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Ausflug zum Gohliser Schlösschen am 27.11.2010

                 Das spätbarocke Kleinod mitten im Gründerzeitviertel

Ausflug mit dem AK „Barock in Sachsen“ zum Gohliser Schlösschen in Leipzig (27.11.2010)

Kaum dass wir es noch gewöhnt sind, kam heuer der Winter auch schon mal wieder im November und so mutete uns unsere Fahrt nach Leipzig wie ein Ausflug auf der Puderzuckerallee an. Baum und Strauch längs der Autobahn war dick mit Schnee eingepudert, so wie es die Bäcker um diese Zeit mit dem EU- geschützten „Dresdner Christstollen“ tun. Es war ein herrlicher Anblick, den uns der Wettergott für unseren Winterausflug hingezaubert hat. Als echter Barockfan hat Petrus  den Hauptteil seiner Überplanbestände erst zu Beginn der neuen Woche vom Himmel fallen lassen, dann aber recht maßlos, so dass wir wohl kaum, nach der gewohnten Fahrzeit, in der Messestadt angekommen wären. Aber so konnten wir pünktlich um die Mittagszeit in den Hof des Gohliser Schlösschens einfahren. Mitten in einem Wohngebiet des Leipziger Nordens, - einem der am besten erhaltenen Gründerzeitviertel der Stadt, gelegen, waren wir sehr überrascht, als vor uns plötzlich dieses Kleinod des Spätbarock auftauchte. Trotz einiger Umleitungen, die uns der ADAC- Routendienst nicht angegeben hatte, gelangten wir, dank unseres ortskundigen Mitfahrers Wolfgang PETZOLDT, der viele Jahre Wahlleipziger war, ohne Verzug am Schlösschen an, wo wir schon die meisten AK’er antrafen. Es war Zeit, um dieses herrliche Bürgerschloss in ersten Augenschein zu nehmen. Kein Adelsmann war seinerzeit der Bauherr, sondern der Leipziger Kaufmann und Ratsbaumeister Johann Caspar Richter (1708 – 1770) ließ das Gebäude 1755 – 56 als Sommerpalais für sich errichten. Uns legt es heute noch Zeugnis davon ab, wie selbstbewusst sich das begüterte Bürgertum äußern und dem Adel in vielen Beziehungen Paroli bieten konnte. Selbst einen so angesehenen und berühmten Architekten, wie den Dresdner Landbaumeister Johann Christoph Knöffel,  konnte sich Richter für den Entwurf seines Schlösschens leisten und durch den Stadtbaumeister Friedrich Seltendorff umsetzen lassen. Behindert durch den Siebenjährigen Krieg zog sich der Ausbau bis über den Tod J. C. Richters hin, aber die Zeit schuf einen Hort von Kunst und Kultur, so dass diesen „Musenhof am Rosental“ im Jahre 1785 selbst Friedrich von Schiller und viele andere Geistesgrößen damaliger Zeit besuchten. Seit dem Jahre 1793 ist das Schlösschen per Testament in den Besitz der Stadt Leipzig gefallen, die es seither (mit Unterbrechungen durch Verkauf an Privatpersonen) und ständig ab 1906 im gleichen Sinne als Stätte der Pflege von Kunst und Kultur nutzte. 1998 gab es die letzte große Sanierungsaktion und die „Bewirtschaftung“ durch das städtische Kulturamt. 2003 geschah das Unfassbare, - wegen Geldmangels wurde dieses herrliche Rokokogebäude geschlossen. Doch zum Glück fanden sich Enthusiasten, die sich damit nicht abfinden mochten und so gründete sich der Freundeskreis „Gohliser Schlösschen“ e. V., der das Schloss unter seine Fittiche nahm und es seither wieder einer Nutzung für Kunst und Kultur zuführte. Die Räumlichkeiten werden für Konzert- und Theaterveranstaltungen, Ausstellungen und standesamtliche Trauungen genutzt. Es finden Führungen statt, und einige Räume werden als Café und Restaurant gastronomisch bewirtschaftet. Unser Mann vor Ort, - der AK- Mitstreiter Rudolf FRITZSCHE wohnt unweit des Schlösschens und gab uns den Tipp, doch als Arbeitskreis dem Gohliser Schlösschen mal einen Besuch abzustatten. Wir fanden die Idee sehr gut und so streckte Rudi seine Fühler aus und vermittelte Kontakt zu den Schlossherren. Silvia WEISE vereinbarte dann alles Weitere und so waren wir an diesem Samstag, den 27. November 2010 gern gesehene Gäste als Dresdner Hofstaat im Gefolge des Kurfürsten August I. (Werner POHLE) Im Schloss war ein vorweihnachtlicher Markt, mit vorwiegend kunsthandwerklichen Angeboten, aufgebaut und lockte zahlreiche Besucher an. Das Schlösschen als Musentempel von Leipzig- Nord bekannt, lockten wir wiederum, die Schlossbesucher in den Festsaal, um ihnen dort Musik, Rezitation und Tanz der Barockzeit, - „unserer“ Zeit, zu bieten. Mit freudigem Erstaunen konnten wir feststellen, dass der kleine Saal bald bis auf den letzten Platz besetzt war. Und das durch ein sehr interessiertes, sachkundiges und beifallfreudiges Publikum. Da machte es den Akteuren doppelte Freude und so ließ die „Sächsische Nachtigall“ Hofsängerin Baronessa Regina de Moretti (Regina SCHWABE) von der Zweitstimme der Aurora Gräfin von Königsmarck (Silvia WEISE – beide vom „Kurfürstlich- Sächsischen Barockensemble“) schöne alte Barock- und Volkslieder erschallen. Dazwischen rezitierte die, im AKB zweite,Gräfin von Königsmarck (Ines LAUTERBACH) eigene Texte und Gedichte damaliger Zeit, worin ihr unsere Kurfürstin Christiane Eberhardine (Martina HEGERT – beide von der „Barockbühne Dresden“) in nichts nachstand. Besonders, als sie sich an die zahlreichen Kinder wandte, hatte sie mit ihrem herrlichen Kehrreim-Gedicht die Begeisterung Aller auf ihrer Seite. Gesang und Rezitation erntete kräftiges Händegeklapper, was sich bei den Barocktanzdarbietungen (Tanzmeister Dieter SCHLEGEL) fortsetzte. Angeführt vom Großkanzler Dietrich von Beichlingen (Birgit HIRCHE), der als Hofmarschall agierte, hatten die vier Tanzpaare vom„ Barock- und Tanztheater Dresden“ ihren großen Auftritt und ebenfalls großen Beifall. Wir, alle Robenträger die den Weg nach Gohlis fanden, waren erfreut, dass unser Beitrag, - der übrigens ein Geschenk an die unermüdlichen Erhalter des Schlösschens war, so großen Anklang  bei der Schlossherrin Frau FAH und den Besuchern gefunden hat. Wir hingegen suchten uns eine neue Bühne, die wir im kleinen südseitig gelegenen Barockgarten fanden, der uns als Staffage für eine Fotosession diente und frequentierten auch die, in der Ostarkade gelegene, Schlossgaststätte, wo wir eine für uns hergerichtete Festtafel vorfanden. Hier taten wir uns an Kaffee und Kuchen gütlich und bei freundschaftlichem Plausch verging die Zeit wie im Pfluge und es nahte  schon die Dämmerung. Da kam die Aufforderung, doch dem, in der Nähe gelegenen, soeben erst neu eröffneten „Hoflieferanten“ von Schokolade, Kaffee, Tee, Wein, Säften und vielerlei anderen Köstlichkeiten, einen (avisierten) Besuch abzustatten. Schnell waren wir dort und wurden von den Geschäftsinhabern Fam. BRUNNER mit all den genannten >>Lukullitäten<< gar köstlich bewillkommnet. Wir schieden mit dem Versprechen, das Geschäft bei allen Hofschranzen des Dresdner Hofes wärmstens zu empfehlen. Da auf uns eine Schlossführung durch Frau FAH wartete, eilten wir schnellen Schrittes zum Schlösschen zurück, wo sich diese Unternehmung leider und ärgerlicherweise zerschlagen hatte, was uns aber zusätzlichen Antrieb geben sollte, bald dem Gohliser Schlösschen einen erneuten Besuch abzustatten, um das Versäumte nachzuholen. Inzwischen war nächtliche Dunkelheit gänzlich eingetreten und wir traten die Rückreise an. Wir danken Rudi FRITZSCHE (Darsteller des Prinzregenten Philipp von Orleans) und Silvia WEISE, sowie der Schlossherrin Frau FAH für ihr Bemühen und den schönen Nachmittag in dieser Erlebenswerten Kulturoase Leipzigs. Auch unsere „Schnuppermitglieder“ Ute und Olaf HORN (Darsteller des Grafen von Hoym und Gattin) waren neuerlich von dem Beisammensein mit uns Dresdner Barockdarstellern begeistert und auch ihnen gefiel es hier in Leipzig sehr gut. Mit vielen guten Eindrücken bestiegen Graf und Gräfin zu Nau und das Grafenpaar von Bose ihre Chaise und nach ungewollter Landpartie kamen diese dann irgendwann in der Nacht doch noch wohlerhalten in der Residenz an. Text und Fotos: Bernd Schwabe 

 



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