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Herbstrevue des Soldatenkönigs in Königs Wusterhausen,3.-5.09.2010

Herbstrevue des Soldatenkönigs in Königs Wusterhausen (3. bis 5.09.2010):

Ein Geburtstagsevent für 20 Jahre „Lange Kerls“ und 10 Jahre Wiedereröffnung des Schlosses.

 Seit einem Jahr hatte unsere Vorsitzende Silvia WEISE die Einladung von der >>Vereinigung zur Förderung und Pflege der Tradition der Potsdamer Riesengarde 'Lange Kerls' e.V. << vorliegen, worin wir anlässlich der Wiederbelebung der Langen Kerls und der dazugehörigen Vereinsgründung vor 20 Jahren, nach Königs Wusterhausen in das Schlossarial eingeladen wurden. Seither haben wir mit Spannung auf das Herannahen dieses Eventtermins gewartet. Nun endlich am Freitag, den 3. September war es nun so weit, dass wir zu der Stadt starteten, die wir schon so oft auf unserer Fahrt in die Bundeshauptstadt rechts liegen lassen haben. Königs Wusterhausen kennen zu lernen, dazu war die „Herbstrevue des Soldatenkönigs“ ein geeigneter Anlass. Wir wussten im Vorfeld wohl, dass sich die Brandenburger Schlösserverwaltung, was das Befahren des Areals angeht, sehr eng hat, obwohl die Wiesen im Park alles andere als Englischer Rasen sind. Sei es, wie es sei, als wir den Weg vom Auto zum Stellplatz für unsere Zelte zur Kenntnis nahmen, war uns doch zunächst etwas unwohl, - später war uns auch etwas heiß, denn mit der eisenschweren Kohlekarre, die wir glücklicherweise ergattern konnten – andere warteten schon länger darauf – die Tour neun mal zu machen, war schon etwas schweißtreibend. Letztendlich haben wir aber auch das gut überstanden und mit dem Einsetzten der Dämmerung hatten wir wieder abgedampft und konnten viele gute Freunde mit Wiedersehensfreude in die Arme schließen. Es ist schon etwas länger her, dass wir die ehrenwerte Frau von Donnersmark und den Minister Fink von Finkenstein bei einem Event getroffen haben. Umso mehr freuten wir uns gegenseitig über unsere Widerbegegnung. Dabei freute sich der Graf von Schwabe zu Nau über die Bemerkung von Renate SCHULMISTRAD, dass sie sich immer sehr freue, auf der TDB- Homepage über die aktuellsten Events lesen zu können und dabei immer ziemlich brandneu Informationen zu erhalten, ohne selbst vor Ort gewesen zu sein. Das spornt an, auch künftig auf dem Laufenden zu bleiben. Friedrich Wilhelm I. der Soldatenkönig war mittlerweile an diesem Freitagabend auch am Laufen, in dem er die Sponsoren und Ehrengästen erklärend durch das Lager führte. Das war  seit unserem Eintreffen erheblich angewachsen, - ca. 250 Darsteller waren angemeldet – und so mancher Schweißtropfen floss und mancher Fluch stieg gen Himmel, aber letztendlich waren doch alle froh, wenn das Zelt stand und, was die Soldaten angeht, wenn man sich vom Korporal zum ersten Mal bei diesem Event strietzen lassen konnte. Aufgereiht wie Perlenschnüre – exakt nach preußischer Art – standen nun die Zelte der Militärs und das ganze Biwak versprach an den beiden Folgetagen ein Besuchermagnet zu werden. Das traf dann auch ein, denn es gab einige Höhepunkte, die die Neugier der Leute auf ihre Langen Kerls bediente. Zunächst aber feierten wir in die Freitagnacht hinein und bald hatte sich ein buntes Völkchen an den Sachsenzelten versammelt. Unser Freund Steffen LEU (Darsteller des erwachsenen Kronprinzen – was man bei der Lancierung eines Prinzenkindes dazu sagen muss), die Freunde und Freundinnen aus Düren  (Dürener Obristen IG „Friedericus Rex“) der Premierleutnant des Sächsischen Ingenieurcorps Bernd SCHALLER und Gattin Anita gesellten sich neben einigen anderen guten Freunden ebenso zu uns, wie die Tänzer der Potsdamer Gruppe ><les danseurs de Sans, Souci<<, die ihre „Goldene Stimme aus Suhl“ Florian KOHLRAUSCH mitgebracht haben. Bei Gitarrenmusik und irischen Folksongs, aber auch recht frechen Texten, unterhielt uns Flo bis spät in die Nacht. Begleitet wurde er teilweise von der ganzen Truppe, aber auch vom König  inkognito Mike SPRENGER, der eine Art Schlagtamburin betätigte. Da war Stimmung angesagt und es wurde viel gelacht, was dann sogar noch den Grafen GoGo angelockt hat.

Am Samstagmorgen wurden wir nach kurzer Nacht ganz unnachsichtig von den Kommandos irgendwelcher Offiziere oder Korporale geweckt, die schon frühzeitig ihre Truppe in der Mangel hatten. Das letzte Quäntchen Schlaf  vertrieben dann die Tamboure der Riesengarde, die uns lautstark und rhythmisch von unseren Lagern hoch trieben. Die Sonne lacht und da wäre es direkt schade gewesen, diesen Samstagmorgen zu verschlafen. Denn der Tag hatte ein volles Programm aufzuweisen. Es gab Appelle am Schloss, - beim Erffnungsappell gab es Grußworte des Bürgermeisters Herrn Dr. FRANZKE und der Schloss- Kastellanin Frau PREIßE -  die einzelnen Darstellergruppen stellten sich den Besuchern vor, und den Geburtstagskindern der Riesengarde „Lange Kerls“ wurden Glückwünsche und kleine Geschenke überbracht. Der TDB übergab, in Anlehnung an den einst zwischen Sachsen und Preußen tobenden Bierkrieg zwei Fässchen des edlen (sächsischen) Gerstensaftes und unsere Aurora überreichte selber gemachtes Marzipan. Den ganzen Tag über gab es Aufmärsche der verschiedensten militärischen Formationen, Salutschießen und es wurde das harte Soldatenleben damaliger Zeit erläutert und in Exerzierübungen vorgeführt. Es gab sehr starkes Interesse, was man an den Besucherzahlen ablesen konnte. Da gab es wohl in 2010 schon einige Berufsprotestierer, die dem Verein der Langen Kerls an die Gurgel wollten, weil sie glaubten hierin militaristische Tendenzen zu erkennen, aber die Mehrheit der Bevölkerung erkennt doch im Wirken der Riesengarde eine gesunde und notwendige Traditionspflege. „Die Größe eines Volkes liegt in seiner Vergangenheit“  hat mal ein großer Mann gesagt, was man ihm, ausgenommen bestimmter schlimmer 12 Jahre, auch abnehmen will, denn wer keine Vergangenheit hat, der hat auch keine Zukunft. Wir freuten uns besonders über die Präsenz des Soldatenkönigs „Rother Leib-Compagnie des Königsregimentes No.6“, welches durch nicht ganz so lange Kerls (und Weibsen) aus Italien Verstärkung erfahren hat. Es ist erstaunlich, dass es in Italien eine derartige preußische Traditionspflege gibt, wo wir doch im eigenen Lande damit so unsere Schwierigkeiten haben. Es ist jedenfalls sehr erfreulich, dass die beiden Vereine in Freundschaft zusammengefunden haben und es zu solchen gemeinsamen Auftritten wie hier in KW kommt. Die Menge der roten Uniformen, angeführt von den Trommlern und kommandiert von Offiziers, die, nicht nur durch überragende Körpergröße etwas hermachen, sind schon eine Augenweide und können allseits begeistern. Weniger begeisternd war für uns der vom Regimentskoch dargebotene Eintopf. Entgegen der inzwischen angereisten Fürstin Anna- Luise von Anhalt- Dessau, haben wir uns nicht unseren Schlag Suppe abgeholt, sondern dinierten lieber im Lokal des Kavaliershauses oder in der nahe gelegenen Jagdschänke. Hier ließen wir uns edles Wildbret munden und des Abends folgten wir der Einladung des Jubiläums- Vereins und taten uns am Wildschweinbraten gütlich. Nicht nur dem leiblichen Wohle wurde zugesprochen. Auch dem kulturellen Wohlgefallen konnte nachgegangen werden. Zur Mittagsstunde und am späteren Nachmittag lud ein kleiner Saal in einem der  Kavaliershäuser zur Vorführung historischer Tänze ein. Zunächst vom Kavalier KARL ganz herzlich eingeladen, erlebten wir Frank DITZEL und seine Hoftanzgesellschaft „plaisir de la cour“, des Vereins „Potsdamer Rokoko und später offerierte uns Mike SPRENGER, eben noch der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. seine Meistertänzer der Gruppe „les danseurs de Sans, Souci, die musikalisch von den Streicherinnen des Ensembles "Camerata Potsdam" begleitet wurden. Beide Vorführungen haben wir genossen und wir hätten uns sicher geärgert, wenn  wir diese Tanzeinlagen verpasst hätten. So verging der Tag sehr abwechslungsreich, - wir flanierten auch durchs Biwak und verweilten beim Stand des Garnisonshandwerkers, oder den Weißenfelsern aus Barby, oder am Tisch der Fürstin Anna- Luise oder des Grafen Fink von Finkenstein, oder bei der preußisch- brandenburgischen Majestät und und und… Auch neue Bekanntschaften konnten geschlossen werden. Der alte Kämmerer Graf von und zu Nau schloss zwei neue, ganz allerliebste Freundinnen in sein Herz. Zwei kleine Mädchen, die vor einem Jahr noch in Vietnam lebten und ein ganz ausgezeichnetes Deutsch sprachen (nach einem Jahr schon),- sie kamen halt aus einem Land, dessen Hauptstadt Ho. Chi. Minh - Stadt und nicht Ankara heißt! Steffen HORSTMANN soll noch erwähnt werden, er setzte uns TDB’er ins richtige Licht, damit der Verein auch mal mit einem Flyer werben kann, der alle Robe tragenden Mitglieder zeigt. Übrigens begrüßten wir mit dem Fürst von Fürstenberg (Werner POHLE), der Gräfin Cosel (Veneta LORENZ) und dem Grafen Wackerbarth (Günther TOMAS), als Tagesausflügler, weitere Vertreter des Dresdner Hofstaates hier in Königs Wusterhausen. Alle haben wir das Schloss besichtigt. Seit 10 Jahren ist es wieder für Besucher zugänglich,- ein guter Grund diese 10 Jahre zu feiern, denn es wäre doch jammerschade gewesen, wenn das altehrwürdige Gemäuer verfallen wäre!  Schnell war es Nacht und es zog uns zum Schloss, wo der Zapfenstreich zelebriert wurde – zugegeben eine zähe und lang anhaltende Zeremonie – aber die Schattenspiele am Schloss waren doch unseres Hinsehens wert und die Musik der Eichfelder Spielmannszuges war des Hinhörens ebenso wert.. Zu späterer Stunde konnten wir an unseren Zelten u. a. auch wieder die Akteure von „les danseurs de Sans, Souci“ begrüßen. Es soll auch dabei hoch hergegangen sein, aber da hatte es den Chronisten bereits auf seine Lagerstatt gebrettert, so dass er davon nichts mitbekommen hat und daher nichts berichten kann. Der Sonntagmorgen begrüßte uns wieder freundlich, wenn auch etwas windig. Auch an diesem Morgen nahmen wir das von der gastronomischen Einrichtung des Schlosses gesponserte Frühstück im Kavaliershaus ein und so gestärkt, nahmen wir am Morgenaufmarsch- und Appell teil und nach dem Mittag ging es auf die Strassen von KW zum Festumzug. Die Wusterhausener und ihre Gäste begrüßten uns mit begeistertem Händegeklapper. Nach Rückkunft in das Schlossareal erlebten wir mit dem Nageln einer Fahne der Riesengarde eine alte Traditionshandlung, die von skh Dr. Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen begrüßt wurde. Die Schlossherrin, der sächsische Kurfürst und mancher verdienstvoller Teilnehmer durfte einige Hammerschläge tun, was wohl zur Ehre gereichte. Anschließend gab es noch den Abschlussappell, auf welchem unsere Gastgeber ihren Dank an alle Beteiligten aussprachen und diesen mit der Übergabe von Erinnerungskacheln handgreiflich dokumentierten. Ein abschließender Aufmarsch aller beteiligten militärischen Formationen bildete den Abschluss dieses so lange ersehnten Events, welches uns sehr gut gefallen hat. Unser Verein dankt den Organisatoren der  >>Vereinigung zur Förderung und Pflege der Tradition der Potsdamer Riesengarde 'Lange Kerls' e.V. << für die Einladung und das schöne und abwechslungsreiche Event und der Schlossherrin Frau Kastellanin Erika L. PREIßE ist für das genossene Gastrecht zu danken.Danke auch an unseren Freund Mike SPRENGER, der uns als Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. ein überaus guter Gastgeber war. Diese netten Worte seien hier an dieser Stelle geschrieben. Jetzt kommt noch die Stunde Null – 15:00 Uhr – der Abbau kann beginnen, die Jagd nach den Kohlewagen geht dem voran, es fließt wieder viel Schweiß und mancher Fluch geht Richtung Schlösserverwaltung (Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin - Brandenburg), - aber letztendlich haben wir alle dann doch noch alles gut unter Dach und Fach gebracht und gut zu Hause sind wir auch alle gelandet.  Resümierend kann ich sagen, dass die >>Herbstrevue des Soldatenkönigs<< eine gelungene Veranstaltung mit großem Erinnerungswert war. Da kann man sich schon auf den 25. Geburtstag der Langen Kerls freuen. Wir kommen gern wieder zu Euch.  Text und Fotos: Bernd Schwabe

 

 



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