Print This Page

Barockfest in Gotha am 27.08.2011

Vorab - es war ein vergnügliches Wochenende mit allerdings sehr bekannten Abläufen, aber auch einem Rahmenprogramm mit schönen Höhepunkten. Da wir nicht überall sein konnten, bzw. weil nicht überall das Fotografieren möglich war, haben wir stellvertretend für alle hochkarätigen Darbietungen die Tanzkünstler aus Paris von der >>Compagnie de l'Astre  Eternel<< und die Fechtkünstler aus Leipzig mit dem französischen Namen >>La Pique France<< in unsere Bildergalerie aufgenommen. Wichtig waren uns auch die Begegnungen mit Gleichgesinnten, - einige hatten wir kaum verabschiedet, andere hatten sich in letzterer Zeit rar gemacht, - in Gotha auf dem Friedenstein war ihr großes Zusammentreffen, in großer Zahl. Man hätte sich mehr Beachtung durch reicheren Besucherstrom gewünscht, aber offenbar sind die Gothaer sehr wetterfühlig, oder kennen sie das Spektakel schon von den Vorjahren? Uns hat es gefallen und es sollte für den TDB nicht das letzte Fest auf dem Friedenstein in Gotha gewesen sein./B.S.

 

Vom sächsischen Sachsen nach Sachsen in Thüringen:

Barockfest auf Schloss Friedenstein –

                              Stammsitz der Herzöge von Sachsen- Gotha (27.08.11)

 

Schon am frühen Freitagnachmittag haben wir uns in unserer „Sauna auf Rädern“ nach dem thüringischen Gotha auf den Weg gemacht. Wir, das waren unsere Vereinsvorsitzende Silvia WEISE, am Steuer Regina mit ehelich gezwungenen Beifahrer Bernd SCHWABE und unser Vereinsküken Annett SCHADE, die sich mit besonderer Spannung zu ihrem ersten größeren Event auf den Weg gemacht hat. Es sei vornweg genommen, dass es ihr mit uns gefallen hat, so wie ihr das Barockfest auf dem Friedenstein gefallen hat… Aber noch war es nicht so weit. Im Gegensatz zur zweiten Kalesche, die sich von Dresden aus auf den Weg gemacht hatte und wo in Leipzig unser lieber Freund Rudi FRITZSCHE zusteigen konnte, kamen wir ohne Stau gut kutschiert in unserer Pension an. Nach der Aufteilung in „Mädchenpensionat“ und „Knabenschlafsaal“ und dem Verstau der Kleidersäcke, ging es zum Getränke fassen in den nächsten Supermarkt. Durstlöscher, Federweißer und schöngeistigere Getränke wurden danach im Kühlschrank platziert. Inzwischen waren das Grafenpaar Bose (Christine BARTEL und Wolfgang PETZOLDT) und Graf v. Bünau (Siggi SCHURA) mit Rudi angekommen. Nachdem die Dusche kaum Erfrischung brachte und der gröbste Durst gestillt war, ging es Richtung Rathaus, wo gegen 20:00 Uhr auf dem Rathausvorplatz die offizielle Eröffnung des Barockfestes durch den OB Knut KREUCH stattgefunden hat. Valentino der Wirt der Italienischen Taverne erkannte uns vom letzten Jahr wieder, obwohl wir damals in Robe bei ihm waren und heuer noch nicht. Nachdem er uns mit Stammkundenkarten versehen hatte, was uns Rabatt gab, blieben wir im Außenbereich seiner Tafernwirtschaft hängen und verfolgten den feierlichen Akt am Rathaus per Gehör. Gut gespeist und mit gutem Tropfen in beste Stimmung gebracht, ging es durch stockdunkle Nacht unseren Schlafgelegenheiten entgegen. Gefühlte 40°C in unseren „Turmzimmern“ ließen nochmals die Duschen rauschen und gekühltes Gothaer Bier, Mineralwasser oder Cola konnte unseren Hitzeschock nur teilweise mildern. Federweißer & Co. sorgte aber noch für Stimmung und wir konnten das liebe Rotkäppchen, samt ihrer Oma Wolf, in unserer gut geheizten Kemenate begrüßen. Das sorgte für Erheiterung, aber dann knickte der eine nach dem anderen ab und bald waren die merkwürdigsten Geräusche aus den Zimmern zu vernehmen. Mit Regen und einem Temperatursturz von ca. 20°C begrüßte uns der Samstagmorgen. Nach gutem Frühstück zwängten wir uns in die Roben, - Hilfe durch Siggi war, zumindest bei der Weiblichkeit, mit Emsigkeit zu verzeichnen. Wir packten die Regenschirme und traten vors Haus. Wettergott Petrus, der uns in diesem Jahr schon mehrmals sehr verärgert hat, muss unsere unzufriedenen, ja bösen und flehenden Blicke richtig gedeutet haben und der Regen ließ nach und hörte nach wenigen Schritten gänzlich auf. Bis auf wenige Tröpfchen mal zwischendurch, hielt der Himmel aus und eigentlich waren wir über die 14°C Tagestemperatur froh, denn bei der Hitze des Freitag wäre uns das Wasser aber ganz ordentlich unter der Allongeperücke zusammengelaufen. Zunächst ging es den Schlossberg hinan. Einen Zwischenstopp machten wir im Ladenlokal mit Restaurant eines neueren Gothaer Originals, dem Franky, der sich mit seinem Outfit und Veranlagung als „Mooshammer“ von Gotha fühlt. Laden und Café waren sehr originell mit Kunst, Plunder und Antiquitäten ausgestattet. Leider ging der Chef des Hauses dem Lichtmaler durch die Lappen, so dass nur das Interieur seines Etablissements mit der Laterna- Magica festgehalten werden konnte. Auf der anderen Straßenseite lockte ein Antiquitäten- und Trödelladen, der unsere Damen eine gewisse Zeit festhielt, und sich in den Vorjahren schon manchmal als Goldgrube erwies. Zahlreiches in Positur stellen hielt den Dresdner Hofstaat weiterhin auf zum Ziel zu kommen, aber letztendlich gelangten wir doch am und im Schloss an. Der nächtliche starke Regen hatte den Schlossinnenhof in eine „scheene“ Schlammsuhle verwandelt, - besonders die Roben der Damen sahen bald danach aus. Mit Besorgnis dachten wir an unsere vielen Freunde, die dem starken Regen in ihren Leinwandvillen zu trotzen hatten. Als wir aber unseren lieben Freund Rolf ZAHREN, den Darsteller Friedrich II. quietsch vergnügt über den Hof kommen sahen und er in Wiedersehensfreude die Hofsängerin Regina in seine Arme nahm, waren wir beruhigt. Alle Biwaker waren gut durch die Regennacht gekommen und es gab nun viele Begrüßungsszenen. Mittlerweile neigte sich  der Uhrzeiger der Zeit zu, zu der wir uns im Ekhof- Theater barocke Tanzkunst zu Gemüt führen wollten. Was sich uns dort bot, war einfach überwältigend. Unter dem Titel >>Vom Chaos befreit – Acte Ballet<< zelebrierte die Tanzgruppe „Compagnie de l’Astre Eternel“ aus Paris, eine barock getanzte Geschichte, so wie sie einstens in Versailles den Louis XIV und XV könnten vorgeführt wurden sein. Wir waren begeistert. Das galt auch für die Fechtvorführungen der Leipziger Fechtgruppe „La Pique France“. Auch hier waren Meister am Werk, angeführt von einem echten Fecht- Professor, der, wie seine Mitkämpfer, der Hofsängerin gern Auskunft über ihre Betätigung mit blanker Klinge gab. Es gab noch weitere Programmpunkte, die uns in ihren Bann zogen, aber da wir diese so, oder so ähnlich schon in den Vorjahren erlebten, sollen die beiden Beispiele hier besondern hervorgehoben werden. Ob „Anekdoten vom Preußischen Hof, die Hofkonzerte der Geraer Musikgruppe „La Fanfare“, Tänze von „Potsdamer Rokoko“, Königliche Musik von „Con Fuego“ aus Leipzig, „Singsang“ mit Liedern aus Spätrenaissance und Barock und viele weitere mit dem Höhepunkt am Abend durch das Konzert der „Thüringischen Philharmonie Gotha, es gab für das Publikum und alle Mitwirkenden sehr viel zu erleben. Obligat der Einzug des Herzogpaares durch das Spalier von Edelleuten aus Nah und Fern mit anschließender großer Audienz und den gewohnten Worten des Gastgebers, - aber diesmal neu, die Begrüßung des Dichters Voltaire vor dem Preußenkönig, - im wahren Leben wäre wohl eine Kriegserklärung des Alten Fritzen erfolgt.(Der große Friedrich hat wohl Nachsicht geübt, wenn die Freude über den hohen Besuch, die Etikette etwas durcheinander gebracht hat!!!)  Aber das „kleine“ Malheur hat dem Publikum kaum den Blick auf die mehr als 100 Darsteller in ihren kostbaren (zumindest teilweise, - einige Kostüme waren auch heuer darunter) Roben verdüstert. Erfreulich viele Darsteller höfischen und militärischen Lebens des 18. Jahrhunderts waren auch dieses Jahr nach Gotha gekommen und gestalteten ein tolles Fest mit. Anziehungspunkte bei unserem Rundgang durch das Schlammfeld des Schlosshofes waren auch heuer die Stände der Handwerker und Händler, aber der Höhepunkt unseres Lustwandelns war der Weg zur Orangerie. Einst führend in Deutschland, ist dieses barocke Ensemble von Gebäuden und Gartenanlagen im Begriff in altem Glanze und Vollständigkeit wieder zu entstehen. Das Grafenpaar Bose und der Cämmerer Graf von Schwabe zu Nau mit seiner Gemahlien der Hofsängerin waren über die Ornamentik und Farbenpracht der Bepflanzung, die Instandsetzung der Bauden und das Engagement des „Orangeriefreunde e.V.“ genauso entzückt, wie über die Akustik im Lorbeerhaus, die die Hofsängerin zu prüfen, sich nicht nehmen ließ. Nachdem wir das Können der Gothaer Gärtner gebührend bewundert hatten, führte uns unser Weg zum Zeltlager. Hier besuchten wir die Bleibe manches Freundes oder guten Bekannten und verspürten, dass die Wiedersehensfreude auf Gegenseitigkeit beruhte. Zurück auf dem Schlosshof konnten wir Ihrer Fürstlichen Hoheit Anna Luise von Anhalt- Dessau (Elke BRUCKER) nebigst ihrer Hofdame der edlen Freifrau von Harpstedt (Sylke HARP) die Referenz erweisen. Und zu unserer großen Freude wurde beschlossen, dass uns die hochedlen Damen am Abend in unsere Taverne begleiten würden. Nach lustvollem Flanierens oder der Teilnahme an den gebotenen Vorführungen, war der Dresdner Hofstaat doch recht erschöpft und fußlahm, so dass er von der Dämmerung geleitet zum lieben Valentino fand und dort bei guter Speis und gutem Trank und in netter Runde diesen schönen Tag, dieses schöne Fest ausklingen ließ. Die Geräusche und Farben des Feuerwerks erreichten uns in unserer Schänke und haben uns darin bestärkt, auch künftig dem Gothaer Schlossfest auf Friedenstein unseren Besuch abzustatten und wenn gewünscht, daran aktiv(er) mitzuwirken.

In der Pension zurück wurde noch etwas geklönt, geknabbert, getrunken und gelacht und mit der nötigen „Ernsthaftigkeit“ dem Ballett „Schwanensee“ gefolgt (siehe Fotos hier in der Galerie).

Sonntagmorgen: Gut gefrühstückt verteilten wir uns auf unsere Kaleschen, wovon die eine den Weg über Leipzig nahm, um unseren Herzog von Orleans, was der Rudi FRITZSCHE ist, zu Hause abzuladen, - während die andere auf dem direkten Weg in das Meißner Land steuerte. Hier in diesem lieblichen sächsischen Landstrich, an den Hängen des Elbtales feierte man an diesem Sonntag, den 28.08.2011 allerorts Weinfest und der (vers)offene Hofadel hat sich dem nicht verschlossen und dem Fest auf Schloss Proschwitz etwas Glanz aus der Zeit des Weinkenners- und Genießers August des Starken transferiert… Aber dazu gibt es einen eigenen Bericht. Unsere neue Freundin Annett gab ihrer Freude Ausdruck, dass sie mit uns dieses schöne Fest auf dem Friedenstein in Gotha erleben durfte und gibt, wie der olle Kämmerer auch, diesem Event gern **** vier Sterne. Danke den Veranstaltern für die Einladung und das schöne Fest in Gotha. Text und Fotos: Bernd Schwabe



Zurück