Print This Page

Irrgartenfest in Altjeßnitz am 10.07.2010

Barockes Flair in Altjeßnitz
Zu Gast beim Irrgartenfest des Barons Hans Adam von Ende (10.Juli 2010)

 

Brief des Directheurs der Hofcantzeley zumb Dresden skm Cämmerer Graf Bernhardt Heribert von Schwabe zu Nau an seynen Freund den Grafen Christoph Wilhelm von Weißenberg zu Ossig

Mein erlauchtigster hochgeborener Graf von und zu Weißenberg - Ossig,


so erlaubet mir, Euch die besten Grüße aus der Provinz Sachsen, wie welche heutigst zum Königreiche Preußen gehöret, per Kurierreither zu übersendten. So weile ich zumb diesem 10. Tage des Julio anno d. J. d. H. 2010 in dem kleinem Flecken Jessnitzen bei der Anhaltisch- Dessauischen Residenza Dessau gelegen und beehre dorten meynen alten Compagnon den Freyherren Hans Adam von Ende, der allhier die Herrschaft des alten Rackwitz erworbhen hat, nach demen er sich aus unserem schönen Sachsenlande entfernet, oder wie wohl treffligster gesaget werden muss, dieser sich abgesetzet haben. Nun er hier hauset, hat er das Anwesen sehr wohlfein herrichten lassen, dar es vomb Vorbesitzer recht hernieder gewirtschaftet wart. Mit stolz gewölbeter Brust wart ich, der ich meine Gemahlien die Baronessa de Morettin und Gräfin zu Nau an meyner Seithen hatte, durch das Gutsgemäuer geführet, was der olle Ende gar als Schloss zu bezeichnen wagte. Deren er sparsamst die Mittel angewendeth und verfühgbar hat, so fehlet wohl das Eynige und Andere und so habe ich wohl monieret, dass der Ableithung der Himmelsenergie keine Apparatur gewithmet sey. So wolle ihm der Herr nie zürnen und mit Donnergrollen und Blitze seyn Herrenhaus den Flammen aussetzen. In Schnelle ist alles zu Rauche - früher oder späther. Nuno aber warth uns ein gasthlich Haus präsentieret und alle Tafelfreyden dieser Welth kamen uns zutheil. Dem späthen Mittage zu führte uns der Herr durch seyne Gemarktung und zeiget uns ein gar wohl geführet Dörflein.
Alsbalden ergriff den Baron ein heftigsth Uhnruh, denn eyn Meldereither gab ihm kund, dass der Hofstaat vomb Dessau, angeführet von der Fürstin Anna- Luise nahet und ein weitheres Adelsvolck imb ihrem Schlepptaue sich befindet. Der Baron hatte zumb Gartenfeste geladen und erwartete der hohen Gäste viele an der Zahl. Wohl geplanet sey ein Irrgarten vomb besten Bewuchse der Hainbuche gemachet, was der alte Herr wohl künfftiglich eynem seyner Nachfolger ausführen lassen wolle. Gemeynsam mit seyner Gemahlien der Baronin Anna Maria Josepha Magdalena Antonia Helene Friederike Juliane Ernestine Konstanze Dorothea Erdmute Walpurga Bertholdia Josefine ect ect, - die wohl dem Hause zu Guttenberg entstammt und eyne Base der Moretti seyn mag, begrüßet er die Gäste, die unter Trommel und Pfeife, sowie dem ehrend und sichernd Geleith des guth montieret Regiments von Hülsen Nr.21, unther dem Befehle eynes Majors Heinz von Behrens, welchiger ein wacker Soldat scheinet zu seyn, dem Schlossparke zugeleithet wurden. An förderster Statt erwies der Baron seyner nunigen Landesherrin der Fürstin Anna- Luise die Ehre und ebensolch würdige Worte fandt er für die ausländischen Herrschafften, so ich die ehrwürdige schwedische Gräfin von Königsmarck und den sächsischen Grafen und Förderer der hohen Wissenschafften, den Grafen Heinrich von Bünau darunter ebenso erblickte, wie unseren alten Freund und Kämpen, den Stadt- und Platzmajor von Dresden, Oberst Graf Alexander von Bose . Darüber hinauss war wohl auch der gantze hiero ansässige Landadel zumb Feste erschienen. Uns erstaunete nicht schlecht, dass sogaro eyne gantze Compagnie hochadeliger französischer Täntzer, vomb Potsdam kommend, hiero am Rande der Welth erschiehnen sündt. Imb Verlauffe des Festes warth Uns eyne gar köstlich Probe deren exzellenten Tantzkunsth gegeben. Doch vorerstens perlte eyn gar edles Getränke im Glase und der ehrenwerthe Baron von Ende prositete allen seynen wohlfeynen Gästhen willkommnend mit dem goldgelben Champagner zu. Dieser edle Tropfen rann wohl aufs wonniglichste in die Kehlen hinab, so doch der hl. St. Petrus es in seyner Function als Wettergott sehr wohl gemeinet hatte und gar viel brenzlig Hitze über Altenjessnitzen auzuschütten geruhte. Hierunter litten wohl zum meisten die ehrenwerten Tanzkünstler und die Musikusse des Kursächsischen Barockensembles, die angeführet vomb der hochedlen Hofsängerin Reginen de Moretti eynige köstliche Kunstlieder zumb Gehöre brachthen. Zwey offenbar aus dem Königreiche Pohlen stammende Spielmänner brachten zuförderst per Violine und Piano mehrere Stücke Musici zur Aufführung, wobeyen sich der eyne der Solisten als Weyb entpuppte. Von Ende stellte uns auch die Schultheißin Dietschen vor, deren Antheil zumb Gelingen des Festes nicht unerheblich war, so wie sie auch ihren Herrn Gemahl und den halben Ort darfür mit eingebunden hat. Auch konnten wir uns an den Auslagen von allerhand Händlervolck erfreuen und vomb dem Fleiße der anhaltischen Handwerker überzeugen, ebenso von der Süffigkeyth Dessauer Braukunst und eyner gar wohlfeinen den Durst sehr gut stillenden roten Erfindung, die hier zu Orten Fassbrause genennet wirdt. Gebrutzeltes und Gebackenes kam uns auf den Tisch, wobey wir noch heutigen Tages von der kösthlichen Johannisbeertorte Grund zumb schwärmen haben. Ja, so haben Wir auch Grund zu freudigem Zurückdenken und zu Dank dem Gastgeber Baron Hans Adam von Ende und seynen Leuthen. Der Besuch des Irrgartenfestes war keyn Irrthum und Wir bedauern wohl sehr, dass es Euch, meyn lieber Weißenberg, nit vergönnt war darhier mit uns zu feyern, so auf Euren Feldern das Korn am Halme vertrocknet und jegliche Hand jetztens zumb der Erntezeyt gebrauchet wird. Wir hoffen gar sehr, Euch baldigst bey Hofe in der Residenza wieder begrüßen zu können. Einige neue Zeitungen warten darauf, Euch mit dem neuesten Hofklatsch zu versorgen. Da gibt es einige pikante Details, so wie der russische Zar Peter unserer ehrenwerten Hofsängerin bey eynem Schlossfeste schmachtend zu Füßen lag,- wohl darbey ihr Herz berührend, aber dennochen nicht erhörtet wurde. Wie man auch hörte, hat wohl der Graf von Friesen den Dresdner Hof verlassen und sich einer Theatergruppe angeschlossen. Hieren will er wohl seyne krummen Beine zumb Tantze corrumpieren, was Uns wohl eher wie ein Gerücht erscheinet. Ja, gar lustig gehet es bey Hofe zu, man erlebet von Adel bis Bluffadel viel Amüsement und so sey Euch thunlichst anempfohlen gar eyligsth wieder hier mitzuthun.
Dar Uns schon heutigen Tages eyne Eynladung des ehrenwerten Barons von Ende vorlieget, amb Gartenfest nächsten Jahres wieder dorten zu seyn, wollen Wir nit versäumen, Euch und Eurer Dame diese Offerte zuzuleithen. Wir selbigst haben Unsere Entscheidung recontriret, bey nächstigem Panquet im Jessnitzichen darbey zu seyn.

Vivat Dux Saxoniae

Ergebenst grüßet Euch Euer alter Freund Graf Bernhardt Heribert von Schwabe zu Nau, nebigst seyner hochedlen Gemahlien Regina Baronessa de Moretti Gräfin zu Nau.


                                                               Gegeben zu Alten- Jeßnitz amb 10.07. d. J.



Zurück