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Irrgartenfest in Altjeßnitz am 9.07.2011

Baron Hans Adam von Ende und das Irrgartenfest von Altjeßnitz

(Samstag, den 9. Juli 2011 bei und mit Freunden in der Gemeinde des einzigen originalgetreu erhaltenen und ältesten barocken Irrgarten Deutschlands)

Vornweg gestellt, Worte des russischen Dichters Dostojewski, entnommen dem Flyertitel, der für den Irrgarten in Altjeßnitz werben soll:

Man kann sich wohl in einer Idee irren, man kann sich aber nicht mit dem Herzen irren.“

Ich denke, dass sich weder die Gemeinde Altjeßnitz und ihre rührige und überaus nette Bürgermeisterin Frau DITSCH, noch der im Juni 2001 gegründete >>Förderverein Irrgarten Altjeßnitz<< geirrt haben, als sie sich den weiteren Erhalt dieses einzigartigen landschaftsgärtnerischen Kleinods auf ihre Fahnen geschrieben und das Irrgartenfest am jeweils zweiten Juliwochenende .ins Leben gerufen haben. Auch als Frau DITSCH zum Ausklang des 2009’er Leopoldsfestes in Dessau mit den Worten: „Das ist er….“ auf den Autor dieser Zeilen zuging und ihn für die Darstellung des Barons von Ende gewann, sollte sie sich nicht geirrt haben. Seither kommt er mit seiner Ehefrau und mit seinem kleinen Hofstaat (bestehend aus Mitgliedern des TDB und Freunden des „Arbeitskreises Barock in Sachsen“) immer wieder gern nach Altjeßnitz um hier den Gastgeber zu mimen. Damals 2009 hatte die Bürgermeisterin nur die eine Bedingung und die war, dass der Baron sächseln kann. Direkt schwer fällt das nun nicht, eher das Hochdeutsche und so kann der „Gastgeber“ das Publikum mit der Lieblichkeit sächsischen Dialektes erfreuen und damit darauf hinweisen, dass damals der alte Baron Adam von Ende aus dem benachbarten Kurfürstentum Sachsen stammte. Es war wohl so, dass ihm dort der Boden zu heiß wurde und er sich im Schutze der Hausmacht des anhaltinischen Fürsten Leopold I. im ehemaligen Reppichowschen Gut eingerichtet hat. Sein Herrensitz ist längst nicht mehr, - er fiel einer Feuerbrunst zum Opfer, die Reste wurden in den 1970’er Jahren gesprengt, aber der, von einem Nachfahren angelegte, Irrgarten im barocken Gutspark existiert noch heute, liebevoll als Besuchermagnet gepflegt und Anfang Juli als Mittelpunkt von „Einem fantasievollen Gartentag im Sinne barocker Zeiten“ auserkoren. Gern weilt zu diesem Fest auch ein Nachfahre des Hans Adam von Ende hier und vom „nachgemachten“ Baron erkannt, konnte er und seine werte Gattin dem Preußenkönig Friedrich II. (Gerd JAKOB) vorgestellt werden. Im eigenen Verein (TDB) in Dresden Mitglied, konnte der Alte Fritz den Veranstaltern als Überraschungsgast präsentiert werden. Das gelang auch gegenüber den Besuchern. Nachdem der historische Baron von Ende und seine Baronin (Bernd und Regina SCHWABE) im Bereich der Festivität, der wirklich mit sehr viel Liebe und gestalterischem und floristischem Geschick hergerichtet war, Platz genommen hatte und des Barons Begrüßungsworte an das Publikum gerichtet waren, wurden die barock gewandeten Darsteller vom (schnell dazu bestellten) Zeremonienmeister (Mike SPRENGER) angesagt. Zunächst entströmte die Gesellschaft des „Jeßnitzer Barockvereins“ dem benachbarten Feldsteinkirchlein, gefolgt vom Dresdner Hofstaat (Siegfried SCHURA/TDB, Kerstin DANIEL, Petra TREPPTE, Sonja BADENSCHNEIDER, Christine BARTEL, Wolfgang PETZOLDT/alle AKB), danach die Adelsgesellschaft aus Dessau/Verein zur Förderung der Stadtkultur und die Tänzer von >>le danseurs de Sans, Souci<< machten die Nachhut. Selbige erwiesen dem gastgebenden Freiherrenpaar von Ende auch die Achtung gebietende Referenz, was wohl der Landadel, der zielgerichtet, ohne Blicke nach rechts und links, den vollen Sektgläsern entgegensteuerte, noch lernen muss. Nun, man lernt nie aus und so fanden wir im Verlauf des Festes im Major des IR von Hülsen No21 (Heinz BEHRENS) einen kompetenten Gesprächspartner. Also wird der Baron und auch der alte sächsische Kämmerer künftig seinen Hut etwas weniger lüften und wie vom Tanzmeister (Mike SPRENGER) zu hören war, leider auch auf das erotische Abenteuer des Handkusses verzichten müssen. Jetzt aber, als der Fürst Leopold I. (Klaus BRUCKER) Friedrich den Großen als besonderen ‑­Überraschungsgast avisiert hatte und dieser auf dem Platze erschien, war der Dreispitz schon zu lüpfen. Entgegen anders lautenden Prognosen fasste sich der Preußenkönig mit seiner Rede kurz und das Fest war offiziell eröffnet. Der Tambour und der Pfeiffer des IR von Hülsen No 21 gaben die passende Musik, - in Anwesenheit des Alten Dessauer natürlich auch den Dessauer Marsch, und die anderen Kerls des historischen Infanterieregiments gaben dem Fest und den hohen Herrschaften die nötige militärische Bedeckung. An dieser Stelle sei vom Baron der Dank an die Darsteller übermittelt, die wie Heinz BEHRENS und Freunde, oder die Tänzer aus Potsdam mit Mike SPRENGER und Freunden, aber auch unsere Dresdner (TDB/AKB), die seit vielen Jahren (manche seit Anbeginn) das Irrgartenfest mit ihrem Mitwirken unterstützen und erfolgreich gemacht haben. Auch der echte Baron Von ENDE hat sich (mir gegenüber) in diesem Sinne geäußert. Er und seine Gattin folgen immer gern der Einladung durch die Bürgermeisterin, die wir heuer nicht als Frau Schultheiß zu Gesicht bekamen. Als deren Bedienstete hatte sie, unterstützt durch ihren Mann und Vereinsfreunde, ständig zu wuscheln, damit das Fest gelinge. Nach dem die Fürsten, der Adel und alle die ein Glas zu fassen bekamen, mit dem Baronenpaar angestoßen hatten, wurde auch die Kaffeetafel eröffnet und dabei wurde, als besonders einprägend, eine Torte, - von Vereinsmitgliedern selbst gebacken, kredenzt, die einen exzellenten Gaumenschmaus darstellte. „Schon dorr Guchen treibt uns schedes Schahr zum Irrgorden,-nu wahr!“ Ein Jongleur/Artist gab dabei mit Zauberei, Gaukelei und (später)Feuershow, ein Bühnenprogramm und wer die Kalorien des Kuchenschmauses schnell wieder los werden wollte, der pilgerte zu den Ständen der Gärtner und Floristen, Kunsthandwerker- und Händler oder erging sich im weitläufigen Gutspark mit seinen Gänsegrützefließen und der, diese überspannende romantische Holzbrücke und dem uralten ehrwürdigen Baumbestand. Einige von uns Dresdnern entdeckten bei ihrem Parkwandeln auch das Kreuz an der Familienbegräbnisstätte derer von Ende und erwiesen ihre Ehre.Auch über die Falknerei konnte man sich informieren und einem geführten Spaziergang durch den Gutspark anschließen.  Aus Angst, vor dem Dunkelwerden nicht wieder zum Ausgang gefunden zu haben, vermieden wir den Gang durch das Labyrinth der Irrgartenanlage. Unsere drei gewichtigen Damen Hülschen und Co. ergingen sich im vorderen Parkbereich und wichen dem heranrückenden Regiment von Hülsen keinen Zentimeter. Das Bollwerk Hülschen muss von Hülsen erst mal geknackt werden, - ich sage nur: „Schier unmöglich!“ Am Nachmittag sahen wir auf der Bühne noch die leichtfüßigen Schritte der Tänzer um Mike SPRENGER, welcher auch wieder viele erklärende Worte zu ihrem Tun und der Etikette damaliger Zeit parat hatte. In der Kirche traf man sich danach, - die Baronin, welche wohl bei der sächsischen Hofsängerin in die Schule gegangen sein muss, wurde dort überredet und gab einige Volkslieder zum Besten, die bei der guten Akustik und Stimme ihren Beifall fanden. Gern würde sie auch, offiziell eingeladen, mit ihren Musikerkollegen vom >>Kurfürstlich- Sächsischen Barockensemble<< an gleicher Stelle mit umfangreichem Repertoire die Besucher erfreuen.   Nebenher wurde eine eigene Art von perlendem Weihwasser reichlich verbraucht… Während das Mitteldeutsche Salonorchester Halle auf der Bühne schon für ihre Stimmprobe einigen Beifall erntete, war für uns schon der Abschied in Erwägung und im Gemeindehaus verwandelte sich Baron von Ende wieder in den Bernd SCHWABE und die Baronin „Hulda- Helene“ wieder in Regina Ingeborg. Nach herzlicher Verabschiedung von unseren Freunden und den Vereinsmitgliedern und einem besonderen Dankeschön an unsere, die wirkliche, Gastgeberin Frau DITSCH und ihren Mann und alle organisatorisch und darstellerisch Beteiligten, sowie nach unserem kleinen Obolus zur Rettung der sandsteinernen reparaturbedürftigen Blumenschale im Park,  konnte es Richtung Heimat gehen. Unser „Wetterbauer Bose“ (siehe Foto) hatte scheenes Wetter prognostiziert, was sich bestätigt hatte und nach unserer Schlechtwetterschlacht in Dessau auch zu fordern war. Da kann es doch nur **** für das Altjeßnitzer Irrgartenfest und seine Macher geben! Text: Bernd Schwabe - Fotos: Bernd Schwabe und manch gefällig anhaltinisch Volk

 

 

 



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