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11.Hopfenfest in Großkmehlen am 12.09.2010

Wo Hopfen und Malz nicht verloren sind, ein Wasserschloss ohne Wasser steht und die Bevölkerung zu feiern weiß:

11.Schloss -  und  Hopfenfest in der Gemeinde Großkmehlen  am 12. September 2010

 Wir wissen vom Anspruch einiger Dresdner Barockenthusiasten, nie auf Dorffesten präsent zu sein, da man wohl meint, damit Perlen vor die Säue zu werfen. Abgesehen davon, dass auf dem Lande noch keine Übersättigung zu bemerken ist, kann man sagen, das kulturellen Ereignissen hier viel mehr Beachtung geschenkt wird als in mancher Großstadt. In besonderem Maße konnten wir das seit einigen Jahren in der Dreiergemeinde >>Großkmehlen, Kleinkmehlen und Frauendorf<< selbst feststellen. Seit 2006 besuchen wir das dortige Gemeindefest und wurden stets in Herzlichkeit aufgenommen. Als im vergangenen Jahr das 10. Schloss- und Hopfenfest gefeiert wurde, hatte man dieses unter das Thema Barock gestellt und zweitägig veranstaltet. Das damals besonders gespürte Interesse an unserer Traditionspflege hat uns entscheiden lassen, auch heuer wieder nach Großkmehlen zu fahren. Da Begeisterung bekanntermaßen ansteckend ist, konnten wir TDB’er auch die meisten Freunde unseres AK „Barock in Sachsen“ zur Teilnahme bewegen. Also landeten wir am Sonntag, den 12. September in der späten Mittagsstunde in der brandenburgischen (vom Alten Fritz geraubten) Gemeinde an und brachten das herrlichste Sonnenwetter mit. Die Sonne strahlte so intensiv, dass es des Lichtmalers „Kamera obscura“, die wochenlang nur Schlechtwetter kannte, nicht so recht verkraftete und überbelichtet reagierte. Einigen Fotos zu diesem Bericht sieht man dies wohl recht augenfällig an. Zunächst begrüßten wir unsere Freundin Sonja BADERSCHNEIDER und gratulierten herzlich zum runden Geburtstag. Da die 13 eine Glückzahl ist und wir 13 Robenträger waren, konnte nichts schief gehen und wir stürzten uns in den Trubel des Dorffestes. Auch ohne Kurfürst wurden wir als Dresdner Hofstaat erkannt und nach dem der Bürgermeister Herr Dr. Gerd MÜLLER-HAGEN die Eröffnungsrede gehalten hatte, begrüßte er uns persönlich und erkundigte sich gar sehr beflissentlich nach der hochedlen Frau Reichsfürstin Ursula Katharina von Teschen (Renata LINNÉ), die wir alle, bei unserem Tagesausflug, ebenso vermissten. Die beiden Gaukler des >>Duos Obscurum<< stimmten uns mit Laute und Dudelsack darauf ein, dass wir nun unseren Bummel über einen Markt machen würden, der einige Jahre vor unserer Zeit so ausgesehen haben könnte. Liebevoll und originell gestaltete Marktstände, so wie wir sie schon kennen und in Großkmehlen auch erwarteten,  luden zum Verweilen, Naschen und kräftigem, dem Appetit wohlwollend nachgebendem, Zuschlagen ein. Auch das Kuchenbuffet der fleißigen Großkmehlener Hausfrauen ließ das Wasser unter der Brücke zusammenfließen. In unseren Roben hoben wir uns auf dem Festplatz sehr vom mittelalterlichen Einerlei ab, auch und besonders, als den Besuchern eine „Historische Modenschau“ präsentiert wurde. Zunächst, das will ich zugeben, waren wir etwas pikiert, da hier ausschließlich Faschingskostüme vorgeführt wurden, mit den „hübschen“ weiß glänzenden Perücken und einer merkwürdigen Schminkung. Im Verlauf dieses Programmpunktes ging uns auf, dass hier parodiert wurde, was hätte in der Moderation der „Hopfenfee“ mehr zum Ausdruck kommen sollen. Ganze Familien sind hier aufgelaufen und besonders die Kinder waren mit Inbrunst und Begeisterung dabei. Das hat uns schnell versöhnt und vielleicht setzen sich die Akteure, wenn sie die nächste historische Modenschau planen, im Vorfeld mit uns in Verbindung, um die richtigen Bezeichnungen der einzelnen Bekleidungsteile zu erfragen. Vom Markt ging es in den Park, der, im Gegensatz zum Festplatztrubel, eine geradezu wohltuende Ruhe verströmte. Als wir uns am Lustpavillon zum Gruppenfoto postiert hatten, trafen wir eine Besuchergruppe, die soeben einen Vortrag zum Park und Pavillon gehört hatte. Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir gern daran teilgenommen. Die Gruppe wurde vom Altbürgermeister Horst MÜLLER angeführt und unser Wiedersehen verlief in Herzlichkeit. Beim Festumzug, anlässlich der 800. Wiederkehr der Verleihung des Stadtrechtes an Dresden, haben wir uns am 27.08.2006 kennen und schätzen gelernt. Wir stellten Heinrich den Frommen, lutherische Gefolgsleute und den Totentanz nach, die Großkmehlener  traten als Opfer einer Pestepidemie, über und über mit Pestbeulen besetzt, auf und warben in dem Outfit für ihr Schloss- und Hopfenfest. Ich glaube, es war damals Mitleid mit den arg bebeutelten Seuchenopfern, dass wir dann Anfang September 2006 in ihrem Dorf auftauschten. Wieder genesen, bemühte sich damals besonders der Bürgermeister MÜLLER um uns und machte uns mit einer wichtigen Prämisse seines Festes bekannt, - dem „Chmelenbräu“- Schwarzbier! In den Folgejahren waren wir immer beim Dorffest dabei und als es im vergangenen Jahr barockig zuging, und Horst MÜLLER auch in Robe erschien, wurden wir schnell Freunde und so freuten wir uns über die Begegnung im Park. Dem Hinweis Horst MÜLLERS folgend, besuchten wir im Schloss auch die Ausstellung von Hobbymalern. Offenbar mit viel Liebe widmen sich die Freizeitmaler ihrer Liebhaberei, - einige Bilder würde ich mir in der Wohnung aufhängen, und so war man dankbar, von unserem Kunstmaler Günther TOMAS manchen Tipp zu erhalten. Wir landeten natürlich auch wieder im Festsaal mit der bunten Deckenstuckdekoration und unsere <<Dames de la Musici<< konnten nicht widerstehen und prüften auch heuer die Akustik des Raumes. Da diese Prüfung wie immer sehr positiv ausgefallen ist, lockte „Das Ännchen von Tharau“  auch einige Schlossbesucher an. Was wir bisher noch nicht erlebt haben, trat ein, nämlich einige der Besucher sangen bei alten Volksweisen mit. Schön, wie beliebt dieses überlieferte alte Liedgut noch nach Jahrhunderten ist, auch wenn „Musikparaden volkstümlicher Weisen“  verdrängend wirken. Das Barockensemble wird jedenfalls sein Repertoire an alten deutschen Volksliedern ausbauen. Nach Kunstgenuss rief der Magen nach leiblichen Genüssen und auf dem Markt wurden wir entsprechend gut versorgt, auch wenn manche Leckerei, z. B. die frisch geräucherten Forellen stets gerade alle waren… Da Fischeiweiß nicht zu haben war, versuchte es der alte Kämmerer vegetarisch und erwarb eine riesige Fleischtomate abstraktester Form. Mit der einsetzenden Dämmerung hieß es aufbrechen, denn wir wollten in Dresden noch bei der „Museumsnacht“ Kunst genießen. Dass das dann im „Marcolini- Palais“ in Dresden- Friedrichstadt am Neptunbrunnen Gebotene ebenfalls sehr abstrakt sein würde, ahnten wir noch nicht im Geringsten. Erwartungsfroh reihten wir uns in die Schar der Besucher ein, wurden mit Händegeklapper als Hofstaat begrüßt und hatten, nach Beendigung der sehr sehr modernen Performance zum Wasser, Erklärungsnot, warum wir keinen anschließenden Auftritt hätten. Wir waren halt auch nur Besucher. Nach einem Erinnerungsfoto, - Majestät (Werner POHLE) und Gräfin Cosel (Veneta LORENZ) waren wegen des Kunstgenusses dazu gestoßen, tapste Kämmerer und Hofsängerin noch ganz benommen zu ihrer Chaise… „Ach wie schön war es doch beim 11. Schloss- und Hopfenfest“ in Großkmehlen. Gern sind wir 2011 wieder dort, - vermutlich ohne abendlichen Kulturausrutscher“, meint Bernd Schwabe, der diesen Text schrieb und die Fotos schoss.



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