Print This Page

2.Dresdner Schlössernacht am 17.Juli 2010

2.Dresdner Schlössernacht am 17.Juli 2010
Ein fröhliches Fest über der Elbe - 2. Dresdner Schlössernacht am 17. Juli 2010
Dresden will feiern, - weitab vom Brückenstreit, sinnlosen Tunneln, Kürzungen bei der Denkmalspflege und was es der hausgemachten Widrigkeiten in unserer Stadt mehr gibt, - das zeigte der neuerliche Besucherandrang bei dieser 2. Schlössernacht an Schloss Albrechtsberg, dem Lingnerschloss und am Schloss Eckberg, welches in seinem Areal den barocken Part des Festes sah - und damit uns, vom TDB, dem Arbeitskreis >>Barock in Sachsen<< und weiteren Darstellern, denen die Vermittlung barocker Lebensart am Herzen liegt. Mit 6000 Karten ausverkauft, kann der Veranstalter Mirco MEINEL einen weiteren Erfolg verbuchen und sehr zufrieden sein. Wir sind es auch, denn unter der Regie der Firma >>STORIED EVENTS<< und dem hohen persönlichen Einsatz von Silvia und Frank WEISE sowie der Unterstützung durch die künstlerische Leiterin des Events Frau Sylvia GRODD, konnten wir als Hofstaat skm August des Starken oder als Barocktanzgruppe, als Schauspieler von Barockbühne und Barocktheater, als Barockmusiker, als Theaterfechtgruppe, Hofpoet, Hofmarschall mit unerschöpflich guten Einfällen und weiteren Darstellungen barocker Persönlichkeiten aus dem Vollen schöpfen und uns ein begeistertes Publikum schaffen. Ehrlich gesagt hatten wir wohl alle nicht damit gerechnet, bei der Fülle von Darbietungen, - es waren mehr als 200 Künstler engagiert, einen solchen, bis zum Ende des Festes anhaltenden, Zuspruch zu haben. Dabei sah das zunächst gar nicht danach aus, denn noch Stunden vor unserem Eintreffen war zu befürchten, dass sich das Desaster mit dem überaus schlechten Regenwetter der vorjährigen >>Schlössernacht<< heuer wiederholen würde. Aber Wettergott Petrus hatte doch noch ein Einsehen und wollte wohl den Dresdnern und ihren Gästen das Fest nicht vermiesen. So schickte er pünktlich jede Menge Sonnenschein und Windstille, den zahlreich eintreffenden Besuchern zur Freude. Die äußerte sich in hellen Mienen und starkem Interesse an unserem Tun und mit viel und lang anhaltendem Händegeklapper. Da machte es große Lust auf barocke Action und unsere kleine „Zeltstadt" wurde zum Lustlager. Zunächst gab uns die gestrenge Oberhofmeisterin (der Ähnlichkeit halber, wohl eine Verwandte der Gräfin von Königsmarck) noch letzte An- und Einweisungen und los ging das barocke Spektakulum. Der Oberhofmarschall Woldemar Freiherr von Löwendal (Stephan REHER), uns noch vom >>Sommerfest am Panometer<< als poentenreicher Bänkelsänger und Possenreißer in allerbester Erinnerung, begrüßte wort- und gestenreich das heranströmende Volk und erwies danach auch dem Adel seine Referenz. Zunächst schleuderte er sein Vivat dem Kurfürsten und König August II. (Tilo MEIßNER) und seiner Gemahlin Christiane Eberhardine (Martina HERGERT) entgegen, die sich ihrerseits auf ihren Logenplätzen auf der Bühne platzierten und nun die hochedlen Gäste bewillkommneten. Zunächst war das die amtierende Sächsische und Zwickauer Schlossprinzessin, die in die Rolle der Enkeltochter skm Majestät geschlüpft war. Aus der weiteren Gästeschar seien u. a. zu nennen, der sächsische Stadthalter Anton Egon Fürst von Fürstenberg (Werner POHLE) in Begleitung der Gräfin Anna Constantia von Cosel (Veneta LORENZ), die Oberhofmeisterin Maria Sybilla Gräfin von Weißenberg (Silvia WEISE), Reichsgraf Christoph August von Wackerbarth (Günther TOMAS), der Stadt- und Platzmajor von Dresden Oberst Karl Alexander Graf von Bose (Wolfgang PETZOLDT), des Weiteren gab sich die Ehre Kämmerer seiner Majestät Bernhardt Heribert Graf von Schwabe zu Nau (Bernd SCHWABE), das Grafenehepaar Heinrich und Christiane Elisabeth von Bünau (Ina HIRCHE, Siegfried SCHURA), gefolgt vom französischen Prinzregenten Philipp von Orleans (Rudolf FRITZSCHE) in charmanter Begleitung von Ursula Katharina Gräfin von Lubomirska Reichsfürstin von Teschen (Renata LINNÈ) und der Gräfin Marie Aurora von Königsmarck ( Ines LAUTERBACH) und selbst der, soeben erst begnadigte, ehemalige und in Ungnade gefallen gewesene, Großkanzler Graf Wolf Dietrich von Beichlingen (Birgit HIRCHE) war auf dem Feste erschienen. Wie sollte die beste Informationsquelle bei Hofe, die Frau Hülchen mit ihren Schwatzbasen (Kerstin DANIEL, Petra TREPTE, Sonja BADENSCHNEIDER) bei solch einem Empfange fehlen? Weitere Hof- und Landadelige wie Joachim Friedrich Graf von Flemming, der Gouverneur von Leipzig und Gemahlin Charlotte Christiane von Watzdorff, verw. von Vitzthum ( Jeannette HOFMANN & Partner Thomas) u. a. stellten sich ihrer Majestät und den Besuchern vor und sie alle erwarteten den besonderen Gast August des Starken, den Herrn aller Reussen und Großfürsten von Moskau, den Zaren Peter I., den man später den Großen nennen wird. Mit „Vivat - es lebe der Zar" begrüßten die hochedlen Herrschaften den hohen Gast (Reinhard LAUTERBACH) aus dem Moskowiter Großreich. So war wohl eine sehr illustre Gesellschaft versammelt, was die Zuschauer sehr erfreute. Noch mehr aber erfreute die Besucher, dass man nicht nur in Robe gekleidet gut aussah, sondern fast ein jeder auch bei einem Programmpunkt beteiligt war. So erlebten sie gut gesetzte Schritte barocken Tanzes und wohlgeformte Töne barocker Musik, wirkungsvoll aufgelockert durch eigene Gedichte und Gesänge, die Pointen des moderierenden Oberhofmarschalls und die Akteure der Theaterfechtgruppe aus Glashütte. Eine bunte Schar von „Spielleuten" sorgte für Plaisier, in dem sie dem zuschauenden Volke nahe brachten, wie die Meißner Fummel zu ihrem Namen kam und in die Residenz nach Dresden. Dieses Stück um die Porzellanerfindung durch Johann Friedrich Böttger (Andreas KÜHNERT) stammt aus der Feder von Wolfgang PETZOLDT, der auch den etwas trinkfreudigen Grafen Bose spielte, der sich mit Böttger besoff und mit der Bäckermamsell „Fummel- Mummel" (Christine BARTEL) anlegte, womit er das Missfallen des Grafen von Wackerbarth (Günther TOMAS) erregte. Das Publikum hingegen wurde zu kräftigem Applaus angeregt. Am Rande des Lustlagers agierte auch eine Majonettenspielerin mit einer Opernaufführung. Bis tief in die Nacht gingen die Darbietungen fort, zum Teil auch noch bis nach dem prächtigen Feuerwerk. Das soll nicht nur bei uns Barockleuten so gewesen sein. Was halt Spaß macht und Freude verbreitet, macht man gern und mit Hingabe und dabei vergisst man schon auch mal gern die Zeit. Ein Wermutstropfen war dabei wohl nur, dass wir kaum aus unserem Geviert am Schloss Eckberg weg kamen und daher so gut wie nichts von der Fülle der weiteren Veranstaltungen mitbekamen. Halt, ganz stimmt das nicht, die rockige Musik der benachbarten Bühne war (leider) nicht zu überhören und von der zarteren Barockmusik kaum zu übertönen!! Hier sollte man beim nächsten Mal etwas mehr Achtsamkeit walten lassen. Unser Publikum half sich damit, dass es der Bühne mit Ensemble und Hofsängerin sehr nahe, auf nun Hörweite, auf die Pelle rückte und bewies damit ein weiteres Mal das große Interesse an barocken Darbietungen. Und noch einer gab seiner Begeisterung Ausdruck, nämlich der russische Zar Peter, der mit seinem Kniefall vor der ehrenwerten Hofsängerin Baronessa de Moretti (Regina SCHWABE) in die (unsrige) Geschichte eingehen wird. Als uns durch das Verstummen rockiger Töne und das Ausbleiben der Besucherscharen angezeigt wurde, dass die diesjährige Schlössernacht zu Ende gegangen ist, versammelten wir uns alle in unserem, von Silvia WEISE wirkungsvoll barock dekoriertem Festzelt und ließen nach dem positiven Stress der letzten Stunden die Beine baumeln, anstoßen und den Tag Revue passieren: „Mit der Dresdner Schlössernacht haben die Veranstalter ein Fest für Dresden installiert, das ein echter Knaller wurde" und uns gern auch im nächsten Jahr sehen wird, wenn die drei Dresdner Elbschlösser wieder im hellen Glanz der Lichter erstrahlen und davon zeugen, dass in Dresden auch mal was auf Anhieb gelingen kann. Eines ist der Stadt und ihrem Ordnungsamt in der Nacht der Schlösser auch noch „gelungen", - nämlich das Vergeben von Knöllchen (auch für uns Darsteller, die wir zum Gelingen der Schlössernacht beigetragen haben) - hier sei die SZ zitiert: „Zwar recht, aber irgendwie billig". Ich staune, dass die nächtens ausgeschwärmten Ordnungshüter das geschafft haben, - ich hielt sie für (nacht)blind, denn vor „Pfunds Molkerei" gelingt diesen Damen und Herren die Vergabe von Knöllchen auch im gleißenden Tageslicht offenbar nie, auch wenn die dort im Parkverbot stehenden Reisebusse den ganzen Verkehr (auch im tiefsten Berufsverkehr) einspurig machen und damit aufhalten! Dankenswerterweise hat der Veranstaltungsboss Herr MEINEL die Sache bei der Stadtkasse übernommen, aber ob damit der schlechte Eindruck den die Schlossnachbesucher vom Rathaus bekamen, beseitigt ist, bleibt fraglich. Ärgern wir uns nicht, - im Gegenteil dieses gelungene Event wird noch lange in uns nachwirken und der besondere Wert unserer Teilnahme als Arbeitskreis >>Barock in Sachsen<< ist das engere Zusammenrücken aller darin mitarbeitenden Barockfreunde und das Kennenlernen weiterer Barockenthusiasten. Text: Bernd Schwabe Fotos: Friedrich Herzog


Hiero sey nochmalen presentiret, wer gar honnet und mit gar fihller distinction zumb Schlösserballe darhier zu Gaste lud oder empfangen wart:


Eröffnung mit Einzug und Vorstellung des Hofstaates und der Gäste

Der Chursächsische Regierungsstaat

Königlich Chur- und Fürstlich Hohe Herrschaft

1. August II., König in Polen und Kurfürst von Sachsen
Von Gottes Gnaden König in Polen, Großfürst in Litthauen, Reußen, Preußen, Masovien, Samogitien, Kyovien, Volhynien, Podolien, Podlachien, Lieffland, Smolenscien, Sewerien und Tschernikovien, erblicher Herzog zu Sachsen, Jülich, Cleve, Berg, Engern und Westphalen, des Heiligen Römischen Reiches Erzmarschall und Churfürst, Landgraf in Thüringen, Markgraf zu Meißen auch Ober- und Unterlausitz, Burggraf zu Magdeburg, gefürsteter Graf zu Henneberg, Graf zu der Mark, Ravensberg und Barby, Herr zu Ravenstein etc. - Augustus Rex - genennet August der Große wiewohl er heutigst der Starke heißet.
und
Ihro Majestät des Allerdurchlauchtigsten Königs in Pohlen und Churfürsten von Sachsen Königliche Frau Gemahlin - Frau Christiana Eberhardine

2. Ihro Majestät des Allerdurchlauchtigsten Königs in Pohlen und Churfürsten von Sachsen Königliche Enkeltochter - Maria Josepha Karolina Eleonore Franziska Xaveria Prinzessin von Polen und Sachsen
und
Hofdame Anett

Des Herrn Stadthalters Fürstliche Durchlaucht

3. Der durchlauchtigste Fürst und Herr - Herr Anton-Egon, des Heiligen Römischen Reiches Fürst zu Fürstenberg/ Werden und Heiligenberg/ Landgraf zu Baar und Stülingen/ Herr zu Hausen im Kitzinger-Thal/ zu Weitra/ Drochtelfingen und Wehrwaag etc. Königlich Majestätischer Hochverordneter Stadthalter in Sachsen
und
Anna Constantia Reichsgräfin von Cosel - aktuelle Dame seiner Majestät zur Linken (Mätresse)

Hoff-Staat

4. Oberhofmeisterin Maria Sybilla Gräfin von Weißenberg (Ansprechpartner für Festgesellschaft und zuschauendes Volk)
und Gemahl
Wilhelm Christoph Graf von Weißenberg zu Ossig - Gesellschafter bei Hofe

5. Hofdamen
Rahel Charlotte Vitzthum Reichsgräfin von Eckstädt, geb. Gräfin von Hoym
(Schwägerin der Reichsgräfin von Cosel)

Henriette Amalie Gräfin Reuß zu Oberkreiz, geb. Freiin von Friesen
(führte sog. "politischen Salon", Liaison mit Fürst von Fürstenberg)

Fräulein Auguste Egenia Hülchen


Militz-Staat

6. Christoph August Reichsgraf von Wackerbarth
(königlich-polnischer und kurfürstlich-sächsischer Generalfeldmarschall, Gouverneur von Dresden, Generalintendant der sämtlichen Gebäude)

7. Joachim Friedrich Graf von Flemming
(auf Lausin/ Martentin-Harthaw/ Goldbach/ Nedeschitz etc. - Generalmajor)
und Gemahlin
Charlotte Christiane von Watzdorff, verw. von Vitzthum

8. Oberst Carl Alexander Graf von Bose
(Platzmajor zu Dresden)

Cammer-Staat

9. Bernhardt Heribert Graf von Schwabe zu Nau
(Ober-Cämmerer, Directeur der Hofcanzley, Gesandter des Hofes in Russisch-Finnland)

Kirchen-Staat

10. Heinrich Graf von Bünau
(Oberkonsistorialpräsident, Wirklicher Geheimer Rat)
und Gemahlin
Christiane Elisabeth Gräfin von Bünau

Etliche conditionierte Künstler und Handthierer

11. Regina Baronessa de Moretti vermählte Gräfin zu Nau - Hofsängerin
12. und der Hofpoet
und
die Kammermusici

13. Balthasar Permoser - Bildhauer
und
Zofe Babette

14. Johann Friedrich Böttger - Alchimist
und
Bäckermamsell S.W.

 

Gäste bei Hofe

15. Philipp II. von Bourbon, Herzog von Orléans - Bruder Ludwig XV.
begleitet von
Ursula Katharina Reichsfürstin von Teschen
(1. polnische Dame zur Linken seiner Majestät (Mätresse))
und
Maria Aurora von Königsmarck - Gräfin von Westerwick und Stegeholm, Pröbstin des kaiserlichen freyen Weltlichen Stiffts Quedlinburg, Freyherrin zu Rothenburg und Neuhauß, Erbherrin in Agathenburg, Niehde, Perdöhl und Nöhmt, wie auch zu Marckwiesholm und Wilcksen - 1. offizielle Dame zur Linken seiner Majestät (Mätresse)


16. Maria Aurora Herzogin vom Klotzscher Königswald
und
Maria Magdalena Gräfin vom Klotzscher Königswald
Maria Theresia Gräfin vom Klotzscher Königswald

17. Wolf Dietrich Graf von Beichlingen - ehemaliger Großkanzler und Oberhofmarschall, 1703-1709 auf Königstein inhaftiert und nunmehro begnadigt.

18. fahrende Schausteller (Theaterfechter)

Ehrengast

19. Seine Allerdurchlauchtigste Kaiserliche Majestät Zar Peter I. von Rußland   /S.W.

 




Zurück