Print This Page

Historisches Wochenende in Blankenburg vom 6. bis 8.08.2010

Blankenburg lädt herzlich ein – da muss man doch dabei wohl sein.

Historisches Wochenende in Blankenburg vom 6. bis 8. August 2010

Soeben noch in einem Biwak, wie wir es in derartiger Größe und mit den hohen Teilnehmerzahlen bisher nicht erleben durften, starteten wir von Warburg- Ossendorf Richtung Harz um in Blankenburg ein Biwak zu beziehen, dass sich im Laufe der nächsten Tage das Prädikat „Klein- aber superfein“ erringen wird. Zumindest barockseitig, was den Organisationspart von Rita und Norbert ARBANOWSKI angeht, hat dort alles geklappt und die Voraussetzungen für erlebnisreiche Tage wurden wiederum geschaffen. An anderem Standort – viel mehr Zelte als heuer gemeldet waren, kann er nicht aufnehmen – mit herrlichem Blick auf die Stadt und das Kleine Schloss und Teile des Parks , haben wir die Voraussetzungen  für eine gute Fortsetzung schöner Tage vorgefunden. Kaum waren wir mit dem Zeltaufbau fertig, - das Einräumen musste warten, bestürmte uns ein mdr – Kameramann, der unbedingt vor dem Einsetzen der Dämmerung noch Filmaufnahmen von den Barockleuten machen wollte – angemeldet war er für Dienstagvormittag. Da inzwischen unsere Freunde aus Warburg eingetrudelt waren und mit dem Aufbau ihrer Zelte begannen, hatte der Fernsehmann nicht die nötige Ruhe vor unseren Zelten. Aber auf die Idee, in die ruhigeren Gefilde des Parks zum Interviewen auszuweichen kam er nicht. Trotzdem kam dann doch ein ganz ansehender Beitrag heraus, der für das Historische Wochenende werben sollte. Gräfin von Königsmarck (Silvia WEISE) und der Kämmerer (Bernd SCHWABE) flanierten durch den Schlossgarten und machten in wenigen aber aussagekräftigen Worten (Silvias) den Fernsehzuschauern plausibel, warum sie das nächste Wochenende unbedingt nach Blankenburg kommen müssen. Die folgenden Tage verbrachten wir mit Shopping, dem Besuch des Barbiers, Abstecher nach Quedlinburg, Plünderung des Schlachthofes in Halberstadt, dem Ausblick auf Blankenburg mit herrlichen Fotografierwolken, Abendrot, Morgenrot, Nebeldunst und nächtlichen Lichtern der Stadt. Dann bekamen wir immer mal Besuch von den Herren Organisatoren des Brücke- Vereins und hörten vielmals, dass in unseren Mauerdurchlass unbedingt eine Tür müsse, dass während der Sonnabendabendlichen Barockmusik die Springbrunnen abgeschaltet werden, genügend und gute Technik für die Auftritte vorhanden sind ect. ect. - was leider aber alles nicht realisiert wurde. Hingegen klappte am Freitag die Begrüßung mit Rede und Rede und Rede vorzüglich. Aus der Partnergemeinde wurde die 2. Landrätin und ihre Delegation begrüßt und eine Beschallungspanne wurde durch den Stehgreifgesang des polnischen Mädchenchores ausgewetzt. Während die Offiziellen noch mit dem Sektglas in der Hand ihre Zeit am Fasanengarten verbrachten, pilgerten wir wieder Richtung Zeltlager, wo inzwischen auch die Freunde aus Warburg eingetroffen waren, - Tilo und Regina waren schon Donnerstag zu uns dazu gestoßen ( Siggi und die „Bosens“ hingegen mussten Richtung Heimat zurück) und wo wir auch unsere Dürener Obristen samt Damen erwarteten. Bereits Donnerstag hatten wir einen 265. Geburtstag zu feiern – was mit dem 40. von Frank, den beiden 50. von Regina und Tilo, dem 60. von Norbert und dem 65. von Bernd zusammenkam. Wir, die Jubilare haben uns über die Gratulationen und Geschenke unserer Freunde sehr gefreut, aber die Geburtstagslieder – und sei es „Kalinka“, „Kam der kleine Teddybär…“ und „Die Heimat hat sich schön gemacht“ mussten wir uns selber singen. Nur Wolfgang hatte Erinnerungen und sang teilweise mit. Da wir reichlich eingekauft hatten und am Donnerstag doch nicht alle erwarteten Freunde eintrafen, haben wir halt am Freitagabend nochmals getafelt, - schon damit es im Verhältnis zu unseren Dürener Freunden keinen Riss gibt, der sich selbst durch den Schwabe- Schmalz nicht mehr kitten lässt. So aber kamen sie noch zu ihren „Spackfattbemm“ und weiteren guten Sachen und waren es zufrieden (im Gegenzug der „Bärenklau“ war auch nicht von schlechten Eltern.) Auch unsere Warburger baten wir zu Tisch. Allen unseren Helfern, vor allem Rita und Norbert ARBANOWSKI danken wir dafür, dass sie uns geholfen haben dieses schöne Fest zu richten. Da wir mit Ute und Olaf ganz brandneue Barockinteressenten als Schnuppermitglieder im TDB haben, freute es uns besonders, dass sie sich hier in Blankenburg erstmals in Robe zu uns gesellten. Sie sahen beide ganz schnuckelig aus und es hat ihnen beim Historischen Wochenende wohl auch sehr gut gefallen. Ich denke, sie werden uns noch öfter und auch künftig als Vollmitglieder begleiten. Am Samstagvormittag machten wir uns Richtung Kleines Schloss auf den Weg, am Germanenlager vorbei, kreuzten wir die Bergparade – Vereine von Bergleuten mit ihren Fahnen, Schildern und schmucken Uniformen (nennt man die Tracht so?) – und warteten auf den Abmarsch zum Schlosshotel. Auf der dortigen Bühne wurden die Bergvereine und wir begrüßt. Warum dort und nicht am Kleinen Schloss, blieb uns verborgen. Hier waren einige Stände aufgebaut, was aber dem Anspruch eines historischen Marktes in keiner Weise entsprach. Die Händler waren darüber auch nicht sehr erfreut, aber Leute wie der „Fusel- Pirat“ an seinem Schnapsstand, waren trotzdem guter Dinge und haben ihre gute Laune bei uns anstecken lassen. Nach dem offiziellen Einmarsch begaben wir uns in den Park vor dem Schloss, wo wir neu angekommene Freunde begrüßen konnten (Chevalier von Doerschel, Herzog von Braunschweig- Wolfenbüttel nebst Dame u. a,) und uns am dargebotenen Programm erfreuen konnten. Im Harz liefen die 10. Festspiele für Kinder- und Jugendensembles – Teilnehmer aus der Ukraina hatten wir in Quedlinburg schon erleben dürfen- und die Veranstalter hatten aus Frankreich und Litauen Kindertanzgruppen eingeladen, die uns mit ihrem Auftritt regelrecht verzaubert haben. Besonders die letztere, aus 10 jährigen Mädchen und Buben bestehende Gruppe, brachte so viel schwungvolle Folklore auf die „Bühne“ (die leider nur ein zu kurz geratenes Stück Kunstrasen war), mit so viel gespürter Freude und Eifer, dass wir bei der herrschenden großen Hitze regelrechte Angst um die Kondition der kleinen Künstler hatten. Bei jeder geforderten Zugabe, - und das waren nicht wenige, hatte man ein regelrecht schlechtes Gewissen, lief uns doch schon beim Zusehen das Wasser in Strömen über den Rücken. Wir waren alle begeistert, was man am Applaus wohl hören konnte. An den, etwas mehr gewordenen, Bildern in der Galerie, äußert sich die Begeisterung des Lichtmalers. Bis zum Abend flanierten wir, oder naschten von Ritas köstlichem Kuchen, plauderten mit Freunden und ließen es uns gut gehen. Im Abendprogramm stand dann auch der Auftritt unserer Hofsängerin und ihres Barockensembles. Der Adel nahm an einer neuerlichen, noch ungünstigeren „Kunstrasenbühne“ Platz, - angeführt vom Herzog von Braunschweig- Wolfenbüttel und seiner Herzdame, was die Musiker als große Ehre angesehen haben, hat doch der eigene Kurfürst neuerlich der Kunst einen Korb gegeben. Erstaunlich, wie viele Interessenten nach popigster Rockmusik am Geviert ausharrten und den Darbietungen kräftigen Applaus spendeten. Leider bahnten sich einige Damen und Herren mit offensichtlicher Blasenschwäche den Weg zu den Toiletten quer durch die Musiker, oder schwätzten im Hintergrund lautstark. Diese ungünstige Platzierung der Musik, die den Zugang zum WC regelrecht versperrte, war wohl der größte organisatorische Lapsus dieses Historischen Wochenendes. Trotzdem gelangten die Stimme der Hofsängerin und das Spiel ihrer Musiker bis hoch an den Fuß des Alten Schlosses, wo das Barockbiwak war. Die „Fußkranken“ saßen hier wie in der Fürstenloge, mit bester Akustik und anschließend mit besonders gutem Blick auf die Raketen und Knaller des spitzenmäßigen Feuerwerks. Der Sonntagmorgen brachte frühzeitig Bewegung in die Sachsenzelte, denn Regina und Silvia waren frühzeitig gefordert, um auf der Bühne am Schlosshotel ihr Repertoire an alten deutschen Volksweisen darzubringen. Wer sich so früh schon auf den Weg gemacht hat, war angetan und des Lobes voll. Ich muss sagen, es klang auch wirklich gut – was haben wir doch für Schätze in unserer Volkskultur – fernab von Silbereisen und anderen Volkstümlichen! Ich saß so gut und „bequem“ an dieser Bühne und hielt es wie die polnische Landrätin, und harrte auch beim polnischen Mädchenchor aus. Man sollte auch den kulturellen Befindlichkeiten unserer Nachbarn mehr Beachtung schenken, auch wenn in dem Fall der Gesang für meine alten Ohren etwas sehr modern und ungewohnt klang. So die Uhr nicht still stehen blieb, war der Moment gekommen, wo wir wieder Richtung Obermühle den Berg zu erklimmen hatten und die dortige Zeltstadt verkleinern mussten. Nach  dem Zusammensein in Warburg und nun anschließend noch in Blankenburg fiel uns der Abschied von unseren Freunden Annelies, Sabine, Emma, Erna, Dagmar, Rita Brunhilde und  Michael und den anderen Hunnen, sowie Wolfgang, Frank, Norbert, dem „Kerzenzieher“(?),Josef, einem ganzen Bataillon Warburger und Erfurter Soldatenkerls, nebst dem Tross an Marketenderinnen und weiterem Weibsvolk, sowie unseren Dürener Obristen sehr schwer. Es bleibt der Trost, dass es ja immer ein Wiedersehen gibt und das nächste könnte schon in des Preußenkönigs Wusterhausen Anfang September sein! Text und Fotos: Bernd Schwabe



Zurück