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Gedenkwochenende Oederan 1632 vom 13. bis 15.08.2010

Ein ehrendes Gedenken,  Scharfe Ecke und pralle Rundungen

Ein abwechslungsreiches Wochenende in Oederan – Gedenkveranstaltung zum Jahr 1632

Eine Vorbemerkung für alle Besucher unserer Seiten. Wenn wir zu solchen Veranstaltungen wie hier in Oederan eingeladen werden, dann agieren wir mit dem nötigen Ernst, ganz dem Anlass entsprechend. 1632, der Dreißigjährige Krieg tobte schon 14 Jahre, wurde auch das kleine Erzgebirgsstädtchen Oederan in die Kriegswirren hineingezogen und zahlte einen hohen Blutzoll. Die heldenhaften Verteidiger ihrer Stadt, die letztendlich der Übermacht der Söldnerheere unterlagen, wurden fast völlig niedergemetzelt. Diesen Opfern zu gedenken, eine Idee des Historischen Vereins Oederan – die Lohnjäger e.V., sollte uns auch heute noch eine Pflicht sein. Als wir zu Jahresbeginn um unsere Teilnahme gebeten wurden, haben wir spontan zugesagt, waren doch die „Lohnjäger“ soeben unserem Arbeitskreis >>Barock in Sachsen<< beigetreten. Da gab es kaum Bedenken, auch wenn uns die Schlossnacht zu Pillnitz ebenfalls sehr lockte. Wir fühlten uns hier in Oederan richtig(er), auch wenn wir als Barock- Leute eine Zeitreise in die Vergangenheit unternehmen mussten. Der ernste Teil war unser Mitwirken an diesem Gedenkwochenende, aber was man dauerhaft mit Freude ausüben will, muss auch Spaß, viel Spaß machen. Und den haben wir uns in Oederan am Abend in unserer Scharfen Ecke auch reichlich gemacht, - auch mit scharfen Rundungen. Wir haben viel gelacht und sind dabei noch enger zusammengewachsen. Ja, trotz allem Streben nach hoher Authentizität und fachlicher Untermauerung, auch Spaß muss sein, wenn auch am rechten Fleck und im richtigen Moment. Das war so in Oederan.

Wir waren bereits am Freitagnachmittag angereist und belegten in unserer „Gemischten Sauna“ in der Pensionsgaststätte „Zum Scharfen Eck“ die Betten – Verhältnis 2:3 – Silvia, Regina, Ina und Siggi und ich, haben diese zwei Nächte gut überstanden, trotz einiger nervender Nebengeräusche. Veneta und Werner waren in Nebengelassen untergebracht, wo am Samstagmorgen auch die nachgereisten „Bosens“ Christine und Wolfgang, sowie Günther verfrachtet wurden. Tilo wurde allerdings von Anfang an in strenge Einzelhaft genommen und wurde auf die „Offenbank“ in der Küche verbannt, - schließlich will man ja die Nächte nicht durchwachen. Eine sportliche Leistung vollbrachten unsere drei Mädels – Kerstin, Petra und Sonja, die jeweils nachts nach Hause gefahren sind und morgens pünktlich wieder zu Stelle waren. Da muss wirklich viel Freundschaft zu den „Lohnjägern“ im Spiel sein. Die schon am Freitag angereisten nahmen gegen 19:30 Uhr an der Eröffnungsveranstaltung teil und ließen den Lampion- und Fackelumzug an sich vorbeiziehen. Derweil sorgten Regina und Silvia mit ihrem Kurfürstlich- Sächsischen- Barockensemble und Tilo als August der Starke in der Sparkasse für niveauvolle Unterhaltung der Gäste der Sparkassen- Geburtstagsfeier. Irgendwie verlief sich das Ganze dann und wir landeten im Scharfen Eck und hatten unseren Spaß bis spät in die Nacht.

Der Samstagmorgen, der sich freundlich zeigte und gutes Wochenendwetter prophezeite, erfreute uns mit einem fürstlich- reichhaltigen Frühstücksbuffet, welches uns stärkte und damit dazu beitrug, dass wir die nunmehr einsetzende Invasion von barockem Adelsvolk gut überstanden haben. Die restliche Tanzgruppe des „Barocktheaters Dresden“ traf nebst Tanzmeister ein – uns war gar nicht bewusst, dass die Gruppe so stark besetzt ist, und sorgte in unserem Quartier für viel Umziehchaos. Da fielen die Röcke und es wurden die Mieter geschnürt, Glieselhalter mussten weichen und Hüftspeck wurde angelegt und Strumpfbänder wurden gebunden und … - wir Kerle wurden darob solcher Aktivitäten in die Flucht geschlagen und eilten dem Marktplatze zu, wo es gegen 10:00 Uhr zum Begrüßungsappell der zahlreichen historischen Gruppen – vornehmlich Darsteller von Kriegsvolk aus dem Dreißigjährigen Krieg kam, aber auch der Hofstaat aus Dresden begrüßt wurde. Der Bürgermeister Herr Steffen SCHNEIDER hielt eine kurze Rede, in der er dem Historischen Verein und in Person dem Vereinsvorsitzenden und Lohnjäger Dieter HEINRICH für die Idee „Oederan 1632“ und das aktive Mittun dankte. Gemeinsam mit Dieter HEINRICH vergab er an alle teilnehmenden Gruppen die offizielle Gedenkmünze „Oederan 1632“ (zu Beginn unseres Bildbeitrages zu sehen). Auch unser TDB freute sich über dieses Ehrengeschenk. Es war eines von vielen Dingen, die sich die Oederaner Freunde für ihr Fest und uns haben einfallen lassen. Alles gelang noch nicht rund, aber der erste Versuch war ehrenhaft und es wäre den Oederanern zu wünschen, dass sie ihr Stadtfest „Oederan 1632“ fest im Kulturkalender ihrer Stadt installieren können. Wir sind bestimmt gern wieder mit von der Partie. Zunächst aber waren wir voll im Programm 2010 involviert. Wolfgangs Stück „Wie die Fummel zu ihrem Namen und nach Dresden kam“ wurde aufgeführt und die Tanzgruppe verwandelte einen Teil des Marktes zur Tanzbühne und bot mehrere Barocktänze dar. Dazwischen gab es Gefechtsdarstellungen, so wie sie 1632 in und um Oederan stattgefunden haben könnten und die Darsteller von Söldnern und Tross machten sich zum Gedenkmarsch von Falkenau zurück nach Oederan auf. Dieser Marsch wird vom Historischen Verein Oederan den Opfern sowie Verteidigern der Stadt gewidmet und beschreibt den Weg der einfallenden Söldnertruppen, welche Oederan nieder branden und deren Bewohner auf brutalste Weise niedermetzelte.  Im Oederan von heute hingegen wogte mittlerweile das Leben, - nach dem wir glaubten der Ort sei völlig entvölkert, kamen dann doch noch Massen von Besuchern zum Fest. Ein historischer Markt, die wohl nie fehlen dürfende mittelalterliche Musik, wie schon erwähnt Barocktanz- und Theater und die öffentlich gemachten Feldlager rund um die Kirche „Zu Unseren lieben Frauen“ sorgte für Abwechslung und gastronomisch war auch gut vorgesorgt wurden. Dieses Historische Altstadtfest ging bis spät in die Nacht. Wir hatten uns dann irgendwann  in unsere Scharfe Ecke zurückgezogen und konnten feststellen, dass unser Lokal seinen Namen nicht unberechtigterweise trägt. Verwandelte sich doch eine barocke Dame in gekonnter Weise zum Nackedei, was nicht unbedingt zum weggucken Anlass gab.  Nach dieser Einlage hatten wir noch immer Feierlaune und Grund zum anstoßen, - hatte doch unsere „Cosel“ Veneta an diesem 14.08. Geburtstag. Wir begrüßten an unserer Tafel noch einige Freunde aus der Szene und einige von uns schwangen auch noch das Tanzbein – ganz unbarockig. Nach der Vergabe von Wartemarken für die einzige WC/Tusche und entsprechendem Ausharren bis zum kühlenden und reinigenden Nass, hangelten wir uns dann in unsere Betten, wobei besonders Siggi etwas auf der falschen Fährte war. Letztendlich gelangten wir aber alle in die richtigen (eigenen) Betten. Die Nacht war kurz, das Frühstück gut und reichlich und der Tag war wiederum sonnig und heiß. Viele Teilnehmer zog es zum Gedenkgottesdienst und wir zogen zu dem Areal, der Oederan eigentlich erst so richtig bekannt gemacht hat, zum „Kleinen Erzgebirge“ Das letzte Mal waren wir, Regina und ich, vor ca. 30 Jahren hier und wir waren auf das angenehmste überrascht, wie diese Miniaturausstellung zugelegt hat. Wirklich, was hier zu sehen ist, macht den Besuch zum Erlebnis. Daher hatten wir uns etwas verbummelt, kamen aber gerade richtig um noch weitere historische Darstellungen auf dem Markt miterleben zu können. Wir selbst waren teilweise auch stark umringt und wurden mit Fragen zu „unserer“ Zeit bestürmt. Regina, die Hofsängerin und Silvia hatten ihrerseits den Herrn Pfarrer Dr. Olaf RICHTER bestürmt und die Genehmigung zum Singen von deutschen Volksliedern in der Stadtkirche erwirkt. Eine außerordentlich gute Akustik ließ die dargebotenen Lieder zum besonderen Genuss werden. Obwohl es kein offizieller Programmpunkt war, hatte sich der Auftritt unserer Hof- Nachtigallen herumgesprochen und es kamen viele Zuhörer. Da mussten schon mal ganz persönliche Wunsch- Zugaben gegeben werden… Unser Wunsch wäre gewesen, wenn die berühmte Silbermannorgel gespielt wurden wäre. Vielleicht erleben wir das bei unserem nächsten Mitwirken hier in Oederan. Unmerklich hatten sich draußen am Himmel Bewölkung gebildet, die sich schnell verdichtete und sich immer dunkler färbte. Bis 16:32 Uhr sollte das Fest gehen, aber die mahnenden Zeichen des Himmels trieben uns schon etwas eher in unser Quartier, was gut so war. Kaum hatten wir die Schwelle übertreten, ergossen sich die Himmelsschleusen auf das gar heftigste über Oederan. Gegen 17:00 Uhr machten wir uns dann auf den Heimweg nach Dresden, wo es ebenfalls einen gewaltigen Wolkenbruch gegeben hatte – zwei Eimer Regenwasser waren in der Wohnung, die wir mit gekippten Fenstern zurückgelassen hatten, aufzuwischen. Das war der etwas heftige Abschluss eines ansonsten recht vergnüglichen Wochenendes. Text und Fotos: Bernd Schwabe



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