierte, Kindergruppe  lies erahnen, dass sie sich in drei Tagen in Friedrich Wilhelm I. zehnköpfige Kinderschar verwandeln würde. Dann in edelsten Roben gewandet, was wir mit Anerkennung für die Arbeit der Kostümbildnerin Frau Antje SCHRADER feststellen konnten. Nach dem wir einen Teil der künftigen Veranstaltungspunkte abgegangen waren und dabei manche Ergänzung oder Abwandlung zwecks Änderung ins Protokoll aufgenommen war, konnten wir mit der Gewissheit wieder Richtung Heimat starten, dass uns am Samstag ein schönes Fest, ein festliches Fürstenfest erwarten würde, wo allen,-Darsteller wie Publikum, königliche Gastlichkeit erwiesen werden wird.

Samstagmorgen 7:00 Uhr, der olle Kämmerer (B.S.) und 10 Minuten später der Graf von Bünau (Siegfried SCHURA) steigen in die Kalesche des Grafen Hoym (Olaf HORN) und mit straffen Zügeln >>Tempo 190<< ging es Richtung Preußen. Das gastliche Hotel >>Sophienhof<<, sehr günstig in Schlossnähe gelegen, nahm uns auf und bald konnten wir unserem Kurfürsten (Tilo MEIßNER) und seiner Begleitung, dem französischen Prinzregenten Philipp Herzog von Orleans und Anjou (Rudolf FRITZSCHE), Augusts Mätresse Aurora Gräfin von Königsmarck (Silvia WEISE) und deren Gesellschafter Wilhelm Chrisoph Graf von Weißenberg (Frank WEISE) aus der Benzinkutsche helfen…  Nun galt es, schnellstens die Umwandlungen von Jetztzeitmenschen in solche des 18. Jh. vorzunehmen, denn gegen 10:45 Uhr hieß es, sich gemeinsam mit der Königsfamilie und deren hochrangigen Gästen, dem Klicken der Fotoapparate der Presseleute und Privatpaparazzos zu stellen. Wir gruppierten uns dazu um königliche Familie, dargestellt durch Anke und Karsten KALZ als Königspaar und besagten Wusterhausener Schulkindern und die Ehrengäste, unseren sächsischen Kurfürsten Friedrich August I., als König in Polen August II.(Tilo MEIßNER) und dem Zar aller Reußen dargestellt durch Arkadiy SCHWARZ, der aus der Ukraine kommend, gastliche Aufnahme und Heimat in KW gefunden hat, so wie einst der Soldatenkönig die in Frankreich verfolgten Hugenotten und die wegen ihres reformierten Glaubens ausgewiesenen Böhmen in seinem Königreich aufgenommen hat. Zar Peter I. führte eine wohllöbliche Landsmännin an seiner Seite, Tatjana DEWUSCHKA, die aus dem fernen Nowosibirsk stammt und sich im Verlaufe des Festes als eine exzellente Violinistin entpuppte, der man im Rahmen des Programms mehr Beachtung gewünscht hätte, auch vom Väterchen Zar, dass sich in ganz uncharmanter Weise (auch gegen das Publikum) schon am frühen Nachmittag aus dem Staube gemacht hat.(Lieber Arkadiy Schwarz, das Schlossfest ging bis nach 21:00 Uhr!!) Der Dresdner Hofstaat war jedenfalls von der russischen Geigensolistin begeistert. Eine solche Begeisterung ergriff uns auch, als wir mit Theo THEODOR, dem Darsteller des Freiherrn Jacob Paul von Gundling, einen guten Bekannten trafen, der uns nicht einerlei war, denn wir hatten ihn bei anderen Events schon als >>Dreierley<< an unserer Seite. Freudig war auch die Begrüßung mit Matthes, Mike und den anderen Mitwirkenden von >>Les danseurs de Sans, Souci<<, Elke und Klaus BRUCKER (Fürstenpaar von Anhalt Dessau), Sylke HARP (der Vorgenannten Hofdame Freifrau von Harpstedt), Steffen LEU als Kronprinz und weiteren. Während sich der eben erst zum Katholizismus übergetretenen Starke August mit seiner Dame zur Linken in die evangelische Kreuzkirche zum Gottesdienst begeben musste, durften wir uns, die halbe Stadt querend, zum Ausgangspunkt des Festumzuges begeben. Begleitet vom Sprüche klopfenden Gundling, der einst das Pedant zum sächsischen Hofnarren Joseph Frölich war (ohne von seinem Landesherrn je die Achtung zu erfahren, wie sie Frölich durch August erfuhr) wurde uns der lange Weg zum vergnüglichen Spaziergang. Am Treff angekommen, konnten wir einiges an adligen Herrschaften begrüßen, - unser Graf von Bünau war in seinem Element bar der vielen ihm zum Kusse zugereichten Hände. Weitere Bekanntschaften konnten geschlossen werden. Blickpunkte bildeten die Damen des russischen Volkschores >>BIRUSA<< in ihren herrlichen bunt bestickten Trachten, in denen sie später mit ihren Volksweisen auf der Bühne im Kavaliershof brillierten. Schlichter gekleidet, aber nicht weniger sympathisch fanden wir die Herrschaften der Böhmischen vom Museum Böhmisches Dorf aus Böhmisch Rixdorf. Die, in der Tracht der Herrenhuter Gemeinde der Zinzendorfer gewandeten Damen und Herren, waren uns besonders nahe, hat ihnen doch einst Sachsen eine neue Heimstatt geboten, von der aus ihre Glaubensrichtung in alle Welt missionierte. Später, vor dem Schloss, ließ es sich unser Kurfürst/König nicht nehmen, sich vom Lichtmaler mit seinen neuen Landeskindern portraitieren zu lassen. Ja, und da waren noch die Abgesandten aus dem Spreewald, der Gesangsverein aus Socrow- Waldow, die uns auf der Bühne im Ehrenhof mit ihren Liedern und Tänzen viel Freude gemacht haben. Die Grafen von Weißenberg zu Ossig und Schwabe zu Nau haben sich diesen Augen- und Ohrenschmaus nicht nehmen lassen und in ihrer Begeisterung ist ihnen entgangen, dass sie von der Bühne aus schon längst ins Visier genommen waren. Programmabschluss- und Höhepunkt war die „Annemarie- Polka“, mit der die Socrower nur so über die Bühne wirbelten. Dort blieben sie nicht, - das Publikum wurde mit einbezogen und der olle Kämmerer sah es mit gewisser Schadenfreude, wie eines der Spreewaldmädels auf den Grafen Weißenberg zusteuerte und mit sich in das Polkageschehen zog… Zu früh triumphiert, auch olle Schwabe – Nau war dran und musste mit seiner neu gewonnenen Tanzpartnerin die Polka in den Kies des Ehrenhofes stampfen. Was soll er sagen, - es hat sogar Spaß gemacht und das Spreewaldmädel bescheinigte „Sah doch gut aus, was wollt Ihr edler Herr…!“ Doch noch waren wir beim Sammelpunkt für den Umzug, der sich nach Eintreffen der Königskutsche und den Chaisen der Gäste aus Russland und Sachsen in Begleitung der königlichen Reiter (Reiterhof Zernsdorf e.V.) in Bewegung setzte. Musikalisch wurde der Umzug, der sagenhaft viele Schaulustige angezogen hatte, vom >>Fanfarenzug Strausberg<<, den >>Königlichen Fanfaren<<  aus Berlin, der >>Königlichen Militärmusik zu Thale<<, worin Heinz BEHRENDT erneut seine Vielseitigkeit unter Beweis stellen konnte, sowie dem >>SG Fanfarenzug<< aus Potsdam und den >>Blasmusikfreunden<< aus Köpenick und dem Spielmannszug >>Cottbuser Musikspatzen<<. Viel Landvolk, Gesellen der Zünfte, der Nachtwächter, Mitglieder des Tabakskollegiums, die Königliche Garde, das Königliche Leibregiment >>Riesengarde Lange Kerls Potsdam<<, die Schützengilde von 1853, der Hoffalkner und vielerlei gewandetes Volk mehr machte den Zug aus. Mehr als 400 Teilnehmer strebten dem Kirchplatz am Schlosse zu. Gegen 13:00 Uhr erfolgte die Eröffnung des Schlossfestes. Die Königsfamilie begrüßte ihre Gäste auf der Bühne im Ehrenhof der Kavalierhäuser, die vom Sender >>Antenne Brandenburg<< betreut und gestellt wurde. Nach der zagen Rede Friedrich Wilhelms und der akzentuiert verlesenen kurzen Ansprache Peter des Großen, kam auch der Starke August zu Wort, und das war stark, laut und nicht zu überhören. Auch eine kleine Belehrung zur Person Friedrich August, der als König in Polen August II. war, musste von der Bühne verkündet werden und richtete sich vor allem an die etwas ahnungslose, wenn auch recht nette, Moderatorin. Auch der Bürgermeister Herr Dr. Lutz FRANZKE nahm das Wort und dankte den Veranstaltern für das schöne Fest. Eine Kindertanzgruppe, - Lavendelkinder und Riesengardenachwuchs, gab eine Vorstellung.  Nach erneutem Fototermin vor dem Schloss gaben Preußenkönig, Polenkönig und Zar einigen weißen Tauben die Freiheit, womit verkündet werden sollte, was uns auch heute noch das Wichtigste auf der Welt sein muss – Frieden hier und überall und für alle Völker. Mögen die Friedenstauben ihr Ziel erreichen! Friedrich Wilhelm, seine Gattin und die handverlesenen Ehrengäste nahmen dann am Festtäfelchen Platz. August merkte wohl, dass er im spartanischen Preußen zu Gaste geladen war. Im Sachsenlande wäre die Tafel um einiges länger  gewesen und hätte auch Platz für den angereisten Hofadel gehabt. Der sächsische tat sich derweil im Marktgetümmel am Kirchplatz um und ließ sich gern vom Bäckermeister SCHÜREN aus Storkow zum Quarkkeulchenessen und Kaffeetrinken einladen. So gekräftigt konnte den Darbietungen des Spreewaldchores, der russischen Gesangsgruppe, dem Barocktrio >>CAMERATA<< aus Potsdam, dem Tanzspiel „Mörderische Leidenschaften am Hofe“ von >>COMMEDIANZA<< aus Berlin, dem Violinenspiel von Tatjana DEWUSCHKA und nicht zuletzt, dem Tanzauftritt unserer Freunde von >>Les danseurs de San, Souci<<, gefolgt werden. Das Programm des Schlossfestes war hier im Areal von Schloss und Ehrenhof, aber auch in den umgebenden Strassen und auf den Plätzen so groß, dass es uns unmöglich war, überall dabei zu sein, geschweige hier davon zu berichten.

Als die Lasershow >>Port i serè << ihren Einsatz probte und auf der Bühne die Mannen der >>SEMPER HOUSE BAND<< ihren Toncheck machten, war die Tanzgruppe aus Potsdam noch im Gange und wir, die zahlreichen Zuschauer, ärgerten uns über derartige Ruhestörungen und staunten gleichzeitig, mit welchem Gleichmut das der Maitre de Dance Mike SPRENGER  hingenommen hat. Das war nun doch noch eine kritische Anmerkung, - ansonsten gab es doch partout nichts zu mäkeln. Mit den Klängen der akademischen Dixielandmusiker und dem Bassgesang von Gunter EMMERLICH, - die das Gastgeschenk unseres Starken August an die Königs Wusterhausener waren, verabschiedeten wir uns bei einbrechender Nacht von diesem erinnerungswerten Fest, und, ausgehungert wie wir nun mal waren, beschlossen wir den Tag bei den Köstlichkeiten indischer Küche und danach lümmelten wir noch einige Zeit in der Foyer- Bar  des Hotels herum, ließen den Tag Revue passieren und hatten auch noch eine Begegnung mit Gunter EMMERLICH. Eigentlich war noch ein Plauschabend mit unseren Freunden um Mike SPRENGER angesagt, aber der hatte in Potsdam noch zwei Führungen als Nachtwächter. Ja, als Nachtwächter, - dabei gibt er doch so einen herausragend guten und authentischen Soldatenkönig ab. Hoffen wir, dass ihn künftighin die Festbesucher  des Schlossfestes von Königs Wusterhausen auch in dieser Rolle kennen lernen dürfen. Nach kurzer Nacht flogen wir mit Olaf HORN/Hoym am Sonntagmorgen im Tiefflug zurück nach Dresden, wo uns de Muddels schon gegen 11:00 Uhr in die Arme schließen konnten. „Schade, dass Du nicht dabei sein konntest“ konnte unser erster Kommentar zu KW nur lauten. Gern vergaben wir die fünf***** Sterne. Überlanger begeisterter Text und dazugehörige Fotos: Bernd Schwabe

 



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