Print This Page

Fest der Fürsten in Oranienburg, 03. -04.09.2011

Zwischen Frust und Frohsinn

Fest der Fürsten – das Zweite (stattgefundene), diesmal in Oranienburg 

                                              (03. – 04.09.2011)

Da haben wir uns nun am frühen Samstagmorgen (04.09.11) auf den Weg ins brandenburgische Oranienburg gemacht, um nach Paderborn und dem (leider) ausgefallenen in Rastatt, nun auch dieses Fest der Fürsten mit zu gestalten. Wir glaubten fest daran, dass dieses Event, nach dem Erstling des Veranstalters in Paderborn, ein rauschendes Fest barocker Lebensfreude werden würde. Aber bereits als wir nach ungeplant langer Herfahrt, verursacht durch einen üblen Baustellenstau auf der Berliner Stadtautobahn, in Oranienburg einfuhren und statt der Werbung für das Fest der Fürsten, nur die für ein Ritterspektakel im Krongut von Bornstedt, im Nacken von Sanssouci  (darauf muss man als Veranstalter erst mal kommen, - Mittelalter an des Alten Fritzen Prachtbauten!) sahen, kamen uns erste Zweifel. Trotz der Widrigkeiten der Anreise noch pünktlich, zogen wir uns am Parkplatz um, - an ausreichende Möglichkeiten hierfür hatte der Veranstalter nicht gedacht, was im Verlaufe des Events zur Weigerung einiger Darsteller(gruppen) führte, weiter am Programm mitzuwirken. Da wir schon ärgeres gewöhnt sind, hat uns das nicht geschreckt und der von uns aus Sachsen mit ins Preußische mitgebrachte Friedrich der Große (TDB- Mitglied Gerd JAKOB) konnte gegen 13:00 Uhr das Fest im Innenhof des Oranienburger Schlosses eröffnen. Ein Umzug über den Hof wurde auch von ihm und dem Dresdner Hofstaat (TDB) angeführt, was sich an diesen beiden Veranstaltungstagen mehrmals wiederholte. Dabei sollte es an einem üppigen Händler- und Handwerkermarkt vorbei gehen, aber der war eher mager und am Samstag, als einige der enttäuschten Händler ihre Stände nicht mehr öffneten, sah es diesbezüglich recht traurig und leer aus. Auch einige Darsteller kamen am Sonntag nicht erneut zum Fest, was ich insofern für verwerflich halte, da man nicht über Unzulänglichkeiten schimpfen kann, wenn man durch das eigenen Wegbleiben selbst zur Magersucht des Festes beiträgt. Wir vom TDB,- Silvia WEISE, Regina SCHWABE, Siegfried SCHURA, Rudolf FRITZSCHE, Gerd JAKOB, Frank WEISE und Bernd SCHWABE hielten tapfer aus, - unsere Maille- Kampfbahn im Schatten eines großen Partyzeltes war immer besetzt und wurde nicht nur vom lieben Magdeburger Prinzen Rudi eifrig genutzt. Trotz der Veranstalterseitigen Absage einiger Kleinkünstler- bzw. Kleinkunstgruppen, beinhaltete das Programm einige Höhepunkte, wie z. B. die Tänzerinnen und Tänzer vom Nationaltheater Prag unter Leitung von Frau Katrin SORMOVA. Deren getanzte barocke Darbietungen waren ein echter Augenschmaus, - ja ein Hochgenuss. Auch das Prager >>Absolute Brass Quintett<< unter Kapellmeister Pavel JENICEK kann in dieser Kategorie genannt werden. Schön anzuhören auch die beiden Musikerinnen aus Decin und das Trio aus Mutti und Töchtern >>ROKOLINI<< aus Potsdam. Aus Herrenhausen war eine Tanzgruppe mit Tänzen aus Barock und Rokoko angereist und am Sonntag war mit dem Festspielensemble >>DOKTOR EISENBARTH<< aus dem oberpfälzischen Oberviechtach ein sehr sehens- und hörenswerter Programmpunkt dazu gekommen. Ich will nicht die angenehme Hofplauderei der ehrenwerten Gräfin Sophie von Camas (Monika KUTA) vergessen, deren Worte Friedrich II.  (oder besser Gerd JAKOB) wie Öl in die Gehörgänge gingen. Am letztendlich dargebotenen, wenn auch gekürzten bzw. umgestellten Programm kann es also nicht gelegen haben, dass wiederum der Ansturm der Besucher ausgeblieben ist. Unzureichende Werbung und, wie viele Besucher und erschrockene Umkehrer festgestellt haben, zu hohe Eintrittspreise, schreckte ab. Für die Künstler konnte es uns nur Leid tun, denn vor voll besetzten Plätzen macht der Auftritt gewiss mehr Spaß. Aber wir vom TDB haben uns den Spaß nicht nehmen lassen und uns an den erinnerungswerten Punkten des Festes orientiert und erfreut. Allerdings, am Abend dann, als im Hotel einige Zimmer nicht mehr zur Verfügung standen, bzw. Doppelbelegungen vorgenommen wurden, war es uns fast des Spaßes zuviel. Letztendlich hat die Veranstaltungskoordinatorin Frau Elena WETZEL das Chaos etwas gelichtet und zur (einigermaßen) Zufriedenheit geklärt, so dass in keinem Zimmer drei Leute sich unter einer Bettdecke strecken mussten. Frau WETZEL musste wohl während des Events oftmals den Prellbock abgeben, was uns ehrlich manchmal Leid tat und auch nicht immer gerechtfertigt war. Dem aufmerksamen jungen Mann von der Rezeption im ETAP- Hotel in Hennigsdorf möchten wir für seine Aufmerksamkeit, Hilfsbereitschaft und Sanftmut danken. Seinem Hinweis verdankten wir, ohne die mühsam erkämpften und krampfhaft festgehaltenen Schlafgelegenheiten verlassen zu müssen, dass wir im Frühstücksraum noch ganz ausgezeichnet, per Anlieferung vom nahen Chinesen, asiatisch tafeln konnten. Da sich hier beim Oranienburger Fürstenfest viele bekannte Gesichter trafen, die zumeist hier im gleichen Hotel logierten, und Freundschaften auch mittels Zuprosten erhalten, erneuert oder geschaffen werden, ging es im Außenbereich (im Hotel war 22:00 Uhr Fini) noch bis weit in die Nacht hoch her. Die Mücken, im Hotel und Drumherum in Schwärmen riesiger Exemplare vorkommend, hatte lange ein blutiges Fettleben. Am Morgen, meistens noch etwas verschlafen und etwas zerstochen, nahmen wir das reichliche Frühstück zu uns und die Mehrheit der Darsteller zog es wieder zum Fest der Fürsten, wo doch von vornherein einige Fürsten fehlten, denn Friedrich II. kann es doch wohl nicht allein gewesen sein, zumal in Vorankündigungen sogar das Erscheinen des Sonnenkönigs signalisiert wurde: „Während König Ludwig IVX das Schloss betritt, werden die militärischen Truppen zur Ehre des Sonnenkönigs aufmarschieren. – gesehen wurde der gute Louis XIV. aber nicht. Lediglich der Prinzregent Philipp Herzog von Orleans und Anjou (aus Leipzig – Rudi FRITZSCHE) war, mehr oder weniger unerkannt, als Vertreter des Französischen Hofes anwesend und unser lieber kleener Prünz  Rudi aus dem Magdeburg’schen könnte auch als Little- Fürst durchgehen. Es gab wieder die Darbietungen des Vortages, wo beim Tanz auch die Besucher einbezogen wurden, die z. T. in geliehenen Kostümen am Fest teilnahmen und damit das Adelsvolk (auf ihre Weise) verstärkten. Wie schon gesagt kam die Festspieltruppe aus der Oberpfalz dazu, die Kostproben aus ihrem Spiel um den berühmten Okulisten, Bruch- und Steinschneider, Apotheker und Wundarzt Johann Andreas EISENBARTH zur stark mit Händegeklapper quittierten Aufführung brachten. Es war uns eine Ehre, von den dortigen Freunden mit dem Festspielleiter bekannt gemacht worden zu sein. Wir hoffen, dass es zu den angedachten Begegnungen in Oberviechtach und Dresden kommt.  Wir würden uns freuen und die Oberpfälzer gern durch unser schönes Dresden führen (letzte Jahr war die Theatergruppe in Dresden und gab, z. B. auf der Brühlschen Terrasse Kostproben ihres Könnens – leider haben wir das erst jetzt erfahren(!) ). Leider war der, am Schlossareal anschließende, Park, als gut erhaltenes Relikt einer zurückliegenden Landesgartenschau, nicht mit in das Fürstenfest involviert, aber wir durften bei unserem Abstecher in diese Perle moderner Garten- und Landschaftsgestaltung, als Robenträger auch ohne „Wegezoll“ passieren und dort staunen und uns freuen! Dort trafen der nicht ganz ausgehfein gekleidete Große Friedrich, der Herzog von Orleans und der dazu popelige olle Kämmerer aus Sachsen das wohledle Baronenpaar Friedrich Ferdinand und Sophie Charlotte von Schönhausen (Detlef und Gabriele HÄNSEL), die uns schon zu often über unseren Weg gekreuzet waren und uns mit Wohlgefallen hier bey dem Schlosse des Großen Kurfürsten begegneten. Dies sind so die erfreulichen Seiten der vielen von uns besuchten Events, - das Kennen lernen neuer Freunde und Gleichgesinnter. Gern nehmen wir als TDB die Einladung zum Schloss Charlottenburg an, auch wenn es beim nächst angedachten Termin noch nicht zu klappen scheint. Rudi, als Herzog von Orleans, gelang es beim Fest, - man fragt sich, wie er das nur angestellt hat, sich der Hand einer Schönen aus dem fernen Nippon zu bemächtigen und zu unserer aller Erstaunen legte er mit ihr, da die Musik gerade dazu passte, ein paar gekonnte Tanzschritte hin. Siggi, was der Graf von Bünau ist, braucht man hingegen nie woanders als in der Gesellschaft von Frauenzimmern suchen. Ja und selbst der uralte Kämmerer Graf von Schwabe zu Nau hatte sein Erfolgserlebnis, als eine Adelsdame darum bat, mit ihm gelichtmalert (fotografiert) zu werden, da er die auffälligste männliche Erscheinung des Festes sei. Zunächst dahergeschlurft, sah man ihn nach dieser Seelenmassage erhobener Brust davon schreiten. Auch die Zeit schritt voran, - der TDB harrte bis zum Ende des Festes aus, welches eher als wie ursprünglich geplant eintrat, denn Händler und Darsteller machten sich nach und nach aus dem Staube, ohne dass da noch wesentliche Besucheransammlungen im Wege gestanden hätten. Bevor wir uns wieder in Zivilklamotten geworfen hatten, begaben wir uns noch ins Kreismuseum im Schloss, wo wir unser Versprechen einlösten und gemeinsam mit den netten Damen des Museums vor dem Lichtmaler postierten. Olle Fritzen und Rudi D’Orleans stürmten danach entschlossen zu ihrer Kalesche, der Heimatdrang war zu groß… Was wir aber nicht wussten war, dass man noch klammheimlich zum Nachtbaden an die Ostsee wollte, oder hatte man nur die Richtung vertauscht und statt der nach Dresden – Leipzig, die gen Stralsund genommen? Nun gut und egal, obwohl eher von Oranienburg gestartet und trotz unserer vier Staus, die unsere eingeplante Fahrzeit mehr als verdoppelte, waren wir, Hofsängerin (auf’m Bock), Graf Bünau und Kämmerer gut zwei Stunden eher in der sächsischen Residenz und Rudi, als zwangsweiser Umweger, schaffte hier gerade noch den letzten Zug nach Leipzig…  Nun ja, so geht das. Frust und Frohsinn liegen oft eng beieinander, aber abhalten wird uns nichts und so werden wir auch dem nächsten Event entgegensteuern und gespannt sein, was uns dann dort erwartet. Hier in Oranienburg war unser Jauchzen, - auch das des Publikums, sicher nicht zu laut, aber wenn man will, dann sieht man immer auch das Gute und das Bemühen und den Aufwand, die ein solch großes Vorhaben vom Veranstalter abfordert. Text und Fotos: Bernd Schwabe  



Zurück