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Barockrundschau in Dresden am 20.02.2011

Wo einst Friedrich August Graf von Cosel residierte:

>>Barockrundschau<< eine Vorstellungsmesse des AKB im Coselpalais am 20. 02. 2011

                            Ein Erfolg der Freundschaft und des gemeinsamen Handelns

 

Schon während des ersten Vorgesprächs zur Gründung eines Arbeitskreises im Herbst 2009 im Historischen Gasthaus „Zum Gerücht“ wurde angedacht, mit einem gemeinsamen Auftritt in der Öffentlichkeit auf unser Tun zur Pflege eines lebendigen Barock in Dresden und Sachsen aufmerksam zu machen. Nun war es soweit. Zunächst für den 19.02.2011 geplant, haben wir unser Vorhaben um einen Tag auf Sonntag den 20. Februar verschoben, denn am Samstag hatte Dresden zu viel ungebetenen Besuch in Gewandungen, die nicht nur uns Barockfans nicht gefallen, - geschweige die Anliegen deren Träger. Durch die Terminverschiebung war ich einem Abstecher nach Stolpen verpflichtet, um dort, unter Führung von unserem Freund Bernd SCHALLER, an einer vorzüglichen Führung durch das Stadtmuseum und die Stadt Stolpen, teilzunehmen. Die anschließende Wanderung habe ich diesmal geschwänzt, denn es zog mich magisch nach Dresden, auf den Neumarkt in das Coselpalais. Ich hatte die bange Vorahnung dort auf vereinsamte Barockfreaks zu stoßen, die sehnsuchtsvoll auf Besucher warten… Da hatte ich mich allerdings aufs gründlichste geirrt. Als ich den „Dresdner Pianosalon Kirsten“ im zweiten Obergeschoss des Palais betrat, waren die Barockfreunde im Gewimmel der Besucher kaum auszumachen. Dicht umringt mussten sie Frage und Antwort stehen und an den Angebotsständen konnte man sich über das Entstehen der Auslagen nicht nur informieren, sondern diese auch erwerben. An den Informationsständen wurden darüber hinaus Flyer, Visitenkärtchen und weiteres Informationsmaterial verteilt. Man gewann durchaus nicht den Eindruck, dass dieses nur gesammelt wurde um später im Papierkorb zu landen. Einige Besucher hatten allerdings zu griffige Finger, denn während die Hofsängerin mit ihren Liedern brillierte, nahm der Stapel ihrer Noten- und Textsammlung merklich an Umfang ab. 22 Barockdarsteller der verschiedensten Gruppierungen oder auch als Einzeldarsteller waren ständig um Weitergabe von Wissen über das Barock in Dresden und Sachsen und über die eigene Traditionspflege bemüht und von einem Pulk von Interessenten umgeben. Dazwischen gab es, unter dem wohlwollenden Blick des KING Elvis dem Einmaligen,  immer wieder Einlagen mit barockem Gesang, Barocktanz, Schauspiel, Lesung und Poesie des 18. Jahrhunderts.  Hier brachte sich mit der Hofsängerin Regina Baronessa de Moretti die Leiterin des „Kurfürstlich Sächsischen Barockensemble“, Regina SCHWABE, verstärkt durch die Zweitstimme der ehrenwerten Aurora Gräfin von Königsmarck, Silvia WEISE, ein und bekam zum Ende der Veranstaltung kaum noch einen klaren Laut hervor. Ines LAUTERBACH von der „Barockbühne Dresden“ deklamierte Poesie aus alter Zeit und auch selbstverfasste. Das „Barock- und Tanztheater Dresden“ unter Werner POHLE (August II.) setzte wohl gezielte Schritte aufs Parkett und bezog auch das Publikum in die Weihen des Barocktanzes mit ein. Einem weißbärtigen „Zivilisten“ gab offenbar eine der Säulen des Saales zu wenig Deckung, so dass er von der edlen Gräfin Christiane Elisabeth von Bünau, dargestellt von Ina HIRCHE, entdeckt und auf die Tanzfläche gezerrt wurde. Man sagt, dass er sich dort gar nicht ganz so dumm angestellt hätte. Wolfgang PETZOLDT ließ seinen Stadt- und Platzmajor Oberst Alexander Graf von Bose (oder war es Joachim Dietrich von Bose?)am Lesepult Platz nehmen und darüber berichten, was sich aktuell in Wald und Flur, Acker und Misthaufen und dem Schloss von Schleinitz abspielt. Wie die anderen Darsteller auch, erntete er vom interessierten und sachkundigen Publikum lautstarkes Händegeklapper. Auch im Schauspiel (ein Ausschnitt aus der „Fummel“) konnte das Publikum gewonnen werden. Sehr gefragte Gesprächspartner waren die anwesenden Majestäten August der Starke (Werner POHLE) Friedrich der Große (Gerd JACOB) und Zar Peter der Große (Reinhard LAUTERBACH), sowie der französische Prinzregent Philipp II. von Bourbon, Herzog von Orleans und Anjou (Rudolf FRITZSCHE). Ständig belagert waren auch die Auslagen der historischen Putzmacherei Kerstin DANIEL und der Lederwerkstatt von Marlies FROHNHÖFER. Was hier auslag, zeugte vom handwerklichen und gestalterischen Geschick derer, die diese Accessoires geschaffen haben. Gleichsam bezeugten die am Stand präsenten drei Damen, gekleidet in barocker Robe, einer Gewandung der Biedermeierzeit und im Outfit der Jahrhundertwende, die vielfältigsten Möglichkeiten, sich vom Kostümverleih „Scotty Ghost“ (01277 DD, Maystr.18, Inhaberin: Kerstin DANIEL), deren Repräsentantinnen die drei Darstellerinnen waren, einkleiden lassen zu können. Wer also von dem Besuchern gern mal mit uns flanieren möchte, - diesbezügliche Nachfragen gab es einige, der hat mit dem Kostümverleih „Scotty Ghost“ eine erste Adresse.

Es gibt in Dresden mittlerweile mehrere Hände voll Starke Auguste, wovon einige doch ein recht schwaches Auftreten haben, - Ralf, der Darsteller des August vom „Sächsischen Hofspektakel 1710 e. V., dürfte mit seinem Auftritt so manchem Möchtegern-August den Spiegel vorgehalten haben. (Ihm zur Seite Mamsell Annett AUERBACH als Zofe)

Was gab es sonst noch? Besucher über Besucher und das ununterbrochen seit der Eröffnung 10:00 Uhr (37 Leute standen schon vor 10:00 Uhr an der Pforte des Palais und froren sich was ab). Als das Ende unserer Veranstaltung 16:00 Uhr heran war, dauerte es noch ca. 45 Minuten bis der letzte Besucher gegangen war und es tauchten weitere Leute auf, die unserer Vorstellungsmesse einen Besuch abstatten wollten. Enttäuscht mussten sie unverrichteter Dinge wieder gehen, aber wir konnten sie trösten und darauf verweisen, dass das nicht unsere letzte Barockrundschau gewesen sein soll. Der Erfolg ermutigt uns, im Herbst eine Zweitauflage zu starten. Mit mehr als 600 Besuchern (Kinder nicht mitgezählt) war unsere erste Veranstaltung dieser Art ein voller Erfolg und nicht nur unsere Freundin Silvia WEISE, die diese Barockrundschau mit ihrem Unternehmen „STORIED EVENTS“ gemanagt hatte, kann darüber sehr erfreut sein. Da wir keine „Tarnkappen gegen Sabogenten“ installiert haben, so wie es bei einem anderen Verein auf dessen Homepage zu lesen war, sind uns die Abgesandten des kleinen Teils der Barockszene, die das Miteinander im AKB nach wie vor scheuten(obwohl unsere Tore weit geöffnet sind), bei unserer >>1. Dresdner Barockrundschau<< willkommen gewesen. Jedermann konnte sich von unserem Wirken überzeugen… Ja, wir haben an diesem 20. Februar „Dresden im Barock“ eröffnet und nicht erst auf den März gewartet und wir werden dieser ersten Barockrundschau weitere folgen lassen, und wenn da wer kupfert, - das Original hatte seinen Anfang hier im Coselpalais und wird sich weiter etablieren.

Mitwirkende waren: >“Dresdner Arbeitskreis Barock in Sachsen“<, >“Barockbühne Dresden“<, >“Barock- und Tanztheater“ Dresden<, > Gästeführerin Renata LINNÉ als Ursula Katherina Reichsfürstin von Teschen <, >“Heimatverein Maxen“ mit Friedrich II. (Gerd JACOB)<, >“IG „Barock 1690“<, >Kostümverleih „Scotty Ghost“<, >“Kurfürstlich-Sächsisches Barockensemble Dresden“<, >Lederwerkstatt Marlies FROHNHÖFER<, >“Lichtmalerei“ – Fotodienst Hirche von Birgit HIRCHE (Großkanzler Wolf Dittrich von Beichlingen)<, >“Sächsisches Hofspektakel 1710 e. V.“<, >“STORIET EVENTS“- Veranstaltungsmanagement<, >“Traditionsverein Dresdner Barock e. V.“< , Sabine MARTZ als Einzeldarstellerin (Bürgersfrau, Anna Catherina Gräfin Orczelska) – insgesamt waren 22 Barockfreundinnen- und Freunde beteiligt. Ihnen allen sei gedankt. Schön wäre es, wenn bei der sicher kommenden Zweitauflage der AKB vollzählig wäre und wir mit dem Garnisonshandwerker Bernd SCHALLER, den Renaissancetänzern Johanna und Frank ROLLE, dem Freiherren Calverus von Keilbein (Alexander HÜBNER), dem Historischen Verein Oederan und Andreas KÜHNERT von „Kulttouren“ komplett am Start wären. Gern hätten wir auch unseren Tilo MEIßNER als August II. wieder mit dabei.  

Resümierend können wir feststellen, dass diese unsere Vorstellungsmesse des AKB ein großer Erfolg war, so wie wir es anzunehmen nie gewagt haben. Überrascht waren wir auch von dem großen Interesse was uns die zahlreichen Besucher entgegen brachten. Dresden ist und bleibt eine deutsche Barockstadt von Bedeutung und wir erbringen mit unserer Traditionspflege, dass die Barockzeit auch künftig in unserer Stadt und Region lebt, gedeiht und erhalten bleibt. Was der Wahnwitz des Krieges nicht vernichtet hat, gilt es mit vereinten Kräften zu hegen und zu pflegen. Text und Fotos: Bernd Schwabe

 



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