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Sonnenball auf Burgscheidungen am 24.07.2010

Das Fest der Roben, der Musik, der Tänze, der lukullischen Zungenküsse und einer nahezu  perfekten Organisation – DER SONNENBALL 2010 auf Schloss Burgscheidungen.

Westlich der Sektstadt Freyburg liegt, im Sachsen- Anhaltinischen, die Gemeinde Burgscheidungen mit dem gleichnamigen Schloss, welches im Gebiet des Freistaates Thüringen und Sachsen- Anhalts  zu den am besten erhaltenen  Barockbauten zählt, auch wenn der Zeitgeist nachfolgender Epochen manches Ursprüngliche Originale veränderte. Weit über dem Unstruttal gelegen, blickt es einladend ins Land und ruft die Historiendarsteller aus ganz Deutschland und dem Ausland zum Ball, wo sich einst schon die Dame Anna Constantia von Brockdorff, spätere Gräfin von Cosel, als Schlossherrin,  der Balllust hingegeben haben dürfte.

So kamen wir denn mit unseren Kaleschen in das Land von Saale und Unstrut,  dort wo der süffige Wein wächst und sich eine gar wunderbare Landschaft ganz lieblich erstreckt, - mit sanften Höhenzügen, die zumeist dem Weinbau dienen, und kühlen Tälern, aber auch mit schroffen, weit ins Land weisenden Erhebungen, auf denen alte stolze trotzige Burgen thronen, - so wie die Neuburg, welche sich wie eine Wächterin über der Stadt des Weines und „Rotkäppchen- Sektes“ Freyburg erhebt, oder wie das alte „Barockschloss“ von Burgscheidungen. Dieses ehrwürdige Gemäuer sollte letztendlich das Ziel unserer Reise sein – ein jungfräuliches Ziel, denn für die Schlossherren, die Organisatoren und die Ballgäste war es ein neuer Ausrichtungsort für den nun schon mittlerweile traditionellen Sonnenball. Es sei vorweg genommen, dass diese Premiere ein voller Erfolg war. Alles hat gepasst, - das Schloss mit seinen zahlreichen Räumen – vom ruhigen Separée bis zum Saal, der bei Regen auch Ort barocker Tanzschritte hätte sein können, und  kleinere Räume die den unterschiedlichsten Büfetts Platz geboten haben , auch das Außenumfeld mit seinen Terrassen und der Freitreppe waren dazu angetan, den Ballgästen angenehme Momente zu bescheren. Der Schlosshof war zu Konzert- und Tanzbühne umfunktioniert und animierte zum Genuss klassischer Musik oder zu eigenen Tanzschritten. Gut, das Schloss erhebt sich über einem weiten Tal und daher ist der talseitige Park zwangsläufig abschüssig angelegt, - sicher einst eine landschaftsgestalterische Großleistung, nun aber den Sonnenballgästen  etwas beschwerlich um im ausgedehnten Areal zu lustwandeln. Vor allem als es dunkelte und das illuminierte Nachtprogramm am Fuße des Schlossberges stattfand, hatte mancher Besucher seine liebe Not um den richtigen Schritt zu fassen. Aber der herrliche Blick weit hinein in das Weinland hat  für diese kleine Widrigkeit entschädigt. Ehe wir vom TDB diese herrliche Sicht genießen und uns dem Balle ergehen konnten, hieß es zunächst das Quartier aufzusuchen, die Betten schlaffertig herzurichten – es war wohl anzunehmen, dass es beim Ball eine lange Nacht geben wird –.und wir mussten in unsere Roben schlüpfen. Silvia hatte Tilo, Siegfried und als Gast Alrun im Auto und wir brachten Christine und Wolfgang mit. Schon etwas eher als wir waren unsere „Drei Mädels“ Kerstin, Petra und Sonja eingetroffen. Fein säuberlich getrennt nach Männlein und Weiblein bezogen wir unsere Unterkunft, die das evangelische Rüstzeitheim in Thalwinkel , unweit von Burgscheidungen gelegen, war. Einfach, freundlich und sauber, sowie herzlich bewillkommnet, präsentierte sie sich uns. Im Trubel des Einrichtens und des Umziehens bemerkten wir relativ spät, dass uns die Zeit knapp wurde und  so hieß es sich eilen. Nach dem „ausgelost“ wurde, wer sich den ganzen Abend am guten saaleunstrutischen Apfelsaft laben darf, ging es zum Ort des Geschehens.  Vom Parkplatz war es noch ein rechtes Stück Anstieg um zum Schlosstor zu kommen. Durch ein Spalier einheimischer Hobbyfotografen führte uns unser Weg dort hin, wo sich eine bunte Menschenmenge angesammelt hatte und um Einlass begehrte. Hier staute es etwas, denn dem kontrollierenden Blick der Torwache sollte keiner dieser Schlingel durch die Lappen gehen, die eventuell den Eintrittspreis sparen wollten. Zudem war der Ball mit rund 600 Karten völlig ausverkauft. Ob das geschichtsträchtige Schloss zu seiner damaligen Glanzzeit jemals so viele Prinzen und Prinzessinnen, Fürsten und Fürstinnen, Herzöge und Herzoginnen, Grafen und Gräfinnen, Earls, Marquis und Marquisen, Comtes und Comtessen, Chevaliers, Vicomte, Barone, Baroninnen und Baronessen, Lords und Ladys und weitere Adelsleute, König auch, und den Starken August aus Kursachsen gar im Doppelpack, je auf einen Schwung gesehen hat, so wie sie heuer am Tor zum Sonnenball drängelten? Die Zeit wurde mit den Klängen barocker Musici eines Trios von Hofmusikanten verkürzt, welche zur Begrüßung aufspielten und auf das Kommende einstimmten. War man dann endlich – voller Erwartung und Vorfreude – im Schlosshof angekommen, bat der Oberhofmarschall zum Empfangssekt. Wir prosteten uns zu und wünschten uns ein paar schöne Stunden. Nun entdeckten wir den einen oder anderen Freund aus der Barockecke und es gab freudige Begrüßungsszenen. Die Damen aus Blankenburg, Oliver der Chevalier aus Freie Scholle, Regina SCHWITTAI, ein Herr aus Leißnig u. a. m. waren darunter. Wir schritten die Freitreppe hinab, - ja wir schritten, - etwas anderes war der Feierlichkeit des Augenblicks nicht zuträglich,  und genossen den schönen Blick, der jeden Landschaftsmaler auf den Plan gerufen hätte. Wir aber sind keine Ludwig Adrian Richter, oder Caspar David Friedrich, Carus oder Zingg, so dass wir nur unsere Lichtmalerkästchen zücken konnten. Nicht nur die Ferne wurde abgelichtet, rundum gab es die farben- und formenfreudigsten Motive und so manches hochadelige Konterfei wurde geschossen. Mir fiel in dem Moment ein Paar ganz in Grün auf, mit eleganter, etwas außergewöhnlicher Gesichtsbemalung des Herrn, elegantester Robe, was mich den Auslöser mehrmals drücken ließ. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich den ehrenwerten Herrn Grafen von Keilbein mit seiner schönen und wohl dekolletierten Gemahlien vor der Linse hatte. Hinter dem  Grafen„versteckte“ sich unser AK- Freund Alexander HÜBNER, der mit seiner Gräfin geradezu herausstakte aus der Menge wohlfeiner Adelsroben. Tolle Toilette hatten die Herrschaften gemacht, - freilich sah man auch einige (noch erträgliche) Textilien aus Kostümverleihen und leider auch einige wenige unpassende Faschingskostüme. Die absolute Mehrheit war aber eine wirkliche Salix opercularis (Augenweide) – und beschäftigte den ganzen Abend Augen und Objektiv. Besonders attraktiv fand ich die gepuderten  Rokoko- Typen, worunter wir auch unseren Freund Steffan SCHWARZ (Marquis de Noir) ausmachten und wo uns besonders der „Fuchskopf“ gefallen hat und manche Dame, die sich bei genauerem Hinschauen nicht als solche erwies. Kostüm- und Maskenbildnerisches Talent war hier offensichtlich sehr gefragt. Ich meine, nicht die Gäste bildeten den Rahmen des Balles, sie waren der Mittelpunkt - und Konzert, Barocktanz, das hervorragende Büfett, der reichlich fließende Saale- Unstrut- Wein, die vorzügliche (zusätzliche) dekorative Ausstattung der Räume, die nächtliche Performance und das tolle Feuerwerk – alles >>all inklusive<< , waren der Rahmen, wenn auch ein ausgesprochen anspruchsvoller, schöner, erlebenswerter… Wir hatten viel Freude und viel Spaß und haben noch immer viel Dankbarkeit für die Macher mit den hochedlen Kavalieren Steffan und Thomas an der Spitze, denn diese tolle Ballnacht wird uns noch lange in Erinnerung bleiben, - mindestens jedoch bis zum nächsten Jahr, wenn Schloss Breitungen erneut zum Sonnenball lädt.

 

Ein gastronomisches Ende des Balles war nicht auszumachen, es gab bis in den Morgen edle Tropfen für die Kehle und manchen Leckerhappen für die Geschmacksnerven – egal ob deftig oder süß, - aber wenn es langsam Tag wird und die Kondition alter Grafen  und Gräfinnen, von Platzmajoren und Hofsängerinnen und anderen Hofschranzen nachlässt, dann folge man dem Ruf  des Bettes und so steuerten wir unseren Damenstift bzw. unser ev. Männerheim an und ruhten in aller Seeligkeit, denn Majestät wart ein Geschoss tiefer in einer mehr oder w3eniger schalldichten  Klosterzelle umweltfreundlich untergebracht.

Bei ausgiebigem gemeinsamem Frühstück kehrten alsbald die Lebensgeister wieder in uns zurück und nach einem Gruppenfoto mit Heimleiterin (siehe hier in der Galerie) ging es frisch und fröhlich auf den Rückweg. Die Besatzung unserer Chaise wollte aber noch einen kulturellen Umweg machen und so ging es nach Freyburg, wo wir die Neuburg besuchten und angenehm überrascht waren, hier so einige von den Menschen zu treffen, die tags/nachts zuvor noch als Adelsleute, oder Zofen, oder Lakaien beim Sonnenball ihr Vergnügen suchten. Also waren wir in bester Gesellschaft bei unserem Gang in die Historie der Burg.

Wir waren Sonnenballeleven, haben Blut (oder besser Unstrutwein) geleckt und denken, dass diese Ballnacht auf Schloss Burgscheidungen für uns nicht die letzte gewesen sein wird. Das meint Bernd Schwabe, der diesen Text schrieb und auch die Fotos vom Ball machte.



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